Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Holocaust

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Völkermord an den Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Andere Bedeutungen des Begriffs siehe unter Holocaust (Begriffsklärung). Für den Film Shoah siehe Shoah (Film).
Konzentrationslager Birkenau, Blick von der Zugrampe innen auf die Haupteinfahrt; Aufnahme 1945, kurz nach der Befreiung des Vernichtungslagers durch die Rote Armee

Als Holocaust [ˈhoːlokaʊ̯st, holoˈkaʊ̯st] (vom griechischen ὁλόκαυστον holókauston ‚vollständig verbrannt‘) oder Schoah (auch Shoah; hebräisch הַשׁוֹאָה ha'Schoah ‚Unheil‘ oder ‚große Katastrophe‘) wird die Ermordung von mindestens 5,6[1] bis 6,3[2] Millionen Menschen bezeichnet, die das nationalsozialistische Regime als Juden definierte. Dieser Völkermord zielte auf die vollständige Vernichtung der europäischen Juden. Er gründete auf dem staatlich propagierten Antisemitismus und wurde im Zweiten Weltkrieg seit 1941 systematisch, ab 1942 auch mit industriellen Methoden durchgeführt.

Die Nationalsozialisten erklärten auch die Roma und Sinti zur „minderwertigen Fremdrasse“ und ermordeten Hunderttausende von ihnen. Deren Verfolgung und Ermordung wird daher in den Holocaustbegriff eingeschlossen[3] oder als Roma-Holocaust oder Porajmos bezeichnet.[4]

Weitere Massenmorde der Nationalsozialisten, vor allem an Millionen Einwohnern Polens und der Sowjetunion, an mehr als 100.000 Behinderten, getarnt als „Aktion T4“, an etwa 20.000 deutschen Kommunisten und Sozialdemokraten, 7.000 Homosexuellen und 1.200 Zeugen Jehovas werden meist nicht als Teil des Holocaust beschrieben und bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Bezeichnungen

Hauptartikel: Holocaust (Begriff)

Das aus dem Tieropferkult stammende griechische Wort holokautoma gelangte über verschiedene Bibelübersetzungen als Holocaust in die englische Sprache. Dort bezeichnete es seit etwa 1600 vor allem Brandkatastrophen mit vielen Todesopfern, seit 1913 auch Massenmorde mit genozidalem Ausmaß. Im Dezember 1942 verwendete die britische Tageszeitung News Chronicle – noch ohne Kenntnis der NS-Vernichtungsmethoden – den Begriff erstmals für Adolf Hitlers Vernichtungsplan an den Juden. Bis 1972 wurde Holocaust in der englischsprachigen Geschichtswissenschaft zur Hauptbezeichnung dieses Verbrechens.

Im deutschen Sprachraum wurde das Ereignis nach 1945 meist als Judenvernichtung, Judenmord oder Massenmord an den europäischen Juden bezeichnet. Der Name des größten Vernichtungslagers „Auschwitz“ stand sinnbildhaft für diese Verbrechen. Seit der Fernsehserie Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß von 1979 wurde der englische Begriff auch in der deutschen Sprache üblich, manchmal auch in der Schreibweise Holokaust. Er soll die historische Einzigartigkeit dieses Verbrechens betonen, so dass die Bezeichnung anderer Ereignisse damit seitdem oft als Effekthascherei oder Verharmlosung der NS-Verbrechen kritisiert wird.

In Israel und im Judentum wird der Holocaust seit 1948 als Schoah für „Katastrophe“, „großes Unglück“ bezeichnet. Daran erinnert der 1959 in Israel eingeführte, im Judentum weltweit begangene Gedenktag Jom haScho'a. Seit etwa 1985 wird dieser hebräische Ausdruck auch in Europa für den Holocaust verwendet, auch in den Schreibweisen Schoa, Shoah oder Shoa. Viele Opfernachfahren bevorzugen ihn, weil sie den Ausdruck Holocaust wegen seiner Herkunft aus dem Opferkult als unzulässige scheinreligiöse Sinngebung dieses Völkermords empfinden.

Jüdische Theologen bezeichnen das Ereignis auch als dritten Churban (hebräisch: „Vernichtung“, „Verwüstung“), stellen es damit der ersten (586 v. Chr.) und zweiten (70 n. Chr.) Zerstörung des Jerusalemer Tempels an die Seite und deuten es als alle Nachfahren der Israeliten betreffende Großkatastrophe der jüdischen Geschichte.

In Titeln historischer Fachliteratur wird zuweilen mit kritischer Distanz der nationalsozialistische Tarnbegriff „Endlösung der Judenfrage“ zitiert.

Eskalationsstufen

Der Holocaust begann nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern entwickelte sich regional unterschiedlich aus der ständig verschärften Verfolgung der Juden. Diese hatte in Deutschland 1933 unmittelbar nach der Machtergreifung Adolf Hitlers und der NSDAP eingesetzt und wurde dort schrittweise radikalisiert, ab 1939 auf die von Deutschen besetzten Gebiete ausgedehnt und mündete zuletzt in der Vernichtung aller europäischen Juden, derer das NS-Regime habhaft werden konnte.[5]

Die Forschung teilt diese Entwicklung grob in verschiedene Eskalationsstufen ein, die aber nicht immer zeitlich aufeinander folgten, sondern zum Teil gleichzeitig stattfanden:[6]

  • Entrechtung und Verdrängung der jüdischen Bürger aus Staatsämtern, freien Berufen und dem öffentlichen Leben in Deutschland; vom Staat unterstützte oder betriebene Enteignung bis hin zur reichsweiten Arisierung von Unternehmen in jüdischem Besitz,
  • der reichsweite Pogrom im November 1938
  • nach Kriegsbeginn Ghettoisierung, Verbot der Ausreise, Vorbereitung der Deportationen im Deutschen Reich durch Zwangsumzüge in Judenhäuser, die Deportationen und die Massenmorde an osteuropäischen Juden hinter der Front (Einsatzgruppen),
  • ab 1942 Ausweitung der Massenmorde auf alle europäischen Juden und deren systematische Ermordung in eigens dazu gebauten Vernichtungslagern und speziellen Gaskammern.

Nationalsozialistische Verfolgung der deutschen Juden

Von 1933 bis zum Kriegsbeginn 1939

Boykottaktion der Nationalsozialisten gegen jüdische Geschäfte, vor dem Berliner Kaufhaus Wertheim. Filmleute warten auf Publikum
Datei:Naziaufmarsch Fuerth Nuernberg.jpg
Antijüdische Propaganda am Ortsschild. Im Hintergrund NS-Marschkolonne mit Hakenkreuzfahnen auf dem Rückweg vom Reichsparteitag (vermutlich 1938) an der Stadtgrenze Fürth/Nürnberg. Im Hintergrund ein Fabrikgebäude der „arisierten“, zuvor jüdischen Firma J.W.Spear

Unmittelbar nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 inszenierten NSDAP-Funktionäre „spontane“ Proteste gegen jüdische Beamte, störten Gerichtsverhandlungen und forderten in Zeitungsartikeln und Leserbriefen die Entfernung jüdischer Juristen aus ihren Berufen. Diese wurden aus ihren Praxen geprügelt, beraubt, teilweise aus Deutschland vertrieben oder ermordet.

Am 1. April 1933 organisierte das Regime mit Hilfe der SA den sogenannten Judenboykott, bei dem jüdische Geschäfte, Kanzleien und Arztpraxen vielfach zertrümmert und die Inhaber verprügelt wurden. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 legalisierte die bisherigen „wilden“ Berufsverbote für Juden, indem es die Entlassung aller jüdischen Beamten vorsah. Auf einen Eingriff des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg hin wurden davon die Juden ausgenommen, die schon vor 1914 im Staatsdienst gewesen waren, im Ersten Weltkrieg gekämpft oder dabei Angehörige verloren hatten („Frontkämpferprivileg“). Von nun an wurden Juden auch aus allen Ehrenämtern entfernt; sie erhielten nur noch begrenzten Zugang zu Schulen und Universitäten; jüdische Steuerberater verloren ihre Zulassung. Im April 1933 wurden zudem das Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft vom 7. April, die Verordnung über die Zulassung von Ärzten zur Tätigkeit bei den Krankenkassen vom 22. April sowie das Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen vom 25. April erlassen.

Die ersten Morde an Juden in einem NS-Konzentrationslager erfolgten vermutlich am 12. April 1933 in Dachau.

Von Januar bis Juni 1933 – der Phase der nationalsozialistischen „Revolution“ – verließen etwa 25.000 deutsche Juden ihre Heimat.[7] Bei einer Volkszählung vom 16. Juni 1933 lebten 499.682 Personen „mosaischen Glaubens“ – 0,77 Prozent der Gesamtbevölkerung – in Deutschland, davon 98.747 mit ausländischer Staatsangehörigkeit.[8] Diese wiederum waren zu über 70 % Bürger osteuropäischer Staaten, vor allem Polen, 12 % waren Österreicher.[9]

1935 verschlechterte sich die Lage vieler jüdischer Bürger nochmals drastisch: Sie wurden nicht mehr zu Prüfungen als Ärzte und Apotheker zugelassen und vom Wehrdienst ausgeschlossen. Zahlreiche Berufsverbände erteilten für sie mitsamt ihren Ehegatten Berufsverbote, z. B. als Haushaltshilfen, Gewerbelehrer, Kirchenmusiker, Kunst- und Antiquitätenhändler, Kinobetreiber, Schwimmmeister.

Im Juli kam es zudem in Berlin zu erneuten Ausschreitungen gegen jüdische Geschäfte. Im September zementierten die Nürnberger Gesetze die rassistische Diskriminierung: Das Reichsbürgergesetz beließ deutschen Juden zwar die deutsche Staatsbürgerschaft, wertete diese aber ab, indem nur „Arier“ die „Reichsbürgerschaft“ mit dem Privileg des Wahlrechts und voller Bewegungsfreiheit erhielten. Das „Blutschutzgesetz“ verbot die Eheschließung und selbst außereheliche Sexualität zwischen Juden und „Ariern“. Dabei war zunächst unklar, wer als Jude zu gelten habe: Die Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz definierte dann „Volljuden“ als Personen mit mindestens drei, „jüdische Mischlinge“ mit bis zu zwei jüdischen Großelternteilen. Auch wer zur jüdischen Glaubensgemeinschaft gehörte, galt als „Volljude“; wer nach Erlass des Gesetzes in diese eintrat, mit einem jüdischen Bürger verheiratet war oder aus einer „Mischehe“ gezeugt wurde, galt rechtlich als „Volljude“ (sogenannter Geltungsjude). Der biologisch definierte Rassebegriff ließ sich also juristisch nur durch Rückgriff auf nichtbiologische Merkmale wie die Religionszugehörigkeit fassen.

Wegen der Aufmerksamkeit des Auslands während der Olympischen Sommerspiele wurden 1936 keine weiteren Gesetze gegen Juden erlassen, und selbst die Alltagsschikanen traten für knapp zwei Jahre in den Hintergrund. Ab 1938 verschärfte das Regime die Entrechtung und Diskriminierung der Juden dann enorm. Am 5. Januar 1938 zwang das „Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen“ Juden, aus einer bestimmten, eng begrenzten Zahl „typisch jüdischer“ Vor- und Zunamen ihren Erst- oder Zweitnamen zu wählen. Jüdische Bürger, die nicht einen „typisch jüdisch“ klingenden Vornamen führten, wurden verpflichtet die Annahme des Vornamens Israel bzw. Sara zu beantragen (→ Namensänderungsverordnung).[10] Ab Februar erhielten jüdische Betriebe und Haushalte geringere Zuteilungen an Rohstoffen und Devisen. Dort durften auch keine „deutschblütigen“ Frauen mehr arbeiten. Sie erhielten ab März keine öffentlichen Aufträge mehr und mussten ab dem 26. April ihr gesamtes Vermögen dem Staat offenlegen („anmelden“). Damit begann die „Arisierung“ von Unternehmen in jüdischem Besitz.

Die staatliche Sozialfürsorge für Juden wurde eingestellt; fortan mussten jüdische Wohlfahrtspflegevereine diese tragen. Nach den Elektrikern und Gasinstallateuren verloren ab September 1938 alle noch tätigen jüdischen Ärzte ihre Approbation, im November folgten die Rechtsanwälte, im Januar 1939 die Apotheker, Zahn- und Tierärzte. Alle jüdischen Börsen und Großmärkte wurden geschlossen. Jüdische Schüler durften nicht mehr zusammen mit deutschen Mitschülern das Abitur machen. Jüdische Stiftungen mussten ihre Satzungen dahingehend ändern, dass sie nur noch der Auswanderung der Juden dienen sollten.

Mit dem Anschluss Österreichs begann zugleich eine neue Stufe der Eskalation: Nun erhielten einfache NSDAP-Mitglieder Gelegenheit, Juden zu enteignen, um deren Enteignung und Vertreibung im nun „Großdeutschen Reich“ zu beschleunigen. In Wien z. B. wurden tausende jüdische Geschäftsinhaber aus ihren Läden und Wohnungen geprügelt, manche auf der Straße misshandelt und gezwungen, die Straßen mit den Händen zu kehren. Im Juni wurden in Berlin etwa 1600 Juden verhaftet und in KZs eingewiesen. Reiche jüdische Bürger wie der Bankier Louis Nathaniel von Rothschild wurden in Einzelhaft gehalten, bis sie ihr Vermögen gegen eine Ausreiseerlaubnis dem Reich überschrieben.

Kurz darauf kam es zu einer ersten großen Fluchtwelle meist mittelloser jüdischer Deutscher aus dem Reichsgebiet, vor allem in die Schweiz. Daraufhin verlangten deren Behörden von Deutschland die Kennzeichnung jüdischer Reisepässe. Eine Verordnung[11] legte fest, dass diese alle ohne das Stempelzeichen „J“[12] ungültig seien. Einem österreichischen Zeitungsbericht zufolge wurden die Reisepässe jüdischer Bürger schon einige Jahre vorher mit dem Vermerk „Nur im Inland gültig. Berechtigt nicht zur Grenzüberschreitung“ versehen.[13] Diese und weitere Restriktionen verhinderten nach Kriegsbeginn 1939 die Aufnahme tausender fluchtwilliger Juden in der Schweiz, was für die meisten Betroffenen einem Todesurteil gleichkam.

Auch andere europäische Staaten erschwerten nun die Einreise für Immigranten aus Deutschland. Polen fürchtete im Frühjahr 1938, dass im Zuge des Anschlusses Österreichs ans Deutsche Reich die rund 20.000 in Österreich lebenden Juden polnischer Nationalität nach Polen zurückkehren wollten und stellte daher die Gültigkeit der Pässe aller Auslandspolen in Frage, wenn diese länger als fünf Jahre ohne Unterbrechung im Ausland gelebt hatten.[14] Ein so lautendes Gesetz trat am 31. März 1938 in Kraft, wurde aber vorerst nicht angewendet. Am 15. Oktober, unmittelbar nach dem Münchner Abkommen, wurde jedoch eine Verordnung erlassen, wonach im Ausland ausgestellte polnische Pässe nur noch in Sonderfällen zur Einreise berechtigten. Die betroffenen Personen sollten nach Absicht der polnischen Regierung per 30. Oktober ihre polnische Staatsbürgerschaft verlieren. Deutschland, wo rund 50.000 Juden die polnische Staatsbürgerschaft besaßen, wäre es danach unmöglich gewesen, diese Juden abzuschieben.[14] Nachdem Verhandlungen zwischen Berlin und Warschau erfolglos blieben, gab das Auswärtige Amt die Angelegenheit am 26. Oktober an die Gestapo weiter.[14] Diese begann sogleich am 27. Oktober mit der „Polenaktion“, wobei etwa 15.000 Juden, darunter Marcel Reich-Ranicki, nach einigen Tagen Abschiebehaft gewaltsam nach Polen abgeschoben wurden.

Betroffen waren davon auch die Eltern des Pariser Studenten Herschel Grynszpan. Dieser erschoss daraufhin in Paris den deutschen Diplomaten Ernst Eduard vom Rath. Dies wurde zum Vorwand für die Novemberpogrome 1938, besonders in der Nacht vom 9. auf den 10. November (verharmlosend: „Reichskristallnacht“), genommen. Sie wurden nach einer Rede von Joseph Goebbels zum Jahrestag des Hitlerputsches von 1923 von zahlreichen Gauleitern der NSDAP eingeleitet und von nachgeordneten Parteifunktionären unterstützt. Die meisten der oft jahrhundertealten Synagogen Deutschlands wurden dabei zerstört, dazu Tausende Häuser und Wohnungen von Juden verwüstet. Bis zu etwa 400 Juden wurden ermordet oder in den Selbstmord getrieben; viele weitere wurden misshandelt und verletzt, Frauen wurden vergewaltigt. Ab dem 10. November wurden erstmalig Tausende jüdische Bürger auf einmal in Konzentrationslagern interniert (Schätzungen nennen bis zu 36.000 Personen).

Jüdische Emigration aus Deutschland 1933–1941:[15]
Jahr      Emigranten
1933 37–38.000
1934 22–23.000
1935 20–21.000
1936 24–25.000
1937 23.000
1938 33–40.000
1939 75–80.000
1940 15.000
1941 8.000

Die nationalsozialistischen Machthaber prüften damit die Bereitschaft der deutschen Bevölkerung zum Zuschauen, Wegschauen oder Mitmachen. Goebbels erklärte das staatlich gelenkte und geduldete „Überkochen der Volksseele“ in Zeitungsartikeln für beendet, kündete aber zugleich an: Die „weiteren Lektionen“ würden „dem Judentum auf dem Weg der Gesetzgebung erteilt werden.“ Gemeint war damit vor allem die nun folgende Arisierung. Juden wurde eine Milliarde RM als „Schadenersatz“ für Gebäudeschäden der Pogromnacht auferlegt. Die Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben, drei Wochen später ergänzt durch die Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens, verbot ihnen unter anderem Einzelhandel, Versandgeschäfte, Bestellkontore, Führung von Handwerksbetrieben, Warenangebot auf Messen, Märkten oder Ausstellungen, Betriebsleitung und Tätigkeit als leitende Angestellte.

Hinzu kamen vielfältige Alltagsdiskriminierungen, etwa Parkbänke mit Schildern „Nur für Deutsche“, „Entjudung“ (Umbenennung) von Straßennamen, Uniformverbot, generelle Einstufung in die höchste Steuerklasse, Verbot der Benutzung von Schlaf- und Speisewagen der Reichsbahn, Streichung von Wohngeld. Hauseigentümer durften freiwerdende Wohnungen nicht mehr an „Volljuden“ vermieten, diesen wurden „Sonderwohnbezirke“ zugeteilt. Damit begann ihre Ghettoisierung. Am 4. Juli 1939 wurden zudem alle jüdischen Vereine, Organisationen und Stiftungen zwangsweise in einer „Reichsvereinigung“ zusammengeschlossen.

Die Staatsmaßnahmen verfolgten bis zum Kriegsbeginn das klar erkennbare Ziel, die jüdischen Deutschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen auszuschließen, um so möglichst viele von ihnen zur Auswanderung zu drängen. Von 510.000 deutschen Juden, die 1933 den israelitischen Kultusgemeinden angeschlossen waren, verließen bis 1939 etwa 250.000 bis 315.000 ihre Heimat. Von den verbliebenen rund 200.000 gelang 1940 nochmals 15.000 die Flucht. Höchstens 10.000 in „Mischehen“ oder ohne Aufenthaltsberechtigung im Reich lebende jüdische Bürger entkamen danach ihrer Ermordung. Aus dem angeschlossenen Österreich gelang etwa 120.000 Juden – sowie zehntausenden Juden anderer Staatsbürgerschaft, viele davon nach 1933 aus Deutschland nach Österreich emigriert – die Flucht, nachdem bereits vor dem Anschluss viele ausgewandert waren. Rund 65.500 österreichische Juden überlebten den Nationalsozialismus nicht.[16]

Die Verfolgung der Juden im nationalsozialistischen Deutschland hatte sich von 1933 bis 1939 von der Diskriminierung bereits bis zum organisierten Pogrom gesteigert. Unter den Bedingungen des Krieges verschärfte das Regime diese Politik schließlich zum systematischen Völkermord.

Weitere Ausgrenzung und Entrechtung

Parallel zu begonnenen Massenmorden an Juden in den im Krieg eroberten Gebieten wurde die soziale und rechtliche Ausgrenzung, Enteignung und Entrechtung der reichsdeutschen Juden vollendet. Am 9. September 1941 ordnete die Polizei an, dass alle künftig einen Judenstern gut sichtbar an der äußeren Kleidung zu tragen hätten. Ein ähnlicher Erlass war ein Jahr zuvor im besetzen Generalgouvernement (Polen) ergangen. Ab Oktober 1941 verbot Heinrich Himmler allen Juden die Ausreise aus dem Deutschen Reich, die systematische polizeiliche Erfassung folgte, Juden und "Nichtjuden" wurden voneinander isoliert.

Im Januar 1942 wurden alle Kleidungsstücke aus Wolle und Pelz beschlagnahmt. Ab März des Jahres mussten auch die Wohnungen der im Reich verbliebenen Juden mit einem „Judenstern“ gekennzeichnet werden. Öffentliche Verkehrsmittel durften nur noch in Ausnahmefällen benutzt werden. Während die Deportationen seit März 1942 liefen, wurden den verbliebenen Juden ab 19. Oktober wichtige Nahrungsmittel wie Fleisch, Weizenprodukte, Milch, Kunsthonig, Kakaopulver sowie Sonderzuteilungen für Kranke gestrichen. Lebensmittelsendungen ins Ausland wurden von den Rationen abgezogen.

Frau in Berlin mit Judenstern, September 1941. Der Stern musste deutlich sichtbar getragen werden; war er verdeckt, konnte dies Strafe mit sich bringen.

Im Februar 1943 waren alle Beschäftigungsverhältnisse zwischen "Deutschen" und „Volljuden“ bzw. „Geltungsjuden“ aufzulösen. Im April wurde allen jüdischen Deutschen, „jüdischen Mischlingen“ und „Zigeunern“ die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Während Deportationen und Vergasungen in den Lagern längst im vollen Gange waren, diente diese Maßnahme nur noch der bürokratischen Perfektion der Enteignungen.

Es folgte das Verbot, bei Rechtsstreitigkeiten den ordentlichen Rechtsweg vor deutschen Gerichten zu nutzen. Strafbare Handlungen, wurden direkt von der Polizei geahndet. Angehörige von Deportierten konnten keine Ansprüche auf deren Besitz mehr geltend machen; dieser fiel an das Reich. Diese vollständige Entrechtung machte die noch im Reich lebenden Juden parallel zum Holocaust zum Freiwild für ihre bisherigen Nachbarn.

Relativ geschützt vor der Ausrottung waren nur noch jüdische, ehemalige Deutsche in „Mischehen“ oder mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Auch ihre Rechte wurden immer weiter eingeschränkt: Man erwog die Sterilisation oder Ehescheidung. Viele Ehepartner wurden von staatlichen Behörden direkt dazu aufgefordert. „Mischlinge“ durften ab September 1942 keine höheren Schulen mehr besuchen; Soldaten unter ihnen mussten die Wehrmacht verlassen. Nach dem misslungenen Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurden auch alle Beamten entlassen, die mit „jüdischen Mischlingen“ verheiratet waren. Im Januar 1945 wurden alle „Mischlinge“ zum „geschlossenen Arbeitseinsatz“ befohlen.

Verlauf des Holocaust

Erste Massenmorde und Deportationen nach Kriegsbeginn

Hitler hatte schon 1919 die vollständige „Entfernung“ der Juden aus Deutschland und Europa als sein politisches Ziel aufgestellt. Seine autobiografische Propagandaschrift „Mein Kampf“ erklärte 1926 die rassenpolitische Entmachtung des „Weltjudentums“ zum Hauptziel und deutete die Ermordung vieler Juden als Rache für künftige deutsche Kriegsopfer an. Am 30. Januar 1939 kündigte er in seiner Reichstagsrede zum Jahrestag der Machtergreifung erstmals an, ein neuer Weltkrieg, für den er die Juden verantwortlich machte, werde auf jeden Fall zur „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ führen. Auf diese Drohung kam Hitler im Kriegsverlauf oft – 1941 und 1942 allein je vier Mal – zurück. So beklagte er 1943 in einer Reichstagsrede, für diese Prophezeiung ausgelacht worden zu sein und schloss an: Unzählige von denen, die damals gelacht haben, lachen heute nicht mehr. In seinem politischen Testament vom 29. April 1945, dem Vortag seines Selbstmords, nahm er letztmals auf seine Ankündigung Bezug und ließ keinen Zweifel, dass er sie hatte durchführen lassen.

Im Zweiten Weltkrieg gelangten Millionen weiterer Juden der von Deutschland besetzten Gebiete besonders Osteuropas unter die Herrschaft der Nationalsozialisten. Diese gaben nun deren Deportation den Vorrang vor ihrer Vertreibung. Schon vor dem Überfall auf Polen vom 1. September 1939 schlossen SS und Wehrmacht ein Abkommen, das Heinrich Himmler als „Kommissar für deutsches Volkstum“ besondere Vollmachten für die zu besetzenden Gebiete gab. Am 20. September 1939 beschlossen Hitler, Himmler, Reinhard Heydrich und Albert Forster als Nahziel, binnen eines Jahres alle Juden aus dem Reich nach Polen zu bringen und dort in Ghettos zu konzentrieren. Man dachte dabei zunächst an die Einrichtung eines überwachten „Judenreservats“ an der Grenze zur Sowjetunion. Dabei wurde deren Massensterben und langfristige Vernichtung bereits eingeplant und angestrebt. Bis Dezember 1939 wurden bereits etwa 60.000 Polen, darunter 7000 polnische Juden, von eigens dazu aufgestellten Einsatzgruppen ermordet.

Datei:Kiev Jew Killings in Ivangorod (1942).jpg
Erschießung von Juden bei Iwangorod, Ukraine durch deutsche Polizei (Ordnungspolizei oder Einsatzgruppen)

Im März 1940 wurden die Juden der inzwischen „eingedeutschten“ polnischen Gebiete südlich von Warschau und Lublin zwangsweise in für sie hermetisch abgeriegelte Ghettos wie das von Warschau oder Łódź „umgesiedelt“. Dort starben viele aufgrund der von den Deutschen zu verantwortenden Nahrungsrationen an Hunger, Kälte und durch tägliche willkürliche Morde der NS-Wachmannschaften. Nur zwei höhere Wehrmachtsoffiziere, Johannes Blaskowitz und Wilhelm Ulex, protestierten und wurden daraufhin von Hitler abgesetzt. Im April 1940 wurden diese „Zwangsumsiedlungen“ vorerst wieder eingestellt, weil sich organisatorische Probleme dabei ergaben.

Danach erwogen das Auswärtige Amt und das Reichssicherheitshauptamt im Juni 1940 den sogenannten Madagaskarplan, der vorsah, bis zu 5,8 Millionen europäische Juden auf die Insel Madagaskar abzuschieben, die man im Rahmen eines Friedensvertrags vom besiegten Frankreich als Mandat zu bekommen hoffte. Nach der Luftschlacht um England wurde diese Idee illusorisch und dann stillschweigend fallengelassen.

Im Herbst 1940 verfuhren „Reichsgaue“ eine kurze Zeit uneinheitlich mit den jüdischen Bürgern ihres Bereichs: So schoben Baden, die Pfalz und das Saarland etwa 6500 Menschen am 22. und 23. Oktober in unbesetzte Teile des besiegten Frankreichs ab. Manche Städte erließen in eigener Regie Ausgangsbeschränkungen und zogen die Radioapparate jüdischer Bürger ein. Die Gestapo ging dazu über, diese uneinheitliche Handhabung zusammenzufassen, indem sie dieselben Maßnahmen reichsweit anordnete. Juden erhielten keine Kakao- und Schokoladenprodukte mehr, keine Kleiderkarten, kein Textil- und Ledermaterial. Ihre Lebensmittelkarten waren, wie ihre Pässe, mit einem „J“ markiert, und sie durften täglich erst nach 15:30 Uhr einkaufen, wenn die meisten Regale in den Läden bereits geleert waren.

Systematische Massenerschießungen osteuropäischer Juden

Mit dem am 22. Juni 1941 begonnenen Überfall auf die Sowjetunion begann auch die organisierte Massenvernichtung von Juden in den eroberten Gebieten, also der Holocaust. Er wurde von Erschießungen sowjetischer Juden über Deportationen osteuropäischer, dann auch deutscher und westeuropäischer Juden in Arbeits- und Vernichtungslager bis zur Räumung der osteuropäischen Ghettos und systematischen Vergasung der meisten deportierten Neuankömmlinge in den dazu gebauten Gaskammern ausgedehnt.

Bereits im Mai 1941 hatte Reinhard Heydrich auf Befehl Hitlers sechs mobile „Einsatzgruppen“ der SS und des SD aufstellen und ausbilden lassen. Ihr offizieller Auftrag war die Partisanenbekämpfung hinter den vorrückenden Heeresgruppen der Wehrmacht. Noch vor dem Überfall auf die Sowjetunion erhielten sie mit dem Kriegsgerichtsbarkeitserlass sowie dem Kommissarbefehl Sondervollmachten. Die Wehrmacht arbeitete auch bei der organisatorischen Erfassung von Juden in den besetzten Gebieten eng mit SS und SD zusammen; nur wenige Kommandeure weigerten sich, ohne dafür bestraft zu werden.

Die Einsatzgruppen begannen ab 24. Juni 1941 zunächst erwachsene männliche, ab 15. August auch jüdische Frauen, Kinder und Greise in eroberten sowjetischen Dörfern und Städten zu sammeln, um sie dann massenhaft zu erschießen: Auf diese Weise löschte diese erste Mordwelle ganze jüdische Gemeinden vor allem in Litauen, Weißrussland und der Ukraine aus. Die Einsatzgruppenführer mussten der Reichskanzlei in regelmäßigen Abständen von ihren Ergebnissen berichten: Bis Jahresende 1941 ermordeten sie knapp 400.000 sowjetische Juden. Die erste Massenerschießung männlicher jüdischer Einwohner durch deutsche Polizeieinheiten erfolgte in der Stadt Gargždai[17]

Polnische Juden müssen Munition verladen, Izbica im Juli 1941

Die meisten sowjetischen Juden waren als Zwangsarbeiter in Ostpolen, der Ukraine und dem Baltikum konzentriert. Ab März 1942 und ab August 1943 wurden auch die dort inzwischen eingerichteten Ghettos nach „arbeitsunfähigen“ Juden durchkämmt, um diese zu erschießen: so in Minsk, Riga und Babyn Jar bei Kiew. Diese Morde betrafen vielfach Frauen, Kinder, Kranke und auch deutsche Juden, die in diese Ghettos deportiert worden waren. Die Mordwellen reichten über die Schwarzmeerküste und Winniza bis nach Rostow am Don und in die Städte am Fuß des Kaukasus.

Ab August 1942 wurden auf Befehl der Militärverwaltungen, die Nahrungsmittelkontingente einsparen wollten, noch bestehende Ghettos in Weißrussland und der Ukraine „geräumt“: Das bedeutete vollständige Ermordung ihrer Bewohner, besonders in Wolhynien, u. a. in Luzk, Wladimir Wolynsk, Brest-Litowsk, Pinsk. Dabei wurden in Maly Trostinez auch Gaswagen eingesetzt.

An vielen dieser Massaker waren Wehrmachtseinheiten, drei Polizeibataillone, die stationäre Schutzpolizei, die Gendarmerie und ausländische Helfer direkt beteiligt. So lassen sich die Vernichtung durch den Krieg, Vernichtung durch Zwangsarbeit für den Krieg und Vernichtung in den durch Krieg eroberten Gebieten nicht voneinander trennen.

Allein von August bis November 1942 meldete Himmler an Hitler 363.000 als „Partisanen“ ausgegebene jüdische Ermordete. Bei Massenerschießungen und mobilen Vergasungen wurden insgesamt etwa 1,8 Millionen Juden, also ein knappes Drittel aller jüdischen Holocaustopfer, getötet.[18]

Siehe auch: Verbrechen der Wehrmacht

Vernichtungslager

Datei:WW2-Holocaust-Europe DE 2.png
Karte der Arbeits- und Vernichtungslager und Deportationswege im von Deutschland besetzten Europa um 1942

Das erste nationalsozialistische Konzentrationslager (KZ) war 1933 in Dachau eingerichtet worden. Es diente wie andere KZ seiner Art bis 1938 vorrangig der Inhaftierung, Folterung und Ermordung politischer Gegner, vor allem Angehörigen von KPD und SPD, Pazifisten und linken Intellektuellen. Es bot aber auch ein Modell für spätere Arbeits- und Vernichtungslager. Juden wurden dort von Anfang an besonders schikaniert und hatten die höchsten Sterblichkeitsraten.

Datei:Litzmannstadt.gif
Bekanntmachung zur „Verkleinerung“ des Ghettos Litzmannstadt vom 22. August 1944

Für die geplanten Morde im großen Stil galten Massenerschießungen, wie sie unmittelbar nach Kriegsbeginn in Polen einsetzten, bald als „ineffizient“. Zudem sollten anonymisierte Tötungsmethoden die psychische Hemmschwelle der Täter weiter senken oder ganz beseitigen. Daher erprobten die SS-Einsatzgruppen seit Herbst 1941 Massentötungen mit Hilfe von mobilen Vergasungswagen. Im Dezember begannen sie diese Methode im Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) systematisch anzuwenden.

Zuvor war 1939–41 bei der Aktion T4 zur Ermordung geistig und körperlich Schwerbehinderter Kohlenstoffmonoxid in Gaskammern verwendet worden. Dabei wurden reichsweit Medikamente, Nahrungsentzug, Injektionen und Gas als Tötungsinstrumente erprobt. Auch andere Einzelheiten der später eingesetzten Mordmaschinerie wurden damals getestet und ausgefeilt. Ärzte, Verwaltungs- und Transportspezialisten der T4-Aktion stiegen zum Teil in der SS-Hierarchie auf; das Personal der Vernichtungslager der Aktion Reinhardt stammte überwiegend aus der Aktion T4.

Da sich die von der NS-Führung nun verlangte Mordrate auch mit diesen bereits erprobten Methoden nicht erzielen ließ, wurden seit Sommer 1941 Vernichtungslager errichtet, deren Hauptzweck die fabrikmäßige Tötung einer möglichst großen Menschenzahl war:

Zur Tarnung der geplanten Ermordung diente für einen Kreis privilegierter Juden das Ghetto Theresienstadt genannte Konzentrationslager bei Prag. 1941 wurde es als Durchgangslager zum späteren Abtransport in die Vernichtungslager eingerichtet. Juden aus Deutschland konnten sich sogar unter Vorspiegelung einer Versorgung dort „einkaufen“. In Terezín lebten mehr als 140.000 Juden auf engstem Raum unter Beteiligung einer minimalen „jüdischen Selbstverwaltung“. Einer Delegation des Roten Kreuzes wurde dieses Konzentrationslager im Juli 1944 bei einer Besichtigung in einer Täuschungsaktion als Ort eines relativ „normalen Lebens“ der Häftlinge vorgeführt.

Aus dem ganzen von deutschen Truppen besetzten Europa wurden bis Kriegsende Menschenmassen in die Vernichtungslager deportiert. Soweit sie nicht schon beim Zugtransport, meist in ungeheizten Viehwaggons, umgekommen waren, wurden sie nach ihrer Ankunft zum Teil in Arbeitsfähige und Nicht-Arbeitsfähige selektiert. Kinder und ihre Mütter, Alte und Kranke, wurden gleich nach der Selektion in Gaskammern geführt, die meist als Duschräume getarnt waren. In Auschwitz wurden sie mit Zyklon B „vergast“ (ein anderer Ausdruck der zynischen SS-Sprache war „Sonderbehandlung“). In anderen Vernichtungslagern wurden meistens Motorabgase benutzt. Damit wurden fast alle in Transporten ankommenden Menschen sofort ermordet. Das Gas verursachte einen qualvollen, bis zu 20 Minuten dauernden Erstickungstod. Die Leichen wurden anschließend in Krematorien verbrannt. Körperliche Überreste – Haare und Goldzähne – und Privatgüter der Opfer – Kleidung, Schuhe, Brillen, Koffer usw. – wurden von der SS industriell verwertet.

Hinzu kamen Menschenversuche zu militärischen, medizinischen und anderen Zwecken in den Lagern. Die Opfer wurden zum Beispiel in Druckkammern extrem hohem oder niedrigem Luftdruck ausgesetzt, in Eiswasser unterkühlt, mit Bakterien infiziert, für chirurgische Versuche und vieles mehr missbraucht. Die Täter, etwa der SS-Arzt Josef Mengele, nahmen den Tod oder lebenslange Gesundheitsschäden der Versuchspersonen bewusst und ohne jede Skrupel in Kauf. An vielen deutschen und schweizerischen Forschungseinrichtungen fanden sich noch bis vor kurzem menschliche Körperteile, die einst von den Nationalsozialisten zu „Untersuchungszwecken“ angefordert und geliefert worden waren.

Europaweite Vernichtungstransporte und Massaker

Am 17. September 1941 entschied Hitler, die bis dahin für die Nachkriegszeit vorgesehene Deportation aller reichsdeutschen und europäischen Juden aus von Deutschland besetzten Gebieten nach Osteuropa noch während des Krieges zu beginnen. Nun fuhren die ersten Transportzüge aus Berlin, München, Wien, Prag nach Łódź, um zunächst 19.000 Juden in das ohnehin völlig überfüllte dortige Ghetto zu sperren. Dafür wurden ab Januar 1942 nichtdeutsche Ghettobewohner nach Kulmhof zur Vergasung gebracht.

In Kaunas erschossen Einsatzkommandos deutsche Juden vom 25. bis 29. November 1941 sofort nach ihrer Ankunft. Dies gilt als Beginn der „Endlösung“ für deutsche Juden, wobei umstritten ist, ob das NS-Regime diese damals schon beabsichtigte. Denn Himmler untersagte weitere Erschießungen von Berliner Juden in Riga am 30. November; der Befehl kam jedoch zu spät, so dass Himmler den SS-Führer Friedrich Jeckeln heftig für die Missachtung seiner „Richtlinien“ rügte. Man nimmt an, dass er die Ermordung reichsdeutscher Juden noch etwas aufschieben wollte, um das Durchsickern der Nachrichten davon im Reich zu verhindern. Im Februar 1942 wurden erneut deutsche Juden nach Lublin deportiert und in Riga erschossen. Ab März mussten auch Juden im Alter von über 65 Jahren, die bis dahin verschont worden waren, die Deportationszüge besteigen. Die Presse durfte nichts mehr darüber berichten. Im Mai wurden größere Gruppen auch deutscher Juden in Minsk und Kulmhof ermordet. Ab Juni sind erste direkte Transporte aus dem Reich in Vernichtungslager wie Sobibor und Belzec nachgewiesen.[19]

Das im März 1939 gebildete Marionettenregime der Slowakei unter Jozef Tiso hatte schon im November 1938 mit eigenen Deportationen slowakischer Juden nach Ungarn und in Arbeitslager begonnen. Auf sein Drängen hin wurden ab März 1942 unter der Regie Adolf Eichmanns etwa 58.000 slowakische Juden in den Distrikt Lublin, nach Auschwitz und Majdanek deportiert. Die meisten starben dort an Hunger, Zwangsarbeit und Seuchen. Im August 1942 wurden diese Transporte nach kirchlichen Protesten vorübergehend gestoppt. Zwei Jahre später besetzte die Wehrmacht die Slowakei; eine eigene Einsatzgruppe inhaftierte und deportierte etwa 12.000 untergetauchte slowakische Juden.

Im September 1941 veranlasste die dortige deutsche Militärverwaltung Massenmorde an männlichen Juden in Serbien. Ab Dezember 1941 wurden jüdische Frauen, Kinder und Greise Serbiens in das Lager Semlin interniert. Im Mai 1942 ermordete die dortige Gestapo 6000 von ihnen mit einem Gaswagen. In Kroatien erließ das Regime Ustascha schon im April 1941 Rassegesetze gegen Juden und Roma, denen bald Kleiderkennzeichen für Juden folgten. Nach Angehörigen der serbischen Minderheit ermordeten sie ab August 1941 auch Tausende kroatische Juden in dazu eingerichteten Lagern. Ab August 1942 deportierten sie auf Drängen der Deutschen 5500 internierte Juden nach Auschwitz. Im Mai 1943 wurden die auf italienischen Druck hin zwischenzeitig eingestellten Transporte wieder aufgenommen. Die italienischen Besatzungsbehörden retteten Tausenden kroatischen Juden das Leben, indem sie diese auf der Insel Rab internierten.

Im März 1942 wurden erstmals auch 1000 französische, in Compiègne inhaftierte Juden nach Auschwitz deportiert. Im Mai besuchte Heydrich Paris, um ein großes Deportationsprogramm mit dem Vichy-Regime zu besprechen. Dazu gehörte die Einführung des Judensterns. Am 16. und 17. Juli nahm die Polizei in Paris bei einer Razzia etwa 13.000 Juden ohne gültigen Pass fest. Sie wurden mit regelmäßigen Zügen vom Sammellager Drancy nach Auschwitz gebracht und dort meist sofort ermordet. Auch aus der unbesetzten Zone Frankreichs wurden ab 17. August 1942 eingewanderte Juden mitsamt ihren Kindern, die eigentlich als französische Staatsbürger rechtlichen Schutz genossen, in die osteuropäischen Vernichtungslager deportiert. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in den bislang unbesetzten Teil Frankreichs im November 1942 wurden diese Transporte von den Gefolgsleuten Eichmanns organisiert. Die französischen und italienischen Behörden in der bis September 1943 italienisch besetzten Zone um Nizza verweigerten oft die Auslieferung, so dass mehr als die Hälfte aller französischen Juden dem Abtransport entgingen. 75.000 von ihnen wurden deportiert, etwa 3000 davon überlebten die Lager.

Ebenfalls im Juli 1942 begannen die Deportationen von etwa 25.000 Juden aus Belgien und etwa 107.000 Juden aus den Niederlanden. Während ständige zähe Verhandlungen mit dem Vichy-Regime die Deportationen aus Belgien im Frühjahr 1943 stocken ließen, gingen die aus den Niederlanden unvermindert weiter.

In Griechenland wurden die Juden je nach Besatzungsbehörde sehr verschieden behandelt. Im italienisch besetzten westlichen Teil schützten die Behörden sie bis September 1943; in den deutsch und bulgarisch besetzten östlichen Teilen wurden die Juden aus mehreren Ghettos Salonikis ab März 1943 nach Auschwitz transportiert. Nach der Kapitulation Italiens vor den Alliierten schickten die Deutschen mit großem logistischem Aufwand tausende weiterer Juden aus Korfu und dem damals italienischen Rhodos dorthin. Insgesamt wurden rund 54.000 Juden aus Griechenland ermordet.

In Bulgarien führte die Regierung im Juli 1942 Rassengesetze ein und gab bulgarische Juden auf deutschem Gebiet zur Deportation frei. Im März und April 1943 verhaftete sie circa 11.300 im von ihr besetzten Mazedonien und Thrakien aufgefundene bulgarische Juden, um sie den Deutschen auszuliefern. Die übrigen inländischen bulgarischen Juden blieben jedoch verschont.

Deportation jüdischer Frauen, überwacht von einem rumänischen Soldaten, 17. Juli 1941

Die Regierung Rumäniens unter Antonescu ließ etwa 350.000 rumänische Juden in den von ihr besetzten Gebieten in großen Massenmorden nahezu vollständig ausrotten. Nur die Juden Transsylvaniens blieben bis März 1944 unter dem Schutz Ungarns, bis auch sie mit den ungarischen Juden direkt nach Auschwitz deportiert wurden. Die bereits fest geplante Deportation der Juden Altrumäniens ließ der Staatschef im Oktober 1942 überraschend stoppen. Diese waren jedoch weiterhin Verfolgung und Pogromen ausgesetzt.

In Dänemark konnte die demokratisch gewählte Regierung unter deutscher Besatzung zunächst weiterarbeiten. Sie verhinderte erfolgreich die Einführung von Judenstern und Rassengesetzen. Als der dänische Widerstand im Sommer 1943 anwuchs, beschloss die deutsche Militärverwaltung die Deportation der dänischen Juden. 7200 von ihnen konnten jedoch rechtzeitig vor dem bekannt gewordenen Termin mit Fischerbooten in das neutrale Schweden fliehen; siehe dazu Rettung der dänischen Juden. Nur 500 dänische Juden wurden nach Theresienstadt deportiert, wo die meisten überlebten. 734 norwegische Juden fanden in Auschwitz den Tod. Finnland lehnte eine Auslieferung der finnischen Juden ab. Von diesen kämpften einige auf deutscher Seite gegen die Sowjetunion.

Etwa 9000 Juden Italiens wurden nach dem Sturz Mussolinis von Oktober 1943 bis Dezember 1944 großenteils nach Auschwitz deportiert. Zudem wurden viele Juden Norditaliens und der Adriaküste bis Kriegsende von Einsatzgruppen, die aus Polen dorthin verlegt worden waren, aufgespürt und ermordet.[20]

Opfer

Gesamtzahlen jüdischer Opfer

Land Dimension des Völkermords (2/1996) Enzyklopädie des Holocaust (4/2002) Burkhard Asmuss (1/2002)
Albanien deportiert 591 3
Belgien 28.518 28.900 25.000
Bulgarien 11.3931
Dänemark 116 60 3
Deutschland 160.000–195.0002 134.500–141.500 165.000
Estland 1.000
Frankreich 76.134 77.320 75.000
Griechenland 59.185 60.000–70.000 59.000
Italien 6.513 7.680 7.000
Jugoslawien 60.000–65.000 56.200–63.300 65.000
Lettland 67.000
Litauen 160.000
Luxemburg 1.200 1.950 3
Niederlande 102.000 100.000 102.000
Norwegen 758 762 3
Österreich 65.900 50.000 65.000
Polen 2.700.000 2.900.000–3.000.000 3.000.000
Rumänien 211.214 271.000–287.000 350.000
Sowjetunion 2.100.000 1.211.500–1.316.500 1.000.000
Tschechoslowakei 143.000 146.150–149.150 260.000
Ungarn 550.000 550.000–569.000 270.000
weitere Länder 2.8003
Summe 6.276.522–6.316.522 5.596.022–5.863.122 5.673.800
Anmerkungen:
Keine Angaben: -
1 Die Zahlen beziehen sich auf Juden aus bulgarisch besetzten Gebieten; alle bulgarischen Juden wurden gerettet.
2 Benz nennt 165.000 als realistische Schätzung.
3 Asmuss fasst die Opfer aus Albanien, Dänemark, Luxemburg, Norwegen und Nordafrika in einer Zahl unter „weitere Länder“ zusammen.

Die Opferzahlen des Holocausts ließen sich bis 1990 nur ungefähr schätzen. Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wurde 1946 erstmals die ungefähre Zahl von sechs Millionen ermordeter Juden genannt. In einer eidesstattlichen Erklärung sagte Wilhelm Höttl, bis 1945 Mitarbeiter im Reichssicherheitshauptamt, aus, Eichmann habe ihm berichtet:[21]

„In den verschiedenen Vernichtungslagern seien etwa vier Millionen Juden getötet worden, während weitere zwei Millionen auf andere Weise den Tod fanden, wobei der größte Teil davon durch die Einsatzkommandos der Sicherheitspolizei während des Feldzuges gegen Rußland durch Erschießen getötet wurde.“

Holocaustforscher nahmen jedoch zunächst an, von 1939 bis 1945 seien weniger Juden ermordet worden: Gerald Reitlinger schätzte sie 1953 auf 4,2 bis 4,7[22], Raul Hilberg 1961 auf 5,1 Millionen.[23] Martin Gilbert kam 1982 auf 5,7 Millionen.[24] 1987 trug die von einem internationalen Autorenkollektiv verfasste Enzyklopädie des Holocaust die damals möglichen genauesten Schätzungen aus vielen Einzelländern zusammen und kam so auf etwa 5,6 Millionen.

Durch die Freigabe sowjetischer Archive seit 1990 konnten die bis dahin ungewissen Opferzahlen für Polen und die Sowjetunion etwa anhand von Deportationslisten, Zugfahrplänen und Mitgliedlisten jüdischer Gemeinden vor und nach dem Holocaust überprüft werden. Dabei stellte sich heraus, dass die Opferzahlen der Konzentrationslager Auschwitz zwar niedriger lagen als zuvor vermutet, dass aber allein dort 1,1 Millionen Menschen, darunter mindestens 900.000 Juden, ermordet worden waren.[25]

Wolfgang Benz befasste sich in „Dimension des Völkermords“ (erschienen 1991, 2. Auflage 1996) mit allen heute zugänglichen Quellen, Auswertungs- und Berechnungsmethoden der Opferzahlen. Burkhard Asmuss veröffentlichte 2002 eine Aufstellung mit teilweise gröberen Schätzungen.[26] Insgesamt erhärtete sich dabei eine Gesamtopferzahl von mindestens 5,6 bis zu 6,3 Millionen ermordeten jüdischen Menschen. Dazu kommen Zahlen für Verletzte und Vertriebene.

Die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem hat eigenen Angaben zufolge zwei Drittel der rund sechs Millionen jüdischen Opfer identifiziert. Derzeit (12/2010) gibt es in der Personenkartei mehr als vier Millionen Namen. 2,2 Millionen davon wurden von Angehörigen oder Freunden beigesteuert, die anderen stammen aus Archiven oder Recherchen.[27]

Weitere von Vernichtung bedrohte Gruppen

Zum Vernichtungsprogramm der Nationalsozialisten gehörte auch die Ermordung von drei Mio. sowjetischen Kriegsgefangenen und fast drei Mio. nichtjüdischen Polen durch Massenexekutionen, Kriegshandlungen oder Nahrungsentzug. Mehr als zwei Millionen Osteuropäer, vor allem Polen und Sowjetbürger starben bei der ihnen auferlegten Zwangsarbeit. Die Nationalsozialisten folgten dabei dem Grundsatz „Vernichtung durch Arbeit“: Das Sterben der Zwangsarbeiter durch Hunger, Kälte, Überforderung und willkürliche Morde wurde bewusst in Kauf genommen und herbeigeführt. Solange die Betroffenen arbeitsfähig waren, diente ihre Zwangsarbeit wiederum der Fortsetzung des Krieges und damit weiterer Vernichtung.

Auch die Einrichtung der Arbeitslager und die Verschleppung der Kriegsgefangenen war keine zufällige, sondern gezielt herbeigeführte Folge des Überfalls auf die Sowjetunion. Im Generalplan Ost hatte man ein weitreichendes Programm dazu ausgearbeitet. Danach sollten bis zu 30 Millionen als „rassisch minderwertig“ bezeichnete Slawen allmählich durch Massenmord und Verbannung nach Sibirien ausgerottet werden.

Deportation von Sinti und Roma, Fotografie: Asperg 1940

Zum Holocaust gehörte auch der Völkermord an den europäischen Roma (siehe: Porajmos). Auch deren möglichst weitgehende Vernichtung beruhte auf rassistischem Denken. Neben parteipolitischen Gegnern wurden auch andere missliebige Gruppen, etwa sogenannte Asoziale, Gewerkschaftler, Zeugen Jehovas, andere oppositionelle Christen, unangepasste Jugendliche wie Swing-Liebhaber, Edelweißpiraten oder Mitglieder der bündischen Jugend sowie Homosexuelle in den KZs interniert und teilweise ermordet. Der Grad ihrer Verfolgung unterschied sich aber deutlich von dem auf völlige Ausrottung zielenden Genozid an Juden, der Versklavung und Massenvernichtung der Slawen und massenhaften Internierung und Tötung der „Zigeuner“.

Täter

Beweisdokumente

Von der Planung des Holocausts existieren nur wenige schriftliche Dokumente, da der engere Täterkreis Ausmaß und Tragweite seiner Verbrechen vor der Nachwelt verbergen wollte und diese als „Geheime Reichssache“ behandelte. Die direkt Beteiligten unterlagen strengster Verschwiegenheitspflicht. Den führenden Nationalsozialisten war demnach der außerordentliche Zivilisationsbruch, den ihre Taten darstellten, vollauf bewusst.

Der Großmufti von Jerusalem Mohammed Amin al-Husseini spielte eine entscheidende Rolle bei der Ausbreitung des modernen Antisemitismus im arabischen Raum und der Zusammenarbeit von islamistischen Antisemiten mit den Nationalsozialisten. Er war überzeugter Befürworter der Vernichtung der europäischen Juden im Deutschen Reich. Er knüpfte Kontakte zu den Nationalsozialisten, gewann die Unterstützung durch deutsche Führungskreise und lebte ab 1941 in Berlin. Al-Husseini war Mitglied der SS und betrieb Propaganda für Deutschland in arabischer Sprache. In der Spätphase des Zweiten Weltkrieges half al-Husseini auf dem Balkan bei der Mobilisierung von Moslems für die Waffen-SS. Der französische Innenminister erklärte im Mai 1945 rückblickend, al-Husseini sei die „Leitfigur deutscher Spionage in allen muslimischen Ländern“.“.[28]

Heinrich Himmlers Memorandum zum „Madagaskarplan“ vom Mai 1940 bezeichnete die Zwangsdeportation aller europäischer Juden nach Madagaskar als „mildeste und humanste Art zur Endlösung der Judenfrage“, wenn man denn „die bolschewistische Methode der physischen Ausrottung eines Volkes aus innerer Überzeugung als ungermanisch und unmöglich“ ablehne.[29] Demnach erwogen die NS-Spitzen um Hitler die Judenvernichtung bereits damals. Nach Himmlers Posener Reden im Oktober 1943 vor an Massenexekutionen hinter der Ostfront beteiligten SS-Offizieren, Gauleitern und Vertretern der Wehrmacht geschah die restlose physische Judenausrottung auf Hitlers persönlichen Befehl. Dies bestätigte Himmlers Masseur Felix Kersten: Der SS-Führer habe im Frühjahr 1941 ihm gegenüber geäußert, dass „die Juden bis Kriegsende bis auf den letzten Menschen ausgerottet werden. Das ist der eindeutige Wunsch und Befehl des Führers.“[30] Hitler gab diesen Befehl also auf dem Höhepunkt seiner Macht, nicht erst in Folge der seit Dezember 1941 absehbaren möglichen militärischen Niederlage gegen die Sowjetunion.

Bis dahin sollten die Juden wahrscheinlich in unwirtliche Regionen der Sowjetunion abgeschoben werden und dort zugrunde gehen. Doch als der rasche Sieg über die Sowjetunion ausblieb, wurde im Herbst und Winter 1941/42 beschlossen, noch während des Krieges in den besetzten Gebieten Osteuropas mit der „Endlösung“ zu beginnen. Für die Aktion Reinhard, in der alle Juden und Roma Polens ermordet werden sollten, wurden zusätzliche Vernichtungslager eingerichtet.

Am 20. Januar 1942 fand unter der Leitung des „Chefs der Sicherheitspolizei und des SD“, Reinhard Heydrich, die später so genannte Wannseekonferenz bei Berlin statt. Dort besprachen hochrangige Regierungsbeamte die organisatorische Kooperation bei der „Endlösung der Judenfrage“. Laut dem einzigen erhaltenen Konferenzprotokoll – einem der wichtigsten schriftlichen Planungsdokumente – waren 11 Millionen Juden Europas zur Vernichtung vorgesehen. Auf heimlichen Tonbandaufnahmen des Mossad sagte der damalige Protokollant und „Judenreferent“ Adolf Eichmann vor seinem Prozess 1961, Heydrich habe ihm einige Tage zuvor persönlich und wörtlich mitgeteilt: Der Führer hat die physische Vernichtung der Juden befohlen.

Beteiligte Gruppen und Gesellschaftsbereiche

Der Holocaust war kein Projekt einer Einzelbehörde und wurde nicht nur von bestimmten dazu beauftragten Tätern durchgeführt, sondern von vielen Institutionen aller deutschen Gesellschaftsbereiche ermöglicht, mit getragen, geplant, organisiert und vollzogen. Seit den Forschungen Raul Hilbergs werden dabei bürokratische Entscheidungsabläufe, Arbeitsteilung, Zuständigkeiten und ihr Zusammenwirken untersucht, aber auch gemeinsame Interessen, ideologischer Konsens und praktische Bündnisse zwischen alten und neuen Eliten, Führung und Bevölkerungen.

Historiker gehen heute von bis zu 500.000 „an den Schreibtischen wie auf den Schauplätzen“ an den Judenmorden beteiligten, meist männlichen, Deutschen und Österreichern sowie nochmals einigen Hunderttausend Kollaborateuren aus den von Deutschland besetzten oder mit ihm verbündeten Staaten aus.[31] Haupttäter waren Mitglieder aller Machtsäulen des NS-Staates:

  • Adolf Hitler und der engere Führungszirkel des NS-Regimes, die die Leitlinien der Vernichtungspolitik bestimmten und in allgemeine Befehle und Verordnungen umsetzten,
  • die Massenpartei NSDAP, die die Hetzpropaganda entfaltete, die den Holocaust vorbereitete und begleitete, deren Gauleiter und Ortsgruppenleiter die Entrechtung und Deportation der Juden und anderer Opfergruppen in ihrem Bereich vorantrieben, deren SA und Hitlerjugend direkt an Verfolgungs- und Mordaktionen in der Vorkriegszeit (zum Beispiel Judenboykotte 1933ff., Novemberpogrome 1938) und gegen Kriegsende (Endphaseverbrechen gegen KZ-Häftlinge auf Todesmärschen usw.) teilnahmen;
  • die SS als dem Führer persönlich verpflichtete elitäre Terrororganisation, deren weitverzweigte Untergliederungen die rassistische Bevölkerungs- und Vernichtungspolitik in den eroberten und eingegliederten Gebieten durchführten und dort das entsprechende Lager- und Ghettosystem organisierten. Hier wird nicht nur den Einsatzgruppen, sondern auch den Polizeibataillonen und ihren jeweiligen Vorgesetzten, den Höheren SS- und Polizeiführern sowie den SS-Hauptämtern – besonders dem Reichssicherheitshauptamt – eine Hauptverantwortung an den Massenmorden zugewiesen.
  • die Gestapo, Ordnungs-, Sicherheits- und Kriminalpolizei: Sie sollten möglichst alle „Reichs- und Volksfeinde“ aufspüren, überwachen und „ausschalten“ und wirkten dabei mit der SS zusammen.
  • die Wehrmacht: Deren Oberkommandos und Generäle trugen die Vernichtungsziele des Krieges gegen die Sowjetunion mit, setzten sie in völkerrechtswidrige Befehle um und halfen auf vielfältige Weise bei der Judenvernichtung, etwa indem sie Soldaten für Massenerschießungen bereitstellten, die Judenkennzeichnung in besetzten Gebieten erzwangen, jüdische Kriegsgefangene aussonderten und Juden als Partisanen ermorden ließen oder selbst ermordeten.
  • viele Wirtschafts- und Industrieverbände und Unternehmen, die von der Arisierung, Zwangsarbeit und vom Aufbau der Vernichtungsindustrie in den Lagern profitierten und daran mitwirkten.
  • die zivilen und militärischen Besatzungsverwaltungen, besonders in Osteuropa, die die wirtschaftliche Ausbeutung und rassistische Bevölkerungspolitik in ihren Gebieten organisierten, durchführten, zum Teil in einen Wettlauf bei deren „Entjudung“ eintraten und dazu Druck auf die Berliner Zentralbehörden ausübten.
  • das Personal vieler Staats- und Verwaltungsbehörden, die mit Gesetzen, Verordnungen, Verwaltungsakten und konkreten Maßnahmen an der Judenverfolgung, -ausgrenzung, -deportation und -vernichtung mitwirkten:[32] Es gab kaum eine Behörde, […], die nicht „von Amts wegen“ für die „Lösung“ einer „Judenangelegenheit“ zuständig war.

Als indirekte, aber deswegen nicht weniger verantwortliche Tätergruppen werden erachtet:

  • Wissenschaftsinstitute, Universitäten und Fakultäten, die – z. B. in der Medizin, Völkerkunde und Raumplanung – mit interessegeleiteter Forschung ideologische Gründe lieferten, Pläne erstellten, Aufträge vergaben und sich – etwa durch die Abnahme von Leichen für „anatomische Rassestudien“ oder von lebenden Häftlingen für Menschenversuche – an Mordaktionen beteiligten.
  • die Kirchen, die ihre Tauf- und Eheregister zur Erfassung der „Nichtarier“ zur Verfügung stellten, selbst „Ariernachweise“ erstellten und die ausführenden Täter überwiegend moralisch entlasteten.
  • Bevölkerungsteile in Deutschland und den von Deutschen besetzten Gebieten, die die Judenverfolgung unterstützten.

Reaktionen in der NS-Zeit

Wissen und Haltung der nichtjüdischen Deutschen

Während die zunehmende Judenverfolgung in Deutschland vor aller Augen geschah, achtete das NS-Regime bei der „Endlösung“ auf strengste Geheimhaltung. SS-Angehörigen war es unter Androhung der Todesstrafe verboten, über die Ermordung von Juden oder Sinti und Roma zu berichten.

Der übrigen Bevölkerung stellte man die Deportationen der Juden aus dem Reich offiziell als „Umsiedlungen“ dar. Eine Mehrheit nahm diese Lüge hin, obwohl allein diese Massendeportationen ein schweres Unrecht waren. Dass „Umsiedlung“ tatsächlich Massenmord bedeutete, erfuhren manche Deutsche nur vom Hörensagen, etwa von Soldaten auf Heimaturlaub, und durch „Flüsterpropaganda“ (Hannah Arendt). Der Widerstandskämpfer Helmuth James Graf von Moltke schrieb 1943: Mindestens neun Zehntel der Bevölkerung weiß nicht, dass wir Hunderttausende von Juden umgebracht haben. Doch selbst das Zehntel, das ansatzweise Bescheid wusste, hat – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nichts dagegen unternommen, obwohl das allmähliche Verschwinden der Juden aus dem gesellschaftlichen Leben in Deutschlands für jeden offensichtlich war.

Obwohl der Völkermord an den Juden die geplante Folge der nationalsozialistischen Rassenpolitik war, glaubten damals und glauben noch heute manche Menschen, dass die Bilder und Berichte aus den Konzentrationslagern Bestandteil der britischen und amerikanischen Kriegspropaganda seien. Nichtwissen und Nicht-Wissen-Wollen über den Holocaust gehen dabei ineinander über.

Haltung der Alliierten

Seit 1933 kritisierten ausländische Staaten die nationalsozialistische Innenpolitik, besonders die Verfolgung von Juden und anderen Minderheiten. Bei der von US-Präsident Roosevelt angestoßenen Konferenz von Évian im Juli 1938 war jedoch fast kein Teilnehmerstaat zur Aufnahme jüdischer Flüchtlinge oder Erhöhung seiner Einwanderungsquoten bereit.

Nach Kriegsbeginn verstärkte sich die Kritik der Alliierten; dennoch wurden die europäischen Juden nicht präventiv vor den vorrückenden Truppen der Achsenmächte evakuiert. Seit 1942 wurde den Alliierten die systematische Ausrottungspolitik des NS-Regimes bekannt. Sie verurteilten diese äußerst scharf und begründeten damit auch ihre Kriegsstrategie. Mitte Dezember 1942 warnten die USA, Großbritannien und weitere 10 Regierungen die deutsche Regierung, dass „die Verantwortlichen einer Vergeltung nicht entgehen“ würden (Interalliierte Erklärung zur Vernichtung der Juden vom 17. Dezember 1942). Gezielte Maßnahmen, um den Holocaust zu beenden oder aufzuhalten, ergriffen sie aber nicht. Ihre Kriegsführung richtete sich seit Kriegseintritt der USA auf die vollständige Kapitulation des NS-Regimes.

Als die ersten Nachrichten über die Massenvernichtung eintrafen, versuchte das US-Außenministerium deren Veröffentlichung zu unterdrücken. Auf Druck der öffentlichen Meinung trat im April 1943 auf Bermuda erneut eine internationale Konferenz zusammen, um Lösungen für Flüchtlinge zu erörtern. Wie die Vorkriegskonferenz von Evian verlief auch sie ergebnislos. Erst nach Intervention des Finanzministers Henry Morgenthau kündigte Roosevelt am 22. Januar 1944 die Einsetzung des War Refugee Board an. Dieses Gremium trug zur Rettung mehrerer Tausend Juden bei.

Die britische Regierung behinderte und unterließ in einzelnen Fällen mögliche Hilfeleistungen. Als im Dezember 1942 einige britische Abgeordnete verlangten, jüdischen Flüchtlingen müsse sichere Zuflucht versprochen werden, lehnte der britische Außenminister dies mit der Begründung ab, es gebe „Sicherheitsbedenken“ und „geografische Probleme“. Anfang 1943 wurde bekannt, dass man gegen Hinterlegung einer gewissen Summe in der Schweiz 70.000 rumänische Juden hätte retten können. Die Regierung hatte den Plan jedoch blockiert, da sie eine Schwächung der eigenen und eine Stärkung der deutschen Position befürchtete.

Die sowjetischen Behörden lieferten deutsche Juden – darunter viele Kommunisten, die in der Sowjetunion Zuflucht gesucht hatten – nach Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes im August 1939 den Nationalsozialisten aus. Nach dem Überfall der Wehrmacht im Juni 1941 blieb die besondere Gefährdung der sowjetischen Juden unberücksichtigt. Die sowjetische Berichterstattung verschwieg die deutsche Ausrottungspolitik. Jüdische Flüchtlinge fanden oft keine Unterstützung durch die Partisanen, wurden von diesen nicht als Mitkämpfer aufgenommen und zum Teil ihrer Waffen und Nahrungsmittel beraubt.

Nach Kriegsende trafen in der britischen und amerikanischen Besatzungszone etwa 200.000 jüdische Flüchtlinge ein, die meist jahrelang in besonderen Lagern untergebracht wurden. Ein britischer General, der die United Nations Relief and Rehabilitation Administration leitete, behauptete, eine jüdische „Geheimorganisation“ würde Juden nach Deutschland „schmuggeln“. Sie seien „gut gekleidet, wohlgenährt und rotwangig“ und besäßen „große Geldbeträge“. Mitte 1946 untersagten die britischen Behörden jüdischen Flüchtlingen den Zugang zur britischen Besatzungszone.

Wegen solcher Erfahrungen vermuten manche Vertreter jüdischer Opfergruppen, dass einige führende Kräfte im Westen der NS-Propaganda erlagen, wonach das „Weltjudentum“ den Krieg verursacht habe, um sich der Herrschaft über die angelsächsischen Staaten zu bemächtigen. Eine gesamteuropäische Verantwortung für den Holocaust betonen auch Kirchenvertreter seit 1945: oft, aber nicht immer zur Relativierung des deutschen Schuldanteils.

Widerstand

Jüdischer Widerstand

Die nach dem Krieg weit verbreitete Auffassung, die Juden hätten kaum Widerstand gegen ihre Deportationen und schließliche Ermordung geleistet, wurde in den letzten Jahren von der historischen Forschung korrigiert. Nur wenige Juden ahnten zunächst etwas vom ganzen Ausmaß des ihnen zugedachten „Schicksals“. Für viele waren die Informationen über Massenvernichtungslager, die um 1942/43 unter anderem in den jüdischen Ghettos Polens, Litauens und Weißrusslands zunehmend kursierten, lediglich Gerüchte. Die Vorstellung, dass sie als ganzes Volk ermordet werden sollten, erschien den meisten anfangs schon wegen der Dimension als wenig glaubhaft. Der Gedanke war stark, dass ihr Leben als Arbeitskraft wichtig genug war, um wenigstens als Sklavenarbeiter überleben zu können, bis die Deutschen besiegt seien.

Allerdings gab es auch Widerstand unter den Juden. Eines der bekanntesten Beispiele dafür – und ein Fanal für den jüdischen Widerstand insgesamt – war der Aufstand im Warschauer Ghetto vom 19. April bis zum 16. Mai 1943. Er wurde organisiert durch die jüdische Kampforganisation „ZOB“ in der Endphase der Auflösung des Ghettos durch die Nationalsozialisten, als alle dort noch verbliebenen Juden in die Vernichtungslager – vor allem nach Treblinka – deportiert werden sollten. Die Untergrundorganisation war von Kurieren, die zwischen dem „arischen“ Teil und dem abgeriegelten jüdischen Ghetto Warschaus unter lebensgefährlichen Bedingungen pendelten, nach und nach mit Waffen beliefert worden.

Die in verschiedenen Häusern des Ghettos kämpfenden Gruppen konnten den eindringenden Räumkommandos der SS zunächst in einem Überraschungsmoment hohe Verluste beibringen und sie in die Flucht schlagen. Daraufhin kehrte die SS mit schwerem Gerät wie Panzern und Artilleriegeschützen zurück. Trotz der Übermacht der SS konnten sich die jüdischen Widerstandsgruppen in einem etwa vier Wochen andauernden Häuserkampf halten. Am Ende blieb den noch übrigen Kämpfern nur die Kapitulation und damit in den meisten Fällen der Tod durch Erschießen. Nur wenige Beteiligte dieses Aufstands konnten sich durch die Abwasserkanäle retten.

Auch in anderen Ghettos bildeten sich jüdische Widerstandsgruppen, die verschiedentlich Ghettobewohnern zur Flucht verhalfen, und vereinzelt auch kleinere Revolten initiieren konnten, so zum Beispiel in Białystok und Vilnius. Ferner gab es in den KZs und Vernichtungslagern Osteuropas in einigen Fällen Aufstände jüdischer Häftlinge:

  • Der Aufstand von Treblinka am 2. August 1943 war der erste Aufstand in einem Vernichtungslager mit der Folge einer Massenflucht jüdischer Lagerinsassen. Neben der Flucht war ein Ziel des Aufstands, das Lager zu zerstören. Diesen von etwa 400 Häftlingen durchgeführten Aufstand überlebten letztendlich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs etwa 60 Personen.
  • Am 14. Oktober 1943 kam es zu einem von sowjetisch-jüdischen Kriegsgefangenen angeführten weiteren bekannt gewordenen Aufstand von Sobibór in Ostpolen. Dabei gelang es den Aufständischen, neun Angehörige der Wachmannschaften zu töten. Der Aufstand weitete sich zu einem Massenaufstand der Häftlinge aus. 65 jüdischen Gefangenen gelang letztlich die Flucht. Das Ende des Krieges erlebten 47 dieser Flüchtlinge aus Sobibor. Gegen Ende des Jahres 1943 gaben die Nationalsozialisten das Lager in Folge der Massenflucht auf.
  • Im KZ Auschwitz-Birkenau gab es etwa 700 einzelne Fluchtversuche, von denen etwa 300 erfolgreich waren. Am 7. Oktober 1944 kam es zum Aufstand des jüdischen Sonderkommandos in Auschwitz, das an den Krematorien, den Verbrennungsöfen für die Opfer der Massenvergasungen, eingesetzt war. Durch die Zündung des von weiblichen Gefangenen eingeschmuggelten Sprengstoffs wurde ein Teil des Krematoriums IV zerstört. 250 Gefangene versuchten zu flüchten, wurden aber bald gefasst und umgebracht.

Europaweit waren Tausende untergetauchte Juden beteiligt am Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer, insbesondere in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Italien, den Balkanstaaten und Griechenland, wo sich jüdische Partisanen meist den bestehenden Widerstandsgruppen anschlossen. In Osteuropa, vor allem im katholisch geprägten Polen, gelang es den aus den KZs und Ghettos Entkommenen eher selten, sich schon bestehenden Partisanengruppen anzuschließen, da dort auch manche NS-Gegner Antisemiten waren. Darum bildeten sich gerade in Polen stärker als in West- und Südeuropa auch eigene spezifisch jüdische Partisaneneinheiten, die trotz ihrer anfänglichen Unerfahrenheit schnell in den Ruf kamen, besonders entschlossene und motivierte Kämpfer gegen die Deutschen zu sein, und die im weiteren Kriegsverlauf von der vorrückenden Roten Armee teilweise bevorzugt mit Waffen versorgt wurden. Insbesondere beim so genannten Schienenkrieg, der sich auf Anschläge und Sabotageaktionen gegen Eisenbahntransporte der deutschen Wehrmacht an die Ostfront konzentrierte, traten jüdische Partisanengruppen häufig in Erscheinung und schlugen zeitweilig erhebliche Lücken in die Kriegsinfrastruktur der Deutschen.

In der mit den Deutschen kollaborierenden französischen Kolonie Algerien waren es jüdische Widerstandskämpfer, die bei der Operation Fackel die als uneinnehmbar geltende Festung Algier von innen erstürmten, und damit einen entscheidenden Beitrag für die Landung der Alliierten und deren anschließenden erfolgreichen Feldzug gegen die deutsche Wehrmacht in Nordafrika leisteten.

Viele Juden, die in den 1930er Jahren und zu Beginn des Krieges vor den Nationalsozialisten ins sichere Ausland emigrieren konnten, schlossen sich während des Zweiten Weltkrieges den Truppen der verschiedenen Alliierten an. In vielen Armeen gab es eigene jüdische Einheiten, beispielsweise die Jüdische Brigade als Teil der britischen Armee. Gegen Ende des Krieges wurde die jüdische Fluchthilfe-Bewegung Beriha (hebräisch „Flucht“) gegründet, mit deren Hilfe zwischen 1944 und 1948 etwa 250.000 Juden aus osteuropäischen Ländern flüchten konnten. Nach dem Krieg dienten emigrierte deutsche Juden den Alliierten oft als Übersetzer im besetzten Deutschland.

Schätzungen zufolge waren europaweit bis zu 1,5 Millionen Juden am regulären militärischen Kampf, als auch im Untergrund als Partisanen aktiv am Widerstand gegen die nationalsozialistische Herrschaft beteiligt.[33]

Innerdeutscher Widerstand und Hilfsaktionen

Vereinzelt setzten sich auch nichtjüdische Deutsche gegen den geplanten und laufenden Genozid an den Juden zur Wehr. Solche Rettungstaten waren mit ständiger Lebensgefahr verbunden und selten.

Der deutsche Industrielle Oskar Schindler bewahrte im Deutschen Reich 1200 jüdische Zwangsarbeiter vor der Vernichtung, indem er sie bis Kriegsende als kriegswichtig für seinen Betrieb deklarierte und für ihren Unterhalt persönlich aufkam.

Auch die als Rote Kapelle bezeichnete Berliner Gruppe versteckte Juden und verhalf ihnen zu falschen Pässen, mit denen sie ausreisen konnten. Das Büro Grüber der Bekennenden Kirche half seit 1938 Christen jüdischer Herkunft, aber auch Juden zur Ausreise. Eine ähnliche Anlaufstelle gab es auch auf katholischer Seite.

Am 27. Februar 1943 versammelten sich die Ehepartner und Angehörigen von „Mischjuden“, die als Zwangsarbeiter in Berliner Rüstungsbetrieben beschäftigt waren und nun deportiert werden sollten, vor dem Gestapohauptquartier in der Berliner Rosenstraße. Dies war die einzige öffentliche Protestdemonstration während des Krieges gegen eine Deportation, die zudem erfolgreich war: Die inhaftierten Personen wurden freigelassen.[34]

Untertauchen und Verstecken von inländischen Flüchtlingen

Das Untertauchen von jüdischen Bewohnern während der NS-Zeit zur Rettung vor der Deportation führte zu der Bezeichnung, als U-Boot leben. Zum Teil wurde von den betreffenden Personen versucht, dieses Verschwinden durch einen vorgetäuschten Selbstmord oder die Ankündigung einer Reise plausibel zu machen. Das Verschwinden aus der Einwohnerliste konnte für die als U-Boot bezeichnete Person und für ihre Helfer schwerwiegende Folgen haben.

Im Falle der Entdeckung wurde die Person ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung verhaftet. Allerdings konnte sie nicht mit einem gerichtlichen Verfahren rechnen, sondern wurde dadurch in aller Regel zum Häftling in einem Konzentrationslager. Davor kam jedoch eine Zeit der Vernehmungen und Folter durch die Gestapo, die auf diese Weise weitere „U-Boote“ suchte. Sollte die Verbindung zu weiteren Helfern bekannt werden, waren auch diese massiv gefährdet. Die rechtlichen oder faktischen Bedrohungen konnten sich nach Reichsgebiet oder Besatzungsstatut und nach Position der jeweiligen Person zur Besatzungsmacht, der Polizei bzw. den NSDAP-Stellen unterscheiden.

Es gab in Deutschland relativ viele lokale verdeckte Netzwerke von Helfern, die Menschen in Not (Flüchtlingen, vor allem Juden u. a.) halfen. Oftmals hatten die Flüchtlinge Adressen von Menschen bei sich, die sie zwar nicht kannten, von denen sie aber durch andere wussten, dass sie ihnen auf ihrer Flucht weiterhelfen würden. Oft bekamen die Flüchtlinge dann von diesen Helfern eine weitere Adresse auf ihrem Weg, als neuen Anlaufpunkt. Es waren in aller Regel Privatleute, die aus ihrem Gewissen heraus Menschen auf der Flucht versteckten oder anderweitig weiterhalfen und keine Rücksicht darauf nahmen, dass sie und ihre Familie, würden sie entdeckt, Schlimmes zu erwarten hätten. Solche Netzwerke sind zum Teil aus den verfolgten politischen Parteien und Organisationen heraus entstanden zum anderen aus christlichen Gruppierungen. Vielfach handelten Menschen, weil Angehörige durch die NSDAP oder Gestapo-Stellen bereits zu Tode gekommen waren und sie möglicherweise deshalb ihr eigenes Leben gering schätzten.

Das Untertauchen einer Person in einem von Kriegswirtschaft geprägten Land war schwierig. Lebensmittel waren nicht auf dem freien Markt erhältlich, sondern nur gegen Abschnitte von Lebensmittelkarten, die eine Bezugsberechtigung und deren Überprüfung voraussetzten. Das Mitsichführen von Gepäck konnte bei Kontrollen sofort Verdacht auslösen. Der länger als übliche Aufenthalt in einer Gaststätte, Bibliothek oder einem Kino konnte Nachfragen zur Identität auslösen. Die Gestapo versuchte, Spitzel in Netzwerke einzuschleusen (Berlin – Februar 1943; zum Beispiel Stella Goldschlag).

Siehe auch: Judenretter (andere Ausdrücke: „Judenhelfer“, „Judenbegünstigung“), Die Gerechten unter den Völkern

Widerstand in den besetzten oder verbündeten Ländern

Eine kleine Anzahl von Juden wurde gerettet, weil die Regierungen ihrer Heimatländer der Forderung des Deutschen Reichs zu ihrer Auslieferung nicht nachgaben.

Finnland, seit 1941 Deutschlands Verbündeter im Krieg gegen die Sowjetunion, lieferte seine Juden größtenteils nicht aus, obwohl Himmler dies im Sommer 1942 bei einem Finnland-Aufenthalt von der finnischen Regierung gefordert hatte. Regierungschef Rangell soll darauf geantwortet haben, Finnlands Juden seien Bürger wie alle anderen und dienten auch als Soldaten im Krieg gegen die Sowjetunion. Diese Praxis wurde aber schon ab Dezember 1942 eingestellt, nachdem Zeitungen und einige Politiker dagegen protestiert hatten. Zwar wurde jüdischen Flüchtlingen zeitweise die Einreise nach Finnland verweigert; aber die etwa 1.800 finnischen Juden entgingen dem Zugriff der Deutschen. Einige ausländische Juden wurden dennoch ausgeliefert, weil sie Kommunisten waren. Neuere Forschungen ergaben, dass Finnland von 1941 bis 1944 insgesamt 129 Flüchtlinge sowie über 2800 sowjetische Kriegsgefangene an das Deutsche Reich auslieferte. Darunter waren etwa 78 Juden.

In Dänemark ergriff König Christian X. Partei für die Juden, als die deutschen Besatzungsbehörden auch sie zum Tragen des Judensterns zwingen wollten. Ein zum Widerstand gehörender Mitarbeiter der Besatzungsmacht warnte die dänische Untergrundbewegung vor drohenden Razzien der SS. Daraufhin gelang es unter Mithilfe großer Teile der Bevölkerung im September und Oktober 1943, die meisten der im Land lebenden ca. 6000 Juden in das neutrale Schweden zu schleusen. So wurde eine vergleichsweise niedrige Anzahl dänischer Juden, 161 Menschen, in deutschen Lagern ermordet. (Siehe auch Rettung der dänischen Juden.)

Der italienische Faschismus war ursprünglich nicht antisemitisch. Dazu kam, dass Italien anfangs ein Verbündeter Deutschlands und kein besetztes Land war. Zwar wurden nach Kriegsbeginn antijüdische Gesetze erlassen, aber die Regierung und besonders die Armee widersetzten sich dem Drängen der Deutschen, die italienischen Juden in den Tod zu schicken. Sie wurden interniert, aber unter besseren Bedingungen als in den deutschen Konzentrationslagern und ohne ständige Todesdrohung. Daher flüchteten einige Juden aus dem besetzten Frankreich und aus Jugoslawien nach Italien. Erst nach dem Frontwechsel Italiens 1943 behandelten die Deutschen das Land wie ein besetztes Gebiet und überführten die italienischen Juden in ihre eigenen Vernichtungslager.

Auch das Beispiel Bulgariens – ebenfalls ein Verbündeter Deutschlands – beweist, dass ein entschiedener Widerstand die deutschen Pläne erfolgreich durchkreuzen konnte. Hier wurden dank der festen Haltung von Regierung und Bevölkerung etwa 50.000 Juden gerettet.

In Polen gab es neben Personen, die Juden auslieferten – viele auch um selbst zu überleben – einige (auch katholische) Gruppierungen wie die Żegota, die den Juden halfen, obwohl dafür, anders als in Westeuropa, nicht nur die Todesstrafe für den einzelnen Helfer, sondern regelmäßig auch für seine Familie oder das ganze Dorf drohte. Mehr als eine halbe Million polnischer Juden überlebte den Holocaust, viele durch Hilfen aus der Bevölkerung. Viele Polen waren entsetzt über die Ermordung jüdischer Kinder und versteckten sie zum Beispiel auf dem Land, bei den Partisanen oder in katholischen Klöstern. So stellen die Polen auch mehr als ein Drittel aller in Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern Ausgezeichnete dar.

Weiterer europäischer Widerstand

Die von den Achsenmächten umschlossene neutrale Schweiz lieferte keine Juden mit Schweizer Bürgerrecht aus. Während des Krieges nahm sie zigtausende von Flüchtlingen, darunter auch viele Juden, legal auf, viele weitere schafften den Grenzübertritt illegal und wurden von den Behörden (geduldet) oder von Privaten (illegal) im Land behalten. Insbesondere in den letzten Kriegsjahren, als auch die Schweiz nur noch wenige Flüchtlinge aufnehmen konnte, konnten an der Westschweizer Landesgrenze Flüchtlinge doch auf Soldaten hoffen, die einmal auch wegschauten, oder auf hilfsbereite Bürger, die die Flüchtlinge mit Kost und Logis versorgten. Insgesamt überlebten in der Schweiz 275.000 Flüchtlinge – davon 26.000 aus dem Ausland in die Schweiz geflüchtete Juden. Es wurde aber auch eine große unbekannte Anzahl von Flüchtlingen – darunter mindestens 30.000 Juden – an der Grenze zurückgewiesen oder illegal Eingereiste den Nationalsozialisten übergeben.

Die Schweiz wurde von Hitler mehrfach aufgefordert, keine weiteren Juden aufzunehmen und geflüchtete Juden auszuliefern. Zumindest letzterer Forderung wurde nie entsprochen, der ersten im Laufe des Krieges mal mehr, mal weniger, je nach aktueller Kriegslage und subjektiv eingeschätzter Invasionsgefahr. Die Schweiz versuchte während des Krieges, zwischen ihren humanitären Grundsätzen (Aufnahme von Flüchtlingen) und militärischen Selbstschutz-Interessen (Geringhalten von Invasionsabsichten seitens der Nationalsozialisten) die Balance zu finden. Ob der Schweiz das gelungen ist, oder ob sie mehr Juden hätte aufnehmen können oder müssen und ob die Aufnahme von mehr Juden zu einer Invasion der Schweiz geführt hätte, ist umstritten. Insgesamt überlebten Hunderttausende Personen in der Schweiz, die in den Nachbarländern wohl nicht überlebt hätten.

Befreiung der Überlebenden in den Lagern

Entsprechend dem Fortschritt der alliierten Angriffe gegen die Hitler-Koalition wurden Überlebende in den Lagern zu sehr verschiedenen Zeitpunkten befreit. Als Beispiele werden hier jeweils KZ genannt, die von einem der Alliierten als erste in seinem Frontabschnitt erreicht wurden.
1944

  • 23. Juli: die Rote Armee befreit das KZ Majdanek als erstes der großen KZ/Vernichtungslager im von Deutschland besetzen Polen.
  • Im August 1944 können auch westliche Journalisten erstmals aus dem KZ Majdanek berichten (Titelgeschichten des Life-Magazin am 28. August und in der New York Times am 30. August 1944).

1945 (im Osten)

  • 27. Januar: Das KZ Auschwitz-Monowitz wird am Vormittag, das Stammlager Auschwitz I und das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau am frühen Nachmittag durch die Soldaten der sowjetischen 322. Division befreit.[35]

(im Westen)

In den Monaten darauf erfolgt die Rückführung der meisten noch lebenden ehemaligen KZ-Häftlinge in die Heimatorte/-länder; Stichworte Displaced Persons – DP-Camps). Nach dem strengen Winter 1945/1946 bleiben Gruppen von DPs aus ganz verschiedenen Gründen heimatlos in Deutschland und werden nicht mehr repatriiert.

Fast überall in den befreiten Lagern entstanden Häftlingsvereinigungen, die dort zunächst wichtige soziale (Überlebens-) Funktionen für die Mitgefangenen ausüben.

Erklärungsansätze

Holocaustforschung

Hauptartikel: Holocaustforschung

Die Holocaustforschung umfasst die gesamte historische Erforschung der Schoah an den Juden Europas, auch des Zusammenhangs mit weiteren Verbrechen (Porajmos, Aktion T4, Generalplan Ost). Es gibt sie weltweit, jedoch besonders in den USA, Großbritannien, Israel, Polen und Deutschland. Entstanden ist sie zum Teil aus den Nachforschungen zu den Gerichtsverfahren gegen Täter, den Opferberichten von Überlebenden und der Gestaltung von Mahnstätten bereits in der direkten Nachkriegszeit.

Angesichts der gesamtstaatlichen Durchführung und Dimensionen des Holocausts ist die Forschung bis heute intensiv bemüht, seine Ursachen und Entstehungsbedingungen aufzuklären. Eine zentrale Frage ist dabei, warum sich viele Menschen an seiner Planung, Durchführung und Verheimlichung beteiligten und wie es dazu kam. Die Antworten darauf und Erklärungsversuche der Vorgeschichte sind vielfältig.

Gesellschaftliche und ideologische Grundlagen

Hauptartikel: Nationalsozialismus

Die Nationalsozialisten bauten ihre rassistische Ideologie auf ältere Traditionen auf: vor allem den etwa 130 Jahre wirksamen Antisemitismus bis 1945, der seinerseits in fast ganz Europa an einen seit Jahrhunderten verbreiteten Antijudaismus anknüpfte. Ab etwa 1860 verband sich Judenfeindschaft besonders in Frankreich, Russland und Deutschland mit pseudowissenschaftlichen Rassenlehren und Welt-Verschwörungstheorien. Gegen die Jüdische Emanzipation bildeten sich Völkische Bewegungen. Im Kaiserreich entstanden seit 1879 verschiedene Vereinigungen und Parteien mit antisemitischen Programmen oder Programmpunkten: etwa die Christlich-soziale Partei des kaiserlichen Hofpredigers Adolf Stoecker.

Im Kaiserreich fanden diese Gruppen aber weder Mehrheiten noch staatliche Unterstützung. Erst nach der Novemberrevolution von 1918 verbreiterten sich die antisemitischen Tendenzen. Die Dolchstoßlegende machte Juden für die Kriegsniederlage und Auflagen des Versailler Vertrags verantwortlich; die Weimarer Republik galt einigen ihrer Gegner als „Judenrepublik“.

Der Nationalsozialismus konnte auf diesem Gedankengut aufbauen. Hitler griff in Mein Kampf vorgegebene nationalistische, sozialdarwinistische, imperialistische, rassistische und verschwörungstheoretische Traditionen auf und nutzte sie konsequent propagandistisch für seine politischen Ambitionen. Dabei definierte er die Klassenkampf-Theorie des Marxismus zu einer Geschichte von Rassenkämpfen um Lebensraum um, an deren Ende die „gesündeste“ und „durchsetzungsfähigste“ Rasse obsiege, nachdem sie „minderwertige“ Rassen „ausgerottet“ oder „versklavt“ habe. Für ihn war die „arische Rasse“, zu der er das deutsche Volk zählte, zu diesem Sieg auserwählt. Als Hauptfeind in diesem „Menschheitskampf“ sah er die Juden, die er gegen jede empirische Grundlage nicht als Religionsgemeinschaft, sondern ebenfalls als (andere) „Rasse“ definierte und als Schöpfer und Lenker sowohl des „internationalen Finanzkapitals“, als auch des Bolschewismus und Marxismus darstellte.

Ob diese antisemitische Propaganda mehr Wähler ansprach als abschreckte, ist bis heute ungewiss. Als sicher gilt, dass die Weltwirtschaftskrise ab 1929 und die Unfähigkeit der damals noch führenden politischen Kräfte zu massenwirksamen Problemlösungen, die Wahlerfolge der NSDAP entscheidend begünstigten. Während der Antisemitismus in dieser Zeit von der Partei zurückgestellt wurde, folgte das NS-Regime nach der Machtergreifung 1933 sofort wieder seinem ursprünglichem 25-Punkte-Programm von 1920, das den Juden die Staatsbürgerschaft absprach. Mit den Nürnberger Gesetzen wurde der Rassismus endgültig zur Regierungspolitik. 1935 hielt Heinrich Himmler eine interne Rede vor der SS: Der Untermensch, in der er Juden als gemeine, mörderische Wesen, die noch unter den Tieren stehen, bezeichnete. Besonders drastisch wurde diese These z.  B. im als Dokumentarfilm ausgegebenen Propagandafilm Der ewige Jude von 1940 verbreitet.

Ökonomische und soziale Motive der Täter

  • Die neuen Machthaber und ihre Anhänger zogen aus ihrer errungenen Macht ökonomische Vorteile. Vielfach bereicherten sich Nationalsozialisten und andere am Vermögen von Juden. Einige Bürger waren Nutznießer der „Arisierung“, indem die Deportation eines jüdischen Nachbarn ihre „Wohnungsfrage“ löste oder den lästigen wirtschaftlichen Konkurrenten beseitigte.
  • Dazu kamen Engpässe im Rahmen der „Heim-ins-Reich“-Bewegung: Auslandsdeutsche mussten nun untergebracht werden. Dazu wurden auch Heime für Behinderte geräumt und deren Bewohner schließlich in Lastwagen mit Abgasen ermordet (siehe u. a. NS-Tötungsanstalt Hadamar).
  • Mit dem Kriegsbeginn galten die bereits ausgeplünderten Juden als „überzählige Esser“, die eine Belastung für die Versorgung von Heer und Heimat darstellten.

Bürokratische und hierarchische Motive

  • Nachdem Pläne für ein „Judenreservat“ in Polen oder Übersee (Madagaskar-Plan) gescheitert waren, hatten die Aufsteiger in der neuen bürokratischen Elite wegen ihres radikalen Antisemitismus keinerlei Hemmungen, für die „Problemlösung“ zur systematischen, mit bürokratischer Effizienz geplanten Vernichtung überzugehen (Wannseekonferenz).
  • In vielen Vernehmungen und Prozessen nach 1945 spielte immer wieder der „Befehlsnotstand“ eine Rolle. Paradebeispiel dafür waren die Aussagen des Holocaust-Planers Adolf Eichmann in seinem Prozess in Israel: Sie dokumentieren ein Zusammenwirken von Effizienz, Unterordnung in der Staatshierarchie und totaler Gefühlskälte.

Rassistische und antisemitische Motive

  • Rassistische Theorien unter dem Deckmantel der Wissenschaft hatten seit dem frühen 19. Jahrhundert in Deutschland, aber auch in anderen Staaten Europas Fuß fassen können und sich in der Biologie, Völkerkunde und Linguistik verbreitet.
  • Scheinbare „wissenschaftliche“ Grundlagen für die Identifizierung „unwerten Lebens“ lieferte die damals relativ neue Eugenik.
  • Die Einbeziehung der Hochschulen in die Ausgrenzung jüdischer Wissenschaftler, die Etablierung einer „Rassenkunde“, die Beteiligung zahlreicher Fachrichtungen an Unrechtsjustiz, Unrechtsmedizin, Geschichtsfälschung usw. hat eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Vorbereitung und Durchführung des Holocausts gespielt.
  • Gegen Kriegsende ließ der Überlebenskampf in den zerbombten Städten kaum einen Gedanken an das noch größere Leid anderer Menschen aufkommen. In den zerstörten Städten ging immer wieder das Gerücht um, der Luftkrieg sei die Vergeltung für das, was man den Juden angetan habe. Dies wird zuweilen als Zeichen einer Art von Unrechtsbewusstsein interpretiert, kann aber auch eine antisemitische Haltung zeigen, nach der „die Juden an allem schuld“ seien oder „Amerika kontrollieren“.

Siehe auch: Antisemitismus (bis 1945)

Psychologische Motive

  • Die Tatsache, dass „ganz normale Menschen“ solche Verbrechen begehen konnten, hat Fragen zur Beeinflussbarkeit des Individuums aufgeworfen. Konzepte, wie die systematische Ausgrenzung der Opfer aus dem Kreis der eigenen Gruppe, zeigen die mögliche Manipulierbarkeit des Einzelnen.
  • Psychologische Experimente der 1960er und 1970er Jahre haben menschliches Verhalten unter Gruppenzwang oder Autoritätsgehorsam untersucht. Bekannt wurden vor allem das Milgram-Experiment und das Stanford-Prison-Experiment mit ihren aufschlussreichen Ergebnissen.
  • Tiefenpsychologische Deutungen stellen einen Zusammenhang zwischen der Verklärung unmenschlicher Erziehungsmethoden und der Gefühlsblindheit gegenüber – besonders autoritärer staatlicher – Gewalt her (Alice Miller, Wilhelm Reich, Erich Fromm, Alexander Sutherland Neill, Alexander Mitscherlich). Leichthin gesagte Sätze wie „Ein Junge weint nicht“ verharmlosen demzufolge unbewusst die seinerzeit verbreitete brutale Kindeszüchtigung.

Historische Motive

  • Daniel J. Goldhagen stellte die umstrittene These auf, dass sich in Deutschland ein eliminatorischer Antisemitismus entwickelt habe, weil die Deutschen als Volk die Juden für ein Übel hielten, das es zu beseitigen gelte. – Kritiker dieser These betonen, dass diese die Motive für den Holocaust nur zeitlich weiter in die Vergangenheit verschiebe, aber nicht erklärt, warum der Antisemitismus in Deutschland (nach 1933) mörderischer war als anderswo.
  • Raul Hilberg hat in einem umfassenden Standardwerk die langfristige Vorgeschichte des Holocausts in Mitteleuropa untersucht. Er kam zu dem Ergebnis, dass besonders der christliche Antijudaismus und die mittelalterliche Judenpolitik der Kirche den Nationalsozialisten sämtliche Vorbilder und Erfahrungen für ihre systematische Eskalation der Judenverfolgung angeboten hat (siehe Martin Luthers Schmähschrift Von den Juden und ihren Lügen, in der er aufruft, die Juden des Landes zu vertreiben und ihre Synagogen anzuzünden). – Dieser Erklärungsansatz bettet die Besonderheit des Holocausts in eine historische Kontinuität ein, ohne ihn damit zu relativieren und zu nivellieren. Denn trotz jahrhundertelangem, ebenso intensivem Judenhass, Entrechtung und Ghettoisierung haben frühere Pogrome nie die Systematik und Konsequenz erlangt, die die Nationalsozialisten an den Juden vollstreckten.

Religiöse Gründe

Eine langfristig wirkende historische Wurzel des Antisemitismus der Nationalsozialisten war der christliche Antijudaismus. Dieser begründete im Aufstiegsprozess des Christentums zur römischen Staatsreligion seit der Patristik eine nachhaltige religiöse Diskriminierung der Juden. Dabei bezog sich etwa die Gottesmord-Theorie auf antijüdische Polemik im Neuen Testament (z. B. Mt 27,25), um dem Judentum eine Kollektivschuld an Jesu Hinrichtung zu geben. Dies bildete den dogmatisierten Kern der alle Konfessionen verbindenden Substitutionstheologie, die von einer „Enterbung“ des Judentums durch die Kirche ausging.

Kirchliche und staatliche Ausgrenzungspolitik sorgte im Hochmittelalter europaweit für die Ghettoisierung jüdischer Gemeinden. Bei sozialen Missständen, Kreuzzügen und Seuchen entlud sich der religiöse Hass immer wieder in Pogromen gegen die Juden. Daran änderte die Reformation wenig, da auch der späte Martin Luther ein Judenhasser war. Sein 1543 erschienenes Pamphlet Von den Juden und ihren Lügen überlieferte alle antijudaistischen Klischees der Neuzeit. Dann wurden sie vom aufstrebenden Bürgertum in säkularisierter Form übernommen und mit anderen, auch außerbiblischen Motiven verknüpft. So wurde etwa die antijudaistische Legende vom „Ewigen Juden“ antisemitisch zu angeblichen Charaktereigenschaften aller Juden stilisiert.

Folgen

Traumatisierung der Überlebenden

Viele Überlebende der Vernichtungslager und Menschen, die sich der drohenden Ermordung durch Flucht oder andere Umstände entziehen konnten, litten und leiden unter Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Der Psychiater und Psychoanalytiker William Niederland prägte dafür in den 1960er Jahren den Begriff vom Überlebenden-Syndrom. Vielen Holocaust-Überlebenden war und ist es zum Teil bis heute nicht möglich, über ihre Erfahrungen in den Todeslagern zu sprechen.

Juristische Aufarbeitung

Das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen kam erst ans Licht der Weltöffentlichkeit, als alliierte Truppen die Gebiete befreiten, in denen sich die Konzentrations- und Vernichtungslager befanden. Die Alliierten hatten auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 neben der Entmilitarisierung auch die durchgehende „EntnazifizierungDeutschlands für die Zeit nach ihrem Sieg vereinbart und diesen Beschluss auf der Potsdamer Konferenz Ende Juli 1945 bekräftigt.

Die Bestrafung nationalsozialistischer Verbrechen begann mit den von den Alliierten Mächten eröffneten Nürnberger Prozessen und den Folgeprozessen zwischen 1945 und 1948, insbesondere mit dem Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher.

Seit 1945 sind in Westdeutschland insgesamt 912 Gerichtsverfahren gegen 1875 Personen wegen während des zweiten Weltkrieges begangener NS-Tötungsverbrechen durchgeführt worden. Von den Angeklagten wurden 14 zum Tode, 150 zu einer lebenslänglichen und 842 zu einer zeitlich begrenzten Freiheitsstrafe verurteilt.[37]

Ab 1949, nach der Gründung der beiden deutschen Staaten, ging die Strafverfolgung in deren Zuständigkeit über. Sie kam aber in Folge des Kalten Krieges bald zum Erliegen. Parallel hierzu wurde jedoch auch die Aufhebung von NS-Unrechtsurteilen sowie die Wiedergutmachung insbesondere enteigneter Opfer betrieben.

In der DDR fanden einige Schauprozesse gegen untergeordnete Funktionsträger des NS-Regimes statt, in denen es weniger um deren individuelle Verantwortung als um Schuldzuweisungen an die westdeutsche Seite ging. Ehemalige NSDAP-Mitglieder konnten in der DDR Karriere machen, solange sie nur die SED-Herrschaft anerkannten. In der Bundesrepublik Deutschland wird die wenig nachdrückliche Strafverfolgung oft erklärt mit mangelndem Interesse in der Bevölkerung bzw. dem Einfluss ehemaliger NSDAP-Mitglieder in Staat und Verwaltung. Die Initiative zu deren Aufspürung blieb im wesentlichen Privatleuten wie Simon Wiesenthal überlassen. Der niederländische Historiker Friso Wielenga spricht für 1952-1958 von einer Phase des relativen Schweigens, in der die Beschäftigung mit der NS-Zeit trotzdem nicht vollständig ausgesetzt habe. Ähnliche Prozesse des nachlassenden Interesses, der Bewältigung (auch eigenen) Leides durch Verdrängung lässt sich auch in anderen Ländern als Deutschland beobachten.

Erst ab 1958 begann die westdeutsche Justiz in größerem Umfang, NS-Verbrechen zu verfolgen. Damals erreichten der Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees Hermann Langbein und der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer die Weiterverfolgung einer Strafanzeige von Adolf Rögner. Sie führte zur Verhaftung eines berüchtigten Folterers, des ehemaligen SS-Manns Wilhelm Boger. Langjährige Ermittlungen Bauers ermöglichten 1963 schließlich die Eröffnung des Hauptverfahrens zu den Auschwitz-Prozessen in Frankfurt am Main.

Die Zeugenberichte und das große Medienecho auf diese Prozesse trugen bei vielen Deutschen zum Bewusstsein für die NS-Verbrechen bei. Andererseits verstärkten sich auch öffentlich erhobene Forderungen nach einem „Schlussstrich“. Die Angeklagten in den Auschwitz-Prozessen ließen keine Reue erkennen und beriefen sich stets auf den so genannten „Befehlsnotstand“. Ihre Verteidiger versuchten, die Gerichtsverfahren als „Schauprozesse“ zu diskreditieren, wobei sie einen Teil der öffentlichen Meinung hinter sich wussten.

1965 kam es im Deutschen Bundestag zu einer Debatte über die Verjährung von Verbrechen aus der NS-Zeit (Verjährungsdebatte); nach damaligem Recht betrug die Verjährungsfrist 20 Jahre und wurde ab 1945 gezählt. Zunächst wurde die Frist auf 1969 geschoben, indem man auf Gründung der Bundesrepublik 1949 verwies. 1969 wurde die Verjährungsfrist um zehn Jahre verlängert und 1979 für Mord und Völkermord gänzlich aufgehoben.

In den folgenden Prozessen wurden in der Regel nur die unmittelbar ausführenden Täter der unteren Ränge in der Befehlskette belangt (dies ist häufig bei Großverbrechen). Die letzten größeren Verfahren gegen NS-Täter waren die Majdanek-Prozesse von 1975 bis 1981 vor dem Landgericht Düsseldorf. Von ursprünglich 15 dort angeklagten SS-Angehörigen wurden am Ende sechs Männer und zwei Frauen verurteilt: Dabei wurden nur eine lebenslängliche und sieben zeitlich befristete Haftstrafen zwischen drei und zwölf Jahren verhängt. Die Freisprüche und die als zu niedrig empfundenen Freiheitsstrafen lösten damals weltweite Proteste aus.

Aufsehen erregend war ferner der Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem 1961. Der ehemalige Leiter des so genannten Judenreferats im Reichssicherheitshauptamt hatte den Transport von Millionen europäischer Juden in die Vernichtungslager organisiert. Er konnte nach dem Krieg unter falschem Namen in Argentinien untertauchen. Der israelische Geheimdienst Mossad spürte ihn dort jedoch 1960 auf und entführte ihn nach Jerusalem. Die Prozessbeobachterin Hannah Arendt sprach in diesem Zusammenhang von der „Banalität des Bösen“. Die von Eichmann zur Schau gestellte bürokratische Gefühlskälte entsprach allerdings nicht seinem fanatischen Antisemitismus, der später erforscht wurde. Eichmann wurde im Dezember 1961 für schuldig befunden und zum Tod verurteilt. Nach einer Revisionsverhandlung wurde er im Mai 1962 gehängt.

In Österreich wurde die Verfolgung von Kriegsverbrechern kaum wahrgenommen. Da eine zentrale Staatsanwaltschaft fehlt, wurden zahlreiche NS-Prozesse nicht geführt. Lediglich 20 Personen wurden seit 1955 in Österreich verurteilt, 23 Personen sprach man frei. 1966 kritisierte Simon Wiesenthal in seinem Memorandum an die Regierung das Desinteresse österreichischer Behörden an der Ausforschung und Strafverfolgung von NS-Tätern in Österreich. Seine Feststellung blieb folgenlos, denn Staatsanwälte und Polizisten waren stets überlastet, Ermittlungen wurden verzögert, ehemalige NS-Angehörige befanden sich unter den ermittelnden Beamten, Prozessbeobachter zu deutschen Parallelprozessen wurden nicht entsandt. Insgesamt wurden seit 1955 etwa gegen 5500 Personen Erhebungen geführt.

Nachdem 1972 die zwei Erbauer der Auschwitzer Krematorien, Fritz Ertl und Walter Dejaco, und 1975 Johann Gogl, einst Schlächter in Mauthausen, von den österreichischen Geschworenen freigesprochen wurden, schien Wiesenthal vorübergehend zu resignieren: „In Österreich bleiben etwa 800 Nazis, gegen die ermittelt wurde, unbestraft.“ Unmittelbar nach 1945 hatte es hingegen noch ernsthaftere Versuche gegeben hatte, NS-Täter zu verfolgen; dafür zuständig waren die „Volksgerichte“.

Siehe auch: NS-Prozesse (ein Teil davon Kriegsverbrecherprozesse)

Entschädigungen

Die alliierten Militäradministrationen für das besetzte Deutschland und Österreich erließen – ebenso wie die späteren Regierungen der Bundesrepublik, der DDR und Österreichs – Regelungen, die alle Maßnahmen des Hitler-Regimes zur Entrechtung und Enteignung der Juden außer Kraft setzten. Eine vollständige Entschädigung zumindest für die materiellen Verluste der Betroffenen fand nicht statt. Zahlreiche Überlebende der Vernichtungslager und ihre gesetzlichen Erben mussten zum Teil über Jahrzehnte vor deutschen und österreichischen Gerichten um die Rückerstattung von Eigentum oder um Entschädigungszahlungen klagen.

Die Regierung der DDR erklärte sich selbst als in einer antifaschistischen Tradition stehend. Sie wies bis kurz vor der Wende alle Ansprüche zurück, die sich aus Handlungen des Deutschen Reichs ergeben konnten. Nach bundesdeutscher Auffassung hingegen ist die Bundesrepublik Rechtsnachfolgerin des Reichs. Dies führte bereits unter dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer zu einer Wiedergutmachungspolitik, die zumindest ansatzweise eine kollektive Entschädigung vorsah.

In Verhandlungen mit David Ben Gurion einigte sich Adenauer auf Unterstützungszahlungen für den Staat Israel, der als Rechtsnachfolger der ermordeten Juden betrachtet wurde. Diese Zahlungen lagen nicht zuletzt im Interesse der Bundesrepublik, die geachtetes Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft sein wollte. Die so genannten Wiedergutmachungszahlungen werden von deutschen Rechtsextremisten bis heute abgelehnt. Sie stießen aber auch in Israel auf heftige Kritik („Blutgeld“).

Kirchliche Aufarbeitung

Bereits im Oktober 1945 verfassten evangelische Deutsche das Stuttgarter Bekenntnis – eine Stellungnahme evangelischer Christen zur Haltung ihrer Kirchen in der NS-Zeit. Es spricht noch nicht offen die Verbrechen an, benennt allgemein die deutsche Kriegsschuld. Aber bereits diese Formulierungen lösten Empörung, Unverständnis und heftigen Widerspruch der deutschen Öffentlichkeit aus und stießen nur selten auf Zustimmung. Die Kirchen versuchten ihrem Schuldanteil ungefähr seit 1960 vermehrt in einem zum Teil schmerzhaften Aufarbeitungsprozess Rechnung zu tragen.

In der EKD bekennen sich heute immer mehr Teilkirchen im Gefolge der Rheinischen Synodalerklärung von 1980 zum „ungekündigten Bund“: Das Christsein sei ohne jüdische Existenz nicht möglich. Zudem wird erkannt, dass der Holocaust nie hätte geschehen können, wenn die Kirchen nicht jahrhundertelang alle Maßnahmen gegen Juden – außer der fabrikmäßigen Vergasung – vorexerziert hätten. Einzelne Landeskirchen haben Schuldbekenntnisse verabschiedet, die sich auch von judenfeindlichen Äußerungen Martin Luthers distanzierten.

Innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche ist das Verhalten von Papst Pius XII. während des Holocaust bis heute umstritten. Der Papst hatte sich einerseits für die Rettung der römischen Juden eingesetzt, andererseits aber zu dem Völkermord geschwiegen, auch nachdem ihm die Tatsachen bekannt geworden waren. Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld an Antijudaismus und Antisemitismus und mit der Verantwortung von Katholiken für den Holocaust begann erst nach Pius’ Tod im Jahr 1958. Sein Nachfolger Johannes XXIII. sprach die Juden erstmals in der Geschichte des Papsttums als „Brüder“ an. Das von ihm initiierte Zweite Vatikanische Konzil verabschiedete 1965 die Erklärung Nostra Aetate, nach der es nicht länger kirchliche Lehrmeinung sei, die Juden kollektiv für den Tod Jesu Christi verantwortlich zu machen.

Leugnung und Verharmlosung

Antisemiten und Geschichtsrevisionisten gingen bereits unmittelbar nach Kriegsende daran, den Holocaust entweder an sich zu leugnen, ihn zu relativieren oder gar zu verherrlichen. Dieses ist eine Grundtendenz im Rechtsextremismus, die aber auch ausstrahlt auf Teilbereiche der Neuen Rechten und des so genannten sekundären Antisemitismus. In der Gesamtbevölkerung nach 1945 hatte der Holocaust allgemein nicht die Aufmerksamkeit, wie er sie erst während und nach den 1960er Jahren bekam.

Die Leugnung des Holocausts ist in der Bundesrepublik Deutschland nach § 130 Abs. 3 StGBVolksverhetzung und § 189 StGB – Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener strafbar; ebensolches gilt in einigen anderen Ländern.

Mahnung und Erinnerung

Datei:Anne-frank-grab.jpg
Gedenkstein für Margot und Anne Frank im ehemaligen KZ Bergen-Belsen
Datei:Krzyż Oświęcimski-awers.jpg
Polnisches Ehrenzeichen Krzyż Oświęcimski (1985 bis 1999)

Heute erinnern zahlreiche Mahnmale und Museen in der ganzen Welt an den Holocaust (siehe Liste der Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus). Zudem leisten Initiativen und Organisationen auf unterschiedlichsten Ebenen und mit den unterschiedlichsten Mitteln ihren Beitrag zur Erinnerung und Aufarbeitung des Holocaust. Einige solche Initiativen der Versöhnungsarbeit sind zum Beispiel die Aktion Sühnezeichen und die österreichischen Gedenkdienste.

Die bedeutendste Holocaustgedenkstätte ist Yad Vashem in Jerusalem, wo sich unter anderem die Allee der Gerechten unter den Völkern befindet. In Deutschland und den ehemals deutsch besetzten Gebieten sind vor allem die Gedenkstätten auf den Geländen der ehemaligen Konzentrationslager von Bedeutung, insbesondere das polnische Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau. Bedeutende Einrichtungen sind etwa das Dokumentationszentrum des Bundes Jüdischer Verfolgter des Naziregimes in Wien, das US-Holocaust Memorial in Washington, D.C., das ungarische Dokumentationszentrum in Budapest, das Jüdische Museum in Berlin und das 2005 eingeweihte Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.

Mit dem polnischen Ehrenzeichen Auschwitzkreuz (Krzyż Oświęcimski) wurden vom 14. März 1985 bis 1999 ehemalige Gefangene der KZs geehrt. Von dieser Auszeichnung waren weder Nicht-Polen noch bereits Verstorbene ausgeschlossen. Der Orden ist ein silbernes Kreuz, auf dem Stacheldraht läuft. In der Mitte der Rote Winkel mit dem P, wie ihn polnische Gefangene auf der Sträflingskleidung trugen. Eingeprägt sind die Jahreszahlen 1939 und 1945, auf der Rückseite steht die Inschrift „PRL / WIĘŹNIOM / HITLEROWSKICH / OBOZÓW KONCENTRACYJNYCH“ („Die Volksrepublik Polen an Gefangene der Hitler-Konzentrationslager“).

In Deutschland ist seit 1996 der 27. Januar Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Nach einem Beschluss der Vereinten Nationen (UN) wird seit 2006 zu eben diesem Datum weltweit der Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust begangen.

Das Projekt A Letter To The Stars wurde im Frühjahr 2002 initiiert und ist ein wichtiges Zeitgeschichte-Projekt in Schulen der Republik Österreich. 2008 wurden Zeitzeugen/Überlebende aus Israel an viele Schulorte eingeladen.

Datei:Image-Die Rampe Mahnmal Detail Kassel E R Nele.jpg
Mahnmal „Die Rampe“ von E. R. Nele in Kassel

Die Bildhauerin E. R. Nele setzte sich in ihrem Werk mehrfach mit der Holocaust-Thematik auseinander. Das Mahnmal „Die Rampe“ (K 18 während der Documenta VII) steht in Kassel.[38]

Datei:Judfriedhag230211ns.jpg
Grabstein auf dem Judenfriedhof in Hagen im Bremischen mit einer Inschrift, die auf den Holocaust Bezug nimmt.

Siehe auch

Literatur

Gesamtdarstellungen


Judenverfolgung ab 1933

  • Christopher R. Browning: Die Entfesselung der „Endlösung“. Nationalsozialistische Judenpolitik 1939–1942. Propyläen, Berlin 2006, ISBN 3-549-07187-6.
  • Uwe D. Adam: Judenpolitik im Dritten Reich. Droste, Düsseldorf 2003, ISBN 3-7700-4063-5.
  • Christopher R. Browning: Der Weg zur „Endlösung“. Entscheidung und Täter. Rowohlt, Reinbek 2002, ISBN 3-499-61344-1.
  • Lea Rosh, Eberhard Jäckel: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Deportation und Ermordung der Juden. Kollaboration und Verweigerung in Europa. DTV, München 1993, ISBN 3-423-30306-9. (Begleitbuch zur TV-Dokumentation)
  • Gerhard Schoenberner: Der Gelbe Stern. Die Judenverfolgung in Europa 1933–1945. Fischer, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-596-10601-X. (Fotoband)
  • Joseph Walk (Hrsg.): Das Sonderrecht für die Juden im NS-Staat: eine Sammlung der gesetzlichen Maßnahmen und Richtlinien. 2. Auflage, Müller, Heidelberg 1996, ISBN 3-8252-1889-9.

Täter und Mitläufer

  • Raul Hilberg: Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933–1945. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-13216-9.
  • Philippe Burrin: Hitler und die Juden. Die Entscheidung für den Völkermord. Fischer, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-10-046308-0. (erste gründliche Arbeit zum Entscheidungsprozess)
  • Christopher R. Browning: Ganz normale Männer. Das Reservebataillon 101 und die Endlösung in Polen. Rowohlt, Reinbek 2005. ISBN 3-499-60800-6.
  • Rainer C. Baum: The Holocaust and the German Elite. Genocide and National Suicide in Germany, 1871–1945. Rowman and Littlefield, Totowa, London 1981, ISBN 0-7099-0656-0.
  • Bernward Dörner: Die Deutschen und der Holocaust. Was niemand wissen wollte, aber jeder wissen konnte. Propyläen, Berlin 2007, ISBN 3-549-07315-1.
  • Daniel Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust. Goldmann, München 2000, ISBN 3-442-15088-4.
  • Peter Longerich: Der ungeschriebene Befehl. Hitler und der Weg zur „Endlösung“. Piper, München 2001, ISBN 3-492-04295-3.
  • Peter Longerich: „Davon haben wir nichts gewusst.“ Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933–1945. Siedler, München 2006, ISBN 3-88680-843-2.
  • Karin Orth: Die Konzentrationslager-SS. Sozialstrukturelle Analysen und biographische Studien. DTV, München 2004, ISBN 3-423-34085-1. (Rezension für H-Soz-u-Kult von Christian Scharnefsky)
  • Richard Rhodes: Die deutschen Mörder. Die SS-Einsatzgruppen und der Holocaust. Lübbe, Bergisch Gladbach 2004, ISBN 3-7857-2183-8.
  • Michael Wildt: Volksgemeinschaft als Selbstermächtigung. Gewalt gegen Juden in der deutschen Provinz 1919 bis 1939. Hamburger Edition, Hamburg 2007, ISBN 978-3-936096-74-3.

Opfer

  • Wolfgang Benz (Hrsg.): Dimension des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. DTV, München 1996, ISBN 3-423-04690-2.
  • Martin Doerry (Hrsg.), Monika Zucht (Fotografien): Nirgendwo und überall zu Haus. Gespräche mit Überlebenden des Holocaust. DVA, 2006, ISBN 3-421-04207-1. (Fotobeispiele)
  • Claude Lanzmann: Shoah. Trotzdem, Grafenau 1999, ISBN 3-922209-87-4. (Interviews mit Überlebenden; Begleitbuch zu Lanzmanns Filmdokumentation auf DVD)
  • Alexandra Rossberg, Johan Lansen (Hrsg.): Das Schweigen brechen. Berliner Lektionen zu Spätfolgen der Schoa. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-518-39231-X.
  • Tina M. Campt: Other Germans: Black Germans and the Politics of Race, Gender, and Memory in the Third Reich. University of Michigan Press, 2004, ISBN 0-472-11360-7.
  • Clarence Lusane: Hitler's black victims: the historical experiences of Afro-Germans, European Blacks, Africans, and African Americans in the Nazi era. Routledge, New York 2003, ISBN 0-415-93295-5.

Konzentrations- und Vernichtungslager

Einzelregionen

  • Ilja Altman: Opfer des Hasses. Der Holocaust in der UdSSR 1941–1945. Mit einem Vorwort von Hans-Heinrich Nolte. Muster-Schmidt-Verlag, Gleichen/Zürich 2008, ISBN 978-3-7881-2032-0.
  • Vincas Bartusevicius u. a. (Hrsg.): Holocaust in Litauen. Krieg, Judenmorde und Kollaboration im Jahre 1941. Böhlau, Köln 2003, ISBN 3-412-13902-5.
  • Manfred Deiler (Hrsg.): Das KZ-Kommando Kaufering, Landsberg 1944/45. Die Vernichtung der Juden im Rüstungsprojekt „Ringeltaube“. Bürgervereinigung, Landsberg/Lech 1993, ISBN 3-9803775-3-9.
  • Jüdisches Museum Frankfurt (Hrsg.): „Und keiner hat für uns Kaddisch gesagt…“ Deportationen aus Frankfurt am Main 1941 bis 1945. Stroemfeld, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-9809814-3-6.

Widerstands- und Hilfsaktionen

  • Arno Lustiger: Zum Kampf auf Leben und Tod. Das Buch vom Widerstand der Juden 1933–1945. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002, ISBN 3-89996-269-9.
  • Kurt R. Grossmann: Die unbesungenen Helden. Menschen in Deutschlands dunklen Tagen. 1961. Neuauflage: Ullstein, 1984, ISBN 3-548-33040-1.
  • Solidarität und Hilfe für Juden während der NS-Zeit. Hrsg.: Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Metropol, Berlin 1996ff.
    • Bd. 1: Wolfgang Benz, Juliane Wetzel (Hrsg.): Regionalstudien 1. Polen, Rumänien, Griechenland, Luxemburg, Norwegen, Schweiz. 1996, ISBN 3-926893-43-5.
    • Bd. 2: Wolfgang Benz, Juliane Wetzel (Hrsg.): Regionalstudien 2. Ukraine, Lettland, Litauen, Estland, Böhmen und Mähren, Frankreich, Österreich. 1998, ISBN 3-926893-48-6.
    • Bd. 3: Wolfgang Benz, Juliane Wetzel (Hrsg.): Regionalstudien 3. Niederlande, Dänemark, Weißrußland, Ungarn, Albanien, Portugal, Spanien. 1999, ISBN 3-932482-18-2.
    • Bd. 4: Wolfgang Benz, Mona Körte (Hrsg.): Rettung im Holocaust. Bedingungen und Erfahrungen des Überlebens. Biographische Zeugnisse. 2001, ISBN 3-932482-80-8.
    • Bd. 5: Beate Kosmala, Claudia Schoppmann (Hrsg.): Überleben im Untergrund. Hilfe für Juden in Deutschland 1941–1945. 2002, ISBN 3-932482-86-7.
    • Bd. 6: Klaus Voigt: Villa Emma. Jüdische Kinder auf der Flucht 1940–1945. ISBN 3-932482-87-5.
    • Bd. 7: Wolfgang Benz, Juliane Wetzel (Hrsg.): Regionalstudien 4. Italien, Belgien, Slowakei, Bulgarien, Kroatien, Serbien. 2004, ISBN 3-936411-35-2.
  • Klaus Voigt (Hrsg.): Joskos Kinder. Flucht und Alija durch Europa 1940–1943. Josef Indigs Bericht. Arsenal, Berlin 2006.

Juristische Aufarbeitung

  • Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof. Nürnberg 14. November 1945 – 1. Oktober 1946. 23 Bände. Nürnberg 1947.
  • Hermann Langbein: Der Auschwitz-Prozeß. Eine Dokumentation. 2 Bände. Europa, Wien 1965.

Gedenken und Belletristik

Filme

Weblinks

Opfer
Gedenken
Filme

Belege

  1. Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, ISBN 3-534-15158-5, S. 109.
  2. Wolfgang Benz (Hrsg.): Dimension des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Dtv, München 1996. ISBN 3-423-04690-2.
  3. Wolfgang Benz: Der Holocaust, 7. Auflage, C.H. Beck, München 2008, S. 93–101.
  4. Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, ISBN 3-534-15158-5, S. 64 und 111.
  5. Vgl. Raul Hilberg, 1961, Die Vernichtung der europäischen Juden. Wolfgang Benz, 1996, Dimension des Völkermords. Peter Longerich, 1998, Politik der Vernichtung u.v.a.m.
  6. Peter Longerich: Politik der Vernichtung. Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung. Piper, München 1998, ISBN 3-492-03755-0, Inhaltsverzeichnis.
  7. Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden. Band I, München 2000, ISBN 3-423-30765-X, S. 364, Anmerkung 30.
  8. Statistik des Deutschen Reiches, Band 451.5, S. 13 u. 16. Zitiert in: Wolfgang Benz: Die Juden in Deutschland 1933–1945. 3. Auflage, Verlag C.H. Beck, München 1993, ISBN 3-406-37325-9, S. 733.
  9. Jacques Picard: Die Schweiz und die Juden 1933–1945. 2. Auflage, Chronos Verlag, Zürich 1994, ISBN 3-905311-22-4, S. 169.
  10. Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vom 17. August 1938.
  11. Verordnung über Reisepässe von Juden vom 5. Oktober 1938.
  12. Vgl. die Abbildung eines Reisepasses mit Stempelzeichen „J“ auf der Webseite Drei Wege in die Emigration der Universität Salzburg.
  13. Deutsche Juden dürfen nicht ins Ausland?, Neues Wiener Journal, 17. März 1936.
  14. 14,0 14,1 14,2 Wolfgang Benz: Die Juden in Deutschland 1933–1945. 3. Auflage, Verlag C.H. Beck, München 1993, ISBN 3-406-37325-9, S. 499f.
  15. Arbeitsberichte des Zentralausschusses bzw. der Reichsvertretung 1933–1938, Jewish Immigrants of the Nazi Period in the USA, Ed. H. A. Straus, Vol. 6, München 1987, S. 151. Zitiert in: Wolfgang Benz: Die Juden in Deutschland 1933–1945. 3. Auflage, Verlag C.H. Beck, München 1993, S. 738.
  16. Österreichische Historikerkommission: Schlussbericht der Historikerkommission der Republik Österreich. Band 1. Oldenbourg Verlag, Wien 2003, S. 291–293.
  17. Bericht von den Ereignissen in Gargždai/Garsden im Juni 1941
  18. Dieter Pohl: Holocaust, Herder, Freiburg 2000, S. 73–77.
  19. Dieter Pohl: Holocaust, Herder, Freiburg 2000, S. 78ff.
  20. Dieter Pohl: Holocaust, Herder, Freiburg 2000, S. 83–93.
  21. Dokument 2738-PS, US-296 des Internationalen Militärgerichtshofs; zitiert nach: Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof. Nürnberg 14. November 1945–1. Oktober 1946, Nürnberg 1947, Bd. 3, S. 635
  22. Gerald Reitlinger: The Final Solution, 1953
  23. Raul Hilberg: The Destruction of the European Jews, 1961
  24. Martin Gilbert: Endlösung. Die Vertreibung und Vernichtung der Juden. Ein Atlas, 1982
  25. Francisek Piper: Die Zahl der Opfer von Auschwitz, 1993.
  26. Burkhard Asmuss (Hrsg.): Holocaust. Der nationalsozialistische Völkermord und die Motive seiner Erinnerung. Deutsches Historisches Museum. Berlin 2002, ISBN 3-932353-60-9
  27. Mittlerweile vier Millionen jüdische Holocaust-Opfer identifiziert
  28. David Pryce-Jones, Juifs, Arabes, et diplomatie française. Cerveau de l’espionnage allemand dans tous les pays musulmans
  29. Peter Longerich: Politik der Vernichtung. München 1998, ISBN 3-492-03755-0, S. 273f.
  30. Dossier Kersten im Centre de Documentation Juive bzw. Felix Kersten: The Kersten Memoirs, 1940–1945, Time Life Education, 1992, ISBN 0-8094-8737-3
  31. Konrad Kwiet: Rassenpolitik und Völkermord. In: Enzyklopädie des Nationalsozialismus, 1998, S. 62; Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945, Darmstadt 2003, S. 29.
  32. Konrad Kwiet: Rassenpolitik und Völkermord. In: Enzyklopädie des Nationalsozialismus, 1998, S. 59.
  33. Dokumentarfilm Mit dem Mut der Verzweifelten – Jüdischer Widerstand gegen Hitler von Rena und Thomas Giefer, Deutschland 2005, unter Fachberatung von Arno Lustiger.
  34. Dieter Pohl: Holocaust, Herder, 2000, S. 82.
  35. Nikolai Politanow: „Wir trauten unseren Augen nicht. In spiegel.de vom 27. Jan. 2008.
  36. Giergielewicz, Jerzy: Endstation Neuengamme, Außenlager Drütte. Der Weg eines 17-jährigen aus Warschau durch vier Konzentrationslager, hg. v. d. KZ-Gedenkstätte Neuengamme u. der Gedenk- und Dokumentationsstätte KZ Drütte, Bremen 2002.
  37. Christiaan Frederik Rüter/Dick W. de Mildt: Justiz und NS-Verbrechen. Schwerpunkte der Strafverfolgung in Westdeutschland 1945–1997. Homepage des Instituts für Strafrecht an der Universität Amsterdam. An dieser Stelle wird eine Unterteilung und Bewertung der Nachkriegszeit in Abschnitten von jeweils etwa sieben Jahren vorgenommen.
  38. „Im Jahre 1985 war in Kassel unter Beteiligung der Künstlerin E. R. Nele, die sich persönlich an Zwangsarbeiter auf den Straßen ihrer Heimatstadt erinnerte, ein Bronzedenkmal aus Figuren in wallenden Mänteln errichtet worden, die symbolträchtig aus einem alten Waggon stürzen. Das Objekt mit dem Titel »Die Rampe« befindet sich unweit der heutigen Universität, in der Nähe eines historischen Standorts der Eisengießerei von Henschel & Sohn, welche in der NS-Zeit Lokomotiven sowie Kriegsgerät produzierte und auch Zwangsarbeiter beschäftigte. Damit war der deutsche Güterwagen auch als Bedeutungsträger für die Zwangsarbeit während der Hitler-Diktatur in die Öffentlichkeit eingeführt worden. Anfangs litt die Installation darunter, dass für diesen Zweck ein Güterwagen der Nachkriegsbauart verwendet worden war. Dieser konnte erst nach etwa zwei Jahren gegen ein älteres Fahrzeug getauscht werden, dessen Glaubwürdigkeit größer ist.“ (Erläuterungen auf „Gedenkstättenforum“)

Vorlage:Navigationsleiste Wörter des Jahres


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Holocaust aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.