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Jacques Rueff

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Jacques Rueff (* 23. August 1896 in Paris; † 23. April 1978) war ein französischer Politiker und Wirtschafts- und Finanzexperte.

Biographie

Als Sohn eines Arztes studierte Jacques Rueff Wirtschaftswissenschaften und Mathematik an der École Polytechnique.

Rueff wurde 1923 Professor am Institut für Statistik der Universität Paris (1923-1930), 1933 erhielt er einen Ruf an der École libre des sciences politiques (Freie Hochschule für Politikwissenschaften). Im Kabinett Raymond Poincaré war er Finanzminister, später wurde er Ministerpräsident. Auch in der Folgezeit bekleidete er eine Vielzahl von Ämtern mit finanz- und währungspolitischen Aufgaben sowohl in der französischen Regierung als auch im diplomatischen Dienst und beim Völkerbund. Er hatte maßgeblichen Anteil an den Völkerbundaktionen, durch die in den Jahren 1927/28 die wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse in Griechenland, Bulgarien und Portugal saniert wurden[1].

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Rueff dem Wirtschafts- und Beschäftigungsausschusses der Vereinten Nationen an. Als Berater in wirtschaftspolitischen Angelegenheiten beim französischen Befehlshaber in Deutschland lehnte er deutsche Reparationszahlungen ab. Im März 1947 gründete er u.a. mit Paul van Zeeland die Europäische Liga für wirtschaftliche Zusammenarbeit (LECE).

Bei der Gründung der Fünften Republik 1958 leitete er den Expertenausschuss, der von General de Gaulle mit der Vorbereitung und Durchführung des Programms zur Wiederankurbelung der Wirtschaft beauftragt wurde, zu dessen spektakulärsten Maßnahmen die Einführung des „franc lourd“ (neuer „fester“ Franc) gehörte. Von 1952 bis 1958 war Rueff Richter am Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, anschließend bis 1962 Richter am Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften. Von 1962 bis 1974 schließlich war er Mitglied des Wirtschafts- und Sozialrats.

Rueff war Träger des Großkreuzes der Ehrenlegion, Mitglied der Académie des sciences morales et politiques (Akademie für ethische und politische Wissenschaften) und ab 1962 der Académie française.

Theoretische Arbeiten

Seine erste theoretische Arbeit widmete Rueff der wissenschaftlichen Methode „an der Moral“ oder „an den Sozial“-Wissenschaften, die in der Volkswirtschaft angewendet werden könnten. Für die zwei größten Probleme der Wirtschaftspolitik des 20. Jahrhunderts, die Arbeitslosigkeit und die Inflation, gab Rueff eine frühe sowie genaue Diagnose. Um einige erfolgreiche Verbesserungen der nationalen Wirtschaftspolitik ausführen zu können, verwendete er diese Diagnose, um seine Analyse gültig bis zum heutigen Tag darzustellen. Um zum europäischen Anschluss beizutragen, entwickelte er die moralischen oder politischen Philosophie einer „Sozialmarktwirtschaft“. Logisch gleich bleibend sollte es eine Theorie sein und folglich an seine Voraussetzungen ausrichten. Rueff unterrichtete Statistiken der politischen Wirtschaft am statistischen Institut der Universität von Paris.

Er überprüfte 1925 die Hyperinflationen in Frankreich, Italien, Deutschland, Polen und Österreich während des Ersten Weltkrieges. Rueff zeigte, dass die Ausgabe des Geldes durch die Zentralbank in jedem Fall die Hauptursache zum Finanzieren von Regierungshaushaltsdefiziten war. Rueff setzte sich sehr ein für die Erschaffung des „gemeinsamen Marktes in Europa“ und für die Öffnung am Wettbewerb, dass er in Zusammenarbeit mit Louis Armand an der Spitze eines Ad-hoc-Expertenausschusses durchführt. Jacques Rueff hat sich immer den Ideen von Lord Keynes widersetzt, die ihm zu extrem waren.

Veröffentlichungen

Jacques Rueff ist der Autor mehrerer Abhandlungen:

  • Des Sciences physiques aux sciences morales (1922)
  • Sur une théorie de l'inflation (1925)
  • Les variations du chômage en Angleterre, Revue Politique et Parlementaire 32, Dezember 1925, S. 425-437.
  • Théorie des phénomènes monétaires (1927)
  • Les Idées de M. Keynes sur le problème des transferts , Revue d'Économie Politique 42, Juni/Juli 1929, S. 1067-1081 ; Englische Version: Mr. Keynes' Views on the Transfer Problem, The Economic Journal 39, September 1929, S. 388-399.
  • L'Assurance-chômage : cause du chômage permanent , Revue d'Économie Politique 45, März/April 1931, S. 211-251
  • La Crise du capitalisme (1935)
  • L'Ordre social (1945); deutsche Ausgabe: Die soziale Ordnung übersetzt von Gerhart Güttler, Bremen 1953, Eilers & Schünemann,
  • Reply to James Tobin's comment , The Quarterly Journal of Economics 62, November 1948, S. 771-782.
  • Les Erreurs de la théorie générale de Lord Keynes , Revue d'Économie Politique 57, Januar/Februar 1947, S. 5-33 ; Englische Version: The Fallacies of Lord Keynes' General Theory , The Quarterly Journal of Economics 61, Mai 1947, S. 353-367.
  • Épître aux dirigistes (1949)
  • La Régulation monétaire et le problème institutionnel de la monnaie (1953)
  • Souvenirs et réflexions sur l'âge de l'inflation, Aufruf zur Konferenz im centre universitaire méditerranéen in Nizza, 13. Februar 1956
  • Discours sur le crédit (1961)
  • L'Âge de l'inflation (1964)
  • Discours de réception à l'Académie française (1965)
  • Le lancinant problème de la balance des paiements (1965)
  • Les Dieux et les rois (essai sur le pouvoir créateur) (1967)
  • Le Péché monétaire de l'Occident (1971) deutsche Ausgabe: Die Währungssünden der westlichen Welt : das Ende der Dollar-Hegemonie, zurück zum Gold? übersetzt von Jean Komaromi, Frankfurt am Main 1972, Knapp
  • Combats pour l'ordre financier (1972)
  • La Réforme du système monétaire international (1973)
  • La Création du monde (comédie-ballet en cinq journées) (1974)
  • La Fin de l'ère keynésienne , Le Monde vom 19 und 20/21 Februar 1976. Englische Version: The End of the Keynesian Era or When the Long Run Ran Out , Euromoney, April 1976, S. 70-77.
  • Das Gesamtwerk von Rueff wurde von Emil-Maria Claassen und Georges Lane herausgegeben und ist in vier Bänden bei les éditions Plon (Paris) erschienen:
    • Band I : De l'Aube au Crépuscule (Autobiographie), 1977.
    • Band II : Théorie monétaire en deux livres, 1979.
    • Band III : Politique économique en deux livres, 1979 et 1980.
    • Band IV : L'Ordre Social, 1981.

Quellen

Kurzbiographie auf der Website des EuGH [1]

Weblinks

Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Jacques Rueff aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.