Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

Zenon von Kition

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Büste des Zenon von Kition, Archäologisches Nationalmuseum Neapel, Inventarnummer 6128

Zenon von Kition (griechisch Ζήνων ὁ Κιτιεύς Zēnōn ho Kitieus; * wahrscheinlich 333/332 v. Chr. in Kition; † 262/261 v. Chr.), auch Zenon der Jüngere genannt, war ein hellenistischer Philosoph und Begründer der Stoa.

Leben und Lehre

Zenon wurde als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns namens Mnaseas geboren.[1] In welchem Jahr er geboren wurde, ist nicht sicher. Die meisten Forscher halten die Daten, die sein Schüler Persaios in der Schrift Ἠθικαῖς σχολαῖς Ēthikais scholais nennt,[2] für am glaubwürdigsten.[1] Demnach wurde er 333/332 geboren.[2]

Obwohl es Indizien dafür gibt, dass er semitischen Ursprungs war, war Zenon bereits von seinem Elternhaus mit griechischer Sprache und Philosophie vertraut, etwa hat sein Vater von seinen Reisen sokratische Schriften nach Kition mitgebracht.[1]

312/311[2] kam er nach Athen. Als ersten Philosophen hörte er dort den Kyniker Krates von Theben. Danach waren auch die Megariker Stilpon und Diodoros Kronos und schließlich der Akademiker Polemon seine Lehrer.[3]

Nach elf Jahren Studium begann Zenon 301/300[2] damit, selbst Philosophie zu lehren. In Ermangelung einer Alternative trafen sich er und seine Schüler in der stoa poikilē, dem Gebäude, das der Stoa ihren Namen gab. Es ist nicht bekannt, wann sich die Stoa zu einer organisierten Schule formierte.[3]

Von seinen Werken hat sich keines erhalten, daher lässt sich seine Lehre nur aus späteren Überlieferungen rekonstruieren. Danach lehrte er, dass es Ziel des Menschen sein müsse, tugendhaft zu leben und nicht seinen Begierden nachzugeben (die Kathēkon-Lehre); den Wechselfällen des Lebens müsse man mit einer souverän-gelassenen, philosophischen, eben „stoischen“ Haltung ruhig begegnen. Das wichtigste Ideal seiner Philosophie ist die Apatheia, die er „die Abwesenheit von Affekten“ nannte. Sie ist nach Zenon am besten zu erreichen durch Indifferenz gegen Schmerz und Lust gleichermaßen. Durch Kontrolle der Affekte erwirbt der Stoiker aber nicht nur die Apatheia, sondern auch Weisheit. Der Mensch ist seiner Ansicht nach ein zur Vernunft fähiges Wesen, dem es prinzipiell möglich sei, herrschaftsfrei zu leben (siehe Anarchie).

Die wichtigste Quelle zu Zenon bildet Diogenes Laertios, der eine Reihe von Anekdoten über den Stoiker überliefert hat. Danach sei Zenon hager und asketisch mit einem etwas nachlässigen Äußeren gewesen, was ihn in die Nähe der Kyniker rücken würde. Er war allerdings mit Persönlichkeiten wie Chremonides und Antigonos II. Gonatas befreundet.[4] 262/261 ist Zenon gestorben; er soll sich erhängt oder zu Tode gehungert haben, nachdem er sich eine leichte Verletzung zugezogen hatte.[5] Man richtete ihm ein prächtiges Begräbnis aus; sein positiver moralischer Einfluss insbesondere auf die Jugend wurde geschätzt.[6]

Werke

Diogenes Laertios’ Schriftenverzeichnis

Diogenes Laertios listet folgende 19 Titel auf:[7]

Ethische Schriften

  • Πολιτεία
  • Περὶ τοῦ κατὰ φύσιν βίου
  • Περὶ ὁρμῆς ἢ Περὶ ἀνθρώπου φύσεως
  • Περὶ παθῶν
  • Περὶ τοῦ καθήκοντος
  • Περὶ νόμου
  • Περὶ τῆς Ἑλληνικῆς παιδείας

Physikalische Schriften

  • Περὶ ὄψεως
  • Περὶ τοῦ ὅλου
  • Περὶ σημείων
  • Πυθαγορικά

Logische Schriften

  • Καθολικά
  • Περὶ λέξεων
  • Προβλημάτων Ὁμηρικῶν εʹ
  • Περὶ ποιητικῆς ἀκροάσεως

Ohne Angabe eines Sachgebietes

  • Τέχνη
  • Λύσεις
  • Ἔλεγχοι βʹ
  • Ἄπομνημονεύματα Κράτητος ἠθικά

Weitere Titel

Außerdem sind folgende 6 Titel bekannt:[7]

  • Περὶ οὐσίας
  • Περὶ φύσεως
  • Περὶ λόγου
  • Εἰς Ἡσιόδου θεογονίαν
  • Διατριβαί
  • Χρεῖαι

Schüler

Zenon unterrichtete unter anderen:[5]

Verschiedenes

Der Mondkrater Zeno ist nach ihm benannt.

Literatur

  • Peter Steinmetz: Zenon aus Kition. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Die hellenistische Philosophie (= Die Philosophie der Antike. Bd. 4). Schwabe, Basel 1994, ISBN 3-7965-0930-4, Halbband 2, S. 518–554.
  • Robert Bees: Zenons Politeia. Brill, Leiden 2011, ISBN 978-90-04-19202-7.
  • Maximilian Forschner: Stoa, Stoizismus. In: Joachim Ritter (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 7, Basel/Stuttgart 1974, S. 176–185.
  • Maximilian Forschner: Die ältere Stoa. In: Friedo Ricken (Hrsg.): Philosophen der Antike. Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln 1996, S. 24–39.

Weblinks

 Commons: Zeno of Citium – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Peter Steinmetz: Zenon aus Kition. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Die hellenistische Philosophie (= Die Philosophie der Antike. Bd. 4). Schwabe, Basel 1994, ISBN 3-7965-0930-4, Halbband 2, S. 519.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Peter Steinmetz: Zenon aus Kition. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Die hellenistische Philosophie (= Die Philosophie der Antike. Bd. 4). Schwabe, Basel 1994, ISBN 3-7965-0930-4, Halbband 2, S. 518.
  3. 3,0 3,1 Peter Steinmetz: Zenon aus Kition. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Die hellenistische Philosophie (= Die Philosophie der Antike. Bd. 4). Schwabe, Basel 1994, ISBN 3-7965-0930-4, Halbband 2, S. 520.
  4. Peter Steinmetz: Zenon aus Kition. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Die hellenistische Philosophie (= Die Philosophie der Antike. Bd. 4). Schwabe, Basel 1994, ISBN 3-7965-0930-4, Halbband 2, S. 520–521.
  5. 5,0 5,1 Peter Steinmetz: Zenon aus Kition. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Die hellenistische Philosophie (= Die Philosophie der Antike. Bd. 4). Schwabe, Basel 1994, ISBN 3-7965-0930-4, Halbband 2, S. 521.
  6. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren der Philosophen 7,10–12; 7,29.
  7. 7,0 7,1 Peter Steinmetz: Zenon aus Kition. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Die hellenistische Philosophie (= Die Philosophie der Antike. Bd. 4). Schwabe, Basel 1994, ISBN 3-7965-0930-4, Halbband 2, S. 521–522.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Zenon von Kition aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.