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Stacheldraht

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Dieser Artikel erläutert den Draht. Für die Zeitschrift "Stacheldraht" siehe Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft.
Stacheldraht
Verrosteter Stacheldraht

Stacheldraht sind meist miteinander verflochtene Drähte, die in regelmäßigen Abständen mit Drahtspitzen oder Metallhaken besetzt sind. Stacheldraht wird gespannt oder in Rollen ausgelegt als Hindernis verwendet, um Tiere oder Menschen am Betreten oder Verlassen bestimmter Bereiche zu hindern.

Ursprung

Das erste Patent für einen Stacheldraht erhielt 1867 der US-Amerikaner Lucien B. Smith. Seine Erfindung war allerdings noch eine Kombination aus Draht mit kleinen Holzteilen, an denen Stacheln befestigt waren. Stacheldraht nur aus Metall in der allgemein bekannten Art ist eine Erfindung der Unternehmer Joseph F. Glidden, Jacob Haish und Isaac Ellwood aus dem Jahre 1873 zum Zwecke der Einzäunung von Rinderweiden.

Erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde der Stacheldraht auf einer Messe in DeKalb im US-Bundesstaat Illinois.

Glidden meldete am 27. Oktober 1873 sein Patent an.[1] Bis zur Erfindung des Stacheldrahtes war der Westen der USA offenes Weideland gewesen, durch das die Cowboys ungehindert ihre Viehherden treiben konnten. Dies war nach der Einzäunung der Weiden nicht mehr möglich. Auch die Indianer wurden mit Hilfe des Stacheldrahtes von ihren Gebieten vertrieben. Daher gaben sie dem Stacheldraht auch einen eigenen Namen. Sie nannten ihn sinngemäß devil’s rope (‚Teufelsschnur‘).

Den ersten militärischen Einsatz erlebte der Stacheldraht 1899 im Burenkrieg.[2]

Soziale Auswirkungen

Eine Folge der Verbreitung des Stacheldrahtes in den 1890er Jahren war die zunehmende Arbeitslosigkeit von Cowboys, was sich steigernd auf die Kriminalitätsrate auswirkte und den zweifelhaften Ruf des „Wilden Westens“ bestärkte. Revolverhelden wurden auch von manchen Ranchbesitzern dazu eingesetzt, Zäune zu zerstören und Farmer zu vertreiben.

Stacheldraht im Ersten Weltkrieg

Stacheldrahtverhau an der Somme im Ersten Weltkrieg

In den Grabenkämpfen des Ersten Weltkrieges – sowie zuvor im Russisch-Japanischen Krieg – erwies sich die Kombination von mehrere Meter tiefen Stacheldraht-Verhauen und Maschinengewehren als tödlich. Eine Vielzahl der Opfer dieses Krieges starb durch Maschinengewehrfeuer in den Stacheldrahtvorfeldern. Erst die Ankunft von Panzern gegen Ende dieses Krieges nahm dem Stacheldraht bedingt seine Wirksamkeit als Verteidigungswaffe. Aber auch Panzerfahrzeuge konnten sich in mehrfachen Stacheldrahthindernissen festfahren, wenn sich der Draht in die Laufrollen wickelte.

Typen von Stacheldraht

Unterschiedlicher Stacheldraht

Nach der Anzahl der Spitzen (Stacheln) unterscheidet man zweispitzigen und vierspitzigen Stacheldraht. Bei zweispitzigem Stacheldraht werden die Spitzen durch die Enden eines Spitzendrahtes dargestellt. Vier Spitzen werden von zwei Spitzendrähten gebildet. Die Spitzendrähte werden um einen oder zwei Spanndrähte derart gewickelt, dass Ihre Enden, welche diagonal abgeschert die Spitzen (Stacheln) bilden, vom Spanndraht abstehen. Die Spanndrähte besitzen meist runden Querschnitt, während die Spitzendrähte meist ovalen Querschnitt besitzen.

Nach der Anzahl der Spanndrähte unterscheidet man einseiligen und zweiseiligen Stacheldraht. Bei zweiseiligem Stacheldraht werden zwei Spanndrähte miteinander verdrillt (verseilt). Sie besitzen auch bei geringer Werkstoffgüte eine hohe Zugfestigkeit und geringe Temperaturempfindlichkeit und Durchhangneigung. Zweiseiliger Stacheldraht wird meist aus unlegierten und legierten Stählen geringer Festigkeit hergestellt. In neuerer Zeit kommen auch Aluminiumlegierungen zur Anwendung. Die runden oder ovalen Spanndrähte einseiligen Stacheldrahts werden in der Regel aus hochfestem Vergütungsstahl hergestellt. Durch eingepresste Erhöhungen (sog. Schultern) im einseiligen Spanndraht werden die Spitzendrähte in ihrer Lage gesichert. Auch das Anschweißen von Spitzen ist möglich.

Sowohl Spanndrähte als auch Spitzendrähte aus Stahl sind zum Schutz vor Korrosion meist verzinkt.

Eine weitere Form ist der Bandstacheldraht (umgangssprachlich als NATO-Draht bzw. S- oder Z-Draht bezeichnet). Statt der eingewickelten Drähte mit scharfkantigen Spitzen besteht er aus einem dünnen Blechband, in das scharfe Klingen eingestanzt sind. Diese Bandrollen werden in die Verlegevorrichtung eingelegt und beim Abrollen um die Längsachse verdrillt.

Der NATO-Draht wird seit den 1960er Jahren eingesetzt und hat mittlerweile in einigen Bereichen den normalen Stacheldraht abgelöst. Er wird in der Regel allerdings nur für militärische oder hoheitliche Zwecke als Umzäunung und Grenzsicherung eingesetzt.

Herstellung

Stacheldraht wird auf speziellen Maschinen hergestellt. Die in die Maschine gezogenen Spanndrähte werden von Drahtrollen abgespult und bei zweiseiligen Verfahren verseilt. In regelmäßigen Zeitabständen, entsprechend den Spitzenabständen, wird der Vorschub der Spanndrähte gestoppt, und mit Hilfe von seitlich positionierten Wickelköpfen der Spitzendraht zugeführt, gewickelt und anschließend schräg abgeschert.

Bei der Herstellung von vierspitzigem Stacheldraht wird der Spitzendraht von zwei Seiten zugeführt.

Durch Widerstandspressschweißen (Punktschweißen) können einseilige Spanndrähte mit Spitzen versehen werden.

Der fertige Stacheldraht wird auf Rollen aus Profildraht gewickelt und bei einer bestimmten Länge (z. B. 400 Meter) abgeschnitten.

Die Spitzen des NATO-Drahts werden mittels spezieller Stanzmaschinen als Band gefertigt.

Allgemeine Anwendung

Stacheldraht wird im Regelfall über normalen Zäunen in ein oder mehreren Reihen angebracht, um ein Übersteigen des Zaunes zu erschweren. Hierbei können mehrere Reihen Stacheldraht über- oder auch nebeneinander angeordnet werden. Durch die Installation oberhalb des eigentlichen Zaunes wird eine Verletzungsgefahr für vorbeilaufende Menschen und Tiere verhindert.

Eine weitere Form des Stacheldrahtes ist die Ausführung in Rollen oder Schleifen, welche am oberen Ende von Zäunen und Mauern befestigt wird. Besonders oft zu sehen ist diese Ausführung beim Militär und bei Strafanstalten.

Eine zivile und ungefährliche Anwendung erfolgt beim "earthbag building" - hier verhindern in der Regel zwei parallele Stränge vierspitzigen Stacheldrahts zwischen je zwei Schichten das Verrutschen der Sandsäcke.

Tierschutzproblem mit Stacheldraht

Im Stacheldraht umgekommener Uhu

Für die Tierhaltung hat er sich durch viele schwere Verletzungen bis hin zum tödlichen Ausgang für die Umzäunung als tierschädlich erwiesen und durch Perforation der Haut von Weidetieren die Qualität des Leders gemindert. Aus Tier- und Unfallschutzgründen an öffentlichen Wegen werden in der Landwirtschaft immer mehr elektrische Weidezäune benutzt. Die Verwendung von Stacheldraht als Umzäunung von Pferdekoppeln und bei Pferdeausläufen ist im österreichischen Tierschutzgesetz, bzw. der dazugehörenden 1. Tierhaltungsverordnung, dezidiert verboten und in Deutschland umstritten. Beispielsweise ist in Deutschland Pensionspferdebetrieben eine Verletzung der Aufsichtspflicht vorgeworfen worden, weil sich Pferde an Stacheldraht verletzten.[3]

In Stacheldrahtzäunen bleiben immer wieder Wildtiere hängen und verenden. Besonders betroffen sind Vögel, insbesondere die nachts jagenden Eulen.[4] Beim Uhu kommen nach verschiedenen Untersuchungen in Deutschland 10 bis 16 % durch Stacheldraht-Anflüge um. Auch bei Wasservögeln, insbesondere bei Gänsen, kommt es immer wieder zu Todesfällen. An der Nordsee blieben bis zu 25 Gänse auf einmal in Stacheldrahtzäunen hängen. Diese Probleme wurden weltweit festgestellt.

Rechtliches

In der Schweiz ist gemäss der Tierschutzverordnung ab dem 1.1.2014 die Verwendung von Stacheldraht für Zäune von Gehegen verboten, wobei die Kantone befristete Ausnahmen für weitläufige Weiden erteilen können.[5]

Devil’s Rope Museum

In McLean (Texas) befindet sich das Devil’s Rope Museum, ein Museum, das sich ausschließlich dem Thema Stacheldraht widmet.

Symbolik

Stacheldraht auf einer westdeutschen Briefmarke von 1953 zum Gedenken an deutsche Kriegsgefangene

Stacheldraht als Sperre gegen Personen wird und wurde unter anderem eingesetzt in Gefängnissen, Konzentrationslagern, an der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze. Der Stacheldraht steht daher häufig als Symbol für Unterdrückung und Unfreiheit, beispielsweise im Logo von Amnesty International oder Open Doors. Der Künstler Roland Moed verwendet den Stacheldraht als symbolische Überwindung der Unfreiheit in seinen Werken.

Literatur

  • Olivier Razac: Politische Geschichte des Stacheldrahts – Prärie Schützengraben Lager. Diaphanes, Zürich 2003, ISBN 3-935300-31-X.
  • Henry De Rosset McCallum, Frances Tarlton McCallum: The Wire That Fenced The West. University of Oklahoma Press, 1965, ISBN 0-8061-1559-9.
  • Robert O Campbell, Vernon L. Allison: Barriers – An Encyclopedia of United States Barbed Wire Patents. Western Profiles Publishing Company, Denver 1986, ISBN 0-937231-00-2.
  • Harold Hagemejer: The Barbed Wire Identification Encyclopedia. Morris Publishing, Kearney 2001, ISBN 0-9659677-8-6.
  • Robert Lebegern: Mauer, Zaun und Stacheldraht. Sperranlagen an der innerdeutschen Grenze 1945 - 1990. ROLE, Weiden 2002, ISBN 3-936545-00-6.
  • Delbert Trew: Warwire. The History of Obstacle Wire Use in Warfare. Delbert Trew, Alanreed TX 2003, ISBN 0-9659677-3-5 (englisch).

Weblinks

Wiktionary: Stacheldraht – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Stacheldraht – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. Patent US157124: Improvement in wire-fences. Angemeldet am 27. Oktober 1873, veröffentlicht am 24. November 1874, Erfinder: Joseph F. Glidden.
  2. Vor 135 Jahren: Joseph Glidden erhält US-Patent für Stacheldraht. Ende der endlosen Weite. WDR 2 vom 22. November 2009.
  3. Website der Landwirtschaftskammer NRW (aufgerufen am 28. November 2010)
  4. Martin Lindner: Vogeltod im Stacheldraht. In: Irrgeister. 1-2, 2005, S. 45–47 PDF, deutsch
  5. Schweizer Tierschutzverordnung
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