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Sousse

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سوسة
Sousse
Sousse (Erde)
Sousse
Sousse
Symbole
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Basisdaten
Staat Vorlage:Infobox Ort/Wartung/Staat
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Einwohner 173.047 (2004)
Metropolregion 432.171 (2004)
Gründung 899 v. Chr.
ISO 3166-2 TN-51
Kultur
Partnerstädte siehe hier

Sousse [suːs] (arabisch سوسة Sūsa) ist eine Hafenstadt am Mittelmeer und zugleich die drittgrößte Stadt in Tunesien. Der Name ist berberischen Ursprungs; entsprechende Parallelen finden sich in Libyen. Im Süden Marokkos wird eine ganze Region als bilād al-sūs bezeichnet.[1]

Die Stadt Sousse liegt rund 130 Kilometer südlich der tunesischen Hauptstadt Tunis im Süden des Golf von Hammamet am Mittelmeer. Die Stadt hat 173.047 Einwohner, mit ihrem weiteren Umland 432.171 (Zensus 2004). Sie ist Hauptstadt des Gouvernorats Sousse wilāyat Sousse / ولاية سوسة / wilāyat sūsa (Zensus 2004: 544.413 Einwohner) und Metropole des tunesischen Sahel.

Geschichte

Eckturm der Großen Moschee in der Medina von Sousse

Sousse wurde im 9. Jahrhundert v. Chr. von den Phöniziern als Handelsstützpunkt mit dem Namen „Hadrumetum“ gegründet und ist seitdem besiedelt. Im 3. Punischen Krieg entging Hadrumetum der Zerstörung durch die Römer, weil es sich rechtzeitig von Karthago losgesagt hatte. Unter der römischen Herrschaft erlebte die Stadt bis ins 3. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blütezeit. Repressionen wegen der Teilnahme am Gordianus-Aufstand von 238 führten zum allmählichen Niedergang. Im 5. Jahrhundert folgte die Herrschaft der Vandalen und die Umbenennung in „Hunerikopolis“ (nach König Hunerich). Nach der byzantinischen Rückeroberung durch Belisar im 6. Jahrhundert wurde die Stadt in „Justinianopolis“ (nach Kaiser Justinian I.) umbenannt.

Im 7. Jahrhundert erfolgte die arabische Eroberung der Stadt durch ʿUqba ibn Nāfiʿ. Erst um 800 wurde sie von den Aghlabiden unter dem eingangs genannten Namen Sūsa neu gegründet und erlebte einen raschen Aufstieg als Hafen von Kairouan und Ausgangsbasis für die arabische Eroberung Siziliens. Während der Zeit der Aghlabiden entstanden der Ribat im Jahr 821, die Festung (Kasbah) 844 und die Hauptmoschee 851.

Im 12. Jahrhundert wurde Sousse von den Normannen besetzt. Während der türkischen Herrschaft war es wie andere Hafenstädte ein Stützpunkt der Korsaren, die von den maghrebinischen Barbareskenstaaten aus operierten. Dies hatte Angriffe der Spanier, Franzosen und Venezianer zur Folge, die zum allmählichen Niedergang der Stadt führten. Der Wiederaufstieg erfolgte erst in der französischen Kolonialzeit ab 1881 mit dem Bau der Neustadt und des Hafens, der vor allem der Ausfuhr von Phosphat diente. Sousses stetiger Aufstieg wurde nur vom Zweiten Weltkrieg vorübergehend unterbrochen.

Stadtbild

Blick von Turm des Ribat auf die Stadtmauer der Medina und die Neustadt

Die Medina (Altstadt) von Sousse geht auf das 9. Jahrhundert zurück und wird von einer 2,25 Kilometer langen Stadtmauer umgeben. Sie gehört seit 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Am Ostrand der Medina erstreckt sich der ab 1899 angelegte Hafen. Nördlich davon liegt die von den Franzosen angelegte Neustadt. Entlang einer Uferpromenade sind in nördlicher Richtung Touristenhotels am Strand aneinandergereiht. Diesen Stadtteil entlang der Küste nennt man - im tunesischen Dialekt - Bou Dschaʿfar. Der Name geht auf einen nur wenig bekannten Gelehrten der Stadt Abū Dschaʿfar Aḥmad ibn Saʿdūn al-Urbusī zurück, der im Jahre 935 in Sousse starb und auf dem Friedhof Qubbat ar-Raml (Kuppel am Sand) an der Küste beigesetzt wurde.[2]

Bauwerke

Der Ribat von Sousse

Ribat

Unter den Aghlabiden entstand der Ribat (821), ursprünglicher Name: Ḥiṣn Sūsa (Die Festung von Sousse), der nach der Errichtung der Stadtmauer im Jahre 859 seine militärische Funktion allmählich verloren hat. Die Anlage diente als Speicher des benachbarten Arsenals.[3]Die Gründungsinschrift auf einer Marmortafel ist über dem Tor zum Wachturmaufgang – höchstwahrscheinlich nicht in situ – eingesetzt.[4]

Die Gründungsinschrift des Ribats
Betsaal im Obergeschoss

„Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. (Der) Segen kommt von Gott (allein). Das ist es, (dessen Bau) der Emir Ziyādat Allāh ibn Ibrāhīm, Gott möge ihm langes Leben schenken, durch seinen Diener und Freigelassenen Masrūr im Jahre 206 angeordnet hat. Herrgott, „gewähre mir eine gesegnete Unterkunft! Du kannst am besten für Unterkunft sorgen.““

– siehe Abbildung der Gründungsinschrift

Der letzte Satz - bis auf das erste Wort Allāhumma - entspricht Sure 23, Vers 29.

Neben einer kleinen Moschee im Obergeschoss mit einem Mihrab sind im Untergeschoss weitere Räumlichkeiten, Magazine und Reste einer Olivenpresse erkennbar. Der imposante Eingang, von zwei korinthischen Säulen flankiert, ist als Doppeltor konzipiert und konnte nach dem Eintritt sowohl von hinten als auch von vorn gesperrt und somit der weitere Zugang zur Festung verhindert werden.

Die Große Moschee vom Ribatturm gesehen

Die Hauptmoschee

Die Hauptmoschee ist nach der erhaltenen Bauinschrift, die um die Hoffassaden in kufischem Duktus herumläuft, im Jahre 236 d.H. (zwischen 850–851) vom Aghlabiden-Emir Abū ʾl-ʿAbbās Muhammad I. erbaut worden. Den Betsaal hat man zwischen 894 und 897 in Richtung Qibla-Wand um drei Schiffe erweitert. Der als Minarett dienende Kuppelpavillon auf dem nördlichen Eckturm der Moschee ist ein späterer Anbau, stammt aber - entgegen der Ansicht von Creswell - aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts.[5] Diese Kuppel findet schon in der Biographie des Richters von Sousse al-Hasan b. Nasr al-Susî, der 952 starb, wie folgt Erwähnung:

„Zur Zeit des Jahrmarktes, wenn die Kairouaner zum Ribat (nach Sousse) kamen, pflegte er (der Richter) in der Grossmoschee von Sousse unter der Kuppel (qubba) zu sitzen, von der aus zum Gebet gerufen wird und die auf die Tore zum Meer hinausgeht.Immer wenn er einen Mann kommen sah, der einen Jungen bei sich hatte, ließ er ihn kommen. Wenn der Junge mit seinem Vater oder sonst einem Verwandter war, ließ er ihn weitergehen. Wenn er (der Richter) ihn aber (der Homosexualität)verdächtigte, hinderte er ihn, über den Jungen frei zu verfügen.“[6]

Bou-Fatata-Moschee

Gründungsinschrift der Bou-Fatata-Moschee

Die Bou-Fatata-Moschee مسجد بو فتاتة / masǧid Bū Fatāta ist die älteste Moschee der Stadt. Sie liegt in der Nähe des Südtors, am Rande der Märkte und hat eine vorgelagerte Musalla. Sehenswert ist die älteste sakrale Inschrift in kufischem Duktus in Nordafrika an der Außenwand der Anlage. Der Überlieferung zufolge stammt diese kleine Moschee von nur acht Metern Seitenlänge aus der Zeit des Aghlabidenherrschers Abū ʿIqāl al-Aghlab ibn Ibrāhīm (regiert zwischen 838–841)[7] und ist nach seinem Freigelassenen Fatata benannt worden.[8] Die auffällig kleinen Ausmaße dieser Moschee, die zwanzig Jahre vor der Entstehung der Hauptmoschee errichtet wurde, sprechen für eine damals noch niedrige Bevölkerungszahl der Stadt.[9] Die Hufeisenbogenstrukturen im Innern sind mit der Betsaalaufteilung der späteren Hauptmoschee vergleichbar. [10]

Die Koranschule az-Zaqqāq

Historische Postkarte:Minarett der Madrasa az-Zaqqāq

In der Nähe der Hauptmoschee, in der Rue de la Sicile, wo die Wohnviertel der Altstadt in die Märkte übergehen, befindet sich die „Madrasa az-Zaqqāqiya“ المدرسة الزقاقية / al-madrasa az-Zaqqāqiya deren eigene Moschee von einem Minarett im türkischen Stil flankiert wird. Lokalen Überlieferungen zufolge geht der Name dieser ehemaligen Schule auf den marokkanischen Gelehrten ʿAlī ibn Qāsim az-Zaqqāq († 1506 in Fès) zurück. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass der Name mit dem wenig bekannten lokalen Gelehrten Abū Dscha'far Aḥmad az-Zaqqāq aus dem späten 9. Jahrhundert zu verbinden ist. In den kleinen Trakten der Schule waren die Schüler untergebracht, die neben dem Koran Grammatik und Rhetorik studiert haben. Ursprünglich handelte es sich wohl um ein Privathaus, das unter den Hafsiden in eine Schule umgewandelt wurde.

Wahrscheinlich geht dieser Bau ursprünglich ebenfalls auf eine aghlabidische Gründung zurück und ist dann unter den Sanhadscha, d.h. während der Ziriden-Herrschaft in Ifriqiya erweitert worden; denn in einem der Räume befindet sich ein Grab mit einer Inschrift aus dem 11. Jahrhundert.[11].

Kasbah

Blick vom Ribatturm über die Medina auf die Kasbah

Die Festung (Kasbah) stammt aus dem Jahr 844 und liegt an der höchsten Stelle der Altstadt. Ihr wurde im Jahre 853 der 30 Meter hohe Leuchtturm Khalaf al-Fatâ – benannt nach einem Eunuchen des Aghlabidenherrschers Ziyadat Allah I. – hinzugefügt. Heute ist in den Räumen der Kasbah das Archäologische Museum von Sousse untergebracht, in dem punische, römische und frühchristliche Exponate ausgestellt sind.

Teile der Kasbah bildeten die Kulisse der Stadt Jerusalem in Franco Zeffirellis Bibelverfilmung Jesus von Nazareth von 1977.

as-Sufra

Mitten in den Märkten (al-aswāq) der Altstadt steht ein kleines Gebäude mit einer imposanten Kuppel und vorgesetztem Hof, das heute unter dem Namen as-Sufra (eigentlich: „Esstisch“) bekannt ist. Ursprünglich stand hier die größte Zisterne der Stadt, deren Fundamente mit großen Gewölben in die Zeit der Römer zurückreichen. Unter den Aghlabiden diente die Anlage zunächst als Gefängnis. Gemäß den Lokalhistorikern Nordafrikas entstand die zum Teil heute noch erhaltene Zisterne unter dem Emir Abu Ishaq Ibrahim II., regiert von 875 bis 902, der die Stadt mehrfach aufsuchte, um die Bauarbeiten vor Ort zu verfolgen. Auf Wunsch eines der Gelehrten der Stadt schaffte er das Gefängnis ab, ließ die alte Gewölbenanlage renovieren und eine Zisterne für die Bevölkerung einrichten. Aus zwei Auffangbecken bei Sousse - heute al-Moureddin - ist die Zisterne mit Regenwasser gespeist worden. [12] In die gleiche Zeit fällt auch die Erweiterung der Hauptmoschee der Stadt.[13]

Heute dient die renovierte Anlage als Museum mit dem angeschlossenen Café al-Qubba („Das Café zur Kuppel“).

Wirtschaft und Tourismus

Sousse; Bou Dscha'far. Die Mittelmeerküste
Der Bahnhof von Sousse
In den Tourismus-Zentren entlang der Mittelmeerküste finden sich zahlreiche moderne Einkaufszentren.

Wie schon in der Antike und im Mittelalter gründet sich Sousses wirtschaftliche Bedeutung heute hauptsächlich auf seine Rolle als Ausfuhrhafen. Daneben haben sich in Sousse vor allem die Textilindustrie und die Nahrungsmittel verarbeitende Industrie angesiedelt. Als wichtiger Wirtschaftsfaktor hat sich der Tourismus etabliert. Im Norden von Sousse befinden sich im Strandbereich Hotels mit einer Kapazität von 40.000 Betten.

Verkehr

Der Bahnhof von Sousse liegt an der SNCFT-Hauptstrecke von Tunis nach Sfax, die auch Ligne de la Côte bezeichnet wird. Es verkehren mehrere Züge täglich bis Gabès und Tunis. Die Stadt verfügt über eine Louage-Station. Die Taxis fahren täglich nach Tunis, Monastir, Kairouan, Sfax-Gabès, Kasserine, Gafsa und in die umliegenden Siedlungen. Es gibt auch nach Tripolis, Libyen direkte Verbindungen.

Sousse kann sowohl vom zehn Kilometer entfernten Flughafen Monastir als auch vom etwa 30 Kilometer entfernten Flughafen Enfidha-Hammamet erreicht werden.

Städtepartnerschaften

Persönlichkeiten

Einzelnachweise

  1. H. H. ʿAbdalwahhāb,Waraqāt 15-16
  2. H. H. ʿAbdalwahhāb, Waraqāt, Bd. 2, S. 61-62
  3. Heinz Halm (1992), S. 142
  4. H. H. ʿAbdalwahhāb, Waraqāt, Bd. 2, S. 26; Sulaimān Muṣṭafā Zbīss: Sūsa. Ǧauharat as-sāḥil (Sousse. Der Juwel der Küstenregion). Tunis 1965. S. 21: mit einer Reproduktion der kufischen Schrift
  5. Alexandre Lézin: Sousse les monuments musulmans. Tunis (o. J.), S. 35–40
  6. Heinz Halm (1992), S. 141
  7. Encyclopaedia of Islam. New Edition. Bd.2, S. 247, Nr. 4
  8. Sulaimān Muṣṭafā Zbīss: Sūsa. S. 22. Tunis 1965
  9. H. H. ʿAbdalwahhāb, Waraqāt, Bd. 2, S. 65-66
  10. H. H. ʿAbdalwahhāb, Waraqāt, Bd. 2, S. 66; Alexandre Lézin: Sousse les monuments musulmans. Tunis (o. J.). S. 34-35
  11. Sulaimān Muṣṭafā Zbīss: Sousse. S. 28; H. H. ʿAbdalwahhāb, Waraqāt, Bd. 2, S. 76-78
  12. H. H. ʿAbdalwahhāb, Waraqāt, Bd. 2, S. 63-65;Alexandre Lézine: Sousse. Les monuments musulmans. S. 51-52
  13. Heinz Halm (1992), S. 140-141

Literatur

  • K. A. C. Creswell: Early Muslim Architecture. Oxford 1932-1940.
  • Alexandre Lézine: Sousse. Les monuments musulmans. Editions Ceres Productions. Tunis (o.J.).
  • Alexandre Lézine: Le ribat de Sousse, suivi de notes sur le ribat de Monastir. Tunis 1956.
  • Heinz Halm: Nachrichten zu Bauten der Aġlabiden und Fatimiden in Libyen und Tunesien. In: Die Welt des Orients 23, 1992, S. 129-157.
  • Ḥasan Ḥusnī ʿAbdalwahhāb: Waraqāt ʿan al-ḥaḍāra al-ʿarabiyya bi-Ifrīqiya al-tūnisiyya (حسن حسني عبد الوهاب : ورقات عن الحضارة العربية بافريقية التونسية) Bd. II. Tunis 1981.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Sousse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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