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Native American Church

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Die Native American Church (auch Peyotismus oder Peyote-Religion) hat ihre Wurzeln in Oklahoma und ist in den USA unter den indigenen Völkern die verbreitetste eigenständige Religion. Zur Peyote-Religion gehört der Konsum von Peyote, das unter anderem die psychoaktive und als Droge bekannte Substanz Meskalin enthält. Die Native American Church entstand durch eine Vermischung traditioneller indianischer Religionen und dem von europäischen Siedlern mitgebrachten Christentum.

Geschichte

Peyote wurde bereits in präkolumbischer Zeit im Gebiet des heutigen Mexiko von den Azteken zur Kommunikation mit dem Übernatürlichen und in der Medizin verwendet. Peyote und seine Wirkung war aber bereits sehr viel früher bekannt. Dies beweisen Funde von mittelamerikanischen Grabfiguren aus der Zeit um 200 vor Christus.

Die Stämme der Karankawa, Tonkawa, und Lipan-Apache erlernten den Gebrauch von Peyote bei den Carrizo, die in der Peyote-Region zwischen Laredo und dem Golf von Mexiko lebten.[1] Von diesen Stämmen ging die Verbreitung dieses Rituals aus. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts werden so genannte Peyote-Rituale in den Plains der Vereinigten Staaten abgehalten. Unter der Annahme, dass die Carrizo die Coahuiltecan der spanischen Quellen sind, bezieht sich die Beschreibung eines Peyote-Rituals aus dem Jahr 1649 von Alonso de León auf die Vorfahren der später als Carrizo bezeichneten Gruppe, deren Selbstbezeichnung verloren ging. Nach der Überlieferung der Lipan waren die Tonkawa der erste nordamerikanische Indianerstamm, der das Peyote-Ritual praktizierte (s. Opler) Die nächste Gruppe, die Lipan, wurden erstmals 1757 genannt. Sie flohen vor 1830 vor den Comanche in die Peyote-Region. Die Karankawa wurden noch vor den Tonkawa zu Anhängern der Peyote-Religion. Allerdings ist der Zeitpunkt des ersten Auftretens dieses Ritus bei diesem Stamm umstritten. Es ist aber davon auszugehen, dass die Karankawa schon im 18. Jahrhundert den Peyote-Kult ausübten. Schließlich erlernten die Caddo den Gebrauch von Peyote durch die Tonkawa.[2] Mooney glaubte, die Mescaleros hätten die Peyote-Rituale nach Norden gebracht, doch waren es wohl die Lipan, die sie um 1850 von den Carrizo übernahmen und die sie zu den Stämmen auf US-Gebiet brachten. Dabei veränderte sich das Ritual, das nun stärker von katholisch inspirierter Mäßigung und Rückzug auf die Familie gekennzeichnet war. Zugleich erleichterten die von den Missionsstationen geförderten Kontakte und Handelsbeziehungen auch den Handel mit der begehrten Substanz.[3] Auch die starken Völkerbewegungen und Raubzüge trugen zur Ausbreitung bei.

Die erste Erwähnung der Native American Church ist unklar. Manche Quellen sprechen von 1870, andere von 1890. Fest steht, dass sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Peyote-Kult stark unter den Stämmen ausbreitete. Eine wesentliche Rolle bei der Ausbreitung des Peyote-Rituals fällt dem Lipan-Apachen Chevato (nach der Adoption durch Comanche-Chief Quanah Parker auch als Chebahtah bekannt) zu. Aber auch die Tonkawa selbst spielten eine erhebliche Rolle bei der Ausbreitung des Peyote-Ritus. Übernahmen doch manche Stämme, sofern keine überlieferte Stammesfeindschaft vorlag, den Peyote-Kult direkt von den Tonkawa.

1940 wurde die Religion vom Stammesrat der Diné verboten, da er sie als Bedrohung der Kultur der Diné und der christlichen Diné sah. Die Religion wurde daraufhin nur noch illegal im Untergrund praktiziert bis 1967 das Verbot wieder aufgehoben wurde.

Heute wird die Peyote-Religion von mehr als 50 indianischen Stämmen in den USA praktiziert und hat zwischen 100.000 und 300.000 Anhängern.

Glaube

Peyote (Lophophora williamsii)

Der Glaube der Anhänger der Native American Church ist von Stamm zu Stamm verschieden.

Einige der häufigsten Varianten sind:

  • der Glaube an Jesus als eingeborenem amerikanischen Held, als Fürsprecher oder spirituellem Hüter der Menschheit.
  • der Glaube an die Bibel.
  • der Glaube an Peyote als Personifizierung von Gott.
  • die Verbindung von Jesus mit Peyote.

Anhänger der Peyote-Religion glauben an einen obersten Gott, aber auch an Halbgötter und Geister. „Die Straße des Peyote“ ruft zur brüderlichen indianischen Liebe, Familienfürsorge, Selbstversorgung durch Arbeit und zum Verzicht auf Alkohol auf.

Die Native American Church hält regelmäßige Messen oder spirituelle Zeremonien. Das Peyote-Ritual muss von einem Mitglied einberufen werden und findet meist in der Nacht von Samstag auf Sonntag statt. Es beginnt mit Sonnenuntergang und endet mit dem Sonnenaufgang mit einem gemeinsamen Frühstück. Das Ritual besteht aus Gebeten, dem Konsum von Peyote, Liedern zur Huldigung des Peyote, Wasser-Ritualen und Kontemplationen. Es wird von den Gläubigen angenommen, dass durch das Ritual eine Art Gemeinschaft mit Gott bzw. das Einswerden mit Gott erreicht werden kann. Des Weiteren soll es Kraft und physische oder seelische Gesundheit spenden.

Die Anhänger der Kirche glauben daran, dass das Ritual und die Gemeinschaft ihnen hilft, mit ihrem Leben und Gott in Einklang zu kommen und sich selbst finden zu können. Dies soll ihnen im alltäglichen Leben Kraft geben. Als ein guter Mensch wird angesehen, wer freundlich, brüderlich, verantwortungsvoll und vor allem mit Liebe handelt. Die Kirche hat einen sehr starken Gemeinschaftscharakter. Viele Mitglieder schließen sich der Kirche an, wenn ihr Leben von Drogenmissbrauch bedroht ist. Sie soll ihnen Kraft geben, davon Abstand zu nehmen.

Diese Ansicht von Peyote als Heilmittel gegen Alkoholismus und andere gesellschaftsbedingte Krankheiten ist unter anderem ein Grund dafür, dass das amerikanische Bundesgesetz und viele Staatsgesetze die Mitglieder der Native American Church privilegieren. Sie werden nicht für Drogenmissbrauch verfolgt, wie andere Konsumenten des Peyote und Meskalin. Es dürfen sich nur Mitglieder registrierter Indianerstämme der Kirche anschließen, Menschen anderer Abstammung ist die Mitgliedschaft verwehrt.

In ihrer Weltanschauung und ihren Idealen und Ansichten über das Benehmen und Handeln des Menschen hat die Native American Church viele Gemeinsamkeiten mit dem Christentum. Sie hat aber auch Gemeinsamkeiten mit manchen Formen des Buddhismus (dem Zen beispielsweise).

Literatur

  • Martin Gusinde: Der Peyote-Kult. In: St. Gabriel-Festschrift, Wien-Mödling, 1939, S. 401–499.
  • Weston La Barre: The Peyote Cult, New Haven, 1938. 2. Aufl.: Hamden, Conn., 1964.
  • J. S. Slotkin: The Peyote Religion, Glencoe, Ill., 1956
  • Tony Hillerman: Der Tod der Maulwürfe (Belletristik), 1980

Weblinks

Anmerkungen

  1. Omer Call Stewart: Peyote Religion. A History, University of Oklahoma Press 1987, S. 47f.
  2. Omer Call Stewart: Peyote Religion. A History, University of Oklahoma Press 1987, S. 46f.
  3. Omer Call Stewart: Peyote Religion. A History, University of Oklahoma Press 1987, S. 52.
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Native American Church aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.