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1819

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Ereignisse

  • 1819: Im Gefolge der Hep-Hep-Unruhen von 1819 kommt es wieder zu Ausweisungen von Juden (Lübeck).
  • 1819: In Hamburg werden die Juden vom Jungfernstieg vertrieben.
  • 1819: Den Beginn systematisch antisemitischer Karikaturen (zuvor seit dem Mittelalter Motiv der Judensau, dann typisierende Karikaturen von Juden als Wucherern und Betrügern, dann gegen erfolgreiche Juden – Jud Süss, V. H. Ephraim, Rothschild, Disraeli, Meyerbeer, Offenbach – gerichtete Karikaturen) bezeichnen die Stiche von J. M. Voltz zu Sessas (Karl Borromäus Alexander Sessa) Posse "Unser Verkehr", 1819, die besonders in Bilderbögen reichste Nachfolge fanden; bei den wirklichen grossen (nichtjüdischen) Meistern der künstlerischen Karikatur – Hogarth, Cruikshank, Doyle, Daumier, Doré, Toulouse-Lautrec – finden sich kaum aggressive antisemitische Karikaturen; auf der Gegenseite sind Rowlandson, Busch, Oberländer, Forain, Steinlen und Caran d'Ache zu nennen; - Literatur: E. Fuchs, Die Juden in der Karikatur, 1921
  • 20.6.1819-5.10.1880: Jacques Offenbach, geb. in Köln (als Jakob Offenbach, zweiter Sohn des Kantors Isaac Juda Offenbach und dessen Frau Marianne, geborene Rindskopf; sein Vater hatte kurz vor seiner Hochzeit den Familiennamen von „Eberst“ in „Offenbach“ – er stammte aus Offenbach am Main in Hessen – ändern lassen), gest. in Paris, französisch-jüdischer Komponist, Cellist, Kapellmeister und Theaterdirektor deutsch-jüdischer Herkunft; er gilt als Begründer der modernen Operette als eigenständiges und anerkanntes Genre des Musiktheaters; seit 1833 in Paris, leitete er dort 1855-1863 das Bouffes-Parisiens in der Rue du Monsigny, ein Theater, in dem einige seiner Werke – zum Teil Welterfolge, seine Operetten und Parodien durch sprühende Rhythmik und unerschöpfliche Melodik Meisterwerke der Gattung – aufgeführt wurden; er schrieb über 100 Operetten und Gesellschaftsparodien, mit denen er die Entwicklung dieser neuen Ausdrucksform mitbestimmte; Werkauswahl: „Orpheus in der Unterwelt“, 1858; „Fortunios Lied“, 1861; „Die schöne Helena“, 1864; „Pariser Leben“, 1866; „Blaubart“, 1866; am erfolgreichsten war seine Oper „Hoffmanns Erzählungen“ (die Offenbach in völlig neuem Licht zeigte, 1881 uraufgeführt); Offenbach war seit 1844 mit Hermine d’Alcain verheiratet, mit ihr wohnte er bis zu seinem Tod in seinem Haus in St. Mandé bei Paris; 1860 erhielt Offenbach das französische Bürgerrecht und wurde Ritter der Ehrenlegion; nach der Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 verblasste Offenbachs künstlerischer Ruhm; das Pariser Publikum mied ihn wegen seiner deutschen Herkunft; in gewissen Kreisen wurde er sogar als deutscher Spion verunglimpft; zudem änderte sich der Zeitgeschmack; „Les Contes d’Hoffmann“, ein Spätwerk nach seiner Rückkehr von einer USA-Tournee, ist heute neben Bizets Carmen die meistgespielte französische Oper; nach seinem Tod am 5. Oktober 1880 wurde Offenbach auf dem Friedhof Montmartre beigesetzt; im Jahr 2003 wurde durch Zufall eine Offenbach-Komposition aus dem Jahre 1858 entdeckt: „L’Abeille Maya“ („Die Biene Maja“); bei dem vergnüglichen Stück geht es um die Reise einer jungen Biene durch die abenteuerliche Welt der Wiese; Maja verspürt wenig Lust, Honig zu sammeln, sie möchte den Menschen kennen lernen; auf ihrem Weg begegnen ihr Grashüpfer, Libellen, Glühwürmchen, Spinnen, Eintagsfliegen, Motten, Hornissen, Marienkäfer und Regenwürmer; vielleicht war das die Vorlage für Waldemar Bonsels berühmtes Buch aus dem Jahr 1912, das die Biene Maja berühmt machte?
  • August 1819: Die Reaktionen im Volk auf bürgerliche Emanzipation und intellektuelle Juden-Aversion liessen nicht lange auf sich warten. Im August 1819 breitete sich mit den Hep-Hep-Unruhen eine gewaltsame Krawallserie von den deutschen Grossstädten bis Kopenhagen und Amsterdam aus. Politisch und ökonomisch unzufriedene Handwerker, Bauern und Studenten gaben die Schuld an den Problemen der frühkapitalistischen Industrialisierung den Juden. Sie plünderten und zerstörten deren Häuser und Geschäfte, steckten Synagogen in Brand, misshandelten und ermordeten Juden mit dem Kampfruf: „Nun auf zur Rache! Unser Kampfgeschrei sei Hepp, Hepp, Hepp! Allen Juden Tod und Verderben, ihr müsst fliehen oder sterben!“ – „Hep“ wurde als Abkürzung eines alten Kreuzfahrer-Rufs „Hierosolyma est perdita“ (lat. „Jerusalem ist verloren“) und damit als Anspielung auf die Massaker der Kreuzzüge oder als Aufforderung „Springt, haut ab!“ analog zu Tieranrufen gedeutet. In den Flugblättern und Parolen der Krawallmacher wurden Juden als „Christusmörder“ angegriffen. Hier kam die langanhaltende kirchliche Indoktrination zum Vorschein. Die Aufklärung hatte also nur eine schmale Schicht von Gebildeten erreicht, von denen auch nur wenige das Judentum und seine Emanzipation vorbehaltlos akzeptierten. Sie wurden nicht von der Masse der Bevölkerung getragen.

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