Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

Ware

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Ware (Begriffsklärung) aufgeführt.

Ware ist ein ökonomischer Begriff für die Gesamtheit materieller und immaterieller Mittel zur Bedürfnisbefriedigung, die als Gegenstand des Handels und als Gegenbegriff zu Geld in Betracht kommen.

Herkunft und Bedeutung

Die „Ware“ als Wort (sprachliches Symbol) hat als ökonomischer Begriff (Bedeutung des Wortes) eine indogermanische Wurzel.

Der Wortstamm „war“ bezieht sich zunächst auf das Rind, sodann auf gehandelte Sklaven („waru“) und verpackte Sachen (lateinisch vasa), insgesamt Werkzeug im weitesten Sinn. Das Kapital (lateinisch caput/capitalis, „was den Kopf/das Leben angeht“) geht auf den Viehbestand zurück. Das Verlangen nach Vieh (lateinisch pecus/pecunia: Vermögen) ist der etymologische Hintergrund des englischen Wortes „war“ für Krieg. Die Bedeutung von „Ware“ im Deutschen hat als Begriff im Englischen keine Entsprechung.

„Ware“ als die begriffliche Abstraktion dessen, was nachhaltig unter Gewahrsam genommen wird, trifft nicht die ursprüngliche Wortbedeutung, sondern ist ein in der sprachlichen Entwicklung begrifflich nachgeordneter Schritt im Mittelhochdeutschen.

Die Kategorie „Ware“ ist nach Artur Kutzelnigg (1904–1984) ein Oberbegriff – als allgemeinste Bestimmungsweise oder Seinsbereich – der Gegenstand des Wirtschaftens. Kutzelnigg geht vom physischen Verhältnis aus, das zwischen dem Menschen und seiner Umwelt besteht. Dieser bioökonomischen Grundbedeutung von „Ware“ als Mittel zur Lebenserhaltung kommt unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit in der Warenlehre Priorität zu.

Die sozialwissenschaftliche Sichtweise in den Wirtschaftswissenschaften fasst den Begriff „Gut“, weil darunter auch Dienstleistungen verstanden werden, weiter als „Ware“. Die Unterscheidung von Dienstleistungen (durch Personen) und Sachen geht auf das römische Recht zurück. Tatsächlich aber stellt der Gebrauchswert der Ware eine Sach-Dienstleistung dar.

Als Mittel zur Bedarfsdeckung, Träger des monetären Gewinns, ist in der Betriebswirtschaft der Begriff „Produkt“ üblich. Markenwaren sind standardisierbare Erzeugnisse und in der Regel als Warenzeichen eingetragene Marken (auf einer Ware angebrachte Zeichen: französisch marqueMarke“ = Beziehung zwischen einer Idee und einem Problem und seiner Lösung), Träger der Botschaft ist dabei die Verpackung (als Werbeträger).

Als Träger von Tauschwerten ist die Ware Gegenstand des Handels (kommerzielles Objekt: englisch "commodity"). Die ordentliche Kenntnis der Ware ist der Anfang der Warenkunde, als dessen Vater der Kameralist Johann Beckmann (1739–1811) gilt. Seither ist die Warenkunde für die Ausbildung der Einkäufer und Verkäufer eine Schlüsselqualifikation.

Anwendungen

In der Marxschen Gesellschafts- und Werttheorie ist die Ware ein Schlüsselbegriff. Die Ware als ein produziertes Gut, das auf Märkten gehandelt wird, mit dem Doppelcharakter von Gebrauchswert und Tauschwert ist der Ausgangspunkt der Marxistischen Ökonomie.

Der Begriff der „Ware“ ist elementare Grundlage der Normen des UN-Kaufrechts.[1]

Siehe auch

 Wiktionary: Ware – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Ware – Zitate

Literatur

  • Artur Kutzelnigg: Terminologie der Warenkategorien., Franz Nowack Verlag, Frankfurt am Main 1965.
  • Artur Kutzelnigg: Wort und Begriff „Ware“. In: Die Ware im Weltbild der Wirtschaft. Festschrift für Edmund Grünsteidl zum 70. Geburtstag, Österreichischer Gewerbeverlag, Wien 1970, S. 24–32.
  • Leo Weisgerber: Wort und Ware. In: Die Ware in Wirtschaft und Technik. Festschrift zum 65. Geburtstag von Artur Kutzelnigg. Verlag Neue Wirtschafts-Briefe, Herne/ Berlin 1969, S. 187 – 195.
  • Richard Kiridus-Göller: Die Warenwissenschaft in ihrer Tradition und Bedeutung. In: Reinhard Löbbert (Hrsg.), Helmut Lungershausen (Red.): Der Ware Sein und Schein. Zwölf Texte über die Warenwelt, in der wir leben. Verlag Europa Lehrmittel, Haan-Gruiten 2002, S. 179 - 200.- ISBN 3-8085-9857-3
  • Eberhard K. Seifert: Zur nachhaltigen Rehabilitierung der ‚Ware’.- In: Reinhard Löbbert (Hrsg.), Helmut Lungershausen (Red.): Der Ware Sein und Schein. Zwölf Texte über die Warenwelt, in der wir leben. Verlag Europa Lehrmittel, Haan-Gruiten 2002, S. 201 - 211.- ISBN 3-8085-9857-3
  • Richard Kiridus-Göller / Eberhard K. Seifert (Hrsg.): Evolution – Ware – Ökonomie. Bioökonomische Grundlagen zur Warenlehre. oekom Verlag, München 2012.- ISBN 978-3-86581-317-6.

Weblinks

Einzelnachweise


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Ware aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.