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Terroranschlag in Barcelona am 17. August 2017

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Route des Lieferwagens während des Anschlags auf La Rambla in Barcelona

Beim Terroranschlag in Barcelona am 17. August 2017 fuhr ein Attentäter mit einem Lieferwagen durch eine Menschenmenge auf dem Boulevard La Rambla im Zentrum von Barcelona. Dabei wurden 13 Menschen getötet und mindestens 119 Menschen verletzt. Auf der Flucht erstach der Attentäter eine weitere Person.[1][2]

In der darauffolgenden Nacht wurden in Cambrils fünf Männer, die in einem PKW fuhren und mutmaßlich eine Messerattacke planten, von der Polizei gestellt. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd, bei der sie eine Frau töteten und sieben Menschen verletzten, wurden sie von den Polizisten erschossen.[1]

Die Vorfälle wurden von den örtlichen Sicherheitsbehörden als dschihadistischer Terroranschlag eingestuft.[3][4] Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ hat über ihren Nachrichtenkanal Amaq den Anschlag für sich reklamiert.[3] Nach Ermittlungsangaben sollen beide Anschläge von derselben zwölfköpfigen, islamistischen Terrorzelle ausgeführt worden sein. Die Zelle plante eigentlich Bombenanschläge in Barcelona. Das Sprengstoffmaterial detonierte jedoch versehentlich am Vortag der Anschläge in der Bombenwerkstatt der Terrorzelle in Alcanar, wobei der mutmaßliche Kopf der Zelle Abdelbaki Es Satty und ein weiteres Terrormitglied getötet wurden.[1]

Verlauf

Explosion in Alcanar

Am Morgen des 16. August 2017 ereignete sich in der Gemeinde Alcanar, 200 Kilometer südlich von Barcelona, in einem Wohnhaus eine Gasexplosion, die das Gebäude vollständig zerstörte.[5] Dabei wurden mindestens zwei Menschen getötet und sieben Menschen verletzt.

Die Polizei fand 120 Butan- und Propangasflaschen in den Ruinen des Hauses.[6] Sie geht davon aus, dass eine Terrorzelle um den Imam Abdelbaki Es Satty hier beim Versuch, aus umgebauten Butangasflaschen und Acetonperoxid Bomben zu bauen, eine Explosion auslöste, durch die zumindest Abdelbaki Es Satty und ein weiteres Terrormitglied getötet wurden.[7][8] Nach dem Geständnis von Mohamed Houli Chemlal sollten mit den selbstgebauten Bomben Anschläge auf die Sagrada Família und andere Gebäude verübt werden.[9][10][11][12]

Nachdem bei dem Unfall das Sprengstoffmaterial zerstört wurde, entschied sich die Terrorzelle kurzfristig für die Taten in Barcelona und Cambrils.[13][14]

Anschlag in Barcelona

Am 17. August 2017 fuhr gegen 16:50 Uhr ein weißer Fiat Talento[14] mit hoher Geschwindigkeit von der Plaça de Catalunya auf die Rambla, fuhr 530 Meter auf dem für Fußgänger vorgesehenen Mittelteil der Promenade – durch die Menschenmenge – nach Süden und kam mit eingedrückter Front auf dem Pla de l’Os, mitten auf einem Straßenmosaik von Joan Miró zum Stehen.[1] Der Fahrer des Wagens floh zunächst zu Fuß, erstach später den Fahrer eines parkenden Autos und fuhr dann mit dem Auto davon.[2] Polizei und Guardia Civil sperrten das Gebiet am späten Nachmittag großräumig ab, evakuierten den Bereich um die Plaça de Catalunya sowie den Umkreis des Tatorts und leiteten eine Großfahndung ein. Die Metro-Stationen in der Umgebung des Tatorts wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Verhinderter Anschlag in Cambrils

In der Kleinstadt Cambrils, rund 120 Kilometer südlich von Barcelona, wurden in der Nacht vom 17. auf den 18. August 2017 fünf mutmaßliche Terroristen erschossen. Die fünf Personen waren in einem Fahrzeug unterwegs, trugen Sprengstoffgürtelattrappen und waren bewaffnet. Patrouillierende Polizisten wurden auf das Auto des Typs Audi A3 aufmerksam. Als der Fahrer zum Anhalten aufgefordert wurde, gab er Gas. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd überfuhr der Audi auf einem Zebrastreifen eine Frau, die wenig später starb. An einem Kreisverkehr prallte er auf einen Polizeiwagen, überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Die fünf nur leicht verletzten Männer krochen aus dem Wagen. Sie liefen dann mit einer Axt und Messern bewaffnet auf einen Polizisten zu. Dieser erschoss vier der fünf Angreifer. Der fünfte fliehende Terrorist wurde nach etwa 100 Metern von einem anderen Polizisten gestellt. Als der Polizist angegriffen wurde, eröffnete er das Feuer. Der angeschossene Terrorist starb später.[15]

Nach Einschätzung der Ermittler planten die fünf in Cambrils erschossenen Männer, auf der dortigen Strandpromenade möglichst viele Personen zu erschlagen und zu erstechen.[16]

Opfer

Bei den Anschlägen in Barcelona und Cambrils starben insgesamt 15 Menschen, acht Männer und sieben Frauen,[17] zwei davon Kinder, und über 119 wurden verletzt. Die Opfer entstammen 34 verschiedenen Nationalitäten.[18]

Tatverdächtige

24px Dieser Abschnitt beschreibt ein laufendes Ermittlungsverfahren. Die Informationen können sich deshalb rasch ändern.

Nach Angaben der katalanischen Polizei soll für die Anschläge von Barcelona und Cambrils eine zwölfköpfige islamistische Terrorzelle verantwortlich sein, die aus Katalanen marokkanischen Ursprungs und Marokkanern im Alter von 17 bis Mitte 30 bestand, die in der nordkatalanischen Stadt Ripoll lebten.[1] Anführer der Zelle war der Imam Abdelbaki Es Satty, der in der Annour-Moschee in Ripoll predigte und die anderen Mitglieder dort radikalisierte.[19]

Acht der zwölf Mitglieder der mutmaßlichen Terrorzelle sind tot, die anderen vier befinden sich in Haft. Die acht Getöteten sind Es Satty und eine weitere Person, die bei der Gasexplosion von Alcanar starben, die fünf Personen, die von der Polizei in Cambrils erschossen wurden, sowie der 22-jährige Marokkaner Younes Abouyaaqoub, der den Anschlag in Barcelona verübte und am 21. August von Polizeikräften in Subirats erschossen wurde.[20]

Nach Aussage des Terrorexperten Fernando Reinare stand Es Satty seit mehr als einem Jahrzehnt mit Dschihadisten in Katalonien und in Brüssel in Kontakt, darunter auch mit Terroristen, die an den Madrider Zuganschlägen von 2004 beteiligt waren.[21]

Reaktionen

Datei:Ofrena floral a la Rambla (1).jpg
König von Spanien bei Trauerfeier

Spitzenpolitiker, Vertreter internationaler Organisationen, Vertreter von Religionsgemeinschaften sowie andere Personen des öffentlichen Lebens äußerten ihr Beileid und ihre Solidarität mit den Betroffenen und im Kampf gegen den Terrorismus.[22] Der katalanische Regionspräsident Carles Puigdemont i Casamajó, die Bürgermeisterin Barcelonas Ada Colau und der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy brachen ihre Urlaube ab und begaben sich nach Barcelona, um an den Sitzungen des Krisenstabes teilzunehmen.[23] Rajoy, der wegen des wahrscheinlich terroristischen Hintergrundes die Koordinierung übernahm, wurde dabei von der stellvertretenden Ministerpräsidentin Soraya Sáenz de Santamaría und dem Innenminister Juan Ignacio Zoido begleitet.[24]

Folgen

Für Freitag, 18. August, rief Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau zu einer Schweigeminute an der Plaça de Catalunya auf. Nach der katalanischen Regierung ordnete auch der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy eine dreitägige Staatstrauer an.[25]

Das deutsche Auswärtige Amt gab einen Reisehinweis für Barcelona heraus. Reisenden wurde geraten, die Ramblas weiträumig zu meiden, den Anweisungen der Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich über die lokalen Medien zu informieren.[26]

Jüdische Einrichtungen in Barcelona wurden auf Anweisung der Polizei bis auf weiteres geschlossen, nachdem der Wagen nahe dem koscheren Restaurant Maccabi zum Stehen kam.[27]

Kontext

Es war der schwerste Anschlag in Spanien seit den Madrider Zuganschlägen 2004 und der achte Anschlag durch ein in eine Menschenmenge gesteuertes Fahrzeug innerhalb eines Jahres in Europa.[2][28] Nach Einschätzung des ARD-Terrorismusexperten Georg Mascolo hängt die Häufung von Anschlägen damit zusammen, dass die Propagandisten der in Syrien und im Irak an Einfluss verlierenden Terrororganisation „Islamischer Staat“ nicht mehr dazu aufrufen, in diese Kriegsgebiete zu reisen, sondern in Europa Anschläge zu begehen.[29]

Katalonien gilt als dschihadistische Hochburg in Spanien.[30] Zwischen 2012 und 2017 wurden dort 77 mutmaßliche Dschihadisten verhaftet – im übrigen Spanien 164.[31]

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Terroranschlag in Barcelona am 17. August 2017 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Übersichtskarte der Zeitung La Vanguardia (Einsätze gegen Dschihadisten von 2012–2017 (schwarz), Zahl festgenommener Dschihadisten (rot). In Klammern die Zahlen für 2017 allein)

Einzelnachweise

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Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Terroranschlag in Barcelona am 17. August 2017 aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Was wir über den Anschlag von Barcelona wissen. In: zeit.de. 18. August 2017, abgerufen am 19. August 2017.
  2. 2,0 2,1 2,2 Lo que se sabe del atentado en La Rambla de Barcelona. In: El País, 17. August 2017 (spanisch).
  3. 3,0 3,1 Terrormiliz IS reklamiert Anschlag von Barcelona für sich. In: Spiegel Online, 17. August 2017.
  4. Richard Martin, Chloe Farand und Ben Kentish: Barcelona attack: Spanish police shoot dead five suspects to stop second attack after 13 killed in Las Ramblas. In: The Independent. 18. August 2017 (englisch).
  5. Chronologie der Anschläge in Spanien. In: Spiegel Online. 21. August 2017, abgerufen am 21. August 2017.
  6. Massive explosion at Alcanar house on Wednesday night linked to Barcelona terror attack. In: The Telegraph. 17. August 2017, abgerufen am 18. August 2017.
  7. RP Online, Polizei tötet Hauptverdächtigen – Imam starb bei Explosion, 21.08.2017
  8. NTV, Terrorzelle hatte Sagrada Família im Visier, 20.08.2017
  9. Heute, Offenbar Anschlag auf Sagrada Familia geplant, 22.08.2017
  10. Focus, Terror-Verdächtiger gesteht: Sagrada Familia sollte gesprengt werden, 23.08.2017
  11. The Guardian, Spain terror cell was planning Sagrada Família attack, suspect tells court, 22.08.2017
  12. Krone.at, Diese Männer wollten die Sagrada Familia sprengen, 23.08.2017
  13. Terrorzelle plante noch größeren Anschlag in Katalonien. In: Deutsche Welle. 22. August 2017, abgerufen am 23. August 2017.
  14. 14,0 14,1 Wie die Angreifer in Barcelona vorgegangen sind. In: Süddeutsche Zeitung. 19. August 2017, abgerufen am 23. August 2017.
  15. Thomas Urban: Wie die Angreifer in Barcelona vorgegangen sind. In: sz.de. 18. August 2017.
  16. Los yihadistas de Ripoll intentaron una masacre a cuchilladas en Cambrils. In: elpais.com. 20. August 2017 (spanisch).
  17. Polizei hat alle Opfer identifiziert. faz.net vom 21. August 2017
  18. EmergènciesCatalunya: Las víctimas mortales y heridos de los atentados #Cambrils y #Barcelona son según un balance provisional de 34 nacionalidades diferentespic.twitter.com/d8iGWCHQSC. In: @emergenciescat. 18. August 2017, abgerufen am 18. August 2017.
  19. Die Welt, Warum ließen sich die jungen Muslime so leicht radikalisieren? 20. August 2017
  20. Polizei erschießt mutmaßlichen Terroristen AbouyaaqoubSpiegel Online am 21. August 2017
  21. Spiegel Online, Der Schattenmann und seine Jüngerschar, 21. August 2017
  22. Nach Anschlag in Barcelona: „Seid zäh und stark, wir lieben Euch!“ . In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. August 2017.
  23. Tretze morts i més de 50 ferits en un atropellament massiu a la Rambla de Barcelona en un atemptat terrorista. In: Ara.cat, 17. August 2017 (katalanisch).
    Dani Sánchez Ugart: Rajoy, Santamaría i Zoido viatgen a Barcelona per participar en el gabinet de crisi de l’atemptat. In: Ara.cat, 17. August 2017 (katalanisch).
  24. Juan José Mateo: Rajoy se desplaza a Cataluña para coordinar la respuesta al atentado. In: El País, 17. August 2017 (spanisch)
  25. Schweigeminute für die Opfer des Anschlags. In: deutschlandfunk.de. 18. August 2017, abgerufen am 19. August 2017.
  26. Spanien: Reise- und Sicherheitshinweise. In: auswaertiges-amt.de. Abgerufen am 18. August 2017.
  27. Katrin Richter: Barcelona: Terror in Las Ramblas. In: Jüdische Allgemeine online. Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.ö.R., 18. August 2017, abgerufen am 18. August 2017.
  28. Siehe die Liste von Terroranschlägen mit allen Fahrzeugangriffen im Jahr 2017
  29. Terror in Europa statt Reise zum IS. In: tagesschau.de, abgerufen am 18. August 2017.
  30. „Barcelona ist zentraler Schauplatz der Dschihadisten-Szene in Spanien“. In: sueddeutsche.de. 18. August 2017.
  31. Catalunya concentra la mayor actividad radical islámica de España. In: lavanguardia.com. 18. August 2017.