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Hypothese

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Eine Hypothese (griechisch ὑπό hypo ‚unter‘ und griech. θέσις thésis ‚aufgestellter Satz, Behauptung‘[1]; lateinisch hypothesis wörtlich ‚Unterstellung‘) ist eine Aussage, deren Gültigkeit man für möglich hält, die aber nicht bewiesen oder verifiziert ist. Für Hypothesen ist es üblich, dass die Bedingungen angegeben werden, unter denen sie gültig sein sollen.

In positivistischen wissenschaftstheoretischen Strömungen ist die Hypothese eine Vorstufe einer Theorie, zu der sie durch verifizierende Beobachtungen werden kann. Anders als im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet „Theorie” in der Wissenschaft also im Unterschied zur Hypothese eine Aussage oder eine voneinander abhängige Gruppe von Aussagen, die durch empirische Erfahrungen bestätigt wurden (z. B. Relativitätstheorie, Gravitationstheorie, Evolutionstheorie). Eine Behauptung oder ein Leitsatz, der durch wissenschaftliche Beweisführung bewiesen oder widerlegt werden soll, heißt These (z. B. "Wirtschaften an sich ist frei von moralischem Gehalt").

Kritisch-rationale Ansätze vertreten allerdings die Auffassung, Spekulation und Hypothese seien gleichwertig, da theoretische Annahmen grundsätzlich nicht verifiziert werden könnten (Prinzip der Falsifizierbarkeit).

Empirische Wissenschaften

In den empirischen Wissenschaften haben Hypothesen den Status einer Annahme, die üblicherweise nach dem deduktiv-nomologischen Modell überprüft werden. Dabei werden beobachtete Daten auf die Hypothese angewendet und damit verglichen, ob die Hypothese mit den tatsächlich beobachteten Ereignissen übereinstimmen. Ist die Übereinstimmung gegeben, wurde die Hypothese bestätigt und die zugrunde liegende Theorie, die neben der Hypothese auch die Prämissen und die Versuchsanordnung beinhaltet, hat sich bewährt. Hypothesen, die keinem Beobachtungssatz widersprechen, gelten nicht als empirisch (siehe Falsifizierbarkeit).

Unterstützt wird diese Vorgehensweise häufig auch durch die Durchführung eigener empirischer Untersuchungen.

Hypothesen dienen entweder der Erklärung schon bekannter Tatsachen oder als Prämissen allgemeiner empirischer Gesetzesaussagen. Da empirische Gesetze nur durch eine endliche Anzahl von Beobachtungen bestätigt werden können (siehe Induktion), können solche Aussagen nicht als endgültig bewiesen, sondern nur als bewährt betrachtet werden.

Werden Hypothesen als vorläufige Annahmen formuliert, um die möglichen Grundannahmen einer noch aufzustellenden Theorie zu überprüfen, spricht man von Arbeitshypothese.

Können mehrere Hypothesen ein Ereignis erklären, kann durch den Schluss auf die beste Erklärung eine Hypothese vor einer rivalisierenden Hypothese ausgezeichnet werden.

Am Ende der wissenschaftlichen Arbeit bzw. zu Beginn im Management Summary findet sich dann neben der Zusammenfassung der Arbeit i.d.R. die Antwort auf die Frage, ob die Hypothese positiv überprüft werden konnte oder nicht (Vgl. Poincare, Henri: Wissenschaft und Hypothese, 4. Auflage, Xenomoi Verlag, S. 152–154).

Logik

In einem logischen Gespräch ist eine Hypothese die Prämisse eines Arguments, deren Wahrheit zunächst ausgeklammert wird. Dabei wirken Hypothesen als Implikationen, die der Verteidigung einer These dienen. Formal:

A1, . . . . , An

Ist die These (die Konsequenz A) unter Annahme der Hypothesen gültig, müssen die einzelnen Hypothesen überprüft werden.

Mathematik

In der Mathematik bezeichnet der Begriff Hypothese ursprünglich die unbewiesenen Grundlagen oder allgemeinen Prinzipien, aus denen die mathematischen Sätze abgeleitet werden. Da diese Prinzipien als Axiome verwendet werden, gilt für sie nicht das Kriterium der Wahrheit. Sie sind gesetzt. Die mit ihnen verbundenen Schlussfolgerungen sind deduktiv.

Gehirnforschung

Ein Ansatz, das Gehirn künstlich nachzubilden, beschreibt, es bilde und speichere Hypothesen und vergleiche diese mit Wahrnehmung. Nicht weiter anwendbare Hypothesen würden verworfen bis die verbleibende anwendbar ist oder neu abgelegt (gelernt) wird. [2]

Statistische Hypothesen

Bei der statistischen Hypothese, die mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit falsifiziert werden kann, wendet man statistische Tests an. Siehe auch: Statistik, Fehler 1. und 2. Art

Historische Aspekte

Platon

Platon behandelte das Thema der Hypothese mehrfach, so auch in seinem Dialog Phaidon (100 a):

„Ich lege meiner Untersuchung immer eine Behauptung zugrunde, die ich für besonders stark halte; und das, von dem ich dann den Eindruck habe, dass es damit in Einklang steht, nenne ich wahr; was dagegen damit nicht in Einklang zu stehen scheint, nenne ich unwahr.“

Abduktion bei Charles S. Peirce

Charles S. Peirce bezeichnete den Schluss von einem Ereignis auf einen Fall, unter Annahme einer Regel, als eine Hypothese, die eine eigene Schlussweise neben Induktion und Deduktion darstellt. Sehe ich zum Beispiel Rauch und gehe von der Regel aus „Wo Rauch ist, ist auch Feuer“, so komme ich zu dem Schluss „Dort ist Feuer“. Die Schlussweise der Hypothese ist logisch nicht eindeutig (siehe auch Abduktion).

Arten von Hypothesen nach Poincaré

Der Philosoph und Wissenschaftler Henri Poincaré unterschied drei Arten von Hypothesen:

  1. Natürliche Hypothesen. Dies sind Hypothesen ganz allgemeiner Art, die sich als Hintergrundwissen widerspiegeln. Beispiele sind die Existenz der Außenwelt und die prinzipielle Erkennbarkeit der Dinge. Natürliche Hypothesen können nur schwer aufgegeben werden, da sie für den Wissenschaftsbetrieb konstitutiv sind.
  2. Indifferente Hypothesen. Diese Hypothesen funktionieren als Konventionen, da man für eine Theorie auch die gegenteilige Hypothese annehmen könnte und dies die Theorie lediglich verkomplizieren, nicht aber widerlegen würde.
  3. Verallgemeinernde Hypothesen. Durch Erfahrung bestätigbar oder widerlegbar ist nur diese Art Hypothesen. Sie werden durch Induktionsschlüsse gewonnen.

Anschauliche Zitate

„Hypothesen, noch vibrierend von eigener In-Frage-Stellung, kommen selten bereits zum praktischen Beweis, zu dem der technischen, sozialen Veränderung, als gelingender. Sie bleiben im bloßen Versuch des bloßen Erklärens; mißlingt dieser, bleiben sie zwar durchaus innerhalb der Erkenntnis, sie stehen auch dann nicht mehr in limine[3] außerhalb ihrer, wie die Abstraktion, aber sie wandern in die Versuchsgeschichte der Erkenntnis, der erkannten Irrtümer.“

Ernst Bloch: Über Fiktion und Hypothese, 1953, in: Gesamtausgabe Bd. X, S. 21–26, S. 25.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Wiktionary: Hypothese – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Belege

  1. Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. G. Freytag Verlag/Hölder-Pichler-Tempsky, München/Wien 1965.
  2. Martin Hubert: HIRNFORSCHUNG – Das Hypothesengenie – Das Gehirn als Vorhersagemaschine Deutschlandradio, „Wissenschaft im Brennpunkt“ (Audio) vom 19. Januar 2014
  3. in limine bedeutet so etwas wie ‚an der Schwelle‘.
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Hypothese aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.