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Tundra

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Lage der Tundren mit Untergliederung[Anmerkung 1]
  • Hochpolare Flechten- u. Moostundra (10 - 80 % Pflanzenbedeckung)
  • Niederpolare Zwergstrauch- u. Wiesentundra (> 80 % Pflanzenbedeckung)
  • Bergtundra / azonale alpine Matten u. Heiden (auf der Nordhalbkugel jeweils südlich der schwarzen Linie, auf der Südhalbkugel nördlich der Linie)

  • (Hinweis: Klicken Sie auf den Link für eine große Ansicht der Originalkarte „Vegetationszonen“")
    Tundra
    Tundra bei Sydkap, Kangertittivaq (Ost-Grönland)

    Tundra bei Sydkap, Kangertittivaq (Ost-Grönland)

    Flächenanteil ca. 5 – 7 % der Landoberfläche
    Ökologischer Zustand > 60 % ursprüngliche Wildnis

    ~ 20 % weitgehend naturnah
    < 20 % anthropogen überprägt

    Landnutzung nomadische (Rentier-)Weidewirtschaft
    Artenvielfalt niedrig (600 – 1000 Arten pro ha)
    Biomasse sehr niedrig (25 – 30 t/ha Trockenmasse)
    Repräsentative Großschutzgebiete (nur IUCN Ia, Ib, II, NP, WE und PP) Thelon (CAN) 52.000 km²
    Laponia (SWE) 9.400 km²
    Bolshoy Arktichesky (RUS) 41.692 km²
    Hemis (IND) 4.100 km²
    Heard-Insel (AUS) 368 km²
    Klimatische Rahmenbedingungen
    Esperanza-StationAnadyrHoher SonnblickHall BeachKlimadiagramme-Tundra.png
    Über dieses Bild

    Tundra: Klimadiagramme

    Sonneneinstrahlung < 800 – 1.100 kWh/m²/a (für die Zone)[1]
    Ø-Temperaturen Kältester Monat: unter -8°C
    Jahresmittel: unter 0°C (Ø -6°C)
    Wärmster Monat: 6 – 10°C
    Jahresniederschlag unter 200 – 300 mm
    (8 - 11 Mon. Schnee)
    Wasserhaushalt nival (humid)
    Vegetationsperiode 30 – 90 Tage

    Tundra (auch Kältesteppe) ist ein Begriff der Geographie und bezeichnet verallgemeinernd einen bestimmten Landschaftstyp der globalen Maßstabsebene.

    Aus Sicht der Geobotanik (Pflanzengeographie) ist die Tundra ein natürlicher Vegetationstyp, der unter den Bedingungen des Tundrenklimas entsteht. In ihrer erdumspannenden (geozonalen) Ausdehnung gehört die Tundra zu den Vegetationszonen. Zudem kommen vergleichbare Pflanzenformationen weltweit in den Höhenstufen der Gebirge vor, die als nicht zonale Vegetationstypen den Tundren zugeordnet werden können.

    Aus Sicht der Ökologie ist die Tundra ein globales Ökosystem, dass entweder als Biom oder Ökoregion bezeichnet wird.[Anmerkung 2] Diese untergliedern wiederum das erdumspannende Polare Zonobiom bzw. die Polare/Subpolare Ökozone.

    Charakteristisch für die verschiedenen Formen der Tundra ist eine offene, baumfreie Landschaft über Permafrostböden, die je nach Untertyp von Flechten, Moosen, Gräsern und sommergrünen Zwergsträuchern dominiert wird.

    „Tundra“ ist ein Lehnwort aus dem gleichbedeutenden russischen тундра, das aus dem finnischen Tunturi „baumlose Hochfläche“ oder aus dem kildin-samischen Tūndar entlehnt wurde[2]

    Verbreitung und Zustand

    Die nördliche (arktische) Vegetationszone der Tundra reicht jenseits der polaren Waldgrenze in ihrer maximalen Ausdehnung etwa von 80° nördlicher Breite (auf der Insel Spitzbergen) bis 55° (an der James Bay in Kanada). Die südliche (antarktische) Zone erstreckt sich von 70° südlicher Breite (in Palmerland auf der antarktischen Halbinsel) bis etwa 45° (auf den Crozetinseln im Indischen Ozean). Aufgrund der wenigen Landgebiete in der Süd-Hemisphäre macht die dortige Tundra nur einen winzigen Bruchteil der gesamten Flächen aus. Die Tundren gehen polwärts in die Zone der Eis- und Kältewüsten und Richtung Äquator in die Waldtundren über.

    Die nicht zonalen Bergtundren, Matten und Heiden kommen weltweit in nahezu allen Hochgebirgen oberhalb der Waldgrenze vor.

    Die größten unzerstörten Tundren der Erde liegen im Nunavut-Territorium in Kanada. Doch auch im hohen Norden Eurasiens finden sich noch sehr bedeutende Flächen.

    Ohne den Einfluss des Menschen wären heute ca. 5 – 7 % der irdischen Landoberfläche Tundren.[3] Tatsächlich sind Anfang des 3. Jahrtausends über 60 % davon in einem weitgehend unbeeinflussten, natürlichen Zustand. Diese Gebiete sind nahezu unbesiedelt. Rund 20 % sind noch naturnah und relativ gering beeinflusst. Diese Flächen sind allerdings zumeist stark fragmentiert und befinden sich durchweg im Wandel (entweder durch eine stetige Überführung in Nutzflächen oder durch Raubbau). Bei unter 20 % wurde die ursprüngliche Vegetationsdecke intensiv verändert und durch anthropogene Landschaften überprägt. In diesen Gebieten sind naturnahe Tundra-Landschaften höchstens noch in kleinen Relikten anzutreffen.[4][Anmerkung 3]

    Charakteristik

    Die Tundra ist das Ergebnis eines hohen Selektionsdrucks durch lebensfeindliche Umweltbedingungen: Das Pflanzenwachstum wird vor allem durch die extremen klimatischen Bedingungen sowie durch den Permafrostboden beeinflusst. Im Sommer kommt es durch die Staunässe über gefrorenem Untergrund zu sehr großen temporären Feuchtgebieten. Dieses Wechselspiel aus Frost und Nässe ist zudem die Ursache für die verschiedenartigen Moore und Bodenstrukturen in den Tundralandschaften. Die Gewächse der Tundra zeichnen sich durch niedrige Wuchsformen und große Frostunempfindlichkeit aus. Bestandsbildende Pflanzen sind Moose und Flechten, Gräser, alpine Kräuter und sommergrüne Zwergsträucher. Die Zweige dieser Sträucher bleiben vielfach dicht am Boden (Spalierwuchs), je rauher das Mikroklima an ihrem Standort ist.

    Klimatische Voraussetzungen

    Die Tundren der Erde liegen in der subpolaren Klimazone und sind damit durch sehr kalte Klimata mit langen, kalten Wintern und kurzen, kühlen Sommern gekennzeichnet. Im kältesten Monat sinken die Durchschnittstemperaturen grundsätzlich unter -8°C; wobei das Minimum durchweg unter -40°C fällt. Acht bis 11 Monate liegt Schnee. Der wärmste Monat liegt im Mittel nicht über 6 – 10°C. Dennoch sind auch in diesen hohen Breiten Maximaltemperaturen von +25°C möglich. Das langjährige Temperaturmittel liegt im Schnitt bei -6°C und bleibt grundsätzlich unter 0°C.[Anmerkung 4] Für die polaren Tundren kommt zudem eine für das Pflanzenwachstum erschwerende sehr geringe Sonneneinstrahlung hinzu, die allerdings im Hochsommer durch die Mitternachtssonne z. T. kompensiert wird.

    Mit Durchschnittswerten unter 200 bis 300 mm sind die Jahressummen der Niederschläge niedrig. Da sie vorwiegend als Schnee fallen, wird das Klima auch als nival bezeichnet. Die lange Frostperiode und die niedrigen Temperaturen führen zu einer geringen Verdunstungsrate, so dass der klimatische Wasserhaushalt am Erdboden trotz der geringen Niederschlagsmengen vollhumid (sehr feucht) ist.[5]

    Die Vegetationsperiode ist mit 30 – 90 Tagen kurz bis sehr kurz. Dies führt allerdings dazu, dass die Blütezeit vieler Pflanzen, die anderswo zu unterschiedlichen Zeiten stattfindet, im Tundrenklima gleichzeitig eintrifft.

    Nach der effektiven Klimaklassifikation von Köppen / Geiger spricht man bei den vorgenannten Bedingungen vom sogenannten Tundrenklima (Kürzel: ET).

    Weitere Kennzeichen

    In den Tundren entstehen auf Fels und Sand zumeist sehr saure Gelic-Regosole oder auf den sommernassen Standorten Gelic-Gleysole (Die Vorsilbe „Gelic“ weist auf den dauergefrorenen Untergrund hin). Es fällt nur sehr wenig Bodenstreu an und die Zersetzung verläuft sehr langsam.[5] Dies ist die Ursache für eine enorme Anhäufung (Akkumulation) von Rohhumus in den ebenen Tundren und für sehr große, recht einheitliche Ökosysteme. Auf flachgründigen Hängen kommt es zudem häufig zum Fließen des Bodens (Solifluktion).

    Ausgesprochen typisch für die hochpolaren Tundralandschaften ist das unruhige Bodenrelief, dass häufig durch Kuppen und Mulden oder netz- bzw. ringartig angeordnete Wälle gekennzeichnet ist. Es handelt sich dabei entweder um polare Moortypen (Aapamoore, Polygonmoore), um Palsas oder Pingos oder in trockeneren Bereichen um sogenannte Frostmusterböden. Im Wesentlichen führt das Auf- und Abtauen des Bodens über dem Permafrost zu diesen ungewöhnlichen Strukturen.

    Durch die vorgenannten abiotischen Faktoren ist die vorhandene Menge an Biomasse sehr niedrig (25 – 30 t/ha Trockenmasse). Pro Jahr entstehen 5 – 6 t.[6]

    Flora

    Nordhalbkugel

    Nur 0,4 % aller Gefäßpflanzen der Erde leben in der Arktis. In den meisten Gebieten wird die gesamte Vegetation (teilweise bis über 90 %) von weniger als 10 Arten gestellt. Zudem ist die Verbreitung fast aller dort lebender Arten nicht auf die Tundra beschränkt! Die Pflanzendichte und -vielfalt nimmt polwärts ab. Folgende Gewächse sind typisch für die Tundra:

    Moose, Flechten; großflächig Sauergräser, deutlich weniger Süßgräser; Bärlappgewächse, Zwerg-Birke, Bleiwurzgewächse, Farne, Germergewächse, Glockenblumengewächse, Hahnenfußgewächse, Heidekrautgewächse, Knöterichgewächse, Korbblütler, Kreuzblütengewächse, Mohngewächse, Nachtkerzengewächse, Nelkengewächse, Raublattgewächse, Rosengewächse, Schachtelhalme, Schmetterlingsblütler, Sommerwurzgewächse, Steinbrechgewächse, Wasserschlauchgewächse, Wegerichgewächse, strauchförmige und zwergwüchsige Weidengewächse.

    Südhalbkugel

    Bevor der Mensch eine Handvoll Neophyten einschleppte, wuchsen in der gesamten Antarktis nur zwei Blütenpflanzen: die Antarktische Schmiele (Deschampsia antarctica) und das Nelkengewächs Antarktische Perlwurz (Colobanthus quitensis). Der weitaus größte Teil der antarktischen Tundra wird von Moosen und Flechten gebildet. Auch die anderen Gebiete der sub-antarktischen Tundra (vor allem Feuerland, Falklandinseln, Südgeorgien, Kerguelen, Crozetinseln) weisen wesentlich weniger Zwergsträucher und insgesamt eine viel geringere Artenvielfalt als die sub-arktische Tundra auf.

    Fauna

    Eine kleine Auswahl von Landsäugetieren und Vögeln der Tundra:

    Nordhalbkugel

    Eisbär, Lemming, Moschusochse, Polarfuchs, Polarhase, Schneehase, Polarwolf, Rentier und nordamerikanisches Karibu, Vielfraß, Ziesel (Erdhörnchen), Enten, Falken, Gänse, Gänsesäger, Regenpfeifer, Kolkrabe, Kraniche, Küstenseeschwalbe, Möwen und Raubmöwen, Raufußbussard, Schneeammer, Schnee-Eule, Schneehuhn, Spornammer, Steinadler, Steinwälzer, Strandläufer, Taucherarten, verschiedene Vogelfamilien: Lappentaucher (Podicipedidae), Seetaucher (Gaviidae), Tundraschwan

    Südhalbkugel

    Die Tierwelt der subantarktischen Tundren ist ebenfalls deutlich artenärmer als die der Arktis. Alle größeren landlebenden Tiere der Antarktis sind Vögel: Vor allem Pinguine, Sturmvögel und Scheidenschnäbel. Nur in der sog. Magellan-Tundra Feuerlands kommen einige wenige Säugetiere wie Guanako-Arten oder Kammratten vor. Auf den Falklandinseln lebte ein einziges heimisches Land-Säugetier, der Falklandfuchs, der im 19. Jahrhundert ausgerottet wurde. Auf vielen subantarktischen Inseln wurden u. a. Kaninchen, Ratten, Hunde und Katzen eingeführt, die z. T. der einheimischen Tierwelt großen Schaden zufügen. Bewusst angesiedelt wurde das Rentier in Südgeorgien, auf den Kerguelen und auf Feuerland. Die rund 3.000 Tiere zählende Population in Südgeorgien wird von 2011 bis 2015 wieder komplett ausgerottet, um weitere Schäden an der empfindlichen Tundravegetation zu verhindern.[7]

    Indigene Bewohner

    Nenzen in der Tundra bei Dudinka am Jenissej in Sibirien
    Der Inuit-Tradition folgendes „Leben auf dem Land“ (Camp Najutaqtujuq, Nordbaffin)
    Siedlung der Samen in der schwedischen Bergtundra

    Die polare und subpolaren Gebiete zählen zu den am dünnsten besiedelten Landschaften der Erde, obgleich der Mensch bereits während der letzten Eiszeit in die Arktis vordrang. In den naturnah verbliebenen Tundren leben auch heute noch indigene Völker, deren ursprüngliche Lebensweise sich jedoch in den meisten Fällen bereits stark verändert hat.

    Die Urbevölkerung der eurasischen Tundren sind (von West nach Ost) die Sámi der fennoskandischen Fjäll-Gebiete, die Nenzen, Ewenken, Jukagiren, Tschuktschen und Korjaken. Allesamt waren früher zum größten Teil Rentier-Nomaden. Auch heute spielt die Rentierhaltung bei den meisten der genannten Völker eine mehr oder weniger große Rolle. Die Ureinwohner der großen Tundren Nordamerikas und Grönlands sind die Inuit-Völker, die zum Teil heute noch von der Jagd – vor allem auf Meeressäuger – leben. In den Bergtundren Alaskas und Kanadas jagen zudem einige athabaskische Indianerstämme, allen voran die Kutchin, die vom Karibu leben. Die Wohngebiete dieser Indianer liegen jedoch in der Waldtundra.

    Die ersten gesicherten längerfristigen Besiedler der isländischen Tundra waren norwegische Wikinger.

    Nutzung, Entwicklung, Gefährdung und Naturschutz

    Karibus vor den Ölfeldern von Prudhoe Bay, Alaska
    Rentierscheidung im Fjäll von Nikkaluokta

    Landwirtschaftlicher Anbau ist in der Tundra aufgrund des Klimas nicht möglich. Seit jeher ist die großflächige Nutzung daher auf die Rentier-Weidewirtschaft beschränkt: Früher ausschließlich nomadisch, heute z. T. halbnomadisch und unter Einsatz moderner Methoden.[5]

    Unter den Tundraböden liegen reichhaltige Bodenschätze, deren Förderung abgesehen von Erdöl und Erdgas angesichts der enormen Größe der Gebiete als „punktuell“ bezeichnet werden kann. Die Gas- und Erdölförderung[8] – z. B. an der Küste Nordalaskas (Prudhoe-Bay-Ölfeld) oder in Nordsibirien (Gasfeld Urengoi) – ist hingegen mit großflächigen Störungen und weitreichenden Risiken für die empfindlichen Ökosysteme verbunden. Böden und Vegetation sind so empfindlich, dass sich bereits scheinbar geringfügige Verwundungen durch die klimatischen Bedingungen im Laufe der Zeit immer stärker ausprägen (sog. Thermokarst).

    In der gesamten Antarktis darf vorläufig bis 2048 im Rahmen des „Weltparks Antarktis“ keine Rohstoffförderung stattfinden.

    Die globale Luftverschmutzung hat in einigen Tundragebieten zur Versauerung von Gewässern und zur Schädigung der empfindlichen Flechten geführt, die eine wesentliche Nahrungsquelle für viele Tiere sind. Die vom Menschen verursachte Ausdünnung der Ozonschicht führt zu einer verstärkten Ultraviolettstrahlung, die wiederum zu einer direkten Schädigung von Pflanzen und Tieren führen kann.

    Die größte Gefahr für die Tundra resultiert aus der globalen Erwärmung, die in den hohen Breiten des Nordens deutlich über dem Durchschnitt liegt. Die Tundra wird verbuschen und schließlich zu Wald werden, so dass dieser Vegetationstyp mitsamt seinen typischen Bewohnern eines Tages nahezu komplett verschwinden wird

    (siehe auch → animierte Karte „Verschiebung der Klimazonen“.

    Schon heute führt das Auftauen der Permafrostböden zu erheblichen Schäden an der Natur, aber auch an Straßen und Gebäuden. Möglicherweise werden dabei im Laufe der Zeit große Mengen Methan freigesetzt, die die Erwärmung nochmals drastisch beschleunigen könnten. Immer häufiger kann man beobachten, dass die Rentierherden an den Folgen der Erwärmung leiden. Warme Wetterphasen im Sommer, die zu einer geschwächten Immunabwehr führen, sind dabei noch das geringere Problem. Tauwetter im Winter führt dazu, dass sich anschließend eine Eisschicht auf der Vegetation bildet, die den Tieren den Zugang zu ihrer Nahrung erheblich erschwert.[9]

    Die Artenvielfalt (und die darüber hinausgehende Biodiversität) der Tundra ist niedrig (600 – 1000 Arten pro ha).[5]

    Nach Angaben der IUCN standen 2003 ca. 15 % der Gesamtfläche unter Schutz. Davon wiederum entfallen rund 74 % auf Nordamerika.[10]

    Untergliederung

    Der globale Vegetationstyp Tundra muss als Oberbegriff für eine Vielzahl kleinerer Pflanzenformationen, Biome und Ökoregionen gesehen werden, die bis auf die Ebene der Biotope in einer unterschiedlichen Anzahl von Stufen weiter untergliedert werden können:

    Weitere Einteilung nach Pflanzenformationen

    Nach ähnlichen Erscheinungsbildern – und demnach im Wesentlichen ohne Betrachtung des konkreten Arteninventares –, lassen sich die Tundren wie folgt weiter untergliedern: (Diese Gliederung basiert auf den Bezeichnungen von Josef Schmithüsen)[11]

    • Hochpolare Flechten- u. Moostundra – 10 bis 80 % Pflanzenbedeckung
      • Flechtentundra – besetzt vorwiegend sandige Böden und liebt trockene Standorte
      • Moostundra – kommt auf feuchten Böden vor
    • Niederpolare Zwergstrauch- u. Wiesentundra – über 80 % Pflanzenbedeckung
      • (Arktische) Zwergstrauchtundra
      • Subantarktische Zwergstrauchheide
      • Tundramoor – aus Moosen, Wollgras und Seggen bestehend
      • Wiesentundra – mit Schmielen, Schwingel und Reitgräsern; an manchen Stellen mischen sich Krähenbeere sowie Bärentraube und auch Zwergbirken unter die Gräser; Wiesen- oder Rasentundra wächst vorwiegend auf lehmigen Böden in der ozeanischen Variante des subpolaren Klimas
      • Subantarktische Hartpolsterformationen
    • Bergtundra / azonale alpine Matten u. Heiden
      • Bergtundra – schwedisch Fjäll, norwegisch Fjell, isländisch Fjall, finnisch Tunturi wird die Bergtundra in Nordeuropa genannt
      • Alpine Matten – die Wiesentundren oberhalb der Baumgrenze in den Gebirgen
      • Gebirgsvegetation über der Baumgrenze – vorwiegend Zwergsträucher
      • Hart- und Dornpolster-Gebirgsformationen

    Einteilung nach Biomen / Ökoregionen

    Bei der weiteren Untergliederung gelangt man von der globalen Betrachtung auf die Maßstabsebene der Regionen. Auf dieser Ebene werden vorrangig gesamte Ökosysteme betrachtet und nicht nur die Vegetation. Man spricht dabei von den Biomen und / oder Ökoregionen.

    WWF Ökoregionen

    Die Umweltstiftung WWF USA hat eine beispielhafte weltweite Klassifizierung nach Ökoregionen vorgenommen. Die Abgrenzungen dieser Regionen beruhen auf einer Kombination verschiedener biogeographischer Konzepte. Sie sind für die Zwecke und Ziele des Naturschutzes besonders gut geeignet.[Anmerkung 5]

    Der Begriff Tundra wird nach den WWF-Kategorien für eines von 14 Haupt-Biomen („Major habitat types“) verwendet, dem in etwa das Polare Zonobiom entspricht. Im Sinne dieser Haupt-Biome wird die Kältewüste zur Tundra gerechnet, die azonalen Bergtundren jedoch nicht. 37 Ökoregionen („Ecoregions“) untergliedern dieses Haupt-Biom.

    siehe → WWF-Ökoregionen im Haupt-Biom Tundra

    Galerie

    (Hinweis: Sämtliche Bilder dieser Seite können auf Wikimedia Commons als Diaschau betrachtet werden.)

    Literatur

    • Georg Grabherr: „Farbatlas Ökosysteme der Erde“, Ulmer, Stuttgart - 1997, ISBN 3-8001-3489-6
    • Richard Pott: Allgemeine Geobotanik. Berlin / Heidelberg 2005, ISBN 3-540-23058-0, S. 353–398

    Anmerkungen

    1. Die Farbwahl wurde aus Gründen der besseren Erkennbarkeit gegenüber der Originalkarte „Vegetationszonen“ verändert.
    2. Die einzelnen Vegetationstypen, Biome und Ökoregionen, wie auch ihre zonalen Entsprechungen Vegetationszonen, Zonobiome und Ökozonen, sind nicht deckungsgleich! Verschiedene Autoren, unterschiedliche Parameter und fließende Grenzen sind die Ursache. Weitergehende Informationen bietet der Artikel Zonale Modelle der Biogeographie. Eine animierte Kartendarstellung verdeutlicht die Problematik im Artikel Geozone.
    3. Die genannten Prozentwerte sind (z. T.) gemittelte Werte aus verschiedenen Veröffentlichungen. Die Abweichungen sind unvermeidbar, da es in der Realität keine eindeutigen Grenzen zwischen benachbarten Landschaftstypen gibt, sondern nur mehr oder weniger breite Übergangsräume.
    4. Abgleich der Werte von C. Troll & KH. Paffen, K. Müller-Hohenstein, W. Walter & S.-W. Breckle sowie J. Schultz
    5. Die WWF-Ökoregionen können sich aufgrund der Betrachtungsweise – unter Einbeziehung der potenziell vorkommenden Pflanzen- und Tierarten – durchaus bis in benachbarte Vegetationszonen hinein erstrecken. Die reine Betrachtung der Pflanzenformationen wird hier demnach nicht angewendet!

    Einzelnachweise

    1. Deutscher Wetterdienst Hamburg: „Globalstrahlung Welt 1981 - 1990“
    2. Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch, Seite 1475, Eintrag „Tundra“.
    3. gemittelter Wert aus umfangreichen Recherchen und Vergleichen in einschlägiger Fachliteratur → siehe jeweilige Beschreibung / Quellen der im folgenden genannten Dateien: Vegetationszonen.png, FAO-Ecozones.png, Zonobiome.png und Oekozonen.png. Zusammengetragen und ermittelt im Zuge der Erstellung der vorgenannten Landkarten für Wikipedia → siehe auch: Tabellarische Übersicht verschiedener Landschaftszonenmodelle und ihrer Anteile (PDF; 114 kB)
    4. gemittelter Wert aus umfangreichen Recherchen und Vergleichen in einschlägiger Fachliteratur → siehe Beschreibung der Datei: Wildnisweltkarte.png. Zusammengetragen und ermittelt im Zuge der Erstellung der vorgenannten Landkarte für Wikipedia → siehe auch: Tabellarische Übersicht verschiedener Zahlen zum Wildnisprojekt
    5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Klaus Müller-Hohenstein: Die geoökologischen Zonen der Erde. in Geographie und Schule, Heft 59, Bayreuth 1989
    6. Tabelle: “Die subglobalen Biome (nach Isakov Yu. A./ Panilov D.V. 1997) in der Leseprobe zum Kommentarband "Vegetationsgeographie" (PDF; 451 kB). Website „Schweizer Weltatlas“. Abgerufen am 24. Februar 2013.
    7. Artikel vom 10. Januar 2013: 3000 Rentiere müssen sterben. Website „20 Minuten online“. Abgerufen am 24. Februar 2013.
    8. USGS World Energy Assessment Team. Website des U.S. Geological Survey. Abgerufen am 28. Februar 2013.
    9. Milder Winter lässt Rentiere hungern. Artikel in der netzzeitung.de vom 19.12.2002
    10. Chape, S. (Hg.), Spalding, M. (Hg.), Jenkins, M.D. (Hg.): The World's Protected Areas: Status, Values and Prospects in the 21st Century. University of California Press, 1. Auflage, Berkeley 2008, ISBN 0-520-24660-8.
    11. J. Schmithüsen (Hrsg.) Atlas zur Biogeographie. Meyers großer physischer Weltatlas, Bd. 3. Bibliographisches Institut, Mannheim / Wien / Zürich 1976, ISBN 3-411-00303-0


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