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Minos

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Dieser Artikel behandelt den mythischen König von Kreta. Für den gleichnamigen Dialog siehe Minos (Dialog), für das gleichnamige Experiment mit Neutrinos siehe MINOS.
Minos, von Schlangen umschlungen und gebissen (Detail eines Freskos des Jüngsten Gerichts in der Sixtinischen KapelleMichelangelo, 1536-41)

Minos (griechisch Μίνως) ist in der griechischen Mythologie Sohn des Zeus und der Europa - und der Bruder von Rhadamanthys und Sarpedon. Er war ein König von Kreta, der Gemahl der Pasiphaë.

Mit Pasiphaë war er der Vater von Akakallis, Androgeos, Ariadne, Deukalion, Glaukos, Katreus, Phaidra und Xenodike.

Historisches

Herodot bezeichnet Minos als den Errichter der ersten Thalassokratie, die die Piraterie im östlichen Mittelmeer erfolgreich bekämpfte und die Quelle des kretischen Reichtums war. (Siehe auch Seeherrschaft.) Nach u.a. Thukydides soll Minos sich die Karer untertänig gemacht (und Milet erobert haben) bzw. von Kreta und/oder den Inseln der Ägäis vertrieben haben und große Teile des ägäischen Meers beherrscht haben.

Bezüglich der Frage, ob Kreta während der minoischen Zeit wirklich eine Thalassokratie war, herrscht bis jetzt in der Forschung keine Einigkeit.[1]

Mythisches

Minos und Britomartis

Die Nymphe Britomartis war eine Tochter des Zeus und somit Halbschwester des Minos. Dieser verliebte sich in sie und verfolgte das wilde Mädchen neun Monate lang durch die Berge Kretas. Als er sie auf einem steilen Felsen des Diktegebirges fast ergreifen konnte, blieb ihr Kleid an einem Myrtenzweig hängen; sie rettete sich durch einen Sprung ins Meer und landete in den Netzen von Fischern, die sie in Sicherheit brachten. Artemis erhob sie später in den Rang einer Göttin.[2]

Minos und Prokris

Um die eheliche Treue ihres Gemahls sicherzustellen, belegte Pasiphaë den König mit einem Zauber: Bei der Umarmung entströmten seinem Leib Schlangen, Skorpione und Tausendfüßler. Da traf Prokris auf der Insel ein, die eben im Streit mit Kephalos lag. Sie heilte Minos von seinem Leiden. Er machte ihr dafür einen unfehlbaren Speer und den schnellen, unsterblichen Hund Lailaps zum Geschenk – Gaben, die einst sein Vater Zeus der Europa überreicht hatte.[3]

In einer anderen Version hieß es nur, dass Prokris die einzige war, die mit Minos ungestraft verkehren konnte, weil sie sich zuvor mit der Essenz einer Heilpflanze wappnete.

Minos und der Stier

Nach einer Erzählung wurden er und seine Brüder von Asterios , dem König von Kreta, adoptiert. In der Frage, wer dessen Nachfolge antreten sollte, kam es zum Streit zwischen den dreien. Minos rief Poseidon um Beistand an und versprach, was immer aus dem Meer erschiene, dem Gott zu opfern. Poseidon schickte ihm einen prächtigen Stier, so dass damit der Streit entschieden war und Minos König von Kreta wurde. Der Stier gefiel ihm allerdings so gut, daß er ihn nun nicht opfern wollte, sondern ein anderes Rind darbringen ließ. Poseidon erkannte den Betrug und schlug zur Strafe Minos’ Gemahlin Pasiphaë mit dem Verlangen, sich mit dem Stier zu vereinen. Sie ließ sich von Daidalos ein hölzernes Gestell bauen, das mit Kuhhaut verkleidet war. Darin verbarg sie sich und ließ sich so von dem Stier begatten. Als Frucht dieser Vereinigung gebar sie ein menschenfressendes Ungeheuer: den Minotauros, ein Wesen mit menschlichem Körper und Stierkopf.

Im Zuge seiner achten Arbeit[4] brachte Herakles den Stier auf die Peloponnes. Dort richtete das wilde Tier großen Schaden an. Androgeos, einer von Minos’ Söhnen, wollte seine Geschicklichkeit im Kampf gegen den Stier erproben, fiel diesem aber zum Opfer. Als Minos die Nachricht erhielt, brach er zu einem Rachefeldzug gegen Athen auf; manche sagten nämlich, König Aigeus von Attika habe Androgeos zu dem Tier geschickt.

Minos und die Athener

Er zog zunächst gegen Megara, wo Nisos herrschte, ein Bruder des Aigeus. Nisos verlieh eine purpurne Locke Unsterblichkeit. Seine Tochter Skylla verliebte sich jedoch in den fremden König und schnitt ihrem Vater die Locke ab. Minos siegte, dankte es dem Mädchen aber schlecht: Er ließ sie an seinem Schiff angebunden durch das Meer schleifen.

Gegen das wehrhafte Athen allerdings konnte Minos zunächst nichts ausrichten. Also rief er seinen Vater Zeus um Hilfe an; dieser erhörte ihn und sandte Pest und Hungersnot. Den Athenern erlegte Minos nach ihrer Kapitulation eine grausame Steuer auf: Alle neun Jahre mussten sie sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen nach Kreta senden, wo diese dem Minotauros geopfert wurden.[5]

Minos und das Labyrinth

Für den Minotauros hatte er von Daidalos ein Labyrinth[6] erbauen lassen. Die Jünglinge und Jungfrauen wurden hineingeschickt und so dem Ungeheuer zum Fraß vorgeworfen. Erst Theseus, der Sohn des Aigeus, beendete diesen Opferritus, indem er selbst mitfuhr und den Minotauros tötete. Dabei war ihm Minos’ Tochter Ariadne mit ihrem Faden behilflich; nur so konnte er aus dem Labyrinth wieder herausfinden. Als der Held Kreta verließ, nahm er Ariadne mit sich.[7]

Erzürnt sperrte Minos daraufhin den Architekten Daidalos mit dessen Sohn Ikaros in das Labyrinth. Sie konnten entkommen und flohen mit Hilfe selbstgebauter Schwingen von der Insel. Ikaros überlebte den Flug nicht, weil er der Sonne zu nahe kam. Dabei schmolz das Wachs zur Befestigung der Federn und er stürzte ins Meer. Minos aber verfolgte Daidalos bis nach Sizilien, wo dieser bei König Kokalos Schutz gefunden hatte. Kokalos empfing den Kreterkönig mit vorgetäuschter Gastfreundschaft, ließ ihn jedoch im Bade töten. Je nach Version wurde Minos dort von Kokalos’ Töchtern ertränkt oder durch kochendes Wasser ums Leben gebracht. Lange danach soll Theron, Tyrann von Akragas, die Gebeine von König Minos gefunden und nach Kreta zurückgeschickt haben.

Minos im Hades

Minos sitzt zu Gericht, Illustration Gustave Dorés zu Dantes Göttlicher Komödie

Nach seinem Tode herrschte der weise irdische König Minos mit goldenem Zepter als Richter der Toten in der Unterwelt, an der Seite seines Bruders Rhadamanthys und seines Halbbruders Aiakos.

Minos als Namensgeber

Nach Minos wurde die Kultur von Altkreta durch Arthur Evans als minoisch bekannt, was auf eine Benennung durch Arthur Milchhoefer zurückgeht. Bedeutende Zeugnisse dieser Kultur sind die Palastanlagen von Phaistós und Knossós; Letztere war wegen ihrer verwinkelten Architektur vermutlich der Ursprung der Legende vom Labyrinth. Die Verbindung von Minos mit der minoischen Kultur gilt jedoch als nicht gesichert, da ihn Homer nicht nur als Sohn des Zeus, sondern auch als Achäer bezeichnet, die zumeist mit den mykenischen Griechen gleichgesetzt werden. Die retrospektive Vereinnahmung wurde jedoch betrieben, wie die von Zeus und Europa, um die Bedeutung des Zeus zu erhöhen. Zu Blütezeit der kretischen Hochkultur etwa 1.600 v. Chr. war der Zeusglaube noch nicht installiert. Dieser wurde vermutlich in den Dunklen Jahrhunderten oder sogar erst 800 v. Chr. durchgesetzt.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. A. Bernard Knapp, Thalassocracies in Bronze Age Eastern Mediterranean Trade. Making and breaking a myth, in: World Archaeology 24/3, 1993, S. 332
  2. Karl Kerényi, Die Mythologie der Griechen, Bd. I, S. 117. ISBN 3-423-01345-1.
  3. Karl Kerényi, Die Mythologie der Griechen, Bd. II, S. 229f. ISBN 3-423-01346-x.
  4. Oder der siebenten; vgl. Karl Kerényi, Die Mythologie der Griechen, Bd. II, S. 129 ISBN 3-423-01346-x.
  5. Karl Kerényi, Die Mythologie der Griechen, Bd. II, S. 182f. ISBN 3-423-01346-x.
  6. Siehe Knossos.
  7. Karl Kerényi, Die Mythologie der Griechen, Bd. I, S. 212. ISBN 3-423-01345-1.

Weblinks

 Commons: Minos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Minos aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.