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Wald von Biķernieki

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Der Wald von Biķernieki, auch Hochwald von Riga genannt, lettisch: Biķernieku mežs, war noch bis in die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ein Wald östlich von Riga. In der NS-Zeit fanden hier Massenerschiessungen statt. 2001 wurde eine Gedenkstätte eröffnet. Inzwischen befindet sich das überwiegend mit Waldkiefer bewaldete sandig-hügelige Binnendünengebiet innerhalb der wachsenden baltischen Metropole und dient dort wie der im Wald befindliche Linezers-See als Naherholungsgebiet. Außerdem ist der Wald von Biķernieki wegen seiner Motorsport-Rennstrecke bekannt: Diese wurde in der Sowjetzeit angelegt und ist die größte Rennstrecke Lettlands.

Massengräber aus dem Zweiten Weltkrieg

Hinrichtungen

Im Wald von Biķernieki befinden sich die größten NS-Massengräber Lettlands: 55 größere und kleinere Gräber mit einer Gesamtfläche von 2885 m². Es war die erste systematische Ermordung von Juden durch Massenerschießung während der Zeit des NS-Regimes.[1] Vom Sommer 1941 bis zum Herbst 1944 wurden hier nach unterschiedlichen Quellen 35.000 bis 46.500 Menschen von Sicherheitspolizei und lettischen Hilfskräften hingerichtet.[2] Die Ermittlung der genauen Opferzahl wird dadurch erschwert, dass die zurückweichenden deutschen Truppen gegen Ende des Krieges die verscharrten Leichen mit Hilfe von Teer verbrannt hatten. Als nachweisbar gelten folgende Opferzahlen: ca. 20.000 Juden aus Lettland, Deutschland, Österreich und Tschechien, ca. 10.000 Kriegsgefangene sowie ca. 5000 Widerstandskämpfer. [3]

Im März 1942 wurden etwa 1.900 arbeitsunfähige Juden aus dem Ghetto Riga unter dem Vorwand, in Dünamünde zu leichter Arbeit bei der Fischverarbeitung eingesetzt zu werden, in den Wald von Biķernieki geschafft, dort erschossen und verscharrt.[4] Am 26. März 1942 wurden dann zwischen 1600 und 1700 Insassen des aufgelösten KZ Jungfernhof mit Lastwagen hierher gebracht, erschossen und in Massengräbern verscharrt; auch sie wurden dabei mit demselben fiktiven Lager in Dünamünde getäuscht, wo es bessere Unterkunftsmöglichkeiten gäbe. Viktor Marx aus Württemberg, der dort inhaftiert war und dessen Frau Marga und Tochter Ruth erschossen wurden, berichtet: „Im Lager wurde uns gesagt, dass alle Frauen und Kinder vom Jungfernhof wegkämen, und zwar nach Dünamünde. Dort seien Krankenhäuser, Schulen und massiv gebaute Steinhäuser, wo sie wohnen könnten. Ich bat den Kommandanten, auch mich nach Dünamünde zu verschicken, was er jedoch ablehnte, weil ich ein zu guter Arbeiter sei.[5]

Gedenkstätte

In der Sowjetzeit wurden diese Gräber kaum gepflegt; es fanden aber vereinzelt Gedenkveranstaltungen statt. Mit Unterstützung vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge [6] wurde am 30. November 2001 im Wald von Biķernieki eine Holocaustgedenkstätte eröffnet. Der Kantor der Jüdischen Gemeinde zu Riga, Vlad Shulman, sprach das Kaddisch. Auf den Seiten des Gedenksteins steht in Hebräisch, Russisch, Lettisch und Deutsch:

„ACH ERDE, BEDECKE MEIN BLUT NICHT, UND MEIN SCHREIEN FINDE KEINE RUHESTATT! HIOB 16; 18“

Etwa 5.000 Stelen aus ukrainischem Granit in grober Struktur und unterschiedlicher Größe und Farbe erinnern an das unmenschliche Geschehen. [7]

SS-Personal

Die Erschießungskommandos bestanden aus lettische SS. Die Leitung der Erschiessungen lag wie bei den Erschiessungen im Wald von Rumbula beim SD-Chef in Lettland SS-Obergruppenführer Friedrich Jeckeln. Während der ersten Exekutionen im Jahre 1941 waren die deutschen SS-Führer – der Ghettokommandant SS-Sturmbannführer Waldemar Krause (Leipzig), der Oberscharführer Seekt, der spätere Kommandant des KZ Jungfernhof und der SS-Standartenführer Rudolf Lange – anwesend.

Einzelnachweise

  1. Axel Vogel: Mitmenschlichkeit ging verloren. Gedenken an die in Riga ermordeten Juden. In: Stimme & Weg 4/2010, S. 15
  2. Axel Vogel: Mitmenschlichkeit ging verloren. Gedenken an die in Riga ermordeten Juden. In: Stimme & Weg 4/2010, S. 14
  3. Historiker Margers Vestermanis, Direktor des Museums "Juden in Lettland".
  4. Andrej Angrick, Peter Klein: Die "Endlösung" in Riga..., ISBN 3-534-19149-8, S. 338-345.
  5. Bericht des Überlebenden Viktor Marx.
  6. Vorwort zu: Buch der Erinnerung.
  7. Axel Vogel: Mitmenschlichkeit ging verloren. Gedenken an die in Riga ermordeten Juden. In: Stimme & Weg 4/2010, S. 14-15

Literatur

  • Buch der Erinnerung. Die ins Baltikum deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden / Herausgegeben vom "Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V." et. al. 2 Bde. München: K. G. Saur 2003.

Weblinks

56.96295555555624.210391666667


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