Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzy­klo­pädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

How to read Jewiki in your desired language · Comment lire Jewiki dans votre langue préférée · Cómo leer Jewiki en su idioma preferido · בשפה הרצויה Jewiki כיצד לקרוא · Как читать Jewiki на предпочитаемом вами языке · كيف تقرأ Jewiki باللغة التي تريدها · Como ler o Jewiki na sua língua preferida

Kantele

Aus Jewiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Artikel behandelt das Musikinstrument. Zum finnischen Dartspieler siehe Marko Kantele.
Konzertkantele mit 38 Saiten

Die Kantele ([ˈkɑntɛlɛ], finnisch) oder Kannel ([ˈkɑnːɛl], finnisch und estnisch) ist eine griffbrettlose Kastenzither, die vor allem in Finnland, Estland und Karelien gespielt wird.

Bauform

Zwei fünfsaitige Kantelen (2014)

Das Zupfinstrument besteht in der älteren Form aus einem flügelförmigen Resonanzkörper aus Holz, der aus einem ausgebrannten und mit dem Beil ausgehöhlten Birkenstamm besteht. Auf diesem sind fünf pentatonisch gestimmte Rosshaarsaiten angebracht. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wandte man diese Methode an. Es gab sie in verschiedenen Größen und meist gestimmt in D-Dur oder d-Moll. Die ursprünglichen fünf Saiten wurden im Lauf der Zeit auf bis zu dreiundzwanzig Saiten erweitert.

Moderne Kantelen können bis zu 46 Stahlsaiten haben,[1] die während des Spiels mit Hilfe eines Hebelsystems um einen Halbton höher oder tiefer gestimmt werden können. Das Instrument wird – ähnlich wie die alpenländische Zither – auf dem Schoß oder auf einem kleinen Tisch liegend mit den Fingern gespielt. Manchmal wird auch ein Plektrum genutzt. Ein gepolstertes Brett, das über den Saiten angebracht ist, kann durch Herunterdrücken alle Saiten abdämpfen.

Auch eine elektrische Kantele wurde in Finnland entwickelt.

Auf dem Korpus der rechts oben abgebildeten Konzertkantele sind die C- und G-Saiten mit schwarzen bzw. roten Markierungen gekennzeichnet, außerdem sind die Berührungspunkte zum Erzeugen von Flageoletttönen markiert.

In Waldorfschulen wird ein rundlich geformtes, pentatonisch gestimmtes Zupfinstrument benutzt, dessen Entwicklung von der Kantele inspiriert wurde und das daher denselben Namen trägt.

Spielweise

Die Kantele kann man auf zwei Arten spielen: Die meisten Spieler haben die langen Saiten direkt vor sich liegen (Haapavesi-Stil), während Spieler mit stark traditionellen Wurzeln die kurzen Saiten zu sich gewendet haben (Perhonjoki-Stil oder auch Perhonjokilaakso-Stil). Die Stilarten sind nach dem Ort Haapavesi und dem Fluss Perhonjoki benannt, zwei Zentren der Volks- und Kantelemusik.

Mythologie

Finnische Folkloregruppe mit zwei Instrumenten (1897)
Traditionelle litauische kankles

Im finnischen Nationalepos Kalevala fertigt der alte Zaubersänger Väinämöinen die erste Kantele aus dem Kiefer eines gigantischen Hechts. Aus den Zähnen werden die Wirbel gemacht, für die Saiten werden Rosshaare genommen. Als er sie spielt, kommen alle Tiere des Waldes herbei und lauschen; die Menschen lassen ihre Arbeit ruhen und sind vom Klang ergriffen. Die zweite Kantele fertigt er später aus einer Birke.

Die Kantele ist namensgebend für die Gedichtsammlung Kanteletar („Kantele-Spielerin“), die wie Kalevala ebenfalls von Elias Lönnrot zusammengestellt wurde.

An der karelischen Universität in Petrosawodsk gibt es einen Lehrgang im Kantelebau und -spiel, der von zwei Kantelemeistern geleitet wird. An der Sibelius-Akademie in Helsinki kann man traditionelles und modernes Kantelespiel studieren.

Bezeichnung in anderen Sprachen

Die finnische Bezeichnung des Instruments kantele wird ebenso wie Estnisch kannel als Lehnwort aus einer baltischen Sprache angesehen. In der altpreußischen Sprache wurde dieses Instrument in verschiedenen Dialekten als kantele, kant, kantlis und kantle erwähnt. Kantonis oder kantus ist der Spielmann, kantwilis ist der Musikliebhaber. Auf Lettisch heißen die entsprechenden Instrumente kokle, auf Litauisch kanklės. Litauisch kantelis ist dagegen das Lied (daina). Ähnlich ist die gusli in Nordwest-Russland. Die namensverwandte finnische jouhi kantele gehört typologisch zu den Leiern.

Siehe auch

Literatur

  • Jonas Balys: Grundzüge der kleinlitauischen Volksdichtung. In: Tolkemita-Texte „Lieder aus Schalauen“ Nr. 53, Dieburg 1997
  • Gerhard Lepa: Gedanken über die Prußen und ihre Lieder. In: Tolkemita-Texte „25 Lieder der Sudauer“ Nr. 56, Dieburg 1999
  • Ludwig Rhesa: Dainos oder Litthauische Volkslieder. Königsberg 1825
  • Juozas Žilevičius: Grundzüge der kleinlitauischen Volksmusik. In: Tolkemita-Texte „25 Lieder der Sudauer“ Nr. 56, Dieburg 1999

Weblinks

 Commons: Kantele – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Gary S. Dalkin: Review: The Art of the Finnish Kantele. musicweb-international.com
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Kantele aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.