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Liechtensteiner Heimatdienst

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Der Liechtensteiner Heimatdienst (LHD) war eine politische Bewegung die sich gegen den Parteienstaat wandte und für die Umwandlung Liechtensteins in einen Ständestaat eintrat. Während der Zeit seiner Existenz blieb der Heimatdienst jedoch relativ erfolglos und konnte nur einen geringen Teil der Bevölkerung für sich zu gewinnen.[1]

Geschichte

Der Liechtensteiner Heimatdienst wurde am 1. Oktober 1933 in Vaduz gegründet[2] und war teilweise von dem Vorarlberger Heimatdienst und der Vorarlberger Heimwehr inspiriert. Die in den 1930er Jahren in Vorarlberg und ganz Österreich aufkommenden Ideen des Ständestaates wirkten sich damit auch auf Liechtenstein aus. Bereits Ende 1933[3] verliesen Parteipräsident[4] Eugen Schafhauser und einige andere der 15 Gründungsmitglieder den Heimatdienst, da sich dieser zunehmend nationalsozialistischem und antisemitischen Gedankengut zuwandte. Obgleich der Heimatdienst von den Vorarlberger Organisationen inspiriert war und einige Ideen übernahm, hatte er mehr Gemeinsamkeiten mit der Schweizer Frontenbewegung.[5][6]

Am 9. Dezember 1934 hielten Anhänger des Heimatdienstes eine größere Demonstration in Vaduz ab und forderten den Rücktritt der Regierung sowie Neuwahlen.[2][6]

Anfang 1935 begann der Heimatdienst mit der Christlich-sozialen Volkspartei (VP) zusammenarbeiten. Als „Nationale Opposition“ bemühten sie sich das bisherige Majorzverfahren bei den Landtagswahlen durch die Proporzwahl zu ersetzen.[7] Anfang Januar 1936 fusionierten der Heimatdienst mit der erheblich mitgliederstärkeren Volkspartei zu der Vaterländischen Union (VU). Während es nun in der neuentstandenen Partei einigen ehemaligen Führungsmitgliedern des Heimatdienstes, wie unter anderem Otto Schaedler oder Alois Vogt, gelang wichtige Positionen einzunehmen, konnten sich die politischen Ansichten des Heimatdienstes nicht durchsetzen.[7] Das Programm der Volkspartei orientierte sich größtenteils an der Volkspartei.

Einige enttäuschte ehemalige Mitglieder des Heimatdienstes wurden später in der Volksdeutschen Bewegung in Liechtenstein aktiv.

Organisation

Ursprünglich von 15 Männern gegründet, besaß der Heimatdienst während seines Bestehens bis zu 300 Mitglieder. Ungefähr 200 davon gehörten dem „Sturmtrupp“, einer innerhalb des Heimatdiensts existierte Jungmannorganisation, an.[5] Der Sturmtrupp orientierte sich in Gestik und Symbolik an der Sturmabteilung (SA) der NSDAP.[8]

Vom 14. Oktober 1933, zwei Wochen nach seiner Gründung, bis 1935 veröffentlichte der Heimatdienst eine eigene, ein- bis zweimal wöchentlich erscheinende, Zeitung mit dem Namen „Liechtensteiner Heimatdienst. Stimme für heimische Wirtschaft, Kultur und Volkstum“.

Historische Bewertung

Als Ausgangspunkt für die Gründung des Heimatdienstes wird zum einen die Parteiverdrossenheit in den 1930er Jahren, ausgelöst unter anderem durch Uneinigkeit zwischen den bestehenden Parteien, der Sparkassa-Affäre und der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage, zum anderen aus dem Ausland kommende politische Ideen betrachtet. Zeitgenössische VP-Politiker gaben der Wahlrechtsreform von 1932, die ihrer Meinung nach ein stark nachteiliges Wahlgesetzt, eine Mitschuld an der Entstehung des Liechtensteiner Heimatdienstes.[7]

Der Heimatdienst erweiterte die bis dahin aus zwei Parteien bestehende politische Landschaft Liechtensteins und sorgte als zweite Oppositionspartei und seine Ablehnung der gestehenden Ordnung für weitere politische Unruhe. Durch seine Zusammenarbeit und spätere Vereinigung mit der Volkspartei veränderte er die politische Landschaft bleibend. Gleichzeitig gelang es dem Heimatdienst nicht, Gesellschaft und politisches System wie gewünscht neuzugestalten. Dazu waren die seit 1918 gestehen Parteien schon zu tief in der Bevölkerung verwurzelt.[9] Vielmehr wurde der Heimatdienst, anders als die im Juni 1933 gründete NSDAP-Ortsgruppe Liechtenstein[10], erster Ausdruck einer genuinen liechtensteinischen Bewegung, die sich später in der Volksdeutschen Bewegung fortsetzte.

Literatur

  • Ursula Büttner, Werner Jochmann, Angelika Voss: Das Unrechtsregime: Internationale Forschung über den Nationalsozialismus. Ideologie, Herrschaftssystem, Wirkung in Europa (1986)
  • Peter Geiger: Krisenzeit: Liechtenstein in den Dreissigerjahren, 1928-1939, Band 1 (2000)
  • Peter Geiger: Kriegszeit: Liechtenstein 1939 bis 1945, Band 1 (2010)
  • Peter Geiger: Die Rolle Feldkirchs und Vorarlbergs für Liechtenstein 1938/39

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stefan Hansen: Politisches System Des Kleinststaates Liechtenstein (2007)
  2. 2,0 2,1 Werner Haas: Europa will leben (1936)
  3. Eintrag zu Eugen Schafhauser auf www.e-archiv.li
  4. Der Heimatdienst ruft zum Beitritt auf, 14. Oktober 1933, Liechtensteiner Heimatdienst. Stimme für heimische Wirtschaft, Kultur und Volkstum
  5. 5,0 5,1 Peter Geiger: Krisenzeit: Liechtenstein in den Dreissigerjahren, 1928-1939, Band 1 (2000)
  6. 6,0 6,1 Hanspeter Lussy, Rodrigo López: Finanzbeziehungen Liechtensteins zur Zeit des Nationalsozialismus Band 1 (Unabhängige Historikerkommission Liechtenstein Zweiter Weltkrieg, 2005)
  7. 7,0 7,1 7,2 Arno Waschkuhn: Politisches System Liechtensteins: Kontinuität und Wandel (1994)
  8. Zuflucht auf Raten – Liechtenstein und die Juden, Ausstellung im Küefer-Martis-Huus, 13. Mai 2010 bis 6. Februar 2011
  9. Fürst und Volk: Parteien in Liechtenstein 1921 bis 1943
  10. Eintrag zur Ortsgruppe Liechtenstein der NSDAP auf www.e-archiv.li


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