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Wochenzeitung

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Eine Beschreibung der Schweizerischen Wochenzeitung (WOZ) findet sich unter Die Wochenzeitung.

Eine Wochenzeitung ist eine Zeitung, die regelmäßig im Abstand von sieben Tagen erscheint. Wochenzeitungen bilden das Bindeglied zwischen Tageszeitungen und Publikationen, die regelmäßig in längerem zeitlichem Abstand erscheinen. Das Erscheinungsbild einer Wochenzeitung ist dem einer Tageszeitung sehr ähnlich.

Geschichte

1. Ausgabe der Aviso, Relation oder Zeitung vom 15. Januar 1609

Die ersten nachweisbaren Wochenzeitungen im deutschsprachigen Raum waren die Relation und der Aviso, die Anfang des 17. Jahrhunderts erschienen: Die Relation erschien wahrscheinlich ab 1605 in Straßburg und der Aviso ab Januar 1609 in Wolfenbüttel. [1]

Die Entstehung dieser Zeitungen lag damals geradezu „in der Luft“: Johannes Gutenberg hatte den Druck mit beweglichen Lettern erfunden, quer durch Europa gab es Systeme regelmäßiger Postübermittlung und damit die Möglichkeit, sich von Korrespondenten und gewerblichen Nachrichtensystemen beliefern zu lassen.

Das alles gab es natürlich nicht erst 1605, sondern auch schon in den Jahren davor. Dass die periodischen Wochenzeitungen trotzdem aus heutiger Sicht einen Einschnitt markieren, liegt nach Thomas Schröder daran, dass sie vier wichtige Merkmale vereinigen:

  • Periodizität durch regelmäßiges Erscheinen
  • Aktualität im Gegensatz zu den unregelmäßig erschienenen Flugblättern, Flugschriften, Messrelationen und anderen Publikationen
  • Universalität als inhaltliche Vielfalt
  • Publizität mit einer großen Reichweite als das Ziel, anders als z. B. bei dem System der Kaufmannsbriefe, das einer der Vorläufer war [2]

Während man allerdings heute das „Geburtsjahr der Zeitung“ gebührend feiert, entstand der Typ der Wochenzeitung 1605 weitgehend lautlos; die Zeitgenossen haben sie nicht als Sensation empfunden.

Der Aviso und die Relation kamen in politisch unruhigen Zeiten auf den Markt: Der Augsburger Religionsfriede verdeckte nur mühsam die Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken, der Dreißigjährige Krieg stand – rückblickend betrachtet – vor der Tür. Somit war das Bedürfnis nach Informationen groß.

Von der Sprache abgesehen, wirken der Aviso und die Relation heute ausgesprochen modern. Zunächst einmal wäre zu nennen, dass beide einen beeindruckenden Anteil an Auslandsberichterstattung enthielten (Aviso 31 % des Wortanteils, die Relation 41 % des Wortanteils). In der europäischen Berichterstattung spielten in beiden Zeitungen die Niederlande und Italien die größte Rolle: Die Niederlande wegen der Auseinandersetzungen zwischen dem calvinistischen Norden und dem zu Spanien gehörenden Südniederlande (1609 Waffenstillstand); Italien insbesondere wegen der Neuigkeiten aus dem Vatikan.

Regional konzentrierten sich beide Zeitungen, wenn es um Nachrichten aus dem Reichsinneren ging, auf zwei Regionen, die zum habsburgischen Machtbereich gehören: Böhmen (das heute ein Teil von Tschechien ist) und Österreich. Dies lag an einem innenpolitischen Großereignis: dem Bruderzwist zwischen dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Rudolf II., und Matthias, der ihm 1608 die Herrschaft über Österreich abgerungen hatte (drei Jahre später nahm er ihm auch noch Böhmen ab). Rudolf II. und Matthias waren beide Habsburger und damit Mitglieder des dominierenden Adelsgeschlechts in Europa; der Bruderzwist war also ein Thema von allgemeinem Interesse.

Themen aus den Feldern Politik und Militär nahmen in beiden Zeitungen den größten Raum ein (etwa zwei Drittel), ansonsten wurde über Handel, Hof, Kirche und Alltag berichtet.

Anders als heute wurde überwiegend über Könige und Fürsten berichtet; danach folgten Reportagen und Berichte über Soldaten, das Leben und die Ereignisse der bürgerlichen Schicht wurden nur peripher behandelt.

Merkmale moderner Wochenzeitungen

Durch die wöchentliche Erscheinungsweise bieten sie die Möglichkeit, Themen – abseits der Hektik tagesaktueller Berichterstattung – ausführlicher zu behandeln, als dies zum Beispiel bei Tageszeitungen üblich ist. Es werden die gleichen Themengebiete behandelt und eine Wochenzeitung hat auch denselben Aufbau wie eine Tageszeitung.

Wochenzeitungen sind jedoch unabhängig von der tagesaktuellen Berichterstattung. Leser können sich hier umfassender über Themen und Ereignisse informieren, hier werden die großen Zusammenhänge dargestellt. Auch Themen und Probleme der Vergangenheit werden hier immer wieder aufgegriffen und behandelt. Zusätzlich werden vermehrt wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Themen angesprochen.

Oft werden auch verschiedene Meinungen zu einem politischen Thema in einer Publikation veröffentlicht, ein Pro- und ein Contra-Artikel.

Wochenzeitungen orientieren sich stärker an einer längerfristigen Meinungsbildung und weisen in der Regel ein klareres Meinungsprofil auf als Tageszeitungen. Typische Textformen sind hier der Kommentar, die Analyse, die Reportage, die Glosse und Rezensionen im kulturellen Teil.

Wochenzeitungen haben eine hohe Leser-Blatt-Bindung.

Wochenzeitungen in Deutschland heute

Es gibt sowohl überregionale und regionale Wochenzeitungen, als auch regionale und lokale Wochenblätter (circa 80 Titel), die jedoch oft sehr niedrige Auflagenzahlen haben. Die 28 Wochenzeitungen hatten 2006 laut des Bundesverbandes der Zeitungsverleger eine Auflage von 2,08 Millionen Exemplaren.[3]

Nach der Einstellung der Woche, der Wochenpost und des Rheinischen Merkur gibt es in Deutschland folgende überregionale Wochenzeitungen:

Als überregionale Sonntagszeitungen erscheinen die Bild am Sonntag, die Welt am Sonntag sowie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

Darüber hinaus gibt es regional erscheinende Wochenzeitungen, die zum Teil von Tageszeitungen als siebte Ausgabe genutzt werden (z.B. Sonntag Aktuell im süddeutschen Raum), sowie eine Vielzahl kostenlos verteilter Anzeigenblätter mit lokaler Berichterstattung.

Einige Bistümer unterhalten ebenfalls Wochenzeitungen. Eine der ältesten Zeitungen in Deutschland ist die 1848 gegründete Wochenzeitung der Pilger des Bistums Speyer, der damit sogar älter ist als der 1861 gegründete Osservatore Romano.

Wochenzeitungen in anderen Ländern

In der Schweiz erscheinen Die Wochenzeitung (WOZ), Die Weltwoche, die SonntagsZeitung, die NZZ am Sonntag, Der Sonntag, der SonntagsBlick und weitere. Siehe Liste von Schweizer Zeitungen.

Österreichische Wochenzeitungen sind vor allem der linksliberale Falter, die liberal-katholische Furche und die rechtskonservative Zur Zeit.

Die nördlichste Zeitung der Welt ist auch eine Wochenzeitung: Svalbardposten aus Spitzbergen.

Einzelnachweise

  1. Margot Lindemann und Kurt Koszyk: Geschichte der deutschen Presse, Band 5, Colloquium, 1969, S. 86
  2. Thomas Schröder: Die ersten Zeitungen, Textgestaltung und Nachrichtenauswahl, Gunter Narr; Tübingen 1995, S. 1, 28 und 29
  3. Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger: Zeitungen 2006. Berlin 2006.

Siehe auch

Literatur

  • Schröder, Thomas: Die ersten Zeitungen. Textgestaltung und Nachrichtenauswahl. Gunter Narr, Tübingen 1995.
  • Noelle-Neumann, Elisabeth; Schulz, Winfried; Wilke, Jürgen (Hrsg.): Fischer Lexikon. Publizistik Massenkommunikation. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2000. ISBN 3-596-12260-0
  • Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger: Zeitungen 2006. Berlin 2006, ISBN 978-3-939705-00-0


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