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Wilhelm Werner (Kunstsammler)

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Wilhelm Werner (* 25. Dezember 1886 in Kiel-Gaarden; † 31. Oktober 1975 in Hamburg) war ein deutscher Tischler und Hausmeister der Kunsthalle Hamburg. Er bewahrte die Werke der jüdischen Künstlerin Anita Rée aus dem Besitz der Kunsthalle vor der Beschlagnahmung oder Zerstörung durch die Nationalsozialisten und wurde posthum als privater Kunstsammler bekannt.

Leben

Wilhelm Werner kam nach dem frühen Tod seiner Eltern 1896 in eine Pflegefamilie in Hohenwestedt. Er durchlief eine Tischlerlehre, die er 1906 mit der Gesellenprüfung abschloss. Nach dem Militärdienst arbeitete er in seinem Beruf in Hamburg. 1914 bewarb er sich bei der Hamburger Kunsthalle, wurde von dem Direktor Gustav Pauli eingestellt und trat seinen Dienst als Hilfsaufseher am 5. Juli 1914 an. In dieser Position war er nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er als Soldat teilnahm, weiter tätig. 1919 heiratete er und wurde Vater einer Tochter. Er stieg zum Werkmeister-Gehilfen, Werkmeister-Assistenten und Betriebs-Assistenten auf, schließlich 1947 zum Werkmeister der Kunsthalle. Er war verantwortlich für den Umgang mit den Kunstwerken, zuständig für ihre Hängung in den Ausstellungsräumen sowie die Verpackung und den Versand von Gemälden. Die Werkmeister, wie Hausmeister der Kunsthalle bezeichnet wurden, hatten zu der Zeit die Tischlerei unter sich. Außerhalb seiner Dienstzeit baute Werner für junge Künstler der Hamburgischen Sezession Keilrahmen für Ölgemälde, zog die Leinwände auf, fertigte Rahmen und tischlerte auch Malkästen für die Arbeit im Freien. Zum Dank schenkten sie ihm Bilder.[1]

Anita Rée: Selbstporträt (1915), Sammlung Hamburger Kunsthalle

Im Juli 1937 wurden in einer NS-Aktion Werke moderner Kunst aus dem Besitz der Hamburger Kunsthalle für die Propagandaausstellung „Entartete Kunst“ in München beschlagnahmt. Fünf Wochen später kam es zu einer zweiten Beschlagnahmeaktion, in der gezielt nach Werken, die als „entartet“ verfemt waren, gesucht wurde. Nach 1945 wurden sieben Gemälde von Anita Rée, die Gustav Pauli zwischen 1915 und 1930 für die Kunsthalle gekauft hatte, im Depot wiedergefunden. Sie hätten eigentlich beschlagnahmt werden müssen, weil Rée Jüdin war und zu den Künstlern gehörte, die von den Nationalsozialisten geächtet wurden. Erst nach Werners Tod im Jahr 1975 wurde durch seine Frau Anna bekannt, dass er die Bilder zwischen Juli und August 1937 aus dem Depot der Hamburger Kunsthalle in seiner Dienstwohnung im Souterrain des Altbaus versteckt und, ohne mit jemandem darüber zu sprechen, nach 1945 wieder ins Depot zurückgebracht hatte.[2] In der Ausstellung Verfolgt und Verführt. Kunst unterm Hakenkreuz in Hamburg 1933–1945 in der Hamburger Kunsthalle 1983 wurde dies erstmals erwähnt.[3]

Wilhelm Werner soll ein introvertierter Mensch gewesen sein, der belesen war und mit seiner Familie zurückgezogen gelebt hat. Als öffentlich Bediensteter trat er 1937 der NSDAP bei[3], zum Zweiten Weltkrieg wurde er nicht eingezogen. Im Laufe der Jahrzehnte als Mitarbeiter der Kunsthalle entstanden enge Freundschaften mit Hamburger Künstlern, vor allem zu Heinrich Stegemann und Willem Grimm.[4] Als sie nach 1937 kaum noch ausstellen und nichts mehr verkaufen konnten, hat Werner im Rahmen seiner geringen finanziellen Möglichkeiten auch Werke erworben und damit die Künstler unterstützt. Werner trug eine Sammlung von 500 Werken zusammen, überwiegend der Sezession, darunter Werkgruppen von Heinrich Stegemann und Willem Grimm, mehrere Werke von Fritz Flinte und Eduard Hopf sowie einzelne von Karl Kluth, Alma del Banco, Emil Maetzel, Dorothea Maetzel-Johannsen, Anita Rée und Fritz Kronenberg. Er bevorzugte Landschaftsmotive, aber auch Stillleben und Portraits. 85 der Werke sind Ölgemälde, der Rest besteht aus Zeichnungen, Aquarellen und Druckgrafiken. Für die Aufbewahrung der Papierarbeiten hatte er sich einen professionellen Grafikschrank gebaut.[2]

Wilhelm Werner lebte bis zu seiner Pensionierung am 31. März 1952 mit seiner Familie in der Dienstwohnung im Souterrain der Kunsthalle.[1] In seine neue Wohnung in Hamburg-Barmbek nahm er seine Kunstsammlung mit. Bis zu seinem Tod soll er ein bescheidenes Leben geführt haben.[5] 2011 ehrte ihn die Hamburger Kunsthalle mit der Ausstellung Die Sammlung des Hausmeisters Wilhelm Werner, für die der Kurator Ulrich Luckhardt aus der noch vollständig erhaltenden Sammlung im Privatbesitz von Werners Enkelin 130 Werke ausgewählt hat, darunter auch Porträts, die Heinrich Stegemann von Werner, seiner Frau Anna und der Tochter Käthe gemalt hat.[1][6]

Literatur

  • Die Sammlung des Hausmeisters Wilhelm Werner (=Katalog zur Ausstellung vom 18. September 2011 bis 15. Januar 2012 in der Hamburger Kunsthalle), hrsg. von Ulrich Luckhardt, Mare Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-936543-72-8 (124 Seiten)

Weblinks

Einzelnachweise

Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Wilhelm Werner (Kunstsammler) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.