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Atraḫasis-Epos

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Epos-Bruchstücke der 1. Tafel
(British Museum)

Das Atraḫasis-Epos (auch Atraḫasis-Mythos, Atrachasis-Epos, Atramḫasis-Epos, Atramchasis-Epos) verfasste ein unbekannter Dichter wahrscheinlich um oder vor 1800 v. Chr. Der altbabylonische Schreiber Nur-Ajja überarbeitete das Werk im 12. Regierungsjahr des Ammi-saduqa. Daneben existieren noch weitere babylonische Fragmente. Weitere Abschriften und Überarbeitungen folgten im ersten Jahrtausend v. Chr.

Geschichte

Das Epos, das verschiedene sumerische Themen kombiniert und ältere mythologische Vorstellungen beinhaltet, entstand ohne direktes sumerisches Vorbild. Die mythologischen Vorstellungen verarbeitete der unbekannte Dichter zu einem in dieser Form neuen Epos, ohne eine Theogonie zu berücksichtigen, die möglicherweise in einer eigenen Überlieferung Berücksichtigung fand. Die Sintflutgeschichte im Atraḫasis-Epos fand Eingang in das Gilgamesch-Epos. Dort wurden Teile des Atraḫasis-Epos teilweise fast wortwörtlich übernommen, ohne jedoch auf die Vorgeschichte einzugehen.

Tafel 1

Als die Götter wie die Menschen arbeiten mussten, gab es Streit zwischen den Anunnaki und den Igigu, den niederen Göttern. Während die Igigu das Land bearbeiteten und die Flüsse Euphrat und Tigris schufen, teilten die Anunnaki die Welt unter sich auf. Die Igigu planten daraufhin den Aufstand. Nachts umzingelten sie die Wohnstatt von Enlil. Enlil war überrascht und rief nach Anu und Enki. Nusku versuchte mit den Aufständischen zu verhandeln, hatte jedoch kein Glück. Daraufhin ließ Enlil die Muttergöttin rufen und verlangte, dass sie den Menschen erschaffen solle. Nintu erklärte, daß sie nur mit der Hilfe von Enki den Menschen erschaffen könne. Enki willigt ein und verfügt, dass alle Götter sich reinigen müssten. Am ersten, siebten und fünfzehnten Tag vollführte er ein Reinigungsritual, indem er den Gott Geštue schlachtete und die Götter in dessen Blut badeten. Unter Paukenschlägen schuf er das Wesen Widimmu aus dem Lehm des Abzu und beschmierte es mit dem Blut des Gottes Geštue. Die Muttergöttin legte ihm den Tragkorb auf und verfügte, dass er von nun an für die Götter arbeiten müsse.

Hier gibt es eine Textlücke, wo beschrieben worden sein muss, wie aus dem Wesen Widimmu ein Mann und eine Frau wurde.

Die Muttergöttin bestimmte, dass Mann und Frau einander finden und ein siebentägiges Liebesfest für Ištar feiern sollen. Nach neun Monaten soll die Frau dann gebären.

1200 Jahre später haben sich die Menschen so sehr vermehrt, dass sie mit ihrem Lärm die Götter stören. Enlil ist empört und beschließt, dass der Unterweltgott Namtar einen Teil der Menschen mit Frostfieber hinwegraffen soll. Doch Enki warnte seinen getreuen Priester Atraḫasis und rät ihm, nicht mehr die anderen Götter anzubeten, sondern nur noch Namtar. Namtar war davon so geschmeichelt, dass er aufhörte, die Menschen zu töten.

Tafel 2

Nach 1200 Jahren wurden die Menschen lauter und lauter. Wie eine brüllende Stierherde streiften sie umher. Weil Enlil nicht mehr schlafen konnte, schickte er den Wettergott Adad und 1200 Jahre später die Fruchtbarkeitsgöttin Nisaba, um das Land auszudörren und die Ernten vertrocknen zu lassen. Doch Enki verriet seinem Priester Atraḫasis jedes Mal, was zu tun war. Man opferte nur noch Adad und Nisaba, die anderen Götter ließ man hungern. Adad und Nisaba waren dadurch so beschämt, dass sie ihr Unterfangen einstellten. Enlil erboste gegen Enki und verfügte, dass eine gewaltige Strafe die gesamte Menschheit dahinraffen solle. Zusätzlich ließ Enlil Enki vor den Anunnaki schwören, nicht mehr mit den Menschen zu sprechen. Anschließend versammelte er die Götter, um die Sintflut zu entfesseln.

Tafel 3

Enki jedoch ging zu seinem Priester Atraḫasis und wartete, bis dieser sich in seiner Schilfhütte zum Schlafen hinlegte. Zur Schilfwand gewandt, erzählte er dieser, was Atraḫasis tun solle. »Trenne dich von deinem Haus, baue ein würfelförmiges Schiff, verschmähe dein Hab und Gut, rette dein Leben.« Das Schiff sollte rundum wasserdicht und von oben wie von unten verschlossen sein. Atraḫasis solle Fische und Vögel für sieben Nächte mitnehmen und die Sanduhr auf sieben Tage stellen. Atraḫasis verließ also sein Hab und Gut und baute mit anderen Menschen ein würfelförmiges Schiff. Seine Nachbarn und Verwandten lud er ein und richtete für alle ein großes Fest aus. Er selbst jedoch konnte nicht essen, weil ihm Übel war vor Angst über die Strafe der Götter. Als Adad die Wolken versammelte, ging man in das Schiff und versiegelte es mit Erdpech. Als die Winde in allen Ecken der Welt anfingen zu brüllen, zerschnitt Atraḫasis das Tau, und wie ein Topf wirbelte die Arche auf den Wellen der Sintflut. Wie außer sich war Enlil in seiner Wut; die Götter hungerten jedoch, da die Menschen ihnen nichts mehr opferten. Die Götter weinten ob der Zerstörung.

Hier fehlen wieder Zeilen, die sich aber nach dem Gilgamesch-Epos ergänzen lassen. Nachdem die Arche an dem Berg Nisir gestrandet ist, sendet Utnapištim (der Name von Atraḫasis im Gilgamesch-Epos) nacheinander drei Vögel aus, eine Taube, eine Schwalbe und einen Raben. Der Rabe kehrte nicht zurück, und so wusste Utnapištim, dass das Land wieder begehbar war.

Atraḫasis stieg aus der Arche und opferte allen Göttern. Und da die Götter so lange gehungert hatten, versammelten sie sich wie Fliegen über dem Feuer auf dem Altar. Enlil war immer noch wütend auf Enki, weil durch seine Hilfe Menschen überleben konnten. Enki fand jedoch eine Lösung. Er verfügte, dass die Menschen von nun an sterblich sein und schon von Geburt an Leid und Tod kennen sollten, dass es unfruchtbare und unberührbare Frauen geben solle und somit die Vermehrung der Menschen reguliert werde. Damit konnte sich Enlil begnügen und Frieden mit Enki schließen[1].

Siehe auch

Literatur

Anmerkungen

  1. von Soden 1990. S.612ff


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