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Alban Stolz

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Alban Stolz um 1850
Alban Stolz um 1865

Alban Isidor Stolz (* 3. Februar 1808 in Bühl (Baden); † 16. Oktober 1883 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher katholischer Theologe, Volksschriftsteller und Erziehungswissenschaftler.

Leben

Sein Vater war angesehener Apotheker in Bühl, auf Grund der zahlreichen Geschwister war eine Übernahme der Apotheke für Alban Stolz nicht denkbar.

Nach dem Abitur in Rastatt begann er das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Freiburg, wechselte jedoch nach wenigen Monaten zur katholischen Theologie, die zu jener Zeit stark vom Rationalismus geprägt war. Unsicher, ob katholische Theologie das richtige für ihn sei, wechselte er 1830 an die evangelisch geprägte Universität Heidelberg und studierte dort Philologie, Pädagogik und Literatur. Eine Predigt zur Weihnachtszeit 1831 stärkte seinen katholischen Glauben wieder, er kehrte nach Freiburg zurück und empfing 1833 die Priesterweihe, nachdem er zuvor im Priesterseminar studierte. In Rotenfels und später Neusatz wurde er Vikar und schließlich 1842/43 Religionslehrer am Gymnasium in Bruchsal, wo er seine ersten schriftstellerischen Werke verfasste. 1842 übernahm er das Amt eines Repetitors am Collegium Theologicum in Freiburg und wurde schließlich 1845 dessen Direktor. Ebenfalls 1845 promovierte er über die katechistische Auslegung des Freiburger Diözesankatechismus.

Zwei Jahre später erhielt er den Lehrstuhl für Pastoraltheologie und Pädagogik an der Universität Freiburg und wurde 1848 ordentlicher Professor. Von 1859 bis 1860 war er Prorektor der Universität und erhielt 1865 die Ehrendoktorwürde der Universität Wien; 1868 schließlich den Titel Geistlicher Rat.

Alban Stolz korrespondierte über Jahre hinweg mit der evangelischen Pastorentochter und späteren Dichterin Cordula Wöhler, zu deren Übertritt in die katholische Kirche er wesentlich beitrug. Ebenso war er befreundet mit dem badischen Freiherrn Friedrich von Drais, der unter seinem Einfluss zum Katholizismus konvertierte und Benediktiner wurde.[1]

Stolz starb kurz nach seinem 50. Priesterjubiläum an den Folgen einer Lungenentzündung und wurde in Bühl bestattet.

Volksschriftsteller

Stolz war ein katholischer Volksschriftsteller. Sein 1843 anonym verfasster Kalender für Zeit und Ewigkeit für das gemeine Volk und nebenher für geistliche und weltliche Herrenleute wurde so kritisch betrachtet, dass dessen Verleger Villinger ihn zurückziehen wollte; er war dann jedoch so erfolgreich, dass er in insgesamt über 30 Auflagen erschien und auch in evangelischen Gebieten vertrieben wurde.

Seine Reisen unter anderem nach Spanien, in die Türkei und in das Heilige Land inspirierten ihn zu etlichen Werken, die teilweise auch übersetzt wurden. Ebenfalls erhalten ist sein umfangreicher Briefwechsel und ein Tagebuch. Bereits 1884, ein Jahr nach seinem Tode, erschien eine erste Biografie. Alban Stolz war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ein viel gelesener Schriftsteller. Der nach dem Zweiten Weltkrieg aufgekommene Wertewandel führte dazu, dass seine Werke seither seltener aufgelegt werden.

Als „Vertreter katholischer Judenfeindschaft ultramontaner Provenienz“[2] verfasste Stolz in seinen Volkskalendern unzählige antisemitische Artikel, in denen er mittels Tier-, Pflanzen- und Seuchenmetaphern den Juden Hass und Subversion gegen das Christentum unterstellte. Außer gegen „Presse-“ und „Schacherjuden“ polemisierte Stolz auch gegen Berthold Auerbach, Heinrich Heine und Felix Mendelssohn Bartholdy. Die traditionellen Klischees des Antijudaismus ergänzte Stolz um die angebliche genetische Bedingtheit jüdischer Defizite, womit er sich rassistischem Gedankengut annäherte. Seine antimodernistische Einstellung zeigt sich auch in seiner Forderung, Katholiken die Absolution zu verweigern, die trotz vorangegangener Ermahnung weiter eine liberale Zeitung abonnieren.

Seine Werke wurden seit etwa 1870 in einer einheitlichen Ausgabe ("Gesammelte Werke") durch den Verlag Herder herausgebracht; die letzte Auflage dieser Gesamtausgabe erschien 1913 und umfasst einundzwanzig Bände im Oktavformat (zusammen rund zehntausend Seiten). Außerdem erschien ab 1898 eine sogenannte „Billige Volksausgabe“ der wesentlichen Schriften in vierzehn Bänden (in kleinerem Format).

Von den Briefen, die Stolz geschrieben hat – er selbst hat einmal gesagt, dass sein Leben wie mit Briefpapier ausgestopft sei –, sind nur relativ wenige erhalten und veröffentlicht:

  • Fügung und Führung. Konvertitenbilder, drei Bändchen (Freiburg: Herder, 1909–1913 u. ö.)
  • Alban Stolz und die Schwestern Ringseis. Ein freundschaftlicher Federkrieg (Freiburg: Herder, 1912 u. ö.).

Der handschriftliche Nachlass (die von 1827 bis 1882 geführten Tagebücher, über 1000 Briefe von und an Stolz u.a.m.) befindet sich im Erzbischöflichen Archiv Freiburg.

Schriften

Zeitgenössische Buchausgabe von Alban Stolz

Seine Gesammelten Werke in einundzwanzig Bänden (Angaben nach der Ausgabe von 1913):

  • I. Besuch bei Sem, Cham und Japhet oder Reise in das Heilige Land
  • II. Spanisches für die gebildete Welt, mit etwas Türkischem nebst Noten
  • III. Kompaß für Leben und Sterben [Sammelausgabe der Kalender für Zeit und Ewigkeit: Mixtur gegen Todesangst. Für das gemeine Volk und nebenher für geistliche und weltliche Herrenleute; Das Menschengewächs oder Wie man sich und andere erziehen soll; Das Bilderbuch Gottes; ABC für große Leute]
  • IV. Das Vaterunser und der unendliche Gruß [Sammelausgabe der Kalender für Zeit und Ewigkeit: Das Vaterunser, erster bis dritter Teil; Der unendliche Gruß]
  • V. Witterungen der Seele [Tagebücher I]
  • VI. Wilder Honig [Tagebücher II]
  • VII. Die heilige Elisabeth. Ein Buch für Christen
  • VIII. Kleinigkeiten. Erste Sammlung [der kleineren publizistischen Arbeiten, Broschüren, Flugblätter usw.]
  • IX. Erziehungskunst
  • X. Kleinigkeiten. Letzte Sammlung [Nachlese der kleineren publizistischen Texte]
  • XI. Dürre Kräuter [Tagebücher III]
  • XII. Wacholder-Geist gegen die Grundübel der Welt: Dummheit, Sünde und Elend [Sammelausgabe der Kalender für Zeit und Ewigkeit: Kohlschwarz mit einem roten Faden; Armut und Geldsachen; Der heilige Vinzenz von Paul; Die gekreuzigt Barmherzigkeit; Ein Stück Brot]
  • XIII. Homiletik als Anweisung, den Armen das Evangelium zu predigen [aus dem Nachlass]
  • XIV. Die Nachtigall Gottes [Sammelausgabe der Kalender für Zeit und Ewigkeit: Das Leben der heiligen Germana; Misericordia; Die vornehmste Kunst; Die acht Seligkeiten; Wer ist wie Gott?; Die Schule Gottes; Geister-, Stern- und Menschenwelt]
  • XV.-XVIII. Legende oder Der christliche Sternenhimmel (vier Bände; auch in zahlreichen Auflagen in einem Band in-4° erschienen)
  • XIX. Predigten. Frühreden und Ansprachen [aus dem Nachlass]
  • XX. Predigten für die Sonntage des Kirchenjahres [aus dem Nachlass]
  • XXI. Fest- und Gelegenheitspredigten [aus dem Nachlass]

Außerdem erschien ein Register zu den Gesammelten Werken (214 Seiten)

Ehrungen

Büste Alban Stolz’ vor der Konviktskirche

Vor der Konviktskirche des Collegium Borromaeum in Freiburg steht ein Denkmal mit seiner von Bildhauer Emil Stadelhofer entworfenen Bronzebüste.
Ebenfalls in Freiburg wurden eine Kindertagesstätte sowie ein katholisches Studentenwohnheim nach Alban Stolz benannt. 2017 wurde das Wohnheim wegen Stolz' antisemitischer Äußerungen umbenannt und Alban von Mainz gewidmet.[3]
In der Alban-Stolz-Kapelle auf dem Friedhof in Bühl wurde er begraben.
Im Ortszentrum von Bühl-Neusatz befindet sich eine Bronzegedenkplatte.

In Bischweiler, Bühl (Baden), Ettlingen, Freiburg im Breisgau [4], Kollnau, Gaggenau und Lauda-Königshofen wurden Straßen nach dem Theologen benannt.

Literatur

  • Franz Heinrich Reusch: Alban Stolz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 421–424.
  • Heinrich Herz: Alban Stolz. Verlag des Katholischen Volksvereins, Mönchengladbach 1916 und 1920.
  • Franz Hulshof: Alban Stolz in seiner Entwicklung als Schriftsteller. Wächter-Verlag, Graz 1931.
  • Elisabeth Mackscheid: Erziehung für das Heil der Seele. Kritische Lektüre des katholischen Pädagogen Alban Stolz. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1982, ISBN 3-7867-0980-7 (Diss.)
  • Klaus Roos: Alban Stolz, einer der Großen des 19. Jahrhunderts. Seine Kalender und deren wichtigsten Anliegen. Edition Stolz, Freiburg 1983, ISBN 3-923138-15-6 (Diss.)
  • Michael Langer: Zwischen Vorurteil und Aggression. Zum Judenbild in der deutschsprachigen katholischen Volksbildung des 19. Jahrhunderts (= Reihe Lernprozeß Christen Juden Band 9). ISBN 3-451-23443-2 Herder, Freiburg 1994, S. 12ff.
  • Gerhard Kaller: Stolz, Alban Isidor. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 10, Herzberg 1995, ISBN 3-88309-062-X, Sp. 1559–1561.
  • Tanja C. Muller: Der rassische Antisemitismus bei Alban Stolz im Kontext der mitteleuropäischen antisemitischen Propaganda. In: Peter Fassl, Friedmann Harzer, Berndt Herrmann (Hrsg.): Jüdische Literaturgeschichte in Schwaben. Eine Spurensuche (= Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben, Band 5 / Irseer Schriften, N.F. Band 11). Konstanz, München 2016, S. 63ff.

Weblinks

 Wikisource: Alban Stolz – Quellen und Volltexte
 Commons: Alban Stolz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. David August Rosenthal: Convertitenbilder aus dem neunzehnten Jahrhundert, Band 1, 3. Teil, Schaffhausen 1872, S. 444–447.
  2. Michael Langer: Das Judenbild in der katholischen Volksbildung des 19. Jahrhunderts. In: Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Hrsg.): Nebeneinander – Miteinander – Gegeneinander? Zur Koexistenz von Juden und Katholiken in Süddeutschland im 19. und 20. Jahrhundert. Laupheimer Gespräche 2000. Bleicher, Gerlingen 2002, S. 35–61.
  3. Erzdiözese gibt Alban-Stolz-Haus einen neuen Namen, Badische Zeitung (online) vom 22. Januar 2017.
  4. Wegen Stolz' antisemitischer Haltung empfahl eine von der Stadt Freiburg beauftragte Historikerkommission im Oktober 2016, die Straße umzubenennen.
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Alban Stolz aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.