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Lehava

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Lehava (hebräisch למניעת התבוללות בארץ הקודש, LeMeniat Hitbolelut B'eretz HaKodesh, wortwörtlich [Organisation zur] Prävention von Assimilation im Heiligen Land) ist eine ultrarechte israelische Organisation, die jede Assimilation von sowie persönliche und geschäftliche Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden ablehnt.[1] [2] [3] Ein Fokus der Arbeit von Lehava liegt in der Ablehnung von interreligiösen Ehen, vor allem Partnerschaften zwischen jüdischen Frauen und nichtjüdischen Männern. Die Organisation wird von Medien als "rechtsaußen" beziehungsweise "rechtsextrem" eingestuft. Die Aktionen von Lehava wurden unter anderem von Reuven Rivlin, amtierendem Präsidenten Israels, verurteilt, der die Mitglieder als "Nagetiere, die am demokratischen und jüdischen Fundament von Israel knabbern" bezeichnet hat.[4]

Geschichte und Personen

Lehava wurde laut eigenen Angaben 2009 vom Rabbiner Mosis Zion gegründet. Seit mehreren Jahren ist Ben-Zion Gopstein, ein erklärter Anhänger von Meir Kahane, Vorsitzender der Organisation. Gopstein hatte mehrmals Zusammenstöße mit der Polizei, als er für Kahanes Bewegung Kach aktiv war, die 1988 als rassistisch verboten wurde und auf der Terrorliste der EU steht.[5] Neben Gopstein beschäftigt Lehava mehrere dem Kahanismus zuzuordnende Personen, so etwa Baruch Marzel, der als „rechte Hand“ Kahanes galt.[6][7][8] Der Ex-Knesset-Abgeordnete Michael Ben-Ari, ebenfalls bekennender Kahanist, ist Pressesprecher von Lehava.[9][10][11]

Im Januar 2015 wies Verteidigungsminister Moshe Yaalon den Shin Bet und das Verteidigungsministerium dazu an, Beweise für eine Einstufung Lehavas als Terrororganisation zu sammeln.[12] Ben-Zion Gopstein, verurteilte dieses Vorgehen scharf: "Ich schlage vor, dass [Yaalon] versucht, die islamistische Bewegung zu verbieten und sich danach erst mit einer Anti-Assimilations-Gruppe beschäftigt... Statt sich um einen Feind Israels zu kümmern, versucht der Verteidigungsminister Stimmen von den Linken abzuwerben, indem er gegen Lehava vorgeht. Diese Gruppe handelt, um die Töchter Israels zu retten, und verdient den Israel-Preis." Er bestritt, dass Lehava illegale Handlungen unternähme.[13] Im August 2015 gab der Shin Bet bekannt, dass es nicht genügend Beweise gäbe, um Lehava als Terrororganisation einzustufen.[14]

Aktivitäten

Arbeit gegen interreligiöse Ehen

Lehava erregte zunächst durch ihr Engagement gegen interreligiöse Ehen Aufmerksamkeit. 2010 richteten die Organisatoren einen offenen Brief an das jüdische Model Bar Refaeli, in dem sie sie drängten, ihre Beziehung mit dem römisch-katholischen Schauspieler Leonardo DiCaprio zu beenden.[15][8][7] Mehrere Ehefrauen isralischer Rabbiner wandten sich in einem offenen Brief im Namen Lehavas an die Öffentlichkeit und riefen Frauen dazu auf, sich nicht mit "Nichtjuden" einzulassen. Die Zeitung Haaretz zitierte den Brief wiefolgt: "Datet keine Nichtjuden, arbeitet nicht an Plätzen, die Nichtjuden besuchen, und leistet euren Wehrdienst nicht mit Nichtjuden ab." Der Brief implizierte, dass die Frauen bei Nichtanweisung von ihrer "göttlichen Rasse" abgeschnitten würden.[16] Da der Brief kurz nach einem offenen Brief von Rabbis, der sich gegen Vermietung an Nichtjuden aussprach, veröffentlicht wurde, trug er zu der öffentlichen Kontroverse bei. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung verurteilten eine Mehrzahl an Rabbis und Politikern die beiden offenen Briefe.[17][18]

Lehava hat sich auch gegen Mark Zuckerbergs Ehe mit Priscilla Chan ausgesprochen.[19]

2013 startete die Organisationen eine Facebook-Seite, auf der interreligiöse Pärchen öffentlich identifiziert werden sollten, diese wurde im Jahr darauf aufgrund rassistischer Kommentare jedoch wieder geschlossen.

2014 organisierte Lehava Proteste gegen die Eheschließung eines Paares aus Jaffa, bei der die Frau zum Islam konvertiert war und die Religion ihres Mannes angenommen hatte. Die Organisation gab bekannt, dass sie "unsere Schwester bitten wird, nach Hause zu uns jüdischen Menschen zu kommen, die auf sie warten". Das Paar versuchte, die Demonstration gerichtlich zu verbieten, das Gericht ließ die Kundgebung jedoch in einem Abstand von 200 Metern zur Zeremonie zu.[20] Laut Medienberichten riefen die Demonstranten "Tod den Linken" und "Tod den Arabern", obwohl die Organisatoren versuchten, die Menge zu beruhigen.[21]

Der Investigativjournalist Liat Bar-Stav, der sich bei Lehava einschlich, beschreibt ein von Gopstein erarbeitetes Standardprozedere zur Kontaktaufnahme mit "verführten" jüdischen Frauen: Die Mitglieder würden aktiv nach jüdischen Frauen Ausschau halten, die Araber daten, und diese ansprechen. Unter dem Vorwand, sich kurz das Handy der Frau auszuborgen, würden sie sich durch Anruf vom ausgeborgten Handy aus bei Lehava deren Nummer erschleichen. Die Organisation würde dann über das weitere Vorgehen im Einzelfall entscheiden.[22]

Appell gegen interethnische Mietverträge

Lehava hat dazu aufgerufen, dass Juden keine Wohnungen an Nichtjuden vermieten sollen. Die Organisationen hat Israelis dazu ermutigt, die Namen von Personen öffentlich zu machen, die an Araber vermieten.[23]

Ruf nach physischer Segregation

2012 verteilte die Gruppe Flyer in Ostjerusalem, auf denen sie Araber warnte, nicht die westliche Seite der Stadt zu besuchen. Lehava hat sich auch für eine Trennung von Juden und Arabern auf Stränden ausgesprochen.[24]

Brandstiftung in der Hand-in-Hand-Schule und in Kirchen

Die Hand-in-Hand-Schule in Jerusalem ist eine von wenigen israelischen Schulen, in denen arabische und jüdische Kinder gemeinsam und bilingual unterrichtet werden. Am 29. November 2014 verübten drei Täter einen Brandanschlag auf die Schule und sprühten rassistische Graffiti an die Wände.[25] Laut Angaben des Shin Bet sind alle drei Mitglieder von Lehava. Ziel des Anschlags sei es gewesen, öffentlichen Widerstand gegen Assimilation zu zeigen.[26] Wenige Tage nach der Festnahme der Täter führte die Polizei Hausdurchsuchungen bei mehreren Lehava-Mitgliedern durch. Lehava-Vorsitzender Ben-Zion Gopstein war unter den wegen Verdachts auf Terror und Verhetzung festgenommenen 17 Personen.[27] 10 der Lehava-Mitglieder wurden in Folge wegen Verhetzung angeklaft, Gopstein kurzzeitig unter Hausarrest gestellt.[28]

Im August 2015 war Gopstein in einer Diskussion zu Gast, bei der er aufgrund der Brandstiftung in der Brotvermehrungskirche gefragt wurde, ob er solche Brandanschläge unterstütze. Unter Berufung auf den jüdischen Gelehrten Maimonides, der das Christentum im 13. Jahrhundert als Götzenanbetung eingestuft hat, argumentierte Gopstein, dass man die Kirche bekämpfen müsse und dementsprechend die Anschläge gerechtfertigt sein.[29] Die Katholische Kirche zeigte ihn daraufhin wegen Verhetzung an.[30]

Andere Aktivitäten

Im November 2014 wurden vier Aktivisten der Gruppe in Petach Tikwa verhaftet, nachdem sie Propagandamaterial verteilt und die Polizei attackiert hatten.[31]

Verbindung zu Hemla

Ben-Zion Gopstein ist neben seiner Tätigkeit als Vorsitzender von Lehava auch PR-Chef der Non-Profit-Organisation Hemla, die zwischen 2005 und 2013 rund $175,000 pro Jahr von der Regierung erhalten hat. Hemla unterhält Frauenhäuser, um Mädchen und jungen Frauen aus zerrütteten Verhältnissen zu helfen, "die in Gefahr sind, zur Konversion gezwungen zu werden und in Verbrechen verwickelt zu werden".[6][32]

Einzelnachweise

  1. Lehava 'Hotline' to Help Prevent Intermarriage, Assimilation Israel National News, 9 Sept 2013
  2. Meet Lehava, the Israeli Fascists Mounting a Vicious Crusade to Keep their Women Away from Arabs International Business Times, 22 Sept 2014
  3. "'Grinning Jewish Extremists Charged in Jerusalem School Arson' (Dec 15, 2014) The Jewish Daily Forward" http://forward.com/articles/210950/grinning-jewish-extremists-charged-in-jerusalem-sc/
  4. The Times of Israel: Over vocal protest, Arab-Jewish wedding goes ahead. Abgerufen im 18 August 2014.
  5. "Dan Williams 'Racist Jewish Group Offers Dilemma to Israel as Anti-Arab Violence Rises' (28 Dec 2014) Forward" http://forward.com/articles/211725/racist-jewish-group-offers-dilemma-to-israel-as-an/
  6. 6,0 6,1 Uri Blau and Shai Greenberg: A strange kind of mercy. , 27 May 2011. Abgerufen am 21 December 2014. 
  7. 7,0 7,1 Yair Ettinger: Israel Police arrests four more anti-Arab activists from rightist group Lehava. . Abgerufen am 21 December 2014. 
  8. 8,0 8,1 Marzel urges super model Refaeli not to marry DiCaprio.
  9. Israeli wedding of Jew, Muslim draws protesters amid war tensions. , Reuters, Aug 18, 2014. 
  10. Number 4 in the National Union: Everyone Understand that Kahane was Right (hebrew). , Yedioth Ahronoth, February 2, 2009. 
  11. The "Kahanist" MK complained about Arie Golan: He Cut me Short in an Interview Maariv
  12. Why Israel may list this hard-line Jewish group as a terrorist organization The Washington Post, 5 Jan 2015
  13. [1], "Times of Israel 4 Jan 2015"
  14. Security agency says evidence lacking to ban extremist Jewish group. Times of Israel, 4. August 2015, abgerufen Format invalid.
  15. Jewish Organization Lehava Defends Call for Bar Refaeli / Leo DiCaprio Breakup.
  16. Rabbis' wives urge Israeli women: Stay away from Arab men Haaretz, 28 Dec 2010
  17. Rabbis' wives: Don't date Arabs.
  18. Rebbetzins: Women, stay away from Arab men.
  19. http://english.alarabiya.net/articles/2012/05/26/216589.html
  20. Batsheva Sobelman,extremists can't break the love of a Muslim man and Jewish woman in Israel,' Sydney Morning Herald 16 August 2014.
  21. Roy Arad: Extremists' hatred poisons Mahmoud and Morel's wedding. , August 19, 2014. 
  22. "Liat Bar-Stav 'Inside radical right-wing group Lehava' (3 Jan 2015) YNET News" http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4610561,00.html
  23. Public invited to inform on those renting to Arabs.
  24. Orlando Crowcroft: Israeli court allows protesters to picket Palestinian-Jewish wedding. , 17 August 2014. Abgerufen am 21 December 2014. 
  25. Andrea Backhaus: Uns bringt ihr nicht auseinander. In: zeit.de. 6. Januar 2015, abgerufen am 5. August 2015.
  26. "Cohen, Gili 'Shin Bet: Anti-Arab activists admit to J'lem school arson: Suspects reportedly members of extremist group Lehava, which is fighting Jewish assimilation.' (Dec 11, 2014) Haaretz" http://www.haaretz.com/news/national/1.631251
  27. "Levinson, Chaim 'Police raid homes of right-wing Lehava activists, arrest chairman Gopstein' Haaretz 16 Dec 2014" http://www.haaretz.com/news/national/.premium-1.632060
  28. Brothers sentenced for Jerusalem arson hate-crime on Jewish-Arab school, Jerusalem Post vom 22. Juli 2015
  29. Jeremy Sharon: Rabbi and leader of extremist group says he’s in favor of burning churches, in theory Jerusalem Post vom 5. August 2015 – abgerufen am 7. Aufust 2015
  30. Katholische Kirche im Heiligen Land zeigt Rechtsextremisten an. In: welt.de. Abgerufen am 9. August 2015.
  31. "Ahia Raved:Three suspected hate crimes in one night (Nov 21, 2014)Ynet News"http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4594558,00.html
  32. Vered Lee: Love in the time of racism: The new, dangerous low in the campaign to stop interracial relationships. , 25 April 2013. Abgerufen am 21 December 2014. 
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Lehava aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.