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Veganismus

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Veganismus ist eine Einstellung, Lebensweise und Ernährungsweise, die eine Nutzung von Tieren und tierischen Produkten ablehnt.[1]

Zu Produkten und Lebensmitteln, die bei einer veganen Lebensweise nicht in Frage kommen, gehören neben Fleisch, Fisch, Milchprodukten und Eiern auch Honig, Leder und Wolle sowie Kosmetika und Medikamente mit tierischen Anteilen. Der Veganismus geht damit über die vegetarische Ernährungsweise hinaus.

Es gibt verschiedene Motive für eine vegane Lebensweise, vor allem aus den Bereichen Tierethik/Tierrechte/Tierschutz, Umweltschutz, Gesundheit, Verteilungsgerechtigkeit, Welternährungsproblematik, sowie religiöse und herrschaftskritische Ansätze.

Viele Menschen, die aus moralischen oder politischen Gründen vegan leben, achten auch bei Kleidung (Vermeidung von Pelz, Leder und Wolle) und anderen Gegenständen des Alltags wie Kosmetika und Medikamenten auf Tierproduktefreiheit und Tierversuchsfreiheit (Waschmittel, Putzmittel, Kleinbildfilme, Kleber, Farben).[2] Auch das Halten von Heimtieren, soweit diese von Züchtern stammen, wird abgelehnt. Ausnahmen bilden hier meist aus Tierheimen und Tierbefreiungen stammende Tiere. Ebenso besuchen viele vegan lebende Menschen keine Zoos oder Zirkusse, in denen Tiere gehalten werden.

Laut der Nationalen Verzehrsstudie aus dem Jahr 2008 ernähren sich in Deutschland etwa 0,1 % der Bevölkerung vegan, insgesamt also unter 80.000 Menschen.[3] Der deutsche Vegetarierbund VEBU schätzt die Zahl der in Deutschland lebenden Veganer mittlerweile auf 600.000.[4]

Begriff

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Logo der Vegan Society

Das Wort vegan geht auf den Engländer Donald Watson zurück, der 1944 die Vegan Society gründete, eine Abspaltung der englischen Vegetarian Society (Vegetarier-Gesellschaft).

Watson leitete im Gegensatz zu anderen Mitgliedern der Vegetarian Society den Begriff des Vegetariers (engl.: „vegetarian“) nicht vom lateinischen „vegetus“ (lebendig, frisch, kraftvoll), sondern von englisch „vegetable“ (Gemüse, pflanzlich) ab. Der Verzehr von Milchprodukten und Eiern, wie von vielen Vegetariern praktiziert, entsprach nicht seinem Verständnis von Vegetarismus. Um jene Vegetarier zu bezeichnen, die auch Milchprodukte mieden, benutzte Watson zunächst den Terminus total vegetarian (deutsch in etwa: konsequenter, strenger Vegetarier). Als Abkürzung dafür prägte er dann aus dem Anfang und Ende von „vegetarian“ die Wortneuschöpfung „vegan“ (deutsch: „Veganer“), weil „Veganismus mit Vegetarismus beginnt und ihn zu seinem logischen Ende führt“.[5]

Im Oxford Illustrated Dictionary erschien der Begriff vegan zum ersten Mal im Jahr 1962 und wurde dort als „vegetarian who eats no butter, cheese, or milk“ erläutert. 1995 erweiterte die 9. Auflage des Concise Oxford Dictionary diese Definition wesentlich. Veganer ist demnach „a person who does not eat or use animal products“.[5] Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary bezeichnet aktuell (Stand: August 2010) mit vegan sowohl jenen Vegetarier, der weder tierische Nahrung noch Milchprodukte konsumiert, als auch jemanden, der die Nutzung tierischer Produkte insgesamt vermeidet.[6]

Das Adjektiv zum deutschen Wort Veganismus lautet vegan. In den deutschsprachigen Ländern wird vereinzelt auch das Adjektiv veganisch (als Ableitung aus Veganismus) gebildet. Der Duden - Die deutsche Rechtschreibung kennt sowohl das Adjektiv vegan als auch die Nomina Veganer und Veganerin.[7] Aktuelle Bedeutungswörterbücher der deutschen Sprache definieren den Veganer beziehungsweise die Veganerin als „Vegetarier, der vollständig auf tierische Produkte verzichtet“[8] oder als „Anhänger des Veganismus“.[9]

Verbreitung

Nach der Nationalen Verzehrsstudie II von 2008 ernähren sich in Deutschland ca. 0,1% der Bevölkerung vegan, insgesamt ca. 80.000 Menschen.[10] Nach einer Gallup-Umfrage lebten 1995 etwa 170.000 Menschen im Vereinigten Königreich vegan[11], nach jüngsten Aussagen der Vegan Society mehr als 200.000 (2005). Trotz der relativ geringen Zahl der Veganer findet der Verzicht auf Tierprodukte periodisch Eingang in die mediale Berichterstattung, teilweise mit Blick auf die Massentierhaltung, auf den Anteil der Landwirtschaft am anthropogenen Treibhauseffekt, wegen Lebensmittelskandalen oder gesundheitlichen Studien.

Beweggründe

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Tierrechtsaktivist in einer Fußgängerzone hinter einem Stand mit der Aufschrift: „Fleisch ist Mord. Werde Veggie!“

Die meisten ethisch motivierten Veganer begründen ihre Lebensweise mit einer der verschiedenen Theorien der Tierrechte. Andere Veganer integrieren Veganismus in eine herrschaftskritische Weltanschauung oder argumentieren mit ökologischen Motiven. Eine weitere Motivation ist die angenommene gesündere Ernährungsweise. In westlichen Ländern spielt eine spirituelle Motivation nur eine nachrangige Rolle. Soziologisch untersucht sind die Motive nur in Ansätzen.[12]

Das Memorandum der Vegan Society von 1979 bezeichnet Veganismus als eine „Philosophie und Lebensart“, die versucht, „so weit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern“, was Menschen, Tieren und der Umwelt zum Vorteil gereichen soll.[13]

Historische Entwicklung

Historisch ging der Veganismus aus dem Vegetarismus hervor. Im deutschsprachigen Raum waren entsprechende Haltungen und Lebensweisen in der Gründerzeit innerhalb der Lebensreformbewegung und im Zusammenhang mit biozentrischen Ideen zu finden.[14] Speziell in Deutschland war der frühe Vegetarismus mit der damaligen Freikörperkultur-Bewegung und mit unterschiedlichen politischen Ansätzen verbunden.[15] Im anglophonen Raum hingegen waren pathozentrischutilitaristische Ansätze führend und entsprechende Strukturen unter elitären Strömungen der Linken wie in den Frauenbewegungen verwurzelt.[16][17]

Moderne Ansätze nehmen die Forschung um die Geisteszustände nichtmenschlicher Tiere durch neue medizinische bildgebende Verfahren auf.[18] Des weiteren hat die Theorie der Tierrechte einen erheblichen Wandel erfahren.[A 1]

Eine genaue Trennlinie zwischen der vegetarischen und der veganen Bewegung lässt sich weder in der chronologischen Entwicklung noch in den heutigen Strukturen ziehen.

Ethik und Tierrechte

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Peter Singer bei einer Vorlesung im März 2009

Tierethische Überlegungen sind heute ein fester Bestandteil der philosophischen Debatte zum Veganismus. Klassischerweise wird Peter Singers Buch Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere[A 2] aus dem Jahr 1975 als eine Zäsur gesehen, nach der die Diskussion um den Veganismus eine neue Qualität gewann. Singer argumentiert dort, es gebe keine moralische Rechtfertigung, das Leid eines Wesens, gleich welcher Natur es sei, nicht in Betracht zu ziehen. Spezielle „nichtmenschliche Tiere“ von diesem Gleichheitsprinzip[A 3] auszuschließen sei so willkürlich, wie Menschen anderer Hautfarbe, Kultur, Religion oder Geschlecht auszunehmen.[19]

Mittlerweile existieren diverse weitere Argumentationen, die mitunter einen von Singer grundverschiedenen Ansatz wählen. Die Veröffentlichungen bzw. Auseinandersetzungen zu Tierrechten bzw. Tierethik sind nach wie vor in hohem Maße kontrovers.

Einige Veganer verweisen auf die geistigen Fähigkeiten mancher Arten, die mit nicht unerheblicher Intelligenz und Leidensfähigkeit ausgestattet sind und ein komplexes Sozialverhalten zeigen.[20]

Ein pathozentrischer Ansatz, nach dem allen empfindungsfähigen Wesen ethische Berücksichtigung verdienen, wird hauptsächlich von Tierschützern vertreten. Ein weiteres ethisches Motiv bildet das Bestreben, vermeidbares Leid, das mit der Tierhaltung verbunden ist, durch Verzicht auf deren Produkte zu vermeiden.[21]

Der Philosoph Tom Regan schreibt gewissen Tieren aufgrund ihres Bewusstseins einen inhärenten Wert als Subjekte eines Lebens zu.[A 4][22]

Martin Balluch argumentiert für eine naturwissenschaftliche Kontinuität von Bewusstsein. Ausgehend von einer Kritik am Ansatz Singers[23] fordert er gewisse Grundrechte, deren zugrunde liegenden Interessen Voraussetzung für alle weitergehenden Interessen seien.[A 5][24]

Gemeinsam ist den meisten Argumentationen ein naturalistisches Moment, das aus gewissen, für einen Rechtsbegriff als relevant betrachteten, homologen (d.h. evolutionär kontinuierlichen) Eigenschaften eine Widerspiegelung im Moral- beziehungsweise Rechtsverständnis fordert. Oft konstituieren Tierrechtsargumente so auch gleichzeitig eine moralphilosophische Herleitung für Menschenrechte. Aufgrund der angeblichen naturwissenschaftlichen Unschärfe des Artbegriffs auf der Subjektebene könne allein aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Art niemandem ein subjektives Recht zugeschrieben oder aberkannt werden. Der Begriff Speziesismus versucht diese Schlussfolgerung in eine Analogie zu anderen Formen der Diskriminierung zu stellen und zu kritisieren.

Umweltverträglichkeit

Vegane Organisationen kritisieren, dass eine nichtvegane Ernährung negative Folgen für die Umwelt habe und mehr Ressourcen (Wasser, Land, Luft, Waldfläche) benötige oder verschmutze als eine vegane.[25][26]

Eine fleischbasierte Ernährungsweise beansprucht mehr Land-, Energie- und Wasserressourcen als eine vegane. Hinzu kommt, dass die Viehhaltung ein Mehrfaches mehr an Treibhausgasen emittiert als die Pflanzenproduktion. Neben der insbesondere in Südamerika durch extensive Tierhaltung hervorgerufenen Entwaldung tragen dazu in erster Linie Verdauungsprodukte bei (Mist sowie Methan bei Wiederkäuern). Auf der anderen Seite wird vermutet, dass eine Verminderung des Fleischkonsums in den Industrieländern zur Folge haben könnte, dass die Entwicklungsländer ihren Konsum dann entsprechend ausweiten würden. Aus diesen Gründen fordern einige eine Besteuerung des Fleischkonsums bzw. der Tierhaltung und die Subventionierung einer veganen Landbewirtschaftung.[27][28]

Welternährung

Vegane Organisationen nehmen an, dass eine vegane Ernährung positive Folgen für die Welternährung hat.[25][26] Auf Grund der niedrigen Futterkonversionsraten der Tierproduktion wird angenommen, dass eine vegane oder vegetarische Ernährungsweise in den Industrieländern die Ernährungssituation in den Entwicklungsländern signifikant verbessern könnte.

Dagegen wird angeführt, dass die Ernährung von Tier und Mensch nicht deckungsgleich ist. Insbesondere bei Wiederkäuern besteht die Kalorienaufnahme zum weitaus überwiegenden Teil aus für den Menschen nicht verwertbarem Material (z.B. Gras), und viele Weideflächen sind nicht zur Pflanzenproduktion nutzbar.

Laut Edward O. Wilson ergibt die aktuell landwirtschaftlich nutzbare Fläche bei ausschließlich vegetarischer Ernährung eine Kapazität der Lebensmittelversorgung für ca. 10 Milliarden Menschen.[29] Prognosen zufolge wird die globale Nachfrage nach tierischen Produkten insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern in Zukunft noch weiter ansteigen.[30][31]

Menschliche Biologie und Ernährung

Biologisch gesehen ist der Mensch laut herrschender Meinung ein Omnivore (Allesfresser). Im Widerspruch dazu vertritt der US-amerikanische Arzt Milton R. Mills in seinem in Vegetarier-Kreisen verbreiteten Aufsatz „The Comparative Anatomy of Eating“ die Meinung, dass der Mensch biologisch eher einem sehr anpassungsfähigen Frugivoren (Fruchtfresser) als einem Allesfresser gleiche. Er führt an, dass Körperbau, Zähne sowie Verdauungstrakt mehr denen von Frugivoren glichen. Die Fähigkeit, rohes Fleisch zu reißen, körperfremdes Cholesterin auszuscheiden und größere Mengen Harnsäure zu spalten, sei beim Menschen verglichen mit anderen Omnivoren eingeschränkt.[32]

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Weltweite Verteilung der Laktoseintoleranz

Einige Veganer[33][34] vertreten zudem die Ansicht, dass es nicht natürlich sei, die Muttermilch anderer Spezies zu trinken. Sie begründen das unter anderem damit, dass (je nach Quelle) 66 % bis 80 % der erwachsenen Weltbevölkerung aufgrund einer Laktoseintoleranz Milch anderer Spezies nicht ohne Beschwerden verdauen können.

Die Laktosetoleranz ist darüber hinaus altersabhängig. Im Säuglingsalter können fast alle Menschen – gleich welcher Herkunft – Laktose im Darm durch das Enzym Laktase spalten. Für die Mehrheit geht diese Fähigkeit im späteren Alter verloren.[35]

Des Weiteren variiert die Prävalenz der Laktoseintoleranz im Erwachsenenalter von Region zu Region sehr stark: In Deutschland sind nur etwa 15 % betroffen.[36] Wissenschaftler fanden eine enge Bindung der Laktase-Persistenz bzw. Laktosetoleranz im Erwachsenenalter an die Ausbreitung der Milchwirtschaft im Europa der Jungsteinzeit. Die entsprechende evolutionäre Anpassung, eine bestimmte Punktmutation im MCM6-Gen, wird als Entwicklungsvorteil für die betroffenen Menschen gedeutet.[35]

Ob Argumente der „menschlichen Biologie“ grundsätzlich von Relevanz bei einer Bewertung des Konsums tierischer Produkte sind, stellen Verfechter eines Veganismus aus ethischen, herrschaftskritischen oder ökologischen Gründen in Frage.[37]

Kulturelle Kritik, Herrschaftskritik

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Historische Illustration der Großen Kette des Seins (1579) durch Didacus Valades in der Rhetorica Christiana. Die Illustration stellt die Welt in mehreren gottgegebenen Hierarchieebenen dar, an deren Spitze Gott selbst mit den Menschen und an deren Sockel die Pflanzen und nicht menschliche Tiere stehen.

Nick Fiddes argumentiert, Fleisch sei über seine Funktion als Nahrungsmittel als ein Symbol von menschlicher Herrschaft zu verstehen und führt dafür kulturhistorische Argumente ins Feld. Eine klassischerweise auf Aristoteles zurückgeführte Metapher der Großen Kette des Seins durchziehe die Geschichte des Fleischessens.[38] Aristoteles vertrat die Auffassung,

„dass die Pflanzen um der Tiere und die Tiere um der Menschen Willen da sind, die Zahmen sowohl zum Gebrauch als auch zur Nahrung und zum sonstigen Lebensbedarf, um Kleidung und Gerätschaften von Ihnen zu gewinnen. Denn wenn die Natur nicht zwecklos und vergebens tut, so ist hiernach notwendig anzunehmen, dass sie selber dies alles der Menschen wegen gemacht hat.“

Aristoteles: Politik (aus Rowohlt 1968)

Viele vegane Autoren kritisieren dieses Bild einer Mensch-Tierbeziehung als dogmatisch und durch Folgerungen aus der Evolutionstheorie widerlegt.[39] In der europäischen Aufklärung durch Descartes, Kant u.a. habe sich ein falsches Bild nicht-menschlicher Tiere weiter gefestigt.[A 6]

Herrschaftskritik fordert eine weitgehende Abschaffung von Herrschaftsverhältnissen, also der Ausübung von Macht. Von dieser allgemeinen Position ausgehend wird die Forderung nach Veganismus am Spezialfall der menschlichen Herrschaft über nicht-menschliche Tiere formuliert.[40]

Spirituelle bzw. religiöse Ansätze

Bitte Belege für diesen Artikel bzw. den nachfolgenden Abschnitt nachreichen!

Es gibt Veganer, die aus spirituellen Gründen vegan leben. Motive können unter anderem Ansichten über die Seele von Tieren sein oder die Sehnsucht nach einem stärkeren Einklang mit der Natur. Die Gründe sind im Wesentlichen deckungsgleich mit den spirituellen Beweggründen der Vegetarier.

Der in Indien beheimatete Jainismus legt teilweise das Prinzip des Ahimsa (Gewaltlosigkeit) soweit aus, dass die Mönche immer einen Besen mit sich führen, mit dem sie den Weg vor sich fegen, um nicht versehentlich ein Insekt zu zertreten. Die jainistischen Priester tragen ein Tuch vor Mund und Nase, um nicht versehentlich ein Insekt einzuatmen und dadurch zu töten. Selbst Pflanzen werden vom „Töten“ verschont: In bestimmten Lebensphasen werden nur Früchte verzehrt, die die Pflanzen „freiwillig“ hergeben. Von Eltern wird dies nicht erwartet.

Im Hinduismus ebenso wie im Buddhismus gilt vegetarische Ernährung als ethisch überlegen und einige Richtungen sind strikt vegan.

Im Christentum ernähren sich die protestantischen Siebenten-Tags-Adventisten teilweise vegetarisch mit einer Bevorzugung des Veganismus. Die neue religiöse Bewegung Universelles Leben legt ebenfalls eine vegane Lebensweise aus ethischen und gesundheitlichen Gründen nahe.[41]

Kritik an den Beweggründen, Gegenargumente

Gesundheit

Am stärksten umstritten ist der Veganismus hinsichtlich der Frage der Gesundheit.

Kritik an konfrontativen Kampagnen

Das Agieren mancher Aktivisten oder Organisationen, die einen ethisch oder herrschaftskritisch motivierten Veganismus mit Tierrechts- oder Tierbefreiungsgedanken verbinden, wird problematisiert. So steht etwa die Organisation PETA häufig für provokative Kampagnen in der Kritik. Die Akteure der ALF (Animal Liberation Front) werden für direkte Aktionen, bei denen in der Regel ein Sachschaden entsteht, kritisiert.

Kritik religiöser Ansätze

Religiöse Ansätze werden stark kritisiert, was aber ob ihrer geringen Bedeutung nur einen geringen Teil der Veganer betrifft. Die Ansätze dazu sind von atheistischer Seite analog zur üblichen Religionskritik, von religiöser Seite analog zur Kritik an evangelikalen oder neureligiösen Bewegungen und Sekten.

Formen des Veganismus

Besondere Formen veganer Ernährung

  • Bio-Veganismus beschränkt sich zusätzlich auf solche nicht-tierische Lebensmittel, die unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte produziert wurden. Das Konzept bioveganer Ernährung schließt die parallele Haltung von Tieren bei der landwirtschaftlichen Produktion pflanzlicher Lebensmittel aus.[42]
  • Freeganismus (abgeleitet von engl. free für „frei“ und vegan) versucht die Absicht zu verwirklichen, den negativen Einfluss des Einzelnen auf die Umwelt, die Tierwelt und das menschliche Leben durch eine weitgehende Verweigerung der Teilnahme an einer kapitalistischen Volkswirtschaft zu verringern. Die Überfluss- und Wegwerfgesellschaft soll durch Maßnahmen wie beispielsweise das „Containern“ boykottiert werden.[43] Mit einer veganen Ernährung im eigentlichen Sinne muss das nicht zwingend verbunden sein, allerdings kann Freeganismus leicht auf Veganismus hinauslaufen, weil vegane Lebensmittel ein geringeres Risiko einer Lebensmittelvergiftung mit sich bringen, z.B. nach Unterbrechung von Kühlketten.
  • Frugane Ernährung beschränkt sich auf die Früchte von Nahrungspflanzen, da deren Verzehr nicht die Zerstörung der Pflanze zur Folge hat. Dazu gehören etwa Obst, Nüsse und Samen.[44]
  • Vegane Rohkost beschränkt sich auf die veganen Teile einer Rohkosternährung[45] (während Rohkost allgemein ebenso rohes Fleisch, Eier, Rohmilch usw. enthalten kann).[46]
  • Sogenannte Pudding-Veganer achten wenig auf ausgewogene Ernährung, bevorzugen großteils Fertiggerichte und Süßes und riskieren damit Gesundheitsbeeinträchtigungen.

Vermeidung tierischer Produkte

Leitgedanke des Veganismus ist die Verminderung von Leid durch das Vermeiden von tierischen Produkten und Tiernutzung. Innerhalb dieses Rahmens sind eine Vielzahl individueller Lebens- und Ernährungsweisen möglich. Auch außerhalb des Bereichs der Ernährung werden tierische Produkte vermieden. Leder, Daunenjacken und -kissen und Ähnliches werden abgelehnt, Wollprodukte als Ursache für den frühen Tod und Leid der Tiere beim Scheren angesehen.[47] Die Welt ohne Jagd und ohne Tierversuche stellt ein Ideal dar. Allgemein werden unter Veganern alle möglichen Verhaltensweisen auf Leidvermeidungsmöglichkeiten geprüft. Des Weiteren sind Haustierhaltung, Reiten, Zoos und Vivarien, insbesondere Delphinarien und Zirkusse Gegenstand der Kritik.

Gesundheitliche Aspekte veganer Ernährung

Allgemeine Beurteilung veganer Ernährung

Die gesundheitlichen Auswirkungen veganer Ernährung sind umstritten. Bei gesunden Erwachsenen mit gutem Ernährungswissen wird eine vegane Ernährungsweise für vertretbar gehalten, wenn zusätzlich bestimmte Ernährungsbausteine supplementiert werden. Sehr kritisch wird vegane Ernährung in Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum und Alter gesehen.

Das schweizerische Bundesamt für Gesundheit sieht aufgrund der sehr großen und kritischen Risiken einer Mangelernährung „in verschiedenen Lebensphasen“ (konkret: Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum und Alter) von einer generellen Empfehlung der veganen Ernährung für breite Bevölkerungskreise ab. Eine „vegane Ernährungsweise mit einer genügenden Zufuhr aller Nährstoffe (Ausnahme Vitamin B12, welches mit angereicherten Nahrungsmitteln oder Supplementen zugeführt werden sollte)“ sei möglich, setze aber ein „entsprechendes Ernährungswissen“ voraus.[48]

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfahl 1998 vegane Ernährung wegen damit verbundener Risiken für keine Altersgruppe und riet besonders für Säuglinge, Kinder und Jugendliche dringend davon ab.[49] 2006 äußerte Antje Gahl von der DGE gegenüber der Frankfurter Rundschau allerdings, dass sie glaube, eine vegane Kost könne den Nährstoffbedarf von Erwachsenen decken. Voraussetzung dafür seien jedoch „ein ausreichendes Ernährungswissen und eine wohlüberlegte Nahrungszusammenstellung“. Ansonsten drohten Mangelerscheinungen.[50] 2011 erneuerte die DGE ihre Warnung vor veganer Ernährung im Säuglings- und Kindesalter: Die Wahrscheinlichkeit eines Nährstoffmangels sei umso größer, je stärker die Lebensmittelauswahl eingeschränkt wird und je weniger abwechslungsreich die Ernährung ist. Bei veganer bzw. makrobiotischer Ernährung bestehe das Risiko einer defizitären Zufuhr von Energie, Protein, langkettigen n-3 Fettsäuren, Eisen, Calcium, Jod, Zink, Riboflavin, Vitamin B12 und Vitamin D. Auf die Zufuhr dieser Nährstoffe müsse besonders geachtet werden. Spezielle Kenntnisse der Lebensmittelauswahl und -zubereitung bzw. die Sicherstellung der Versorgung durch angereicherte Lebensmittel oder Supplemente sei hierfür erforderlich. Um das Risiko für Nährstoffdefizite gerade in den ersten Lebensjahren so gering wie möglich zu halten, empfiehlt die DGE eine Ernährung, die alle im Ernährungskreis aufgeführten Lebensmittelgruppen einschließt. Unter Beachtung einer ausreichenden Eisen- und Jodversorgung (ggf. mit Hilfe von Supplementen oder angereicherten Lebensmitteln sowie bei Eisen durch eine optimale Ausnutzung des Nicht-Hämeisens durch Kombination mit Vitamin C-reichen Lebensmitteln) sei auch eine ovo-lactovegetarische Ernährung möglich. Da sich mit dem Verzicht auf jegliche tierische Lebensmittel das Risiko für Nährstoffdefizite erhöht, hält die DGE eine rein pflanzliche Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie im gesamten Kindesalter für nicht geeignet, um eine adäquate Nährstoffversorgung und die Gesundheit des Kindes sicherzustellen.[51]

Die American Dietetic Association und die Dietitians of Canada vertreten hingegen den Standpunkt, dass vegetarische Kostformen, vegane eingeschlossen, insgesamt einen gesundheitlichen Nutzen in der Prävention und Behandlung bestimmter Erkrankungen habe. Des Weiteren decke eine ausgewogene vegane Kost den Nährstoffbedarf und sei für jede Lebensphase „einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und Pubertät“ geeignet. Zur Vermeidung von Nährstoffdefiziten wird allerdings angeraten, auch künstlich angereicherte Nahrungsmittel (z. B. calciumverstärkte Sojamilch) oder entsprechende Nahrungsergänzungsmittel zu verwenden.[52][53]

Spezielle Versorgungsprobleme

Vitamin B12

Der komplette Verzicht auf tierische Lebensmittel kann zu einer geringen Aufnahme von Mikronährstoffen, insbesondere Vitamin B12, führen und damit den Homocysteinspiegel beeinflussen. Ein 2009 veröffentlichtes Review von Studien zeigt geringere Vitamin-B12-Level und erhöhte Homocysteinwerte bei Vegetariern und insbesondere Veganern. Eine geringe Aufnahme von Vitamin B12 kann die Verfügbarkeit von Cobalamin verringern und seine Funktion stören. Während Symptome eines Mangels zunächst unspezifisch sind (Müdigkeit, Verdauungsprobleme, häufige Atemwegserkrankungen), treten sie später hämatologisch (Perniziöse Anämie) und neurologisch auf. Hyperhomocysteinämie wird mit einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose und Herz-Kreislauferkrankungen in Verbindung gebracht. Daher sollten Vegetarier und insbesondere Veganer ihre Ernährung streng planen, ihre Vitamin B12-Level regelmäßig kontrollieren lassen und, falls notwendig, Vitamin B12 nahrungsergänzend aufnehmen.[54] Der höhere Folsäuregehalt pflanzlicher Kost kann hämatologische Symptome des Mangels maskieren und so die Entdeckung verzögern.[52] Bei Kleinkindern stillender Mütter, die sich vegan ernähren und deren Muttermilch arm an Vitamin B12 ist, kommt es ohne Zufütterung tierischer Lebensmittel bereits im zweiten Lebenshalbjahr zu gefährlichen Mangelsymptomen, die bis zu bleibenden neurologischen Schäden, verzögerter neurologischer Entwicklung sowie Apathie, Koma sowie hochgradiger Hirnatrophie reichen können. Ärzte raten schwangeren und stillenden Veganerinnen sowie deren Kindern dringend zur Nahrungsergänzung (Supplementierung).[55] Vitamin B12 wird durch Mikroorganismen hergestellt, die sich unter anderem in der Darmflora von Wiederkäuern finden.[56] Entsprechende Mangelerscheinungen treten in Entwicklungsländern etwas weniger auf, da das Vitamin unter anderem über Pflanzen aufgenommen wird, die Verunreinigungen aus tierischen und menschlichen Fäkalien aufweisen. Letztere weisen einen verhältnismäßig hohen Vitamin-B12-Gehalt auf.[57]

Calcium

Nachteile durch den Verzicht auf tierische Nahrungsquellen wie Milch und Käse können bei unausgewogener veganer Kost hinsichtlich der Calciumzufuhr und Knochendichte auftreten.[58] In Studien lag die Calciumzufuhr der untersuchten Veganer oft unterhalb der Richtwerte.[52] Neben dem Calciumgehalt von Nahrungspflanzen ist auch dessen Bioverfügbarkeit zu beachten. Oxalate und Phytate, welche ebenfalls als Bestandteile von Nahrungspflanzen zugeführt werden, können die Calciumresorption behindern. Andererseits muss sich – abhängig vom Protein- und Salzgehalt der veganen Ernährung – der calciuretische (die Calciumausscheidung über die Niere fördernde) Effekt nicht signifikant von dem bei einer omnivoren Ernährungsweise unterscheiden.[59] Um Mangelerscheinungen auszuschließen, wird der Verzehr von Grünkohl (ca. 220 mg Calcium pro 100 g), Brokkoli (ca. 110 mg pro 100 g), Sesamsamen (ca. 1000 mg pro 65 g), Haselnüssen, Sojabohnen sowie Tofu oder die Calciumsupplementierung empfohlen.

Mögliche Vorteile

Geringeres Auftreten von Allergien

Die im Zusammenhang mit Vegetarismus genannten Vorteile gelten im Wesentlichen auch für Veganer, gerade bei Allergien gegen tierisches Eiweiß.[55]

Geringere Aufnahme von tierischen Fetten und Kalorien

Veganer nehmen kein Cholesterin oder tierische gesättigte Fettsäuren auf. Sie sind im Durchschnitt schlanker und haben seltener Übergewicht.[60]

Vegane Lebensmittel

Hauptartikel: Vegetarische Küche

Definition und Abgrenzung

Eine strenge Unterscheidung nicht-veganer Produkte von rein veganen ist aufgrund der vielfältigen Verwendung von Stoffen tierischer Herkunft schwierig. So dient Gelatine unter anderem zur Filtration von Weinen und Fruchtsäften, und ist des Weiteren in Medikamenten und Farbfilmen zu finden, Bäckereien verwenden tierische Fette etc. Daher bieten viele Vereinigungen Datenbanken und Listen von nichtveganen Inhaltsstoffen.

Das Europäische Parlament definiert in einem Entwurf: „Der Begriff „vegan“ ist nicht auf Lebensmittel anzuwenden, bei denen es sich um Tiere oder tierische Erzeugnisse handelt oder die aus oder mithilfe von Tieren oder tierischen Erzeugnissen (einschließlich Erzeugnissen von lebenden Tieren) hergestellt wurden.“[61] (Entwurf für eine Abänderung der „Informationen der Verbraucher über Lebensmittel“, 16. Juni 2010)

Alternative Lebensmittel

Für tierische Speiseanteile gibt es eine Reihe möglicher Alternativen,[62] mit diesen lassen sich viele Gerichte, deren Rezeptur die Verwendung tierischer Bestandteile vorsieht, nach veganen Grundsätzen nachempfinden. Verwendet werden etwa folgende Ersatzstoffe für …

Veganismus und Jugendkultur

Als Teil von Jugendkultur tritt Veganismus unter anderem im Rahmen der Straight Edge-Bewegung in Erscheinung. Der gemeinsame Besuch von spezifischen Musikkonzerten sowie das gemeinsame Kochen spielen dabei eine Rolle.[63] Insbesondere der Hardcore-Szene wird ein verhältnismäßig hoher Veganeranteil zugeschrieben.[64]

Internationale Künstler wie Bryan Adams, Jared Leto, Goldfinger, Propagandhi, Heaven Shall Burn, Moby, Anti-Flag oder Rise Against gelten als relevante Fürsprecher des Veganismus. In Deutschland gehören Albino[65], Alexander Kaschte und Callya[66] zu den entschiedensten musikalischen Fürsprechern des Veganismus.

Die deutsche Unternehmerin Kim Kalkowski erzielte im Jahr 2012 mit ihrem Sieg im Kochwettbewerb Das perfekte Dinner öffentliche Aufmerksamkeit für den Veganismus. [67]

Siehe auch

Literatur

  • Wilfried Breyvogel (Hrsg.): Eine Einführung in Jugendkulturen. Veganismus und Tattoos. VS Verlag für Sozialwissenschften, Wiesbaden 2005, ISBN 3-8100-3540-8.
  • Angela Grube: Vegane Lebensstile. Diskutiert im Rahmen einer qualitativen/quantitativen Studie. ibidem-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 3-89821-538-5.
  • Angela Grube: Vegane Biografien. Narrative Interviews und biografische Berichte von Veganern. ibidem-Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 3-89821-988-7-3.
  • Bernd-Udo Rinas: Veganismus. Ein postmoderner Anarchismus bei Jugendlichen?. Archiv der Jugendkulturen Verlag KG, Berlin 2012, ISBN 978-3-940213-71-6.
  • Bernd-Udo Rinas: Veganismus. Ein postmoderner Anarchismus bei Jugendlichen? (E-Book). Archiv der Jugendkulturen Verlag KG, Berlin 2012, ISBN 978-3-943612-35-6.
  • Beate Schmitt: Ohne Milch und ohne Ei – Allergien und Laktose-Intoleranz. Rezepte und Praxistipps für den Familienalltag. Pala-Verlag, Darmstadt 2003.
  • Thomas Schwarz: Veganer, erschienen in Ronald Hitzler & Arne Niederbacher: Leben in Szenen – Formen juveniler Vergemeinschaftung heute 3. vollständig überarbeitete Auflage VS Verlag für Sozialwissenschaften, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-15743-6
  • Annika Waldmann, Jochen W. Koschizke, Claus Leitzmann, Andreas Hahn: German vegan study: Diet, life-style factors, and cardiovascular risk profile. In: Annals of nutrition & metabolism, 2005, Nov-Dec, Band 49, Heft 6, S. 366–372.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Eine Ausnahme von diesem allgemeinen Prinzip konstituiert das Werk des Briten Henry Salt (1851–1939) Animal Rights. (1892) Zu Zeiten seiner Veröffentlichung wurde es weitestgehend ignoriert. Es erfuhr erst posthum etwas breitere Beachtung.
  2. Eine Tierbefreiungsbewegung gab es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Buches praktisch nicht. Die Forderung nach der Befreiung der Tiere ist nach Singer als Metapher zu verstehen. Er fordert eine strikte Gewaltfreiheit (Vgl. Vorwort der 1990er-Ausgabe und P. Singer: Democracy and Disobiedence, 1974, Oxford University Press)
  3. Gleichheit versteht Singer nicht als deskriptive Gleichheit von Zuständen, sondern als präskriptive Norm zur gegenseitigen Behandlung. Formuliert ist es bei ihm als eine ethische „Pflicht der vergleichbaren Berücksichtigung vergleichbarer Interessen“.
  4. Zentral in Regans Philosophie ist das Subjekt eines Lebens-Kriterium (7.5), nach dem allen Tieren mit Präferenzen, Wünschen, Wahrnehmung, Gedächtnis, Gefühlswelt von mindestens Schmerz und Freude, der Fähigkeit aufgrund von Präferenzen Handlungen zu setzen, einer Psychophysikalische Identität (Kap 2), und ein Wohlbefinden (Kap. 3) unabhängig von außenstehenden Interessen eine Subjekteigenschaft zustehe. Nach Regan qualifiziere diese Subjekteigenschaft für ein wenngleich relatives, subjektives Recht (d. h. eine legitime Forderung im Sinne von John Stuart Mill). Aufgrund der als diskret vorausgesetzten Subjekteigenschaft könne dieses Recht kategorisch und für alle Subjekte gleichermaßen gültig zugesprochen werden. Wenngleich Regan unter gewissen Umständen eine Abwägung dieser Rechte zulässt, sei Fleischkonsum (9.1) und andere Verwertung tierischen Lebens (9.5) moralisch im Allgemeinen nicht zu rechtfertigen.
  5. Ausgehend und einer Charakterisierung von Bewusstsein durch hinreichende Kriterien folgend formuliert er ein deontologisches Argument, das durch die angeblich implizit gegebenen Interessen qua Bewusstsein arbeitet. Unabhängig von einer Interessengewichtung müssen seiner Ansicht nach gewisse Grundvoraussetzungen (mindestens Recht auf Leben, Freiheit und Unversehrtheit im Sinne Art. 3 AEMR) für die Erfüllung von (sekundären) Interessen gegeben sein. Indem man diese Voraussetzungen für jemanden fordere, müsse man sie qua eines Universalitätsprinzips für jeden, der dieselben Voraussetzungen erfüllt, mitfordern, und die formulierten „Grundrechte“ würden zu kategorischen Prinzipien.
  6. Der Vorwurf gegen Descartes besteht im Wesentlichen aus einer Mechanizismuskritik sowie seiner (seiner Zeit geschuldeten) Unkenntnis über nicht-menschliche Geisteszustände:

    „Der Hauptsitz der Seele liegt in einer kleinen Drüse mitten im Gehirn, von wo aus sie durch Vermittlung der (Lebens-)Geister, der Nerven und sogar des Blutes auf den übrigen Körper ausstrahlt … und die ganze Tätigkeit der Seele besteht darin, dass sie – einzig, weil sie etwas will – bewirkt, dass die kleine Drüse, mit der sie direkt verbunden ist, sich in der erforderlichen Weise bewegt, um die Wirkung zu erzeugen, die diesem Wollen entspricht.“

    René Descartes: Traktat über die Leidenschaften, Art. 34 u. 41

    (Argumentation aus T. Regan The Case for Animal Rights 1983 University of California Press)
    Kant selbst hat sich wenig explizit mit einer Mensch-Tier Beziehung beschäftigt. Moderne Kantianer verteidigen einen moderaten Speziesismus mit Versionen des Kategorischen Imperativs die der Reich der Zwecke- oder Autonomie-formel entsprechen würden. Julian Franklin etwa kritisiert diesen Ansatz, indem er anmerkt, diese Formulierungen bezögen sich auf die Quelle der Moral. Zwischen denjenigen Individuen, die von moralischen Urteilen betroffen sind und denjenigen, die sie erstellen, müsse man unterscheiden.
    (Vgl. J. C. Wolf: Argument pro und contra Tierrechte in Information Philosophie August 3/2008. Bezieht sich auf J. H. Franklin: Animal Rights in Moral Philosophy S. 176 Columbia University Press (2005)).

Einzelnachweise

  1. Veganismus In: Duden – Deutsches Universalwörterbuch, 6. Auflage; Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim 2007.
  2. Siehe Gary Francione in Gary Francione und Garner, Robert. The Animal Rights Debate: Abolition Or Regulation?. Columbia University Press, 2010, S. 62: „Although veganism may represent a matter of diet or lifestyle for some, ethical veganism is a profound moral and political commitment to abolition om the individual level and extends not only to matters of food but also to the wearing or using of animal products. Ethical veganism is the personal rejection of the commodity status of nonhuman animals, of the notion that animals have only external value, and of the notion that animals have less moral value than do humans.“ [1]
    • Siehe auch Margaret Puskar-Pasewicz. Cultural Encyclopedia of Vegetarianism. ABC-Clio, 2010, S. 242: „Vegans are divided into two sub-categories: lifestyle vegans and dietary vegans. Lifestyle vegans eschew all animal products in their diet and life ... Dietary vegans exclude animal products only from their diet.“ [2]
    • Siehe auch „Veganism“, Vegetarian Times, Januar 1989: „Webster's dictionary provides a most dry and limiting definition of the word 'vegan': 'one that consumes no animal food or dairy products.' This description explains dietary veganism, but so-called ethical vegans—and they are the majority—carry the philosophy further.“"[3]
  3. I. I. Nationale Verzehrsstudie: Ergebnisbericht, Teil 1. In: Max Rubner-Institut Karlsruhe. 2008.
  4. [4] Pressemitteilung des VEBU Online
  5. 5,0 5,1 Joanne Stepaniak, Virginia Messina: What's in a name? In: The Vegan Sourcebook, 2. Auflage, S. 2–3; McGraw-Hill Professional, 2000. ISBN 0-7373-0506-1 Volltext
  6. vegan In: Merriam-Webster Collegiate Dictionary, Merriam-Webster Incorporated 2005. Online
  7. Duden. Bd. 1. Die deutsche Rechtschreibung. 24. Aufl. 2006. S. 1064. Stichwörter: vegan, Veganer, Veganerin.
  8. Veganer In: WAHRIG.digital - Deutsches Wörterbuch, Wissen Media Verlag GmbH, Gütersloh/München 2002-2005.
  9. Veganer, Veganerin In: Duden – Deutsches Universalwörterbuch, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim 2007.
  10. I. I. Nationale Verzehrsstudie: Ergebnisbericht, Teil 1. In: Max Rubner-Institut Karlsruhe. 2008.
  11. The Realeat Survey, 1984–1995. Conducted by Social Surveys (Gallup Poll)
  12. Angela Grube leistet eine qualitative und quantitative Befragung. Breyvogel unter dem Stichwort „Jugendkultur“.
  13. Memorandum of Association of the Vegan Society, Memorandum der Vegan Society, 20. November 1979
  14. Joachim Joe Scholz: Haben wir die Jugend, so haben wir die Zukunft. Die Obstbausiedlung Eden/Oranienburg als alternatives Gesellschafts- und Erziehungsmodell (1893–1926). (Bildungs- und kulturgeschichtliche Beiträge für Berlin und Brandenburg, Band 3). Berlin: Weidler, 2002, ISBN 3-89693-217-9
  15. Bernd Wedemeyer: Der neue Mensch: Körperkultur im Kaiserreich und in der Weimarer Republik – Kolwe Verlag Königshausen & Neumann, 2004 ISBN 3-8260-2772-8, e.g. S. 280
  16. H. Kean: Animal rights: Political and social change in Britain since 1800. Reaktion Books 1998
  17. Jason Hribal: „Animals are part of the working class“: a challenge to labor history. In: Labor History. 44, Nr. 4, 2003, S. 435. doi:10.1080/0023656032000170069. Abgerufen am 19. März 2010.
  18. vgl. The Journal of Ethics Number 3 / September, 2007, Special issue on Animal Minds
    vgl. auch Balluch 2005
  19. Singer, Animal Liberation (Harper Collins Publishers 2002): S. 5–9 (Englisch), deutsch: Die Befreiung der Tiere, Hirthammer, München 1976.
  20. Günther Stolzenberg: Weltwunder Vegetarismus, München 1980, S. 164f.
    John Lawrence Hill: The Case for Vegetarianism, Lanham 1996, S. 52–67.
  21. Paul Amato/Sonia Partridge: The New Vegetarians, New York 1989, S. 31 ff. werten eine internationale Umfrage in englischsprachigen Ländern aus, bei der zwei Drittel der 320 befragten Vegetarier Begründungen dieser Art angaben. Solche Gründe werden auch in der einschlägigen populären Literatur häufig genannt und diskutiert, z. B. Helmut Kaplan: Warum Vegetarier?, Frankfurt 1989, S. 31 ff., 61 ff.
    Axel Meyer: Warum kein Fleisch? München 1990, S. 79 ff.
    vgl. auch Leitzmann (1996) S. 16–21; Vegetarisch leben, hrsg. Evangelische Akademie Baden, Karlsruhe 1999, S. 12 f., 23–25.
  22. Tom Regan: The Case for Animal Rights, University of California Press 1983.
  23. [ (Link nicht mehr abrufbar) Kritik am Pathozentrismus], Martin Balluch 2007.
    • Vgl auch Martha C. Nussbaum, Belknap Harvard (2006): Frontiers of Justice – Disability, Nationality, Species Membership. Darin argumentiert sie, man könne politisch nicht verantworten, die Entscheidung darüber, was als gute oder schlechte Konsequenz einer Handlung zu gelten hat, gesellschaftlichen Institutionen der Gerechtigkeit zu überlassen.
  24. Balluch Kontinuität von Bewusstsein. Guthmann-Peterson 2003.
  25. 25,0 25,1 Warum Vegan? PETA.de Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „PETAenv“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert.
  26. 26,0 26,1 Why go vegan? Resons for being vegan. The Vegan Society.
  27. Robert Goodland (1997) Environmental sustainability in agriculture: diet matters. in: Ecological Economics Volume 23, Issue 3, 5 December 1997, Pages 189–200
  28. Felix Hnat: (Obmann der veganen Gesellschaft Österreich) Agrarsubventionen in Österreich aus einer tierrechtlerischen Perspektive, 2006
  29. Edward O. Wilson: The Future of Life. Abacus, 2003, ISBN 978-0-349-11579-5
  30. Christopher L. Delgado: [ (Link nicht mehr abrufbar) Rising Consumption of Meat and Milk in Developing Countries Has Created a New Food Revolution]. In: Journal of Nutritional Sciences. 133, November 2003, S. 3907S-3910S
  31. Robert A. Kanaly, Darryl Macer, Lea Ivy O. Manzanero & Sivanandam Panneerselvam: Energy Flow, Environment and Ethical Implications for Meat Production. Bangkok 2009 (Arbeitspapier der Arbeitsgruppe Ethics of Energy Technologies in Asia and Pacific (EETAP) der UNESCO).
  32. Milton R. Mills: The comparative anatomy of eating (englisch, HTML)
  33. http://www.tier-im-fokus.ch/mensch_und_tier/donald_watson_vegane_bewegung/
  34. http://www.kthf.uni-augsburg.de/prof_doz/dfg-projekt/scheule/Leseraum/FrRempel.pdf
  35. 35,0 35,1 Laktoseintoleranz: Milch-Verträglichkeit bei Erwachsenen entstand in Zentraleuropa In: Deutsches Ärzteblatt vom 28. August 2009 (Webseite).
  36. DGE: Lactosefreie Ernährung. In: DGE-Info vom 1. Oktober 2004 (Volltext).
  37. Tendenziell neigen Deontologen stärker zu dieser Position als Utilitaristen. Trotzdem weist Singer das Argument der „Natürlichkeit des Fleischessens“ in Animal Liberation zurück. Regan bezieht sich in The Case for Animal Rights in dieser Frage auf ihn. Gary L. Francione kritisiert in Rain without Thunder einige Organisationen des Vegetarismus/Veganismus dafür, das „Natürlichkeitsargument“ zu Gunsten des Veganismus umdeuten zu wollen, anstelle es als biologistisch zurückzuweisen.
  38. Nick Fiddes: Meat – A natural Symbol (1993). Routledge, London. (Zitiert in de: Fleisch – Symbol der Macht, Zweitausendeins, S. 36 ff. ISBN 3-86150-019-1.)
  39. Steven Wise: Ratteling the Cage – Towards legal rights for animals (2000) Perseus Books.
    In der Publikation prägt Wise für hierarchisch-biologische Argumentationsmuster den Begriff der Aristotelischen Axiomatik
  40. Andre Gamerschlag: Intersektionelle Human-Animal Studies – Ein historischer Abriss des Unity-of-Oppression-Gedankens und ein Plädoyer für die intersektionelle Erforschung der Mensch-Tier-Verhältnisse, in: Chimaira – Arbeitskreis für Human-Animal Studies (Hg.): Human-Animal Studies. Über die gesellschaftliche Natur von Mensch-Tier-Verhältnissen. Bielefeld: transcript Verlag, 2011. S.151-189.
  41. Video vom „Sender Neu Jerusalem“ Kapitel 4.3: Ein emsiges Volk: Die Bienen
  42. Biovegane Ernährung auf www.lebensmittellexikon.de
  43. Freeganismus auf www.lebensmittellexikon.de
  44. Fruganismus, Fruitarismus auf www.lebensmittellexikon.de
  45. Vegane Rohkost auf www.lebensmittellexikon.de
  46. Rohkosternährung auf www.lebensmittellexikon.de
  47. Video auf petatv.com
  48. Walter P., Baerlocher K., Camenzind-Frey E., Pichler R., Reinli K., Schutz Y., Wenk C. (eds.) Gesundheitliche Vor- und Nachteile einer vegetarischen Ernährung. (PDF) Expertenbericht der Eidgenössischen Ernährungskommission. Bern, Bundesamt für Gesundheit, 2007. S. 55
  49. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.: Ist vegetarische Ernährung für Kinder geeignet? In: DGE-aktuell 14/98, 21. Juli 1998. Im Webarchiv (Abgerufen am: 14. März 2010)
  50. Walter Willems: Für vegane Ernährung gutes Ernährungswissen und Lebensmittelspektrum wichtig, Frankfurter Rundschau, 15. Dezember 2006
  51. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.: Vegane Ernährung: Nährstoffversorgung und Gesundheitsrisiken im Säuglings- und Kindesalter. In: DGEinfo 04/2011 – Forschung, Klinik, Praxis, 11. Mai 2011.
  52. 52,0 52,1 52,2 American Dietetic Association, Dietitians of Canada: Position of the American Dietetic Association and Dietitians of Canada: Vegetarian diets. In: Journal of the American Dietetic Association; Volume 103, Nummer 6, S. 748–765. (2003) PMID 12778049 PDF-Volltext
  53. Craig WJ, Mangels AR; American Dietetic Association: Position of the American Dietetic Association: vegetarian diets. In: J Am Diet Assoc., Volume 109, Nummer 7, S. 1266-1282 (Juli 2009). PMID 19562864 Volltext
  54. Ibrahim Elmadfa & Ingrid Singer: Vitamin B12 and homocysteine status among vegetarians: a global perspective. American Journal of Clinical Nutrition. Vol. 89, Nr. 5, 2009, S. 1693S-1698S.
  55. 55,0 55,1 Koletzko, Feldl: Ausgewogene Substratversorgung durch Fleischverzehr In: Deutsches Ärzteblatt 1998; 95: A-606-611; Heft 11. Volltext
  56. Physiologie der Haustiere, Wolfgang von Engelhardt, Gerhard Breves, Ausgabe 2, Verlag Georg Thieme Verlag, 2005 ISBN 3-8304-1039-5
  57. Über die therapeutische Bedeutung der verschiedenen Formen des Vitamin B12, Zeitschrift Journal of Molecular Medicine, Verlag Springer Berlin / Heidelberg, ISSN 0946-2716 (Print) 1432-1440, Heft 31, Nummer 43-44 / November 1953
  58. Weaver CM, Plawecki KL: Dietary calcium: adequacy of a vegetarian diet. In: Am J Clin Nutr. 1994 May;59(5 Suppl):1238S-1241S. PMID 8172128 Volltext
  59. Weaver CM, Proulx WR, Heaney R.: Choices for achieving adequate dietary calcium with a vegetarian diet. In: Am J Clin Nutr. 1999 Sep;70(3 Suppl):543S-548S. PMID 10479229 Volltext
  60. Leitzmann, C.; Keller, M. (2010: Vegetarische Ernährung. 2. Auflage. Eugen Ulmer verlag, Stuttgart.
  61. Begriff „vegan“ gesetzlich geschützt (Memento vom 27. Juni 2010 auf WebCite) In: europarl.europa.eu, Angenommene Texte, 16. Juni 2010, Informationen der Verbraucher über Lebensmittel, Abänderung § 175, Vorschlag für eine Verordnung, Artikel 35 – Absatz 6 a (neu), abgerufen am 27. Juni 2010
  62. Tierische Inhaltsstoffe und ihre Alternativen, Peta – Deutschland e. V.
    Datenbank veganer Produkte bei rezeptefuchs.de
  63. Breyvogel, a. a. O. S. 131
  64. Calmbach, Marc (2007: More than Music. Einblicke in die Jugendkultur Hardcore, Bielefeld, transcript. S. 243 f.
  65. http://www.peta2.de/de/mcalbino.737.html
  66. http://www.peta2.de/de/callya.707.html
  67. Chefköchin der Veganen Gesellschaft Deutschland e.V. Kim Wonderland Kalkowski gewinnt bei "Das perfekte Dinner". eco-world.de, abgerufen am 16. Juni 2012
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