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Schloss Tarasp

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Schloss Tarasp
Schloss Tarasp von Süden

Schloss Tarasp von Süden

Alternativname(n): Chastè da Tarasp
Burgentyp: Höhenburg
Ort: Scuol
Geographische Lage 46° 46′ 44″ N, 10° 15′ 42″ O46.77888888888910.2616666666671499Koordinaten: 46° 46′ 44″ N, 10° 15′ 42″ O; CH1903: (815548 / 184736)
Höhe: 1'499 m
Schloss Tarasp (Graubünden)
Schloss Tarasp

Schloss Tarasp liegt auf einem kegelförmigen Felshügel im Südwesten der Gemeinde Scuol im schweizerischen Kanton Graubünden. Als eine der imposantesten Burgen Graubündens gilt es als Wahrzeichen des Unterengadins. Das Schloss wird von jährlich rund 15’000 Personen besichtigt.

Anlage

Der Burghügel erhebt sich über eine Terrasse auf der rechten Innseite. Zu seinen Füssen liegen die Weiler Sparsels, Fontana, Florins und Sgnè – die bis Ende 2014 die Gemeinde Tarasp bildeten – sowie der im Mittelalter angelegte Taraspersee (Lai da Tarasp).

Die das Tal dominierende Burganlage besteht aus Oberburg, Unterburg und einem befestigten Zugang. Die Oberburg besteht aus der Kernburg, einem Süd- und einem Nordtrakt, Wehrgängen und der Zisterne, die Wohnbauten gruppieren sich um einen Innenhof. Die Unterburg, die sich wie eine Terrasse nördlich der Oberburg erstreckt, besteht aus Wachthaus, Pulvertürmen, Torhaus, Kapelle und Campanile.[1]

Das Schloss umfasst rund 100 Räume. Im ehemaligen Waffensaal steht eine pneumatische Konzertorgel des Dresdner Orgelbauers Jehmlich.

Geschichte

Prähistorische Gräberfunde bei Sparsels und die sogenannten Hexensteine bei Sgnè zeigen, dass die Gegend um den Burghügel schon vor dem Bau der Burg besiedelt war. Münzfunde lassen auf einen römischen Spähturm auf dem Burghügel schliessen.

Mittelalter

Die Grundzüge des Schlosses stammen aus den Jahren um 1040, als Graf Ulrich I. auf dem 100 Meter hohen Burghügel die Burg errichten liess und die ersten Rodungen der Terrassen des rechten Innufers rund um die Festung vornahm.[2][3] „Tarasp“ kommt vielleicht von lateinisch terra aspera „Ödland“ – ein Hinweis auf die Neugründung mitten im Rodungsgebiet.[4] Die Familie der Tarasper stammt Überlieferungen zufolge angeblich aus Rom und Mailand, Besitzungen deuten auf eine Herkunft aus dem Raum Como hin.[5]

Die Herrschaft der edelfreien Herren von Tarasp dehnte sich auch auf Güter und Rechte in Ftan, Scuol, Ardez, Zernez, Sent, Ramosch, Nauders, das Paznaun, Oberengadin, Vinschgau, Veltlin, Oberhalbstein und Bayern aus.[1] So sind beispielsweise die Herren von Ramosch als Dienstherren der Tarasper bezeugt.

In der Zeit zwischen 1087 und 1095 stifteten Ulrich II., von 1089 bis 1096 Bischof von Chur, und dessen Geschwister Eberhard, Gebhard und Egino von Tarasp im benachbarten Scuol zum Fusse der Burg ein „Hauskloster“.[6] 1146 wurde das Benediktinerkloster unter Abt Adelbert[7] als Abtei Marienberg durch Eberhards und Ulrichs Grossneffen Ulrich III. und dessen Frau und Adelberts Schwester Uta ins obere Vinschgau nach Burgeis verlegt. Uta von Tarasp betrieb nach 1151 auch die Reaktivierung des benachbarten Benediktinerinnenklosters St. Johann in Müstair als Nonnenkloster. Die Klöster Müstair und Marienburg wurden auch in den folgenden Jahren mit Schenkungen aus Tarasp bedacht.[5][5][8][9]

Ansicht von Norden mit geplanten Neubauten (um 1520)

Besitzansprüche des Bistums Chur an der Burg gehen auf das Jahr 1160 zurück: Ulrich III. von Tarasp vermachte seinen Anteil dem Bistum, Ulrichs Neffe Gebhard überfiel, vermutlich unterstützt von den Grafen von Tirol, die Burg und liess die bischöfliche Besatzung töten. Darauf hin belagerten Ulrich III., sein Cousin Egino von Matsch und der Churer Bischof Burg Tarasp und zwangen Gebhard zur Übergabe der Burg. Gebhard musste seinen Anteil dem Bistum vererben, sollte er kinderlos sterben, durfte jedoch die Burg als Lehen des Bischofs behalten.[4][5]

Nach dem Erlöschen der Herrschaft der Tarasper 1177, Ulrich V. war kinderlos ins Kloster Marienberg eingetreten,[10] wechselten Burg und Besitztümer häufig die Eigentümer: Zunächst gingen sie an das Bistum Chur und noch vor 1200 an die Herren von Reichenberg im Vinschgau. 1239 verkaufte Swiker von Reichenberg an Graf Albert III. von Tirol,[11] was zu verschiedenen Auseinandersetzungen zwischen den Grafen von Tirol, den Bischöfen von Chur und den Bündnern um die Burg und damit die Vormachtstellung im Unterengadin sorgte. Nach 1273 verwaltete die Familie von Matsch die Burg, enge Verwandte der Gründerfamilie, zunächst als tirolische Vögte, von 1363 bis 1464 als Lehensträger, mit einer kurzen Unterbrechung durch die Herrschaft von Friedrich VII. von Toggenburg (1422–36). Die Matscher, die Vögte im Vinschgau, Münstertal und Greifenstein sowie bis 1348 auch in der Grafschaft Chiavenna, dem oberen Veltlin und dem Puschlav, konnten ihre Eigentumsrechte auch 1421 gegen den Churer Bischof behaupten, der wegen der Schenkung von 1160 noch immer Ansprüche erhob. Sie dürften der Burg auch mehr oder weniger die heutige Gestalt verpasst haben.[4]

Neuzeit

Inneres des Torhauses um 1904

Über Herzog Sigismund von Tirol, der die Burg für 2000 Gulden von den Herren von Matsch kaufte, kam Tarasp 1464 als Grafschaft in habsburgischen und somit österreichischen Besitz, was zur Fehde zwischen den Unterengadinern und Österreich führte. Ein Jahr später wurde die Österreichische Grafschaft Tarasp zwar bestätigt, die Auseinandersetzungen rissen jedoch nicht ab. So ist überliefert, dass man sich 1548 und 1578 auf Belagerungen vorbereitete. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts wurde die Burg als Grenzfestung ausgebaut und auf ihren heutigen Umfang vergrössert, dennoch wurde Schloss Tarasp 1612 von der Bündner Bevölkerung erstürmt und verwüstet. Die Bündner Wirren 1620–1635 und ein Blitzschlag 1625 setzten dem Schloss heftig zu.[4] 1648 mit dem Ende des Dreissigjährigen Kriegs erlangte der Freistaat der Drei Bünde seine Unabhängigkeit vom Heiligen Römischen Reich. Während sich das übrige Unterengadin vier Jahre später endgültig von Österreich loskaufte, verblieb Tarasp bei den Habsburgern.

Das österreichische Wappen auf den Schlossmauern und die Inschrift „Hie Estereih“ künden noch heute von dieser Zeit der Spannungen zwischen dem protestantischen Gotteshausbund, der 1367 durch das Bistum Chur als Gegengewicht zur Habsburger Expansion gegründet worden war, und dem katholischen Österreich, die sich erst im 18. Jahrhundert beruhigten.

1687 wurde Tarasp den Fürsten von Dietrichstein zu Nikolsburg in Mähren als erbliches Reichslehen überlassen, die Steuerhoheit verblieb jedoch beim Haus Habsburg. 1714–1716 liessen die Fürsten von Dietrichstein grössere Renovationen vornehmen. Letzte Instandhaltungsarbeiten sind von 1732 überliefert.[4]

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 im Zuge der Neuordnung des Heiligen Römischen Reichs fiel Tarasp als letzte österreichische Enklave in der Schweiz dann an die helvetische Republik, die Festung verlor ihre strategische Bedeutung. Bis etwa 1815 wurde die Burg bewohnt; Pläne des noch jungen Kantons Graubünden, dort ein Gefängnis einzurichten, wurden verworfen. Der Kanton verkaufte das heruntergekommene Schloss 1829 für weniger als 5000 Franken an Landammann Men Marchi aus Scuol weiter. Über dessen Erben kam das Schloss 1840 an Gregor Pazeller von Tarasp, 1855 an Caspar de S. Jon aus Tarasp, ein Jahr später kaufte es Nationalrat Andreas Rudolf von Planta-Samedan für 1100 Franken. Dessen Sohn R. U. von Planta verkaufte es 1900 für 20'000 Franken an den Dresdner Industriellen und Mäzen Karl August Lingner, der es während eines Kuraufenthaltes in Tarasp-Vulpera kennengelernt hatte.[12] Von 1907 bis 1916 liess er den Bau durch den Burgenfachmann Johann Rudolf Rahn im Stil des Historismus renovieren, in der Waffenkammer die Konzertorgel einbauen und auf dem Schlosshügel eine Parkanlage errichten.

Mit seinem Tod am 5. Juni 1916 vermachte Lingner das Schloss testamentarisch König Friedrich August III. von Sachsen, der das Erbe jedoch ausschlug, weil er laut Testament jährlich eine bestimmte Zeit auf dem Schloss hätte wohnen müssen. Darauf ging das Schloss an den Grossherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt und bei Rhein. 1919, nach der Ausrufung der Republik, wurde zwischen dem nunmaligen Volksstaat Hessen und dem zurückgetretenen Grossherzog vereinbart, dass das Schloss Tarasp als Schatullgut Privateigentum von Ernst Ludwig werden sollte.[13] Nach dem Tod von Ernst Ludwig ging das Schloss an seinen Sohn Ludwig von Hessen und bei Rhein. Dessen Ehe mit Margaret Prinzessin von Hessen und bei Rhein blieb kinderlos, so dass nach ihrem Tode die Burg an die Erben aus dem Hause Hessen-Kassel fiel bis 2016.

Die Familie von Hessen-Kassel schloss mit der damaligen Gemeinde Tarasp 2008 eine auf vier Jahre angelegte und 2012 um zwei Jahre verlängerte Verkaufsvereinbarung, die 15 Millionen Franken für den Erwerb des Schlosses durch eine Stiftung aufbringen sollte.[14][15][16] Die daraufhin am 1. November 2010 gegründete Stiftung „Pro Chastè Tarasp“ hatte den Auftrag, zusammen mit der Gemeinde das Schloss zu unterhalten, es in ein Schulungs- und Konferenzzentrum umzugestalten, massvoll zu modernisieren und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.[3][17] Nachdem die entsprechenden Bemühungen gescheitert waren, ging das Schloss am 30. März 2016 für 7,9 Millionen Franken an den Unterengadiner Künstler Not Vital über. Vital, der das Schloss kulturtouristisch aufwerten will, soll von der Gemeinde Scuol im Gegenzug bis zum Jahr 2030 einen jährlichen Zuschuss von 200'000 Franken an die Betriebskosten erhalten.[18] Später soll das Schloss in eine Stiftung überführt werden.[19]

Seit 1919 werden öffentliche Führungen im Schloss angeboten.

Galerie

Literatur

  • Thomas Bitterli: Schweizer Burgenführer. Friedrich Reinhard, Basel/Berlin 1995.
  • Heinrich Boxler: Burgennamengebung in der Nordostschweiz und in Graubünden. Huber, Frauenfeld 1976 (Studia Linguistica Alemannica 6).
  • Walter A. Büchi: Karl August Lingner. Das große Leben des Odolkönigs. Eine Rekonstruktion. Edition Sächsische Zeitung, Dresden 2006, ISBN 978-3-938325-24-7. Neu überarbeitete und ergänzte Aufl. ebd. 2015, ISBN 978-3-943444-38-4.
  • Burgenkarte der Schweiz. Hrsg. vom Bundesamt für Landestopografie, Ausgabe 2007.
  • Otto P. Clavadetscher, Werner Meyer: Das Burgenbuch von Graubünden. Orell Füssli, Zürich 1984, ISBN 3-280-01319-4.
  • Fritz Hauswirth: Burgen und Schlösser in der Schweiz. Band 8: Graubünden. Neptun, Kreuzlingen 1972.
  • Werner Meyer: Burgen der Schweiz. Band 3. Silva, Zürich, 1983.
  • Willy Zeller: Kunst und Kultur in Graubünden. Haupt, Bern 1993.

Weblinks

 Commons: Schloss Tarasp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Historisches Lexikon der Schweiz: Tarasp - Herrschaft und Burg
  2. Historisches Lexikon der Schweiz: Tarasp
  3. 3,0 3,1 Schloss Tarasp: Schloss Tarasp gerettet! (Medienmitteilung) (PDF; 471 kB)
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 dickemauern.de: Burg Tarasp
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Historisches Lexikon der Schweiz: von Tarasp
  6. Erich Wenneker: ULRICH II., Bischof v. Chur. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 12, Herzberg 1997, ISBN 3-88309-068-9, Sp. 892–894.
  7. Historisches Lexikon der Schweiz: Adelbert
  8. Historisches Lexikon der Schweiz: Uta von Tarasp
  9. Müstair, Kloster St. Johann: Bd. 2. Münzen und Medaillen, S. 163
  10. Graubünden: Wanderung Tarasp – Schloss Tarasp
  11. Thomas Winkelbauer: Fürst und Fürstendiener. Gundaker von Liechtenstein, ein österreichischer Aristokrat eines konfessionellen Zeitalters
  12. Clavadetscher/Meyer, Burgenbuch Graubünden, S. 206
  13. Vereinbarung zwischen dem vormaligen Großherzog Ernst Ludwig von Hessen, zugleich in Vertretung des Großherzoglichen Hauses, und dem Hessischen Staate, vertreten durch das Gesamtministerium vom 6. Mai 1919
  14. NZZ Online: Neuer Besitzer für Schloss Tarasp gesucht
  15. Südostschweiz: Der Stiftung «Schloss Tarasp» bleibt wenig Zeit
  16. SR DRS, 6. März 2012: Kaufvertrag für Schloss Tarasp verlängert
  17. Bündner Woche vom 25. Januar 2012: Bald Burgfrieden auf Schloss Tarasp? (PDF; 2,5 MB)
  18. Peter Jankovsky: Der neue Schlossherr des Unterengadins. In: Neue Zürcher Zeitung (online). 30. März 2016 (abgerufen 30. März 2016).
  19. sda: Der neue Schlossherr übernimmt die Schlüssel. In: Südostschweiz (online). 30. März 2016 (abgerufen 30. März 2016).
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