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Verlagsgruppe Weltbild

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Verlagsgruppe Weltbild GmbH
Logo der Verlagsgruppe Weltbild GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 2001
Sitz Augsburg, Deutschland
Leitung Arndt Geiwitz, Insolvenzverwalter
Mitarbeiter 6.800 (30. Juni 2012)[1]
Umsatz 1,59 Mrd. Euro (2011/12)[1]
Branche Buchhandel, Verlag, Versandhandel
Website www.weltbild.com

Die Verlagsgruppe Weltbild ist ein deutsches Verlags-, Versand- und Buchhandels­unternehmen mit Sitz in Augsburg. Die Verlagsgruppe Weltbild ging aus dem 1948 von Josef Hall gegründeten katholischen Zeitschriftenverlag Winfried-Werk GmbH hervor. Die sinkende Resonanz für katholische Erbauungsschriften führte 1987 zu einer völligen Umorientierung und zur Weltbild Verlag GmbH. 2001 entstand daraus die Verlagsgruppe Weltbild. Sie gehört zu 100 % der römisch-katholischen Kirche in Deutschland und zählt heute im Buchhandel und Online-Buchhandel zu den Marktführern in Deutschland.

Die Verlagsgruppe Weltbild gehört zusammen mit der Thalia-Gruppe und den Mayerschen Buchhandlungsketten zu den treibenden Akteuren der Filialisierung im Buchhandel durch eine starke Expansion mit Übernahmen von inhabergeführten Buchhandlungen und Neugründungen von Buchhäusern.

Am 10. Januar 2014 stellte die Verlagsgruppe Weltbild beim Amtsgericht Augsburg einen Insolvenzantrag. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Arndt Geiwitz (zuvor Insolvenzverwalter bei der Drogeriekette Schlecker) bestellt. Von der Insolvenz nicht betroffen sind der Filialhandel, das Geschäft in Österreich und der Schweiz sowie die Tochtergesellschaft buecher.de.[2] Im Mai 2014 wurde die Verlagsgruppe Weltbild als Ganzes mehrheitlich an den Münchener Finanzinvestor Paragon Partners verkauft. Eine Minderheitsbeteiligung verbleibt stellvertretend für die Gläubiger beim Insolvenzverwalter.[3]

Verlag

Weltbild betreibt ein eigenes Verlagshaus in Augsburg und ist zu 50 % an der Verlagsgruppe Droemer Knaur beteiligt. Der Weltbild-Verlag wurde 1948 als Winfried-Werk GmbH gegründet und verlegte das katholische Magazin Mann in der Zeit, das 1968 in Weltbild umbenannt wurde. Der Aufstieg zu einem der größten Buchhändler Europas mit hunderten Filialen und Versandhandel wird Carel Halff zugerechnet, der dem Unternehmen seit 1975 angehört und seit 2001 Vorsitzender der Geschäftsführung ist.[4]

Seit 2001 hatte Weltbild ein Joint Venture mit dem OZ-Verlag im Bereich Zeitschriften (Living & More GmbH, Offenburg). Mit dem belgischen Medienhaus Belgomedia bestanden ebenfalls 50/50-Joint-Ventures (Bayard Presse, Frankreich, und Roularta Media, Belgien). Weltbild verlegte Zeitschriften in den Bereichen Eltern und Familien (Leben & erziehen, schwangerschaft & geburt, babys erstes jahr, Babys & Kinder richtig fördern, babys lernen schlafen, Gesundheit, mein Kind!, Schule+Familie), 40-plus/50-plus (Frau im Leben, Lenz), Kinder (HOPPLA, Olli und Molli, BIMBO, Benni, Tierfreund, Stafette, I Love English junior) sowie Haus und Garten (Gärtnern leicht gemacht, Grün, Living & More, G/Geschichte, Lea Wohnen). Im Geschäftsjahr 2007/2008 hat Weltbild den gesamten Zeitschriftenbereich an die französische Bayard-Gruppe verkauft.

Medienvertrieb und Buchhandel

Logo des Onlineshops

Weltbild ist sowohl auf dem Buchmarkt mit eigenen Filialen, einem Onlineshop als auch im Katalogversandhandel tätig. Der Onlineshop gehört zu den drei größten in Deutschland.[5] Neben Büchern und Zeitschriften vertreibt die Verlagsgruppe auch CDs, DVDs, Elektronik, Geschenkartikel und Haushaltsartikel. Spielzeug wird vor allem über die Marke Kidoh (Katalogversand und Internet) vertrieben.

Die Unternehmenstochter Weltbild Plus Medien Vertriebs GmbH & Co. KG mit Sitz in München ist verantwortlich für derzeit insgesamt ca. 330 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Das Filialnetz der Weltbild Plus Medienvertriebs GmbH umfasst eine Anzahl unterschiedlicher Ladenbau- und Sortimentskonzepten:

Weltbild „plus“ eröffnete 1994 die ersten plus-Filialen in Fürth, Landsberg und Weilheim. Heute ist Weltbild plus mit ca. 250 Läden das Filialflaggschiff des Unternehmens. Der Sortimentsschwerpunkt liegt auf einer Auswahl an Bestsellern und niedrigpreisigen Sonderausgaben, zum großen Teil aber auch auf Geschenkartikeln, Elektronik und Haushaltsartikeln. Die Filialgrößen sind in der Regel normiert auf je rund 160–180 Quadratmetern und firmieren in Österreich zum Teil unter dem Namen A&M plus.[5]

Jokers ist im Bereich Modernes Antiquariat etabliert. Jokers vertreibt seine Bücher via Monatskatalog, seinen 17 Jokers-Filialen und dem Internetshop.[6]

Weltbild! ist eine Vollsortimentsbuchhandlung und vereint das Sortiment von Hugendubel, Weltbild plus, Jokers Restseller und des Barsortiments Libri. Die so genannten „Ausrufezeichen“-Buchhandlungen sind mit ca. 300–450 Quadratmetern größer als Weltbild plus und bieten, ähnlich dem Filialisten Thalia, ein Buchvollsortiment. Derzeit gibt es 12 Weltbild!-Filialen in Deutschland, u. a. in Baden-Baden, Berlin-Steglitz und Gießen sowie drei Filialen in der Schweiz (u. a. in Kriens). In Österreich firmieren die drei Weltbild!-Buchhandlungen unter dem Namen A&M!.[7][8] Weltbild „best“ ist in diversen SB-Verbrauchermärkten vertreten.[9]

2005 hat Weltbild die Wohlthat'sche Buchhandlung erworben, die besonders in Berlin vertreten ist. Es gab zu dieser Zeit ca. 36 Filialen dieses Unternehmens in Deutschland mit dem Schwerpunkt preiswerte Bücher, also besonders Sonderausgaben und Restposten.[10]

Im Januar 2008 gab die Unternehmensführung bekannt, dass zukünftig alle 330 Filialen (Weltbild plus, Buchhandlung Weltbild!, A&M plus und A&M!) unter einem einheitlichen roten Logo mit dem Namen „Weltbild“ firmieren und damit die unterschiedlichen Filialkonzepte nicht mehr existent sein werden. Die Umfirmierung sollte bis Ende 2009 abgeschlossen sein, wurde jedoch aufgrund allgemeiner und massiver Sparpläne der Unternehmensgruppe bisher nur wenig umgesetzt.[11][12][13]

Seit 2006 liegt das stationäre Buchhandelsgeschäft von Weltbild in den Händen der Finanzholding DBH Deutsche Buch Handels GmbH & Co. KG. Die DBH gehört zu 50 % zur Verlagsgruppe Weltbild und zu 50 % der Familie Hugendubel und ist seit der Gründung deutscher Marktführer im Buchhandel mit insgesamt rund 465 Filialen (Stand 9/2007). Das Weltbild-Filialgeschäft wurde 2014 aus dem Vertriebsverbund herausgelöst und auf Weltbild übertragen. Im Onlinebuchhandel ist Weltbild zu 33,3 % an buecher.de beteiligt, zu 49 % an cBooks Germany GmbH (Booklooker), zu 50 % an der russischen Moy Mir und der polnischen Bauer-Weltbild-Media. Eine 50-Prozent-Beteiligung an der niederländischen Bol.com wurde im April 2009 veräußert.

Das Unternehmen betreibt zudem über das Tochterunternehmen DBH Warenhaus seit dem 1. Juli 2008 die Buchabteilungen der Karstadt-Warenhäuser im so genannten „Shop-im-Shop“-Modell. In größeren Häusern firmieren die Flächen unter dem Namen Hugendubel (KaDeWe Berlin und im Karstadthaus am Berliner Hermannplatz). In kleineren Häusern firmieren die Buchhandelsflächen unter dem Namen Weltbild.[14][15] Die Anzahl der bisher bewirtschafteten und übernommenen Buchhandelsflächen wurden stark reduziert – statt der ursprünglichen 52 sind es jetzt nur noch 26 Buchfilialen.[16]

Unternehmensdaten

Die Verlagsgruppe Weltbild hat nach eigenen Angaben (Stand Juni 2012) rund 6800 Beschäftigte, davon rund 2300 am Stammsitz Augsburg. Als unkonsolidierter Gesamtumsatz wurden im Geschäftsjahr 2011/2012 rund 1,59 Milliarden Euro ausgewiesen. Der Internetanteil von Weltbild liegt bei 40 %, die restlichen 60 % des Warenabsatzes laufen über Filialen und den Versandhandel.[17]

2009 wurde im Rahmen einer Neustrukturierung 322 Mitarbeitern im Verkauf betriebsbedingt gekündigt, da sich „Umsätze in das Internet verlagert hätten“.[18] In der Folge kam es zu Streiks in der Zentrale in Augsburg.[19]

Gesellschafter des Unternehmens sind zwölf katholische deutsche Diözesen, der Verband der Diözesen Deutschlands und das kath. Militärbischofsamt Berlin. Zu den Eigentümern gehören die Diözesen Augsburg, Aachen, Bamberg, Eichstätt, Fulda, Freiburg, München/Freising, Münster, Passau, Regensburg, Trier und Würzburg. Größere Beteiligungen halten unter anderem der Verband der Diözesen (24,2 %), die Erzdiözese München und Freising (13,2 %) und die Diözese Augsburg (11,7 %). Die Geschäftsführer sind Carel Halff (Vorsitz der Geschäftsführung) und Martin Beer.

Am 11. Mai 2014 wurde bekannt, dass Insolvenzverwalter Geiwitz einen Vorvertrag geschlossen hat, der die Überführung aller Betriebsteile der Verlagsgruppe in eine neue Gesellschaft vorsieht, deren Anteilsmehrheit das Münchener Finanzinvestmentunternehmen Paragon Partners halten wird. Einzelheiten der Übernahme sind jedoch noch in Verhandlung.[20]

Kontroversen

Im Sommer 2013, einige Monate vor der Insolvenz des Weltbild Verlages im Januar 2014, wurde wieder eine „Sortimentsbereinigung“, vom Spiegel als „Säuberungsaktion“ betitelt, bekannt: Diesmal wurde schwule Literatur aus dem Sortiment genommen, indem ein ganzer Verlag, dessen Schwerpunkt auf schwuler Literatur lag, entfernt wurde.[21] Insbesondere ging es um das Werk Schwule Liebesgeschichten aus aller Welt (von Robert Joseph Greene) des kanadischen Verlags Icon Empire Press, wobei diverse derartige „Säuberungsaktionen“ bereits in der Vergangenheit von Weltbild durchgeführt worden waren.[22]

Eine 70-seitige Dokumentation der katholischen Initiative Katholisches! Weltbild kritisierte 2008 das angebliche Angebot an „Sexbüchern, gewaltverherrlichenden, esoterischen, magischen und satanischen Schriften“. Die deutschen Bischöfe als verantwortliche Eigentümer wurden angeschrieben; die Resonanz war jedoch gering.

Im Januar 2011 kam das Unternehmen Hugendubel in die Schlagzeilen, weil dem Konzern im firmeneigenen Gewerkschaftsblog Zensur vorgeworfen wurde. Durch die Kooperation mit dem Weltbild-Verlag wurde im Online-Shop von Hugendubel kurzzeitig ein „Filter“ verwendet, der zahlreiche schwul-lesbische, kirchenkritische, esoterische und kommunistische Artikel herausfilterte. Nach einhellig kritischem Medienecho wurde der Filter entfernt und entsprechende Titel wurden wieder gelistet.[23] Im Oktober 2011 berichtete das Magazin buchreport, dass die katholische Verlagsgruppe auch Erotik publiziere, auf der anderen Seite aber im Hugendubel-Onlineshop, den Weltbild zu Jahresanfang übernommen hatte, plötzlich kirchenkritische Literatur fehle. Die Fachzeitschrift resümierte, dass der Versender gegenüber erotischer Literatur „deutlich aufgeschlossener“ sei.[24] Daraufhin reagierten die deutschen Bischöfe mit der Mitteilung, dass man den „Vertrieb möglicherweise pornografischer Inhalte“ unterlassen wolle und dass eventuell ein Filtersystem versagt habe.[25] Alexander Kissler forderte im Focus den „komplette[n] Ausstieg“ der Kirche aus Weltbild und Droemer Knaur sowie den „Verkauf sämtlicher Anteile […], und sei es mit Verlusten“. Diesen Preis müsse „eine Kirche sich leisten können, für die eine Entweltlichung um der Welt willen nicht nur eine fromme Phrase ist.“[26]

Der Verlag gab an, dass der Umsatz mit erotischer Literatur lediglich knapp 0,2 ‰ ausmachte und er auf den „mündigen Bürger“ setzte; Zensur fände nicht statt. Darüber hinaus versuche man, „unserer Verantwortung gerecht“ zu werden; bei Holocaust-Leugnern, Kriegs- und Gewaltverherrlichung sowie bei Sex setze man Grenzen, „genauso bei polemischen Büchern über seine Gesellschafter, die Diözesen“. In solchen Fällen behalte sich das Unternehmen vor, diese Bücher aus dem Angebot zu nehmen. Beim Sortiment von Weltbild fände laut Geschäftsführer Carel Halff „ein sehr intensiver und zuweilen auch kritischer Dialog“ statt. Auf Drängen des Aufsichtsrates wurde vor Jahren ein Speziallektorat eingerichtet. Laut Klaus Donaubauer, dem bischöflichen Finanzdirektor der Diözese Augsburg und damaligen Weltbild-Aufsichtsratsvorsitzenden, habe es die Aufgabe, „inhaltlich nicht tolerable Publikationen“ aus dem Vertrieb zu nehmen. Da sich Weltbild im Versandhandel mit Wettbewerbern wie Amazon behaupten müsse, habe die Verlagsgruppe ihr Angebot im Internet um das lieferbare Großhandelsangebot von KNV und Libri ergänzt. Darin „finden sich auch Bücher erotischen Inhalts“.[27] Widersprochen wurde dem Vorwurf, der Verlag betreibe Pornografie. In einer Stellungnahme heißt es, das Unternehmen prüfe rechtliche Schritte gegen die „Verleumder“; ebenso behalte sich Droemer-Knaur rechtliche Schritte vor.[28] Klaus Donaubauer trat im November 2011 von seinem Posten als Aufsichtsratsvorsitzender der Verlagsgruppe zurück.[29]

Wirtschaftliche Lage und Eigentümerbeschlüsse

Die Deutsche Bischofskonferenz beschloss Ende November 2011, sich „ohne jeden Verzug“ vom Verlag zu trennen. Nach einer Pressemitteilung des Ständigen Rates der Bischofskonferenz vom 22. November 2011[30] könne „die internetgestützte Verbreitung sowie die Produktion von Medien, die den ideellen Zielen der Gesellschafter widersprechen, im eigenen Bereich bzw. im Bereich der Unternehmensbeteiligungen“ nicht hinreichend unterbunden werden. Darunter hätte die Glaubwürdigkeit der Verlagsgruppe und ihrer Gesellschafter gelitten.[31][32]

Am 26. Juni 2012 beschloss die Gesellschafterversammlung, sämtliche Anteile an der Verlagsgruppe Weltbild in eine neu zu gründende kirchliche Stiftung öffentlichen Rechts einzubringen. Die Stiftung soll alleiniger Gesellschafter der Verlagsgruppe Weltbild werden, auf Verkaufserlöse und zukünftige Gewinnausschüttungen soll verzichtet werden. Die Stiftung soll ausschließlich gemeinnützige, kulturelle und kirchliche Ziele verfolgen.[33] Dies geschah jedoch zunächst nicht.[34]

2013 befand sich das Unternehmen weiterhin in einer Phase der Reorganisation; mehr Eigenkapital wurde benötigt.[35] Im September 2013 stand die Verlagsgruppe kurz vor der Insolvenz, was auch damit erklärt wird, dass die Bischöfe als Eigentümer seit Jahren zerstritten seien. Einige Bistümer bereiten dem Artikel zufolge einen Verkauf von Weltbild vor, wobei sich jedoch die Ertragslage in den letzten Jahren verschlechtert habe, was einen etwaigen Verkauf zusätzlich erschweren würde. Darüber hinaus gab es bereits in der Vergangenheit, u. a. 2012, 2011 und 2008 Bestrebungen und teils auch Eigentümerbeschlüsse zum Verkauf von Weltbild, welche jedoch nie realisiert wurden.[36][37][38][39][40]

Die Insolvenz der angeschlagenen Verlagsgruppe, die schon länger keine Gewinne mehr erwirtschaftete und in den letzten Jahren Verluste in noch ungenannter Höhe anhäufte,[41] schien durch eine Kapitalspritze der Eigentümer in hoher zweistelliger Millionenhöhe abgewendet zu sein. Ab 2015 sollte damit wieder profitabel gearbeitet werden können. Die Geschäftsbanken hatten dem Unternehmen zugesagt, ihre Geschäftsbeziehung fortzuführen, nachdem sie im Sommer 2013 noch damit gedroht hatten, Forderungen binnen weniger Monate fällig zu stellen, da sie seit längerem mit dem Gebaren der Geschäftsführung unzufrieden seien. Laut FAZ stellte sich den Banken die Frage, ob sie die Geschäftsbeziehung aufgrund der Orientierungslosigkeit der Gesellschafter wie auch der Unternehmensführung abbrechen sollten. Kern dieser Bewertung schien die seit längerem geplante, jedoch nie (Stand Ende 2013) realisierte Umwandlung des Verlagshauses in eine Stiftung zu sein. Bei dem nötigen Kapitalschnitt verloren die alten Gesellschafter 130 Millionen Euro. Im Zuge der Rettung des Weltbild Verlags änderte sich die Eigentümerstruktur: nur noch einige wenige Erzbistümer (u. a. München und Freising) waren nun die Eigentümer. Vereinbartes Ziel war es, die Verlagsgruppe nicht zusammenbrechen zu lassen, auch, um die mehr als 6000 Arbeitsplätze nicht zu gefährden. Es wurde ein erfahrener Sanierer in den Kreis der Geschäftsführer aufgenommen.[42][43][44][45][46][47][48]

Im Oktober 2013 wurde bekannt, dass die Verlagsgruppe Weltbild den Kundenservice auslagern will, wodurch 140 Arbeitsplätze bei der Verlagsgruppe verloren gehen würden.[49][50] Dieser Entschluss wurde von Gewerkschaften wie vom Betriebsrat scharf kritisiert, wobei keine außergerichtliche Lösung hierfür gefunden werden konnte.[51] Es bestand die Befürchtung seitens einiger Akteure, von der Öffentlichkeit als „Arbeitsplatzvernichter“ gebrandmarkt zu werden, wenn man die Verlagsgruppe fallen lassen oder (wie seit Jahren geplant) schließlich verkaufen würde.[52] Eine Umfrage von Verdi im Unternehmen ergab, dass eine Mehrheit der Weltbild-Mitarbeiter (86 % von 301 Befragten) die Situation als „sehr ernst“ einschätzte. Lediglich 6 % hielten ihren Arbeitsplatz im Unternehmen noch für sicher. Die Gewerkschaft Verdi bewertete die geplanten Outsourcing-Bestrebungen des Unternehmens als „organisierte Kahlschlagorgie“. Laut Medienberichten, Einschätzungen des Betriebsrats wie auch offiziellen Aussagen der Unternehmensführung zur zukünftigen Strategie von Weltbild wurde ein massiver Stellenabbau prognostiziert, der mit dem Konzernumbau zu einem primären Online-Versender einherginge. Weltbild-Chef Carel Halff gegenüber buchreport.de am 21. Oktober 2013: „Der Umbau zu einem Online- und Digitalunternehmen erfordert harte und schmerzhafte Maßnahmen und lässt uns hier keine andere Wahl.“[53][54][55][56] Im November 2013 wurden dem Unternehmen durch die Gesellschafter 60 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.[57]

Am 10. Januar 2014 wurde bekannt, dass sich Vertreter der Gesellschafter der Verlagsgruppe auf einer Krisensitzung nicht auf eine weitere Finanzierung einigen konnten.[58] Noch am selben Tag meldete das Unternehmen Insolvenz an.[59]

Am 15. Februar 2014 entzog das Amtsgericht Augsburg der bisherigen Geschäftsführung um Carel Halff die Verwaltungs- und Vermögensbefugnis über das Unternehmen Weltbild und vertraute sie Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz an.[60]

Sonstiges

Seit März 2012 vermarktet Weltbild die Daten von ca. fünf Millionen Kundenadressen aus der ganzen Verlagsgruppe über die AZ Direkt GmbH, ein Tochterunternehmen der Bertelsmann AG.[61][62] Wegen des Listenprivilegs ist das ohne Zustimmung der Kunden möglich.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Verlagsgruppe Weltbild: Über uns. Abgerufen am 10. Januar 2014.
  2. Verlagsgruppe Weltbild: Verlagsgruppe Weltbild GmbH stellt Insolvenzantrag - Geschäftsbetrieb wird fortgesetzt. 10. Januar 2014, abgerufen am 10. Januar 2014.
  3. Patrik Hacker: Vorvertrag mit Investor geschlossen - Weltbild wird als Ganzes fortgeführt. Verlagsgruppe Weltbild, 12. Mai 2014, abgerufen am 12. Mai 2014.
  4. Carel Halff, in: Internationales Biographisches Archiv 08/2012 vom 21. Februar 2012, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  5. 5,0 5,1 http://www.weltbild.com/unternehmen/marken/weltbild/
  6. http://www.weltbild.com/unternehmen/marken/jokers
  7. http://www.boersenblatt.net/96755/
  8. http://www.boersenblatt.net/139981/
  9. http://www.boersenblatt.net/149096/
  10. http://www.wer-zu-wem.de/firma/wohlthatsche.html
  11. http://www.weltbild.com/presse/pressemitteilung/Buchhandel-Alle-330-Weltbild-Filialen-segeln-kuenftig-unter-rotem-Logo/33/
  12. http://www.boersenblatt.net/178296/
  13. http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum////weltbild-wird-rot.htm
  14. http://www.boersenblatt.net/143822/
  15. http://www.boersenblatt.net/210910/
  16. http://www.boersenblatt.net/350748/
  17. Weltbild-Pressemitteilung vom 24. Juli 2012, abgefragt am 4. Juni 2013
  18. Buchmarkt.de: Weltbild restrukturiert Filialen / 322 Stellen entfallen
  19. Börsenblatt.net: Bei Weltbild wird gestreikt
  20. http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1577754
  21. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/icon-empire-press-weltbild-kuendigt-verlag-fuer-schwule-literatur-a-905312.html
  22. http://www.queer.de/detail.php?article_id=19418
  23. Bastian Reinert: Ausgefiltert, Frankfurter Rundschau, 25. Januar 2011: http://www.fr-online.de/kultur/debatte/ausgefiltert/-/1473340/6826004/-/index.html
  24. Weltbild und die Pornografie-Vorwürfe, Augsburger Allgemeine vom 3. November 2011
  25. Bernhard Müller: Katholische Kirche verdient an Pornografie, Berliner Morgenpost, abgerufen am 26. Oktober 2011
  26. „Neue Liebesspiele“ mit bischöflichem Segen?, Focus Online vom 28. Oktober 2011
  27. Weltbild und die Pornografie-Vorwürfe, Augsburger Allgemeine vom 3. November 2011
  28. Katholiken-Verlage widersprechen Porno-Schelte. Welt Online vom 28. Oktober 2011
  29. Pornobücher – Weltbild-Aufsichtsratschef tritt zurück, Welt Online vom 17. November 2011
  30. Deutsche Bischofskonferenz, Pressemitteilung (22. November 2011): Stellungnahme der Vollversammlung des Verbandes der Diözesen Deutschlands zur aktuellen Debatte über die Verlagsgruppe Weltbild GmbH
  31. Katholische Bischöfe verstoßen Weltbild-Verlag, Spiegel Online vom 22. November 2011
  32. Verlagsgruppe Weltbild, Pressemitteilung (22. November 2011): Gesellschafterbeschlüsse der Verlagsgruppe Weltbild GmbH
  33. Verlagsgruppe Weltbild, Pressemitteilung (27. Juni 2012): Zur Zukunft der Verlagsgruppe Weltbild GmbH
  34. http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/katholische-kirche-insolvenz-von-weltbild-verlag-vorerst-abgewendet-12646418.html
  35. Georg Giersberg: Deswegen steckt Weltbild in der Krise. faz.net, 9. September 2013, abgerufen am 9. September 2013
  36. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/verlagsgruppe-weltbild-von-der-moral-und-der-qual-11536514.html
  37. http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/katholische-kirche-verlagsgruppe-weltbild-akut-bedroht-12566012.html
  38. http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/katholische-kirche-doch-kein-verkauf-von-weltbild-11801330.html
  39. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/christliche-verantwortung-weltbild-braucht-seine-eigentuemer-12566119.html
  40. http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2012/03/01/kirche-wird-sich-von-weltbild-trennen.htm
  41. http://www.welt.de/wirtschaft/article121495718/Organisierte-Sinnentleerung-des-Weltbild-Verlags.html
  42. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/weltbild-erhaelt-kapitalspritze-a-931559.html
  43. http://www.rp-online.de/wirtschaft/unternehmen/weltbild-angeblich-vorerst-gerettet-aid-1.3790135
  44. http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/katholische-kirche-insolvenz-von-weltbild-verlag-vorerst-abgewendet-12646418.html
  45. http://www.welt.de/wirtschaft/article121495718/Organisierte-Sinnentleerung-des-Weltbild-Verlags.html
  46. http://www.fr-online.de/medien/weltbild-verlag-insolvenz-abgewendet,1473342,24903188.html
  47. http://www.boersenblatt.net/642848/
  48. http://www.sueddeutsche.de/bayern/kapitalspritze-frisches-geld-fuer-den-weltbild-verlag-1.1809749
  49. Börsenblatt.net (21. Oktober 2013): Weltbild lagert seinen Kundendienst aus
  50. http://www.welt.de/wirtschaft/article121092886/Kirchenverlag-Weltbild-streicht-140-Stellen.html
  51. http://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Interne-Loesung-bei-Weltbild-gescheitert-id27761477.html
  52. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/insolvenzgefahr-deswegen-steckt-weltbild-in-der-krise-12566399.html
  53. http://www.buchreport.de/nachrichten/verlage/verlage_nachricht/datum/2013/11/15/konstruktiv-vs-kahlschlag.htm
  54. http://www.boersenblatt.net/642536/
  55. http://www.buchreport.de/nachrichten/verlage/verlage_nachricht/datum/2013/09/18/rollt-die-entlassungswelle-heran.htm
  56. http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2013/10/21/der-online-umbau-erfordert-schmerzhafte-massnahmen.htm
  57. Angaben auf mediadb.eu, abgerufen am 10. Januar 2014
  58. Kirchen läuten Weltbilds letzte Stunde ein Handelsblatt Online, abgerufen am 10. Januar 2014
  59. spiegel.de - Zahlungsstopp der Kirche: Weltbild-Verlag ist insolvent 10. Januar 2014
  60. Bisherige Geschäftsführung von Weltbild entmachtet, kath.net, 19. Januar 2014
  61. Pressebericht zur Kooperation
  62. Was ist an Weltbild Score+ so besonders? - AZ Direkt Verkaufsseite
48.39577623527810.928896665556
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