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Józef und Wiktoria Ulma

Aus Jewiki
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Mutter Wiktoria Ulma mit Kindern, 1943
Familie Ulma(n) in Markowa. Selbstporträts mit Kindern im Familienalltag. Fotos von Józef Ulma.
Familie-Ulma-Museum in Markowa

Józef und Wiktoria Ulma waren ein polnisches römisch-katholisches Ehepaar, das während der deutschen Besetzung Polens in Markowa zwei jüdische Familien unter Lebensgefahr versteckte, um sie vor dem Holocaust zu retten. Nach einer Denunziation wurde das Ehepaar und ihre sechs Kinder gemeinsam mit den jüdischen Flüchtlingen am 24. März 1944 durch Einheiten der Polizei hingerichtet. 1995 ehrte Yad Vashem die Ulmas als Gerechte unter den Völkern. 2013 wurde ein Seligsprechungsprozess eröffnet.

Leben

Biographische Angaben

Józef Ulma (* 1900) verdiente als Obstbauer in Markowa den Lebensunterhalt für seine Großfamilie. Er beschäftigte sich mit den neuesten Veredelungsmethoden von Apfelbäumen, der Zucht von Seidenspinnerraupen und der Imkerei. Zusätzlich war er Amateurfotograf und in der ortsansässigen Katholischen Jugendbewegung aktiv.

Wiktoria Ulma wurde 1912 als siebtes Kind von Jan und Franciszka Niemczak geboren und verlor im Alter von sechs Jahren ihre Mutter. 1935 heiratete sie den 12 Jahre älteren Józef Ulma, mit dem sie sechs Kinder hatte: Stanislawa, Barbara, Wladyslaw, Franciszek, Antoni und Maria. Wiktoria war Hausfrau und zur Zeit ihrer Hinrichtung mit dem siebten Kind hochschwanger.

Judenrettung und Exekution

Im Sommer 1942 waren die Ulmas mit weiteren Dorfbewohnern Augenzeugen der Exekution von knapp 100 jüdischen Mitbewohnern durch deutsche Gendarmen. Die Opfer wurden auf dem Gelände eines ehemaligen Tierfriedhofes begraben. Da einigen Juden die Flucht gelang und eine großangelegte Suchaktion aus deutschen Einheiten und Polen nicht nur auf die Überlebenden des Massakers Jagd machte, suchte im Herbst 1942 die aus Łańcut stammende sechsköpfige Familie Szall bei den Ulmas Unterschlupf. Die Lage des Hauses am Dorfrand schien für ein Versteck geeignet. Kurz darauf baten zwei jüdische Schwestern, Golda und Layka Goldman, um Aufnahme. Obwohl die Anwesenheit der beiden jüdischen Familien im kleinen Dorf nicht gänzlich verborgen blieb, halfen sie den Ulmas mit kleineren Tätigkeiten bei der Kompensation der verdoppelten Lebenserhaltungskosten.[1][2]

In der Nacht vom 23. auf den 24. März 1944 drangen deutsche Polizisten aus Łańcut unter Führung des Ostfriesen Eilert Dieken gemeinsam mit polnischer Hilfspolizei, die sich aus rekrutierten Ukrainern zusammensetzte, in das Haus der Ulmas ein. Berichten zufolge hatte Włodzimierz Leś, ein polnischer Polizist aus Łańcut, die Ulmas denunziert, da er die Vermögenswerte der geflüchteten Familie Goldman verwahrte und in deren Besitz kommen wollte, bevor die deutschen Besatzungstruppen vor der Roten Armee den Rückzug anordneten. Die Polizisten erschossen zuerst die beiden jüdischen Familien, dann Józef und Wiktoria Ulma, bei der während der Hinrichtung die Geburt des siebten Kindes einsetzte. Anschließend wurden auch die sechs kleinen Kinder der Ulmas erschossen. Dem drakonischen Strafgericht mussten die Dorfbewohner von Markowa zur Abschreckung beiwohnen, worauf bei einzelnen Familien, die weitere Juden versteckt hielten, große Panik ausbrach. Trotz des enormen Drucks überlebten knapp zwanzig Juden mit Hilfe ihrer polnisch-katholischen Nachbarn.[1][2]

Ehrungen und Seligsprechung

Am 13. September 1995 wurden Józef und Wiktoria Ulma durch Yad Vashem mit dem Ehrentitel Gerechte unter den Völkern geehrt.[1] Seit dem 60. Jahrestag der Exekution 2014 erinnert ein Gedenkstein in Markowa an die Rettungsaktion der Ulmas, zu dessen Enthüllung der Erzbischof von Przemyśl, Józef Michalik, ein Pontifikalamt zelebrierte.

2016 eröffnete Staatspräsident Andrzej Duda in Markowa ein Familie-Ulma-Museum zu Ehren aller Polen, die Juden vor dem Holocaust retteten. Allein in der Region Vorkarpaten versteckten laut Historikern mindestens 1.600 Polen rund 2.900 Juden im 2. Weltkrieg vor den deutschen Besatzern. Etwa 200 dieser Polen sollen dafür von Nationalsozialisten ermordet worden sein. Israel zeichnete bis Februar 2023 mehr als 7.200 Polinnen und Polen für die Rettung von Juden als „Gerechte unter den Völkern“ aus.[3]

2003 wurde ein Seligsprechungsprozess der Katholischen Kirche für 122 polnische Märtyrer des Zweiten Weltkriegs initiiert, unter ihnen auch Familie Ulma. Die diözesanen Untersuchungen für das Ehepaar Ulma wurden am 17. September 2003 unter dem Bischof von Pelplin, Jan Szlaga, initiiert und am 24. Mai 2011 abgeschlossen.[4] Am 17. Dezember 2022 bestätigte Papst Franziskus das Martyrium der Familie als Voraussetzung für die Seligsprechung.[5]

Die Seligsprechung wurde im Februar 2023 für alle neun Mitglieder der Familie Ulma, also auch das ungeborene Kind, für den 10. September angekündigt.[6]

Weblinks

 Commons: Józef und Wiktoria Ulma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Den höchsten Preis zahlen. Jozef und Wiktoria Ulma. In: Yad Vashem. Abgerufen am 8. April 2021.
  2. 2,0 2,1 Michael Schmölzer, Gerhard Lechner: Retter und Vernichter. In: Wiener Zeitung. 7. November 2020, abgerufen am 8. April 2021.
  3. 1944 ermordet : Polnische Familie versteckte Juden: Seligsprechung orf.at, 15. Februar 2023, abgerufen am 15. Februar 2023.
  4. Ulma. In: newsaints.faithweb.com. Abgerufen am 8. April 2021 (english).
  5. Promulgazione di Decreti del Dicastero delle Cause dei Santi. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 17. Dezember 2022, abgerufen am 17. Dezember 2022 (italiano).
  6. 1944 ermordet : Polnische Familie versteckte Juden: Seligsprechung orf.at, 15. Februar 2023, abgerufen am 15. Februar 2023.
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Józef und Wiktoria Ulma aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.