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Schalom Scharabi

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Schalom Scharabi (Ölgemälde)
Schalom Scharabis Grab auf dem Ölberg

Raw Schalom Didiea Scharabi (geb. ca. 1720 / 5480 in Taizz; gest. 1777 / 10. Schwat 5537 in Eretz Jisrael), u. a. auch bekannt unter den Akronymen "Raschasch" und "Schemesch", war ein jemenitischer Rabbiner, Halachist, Chasan und Kabbalist. In seinem späteren Leben wurde er Rosch Jeschiwa der Beit El-Synagoge in der Altstadt Jerusalems.

Leben

Schalom Scharabi wurde im jüdischen Viertel der jemenitischen Stadt Taizz geboren. Schon von seiner Jugend an versteckte er sein Wissen und seine Taten vor der Öffentlichkeit. Er ernährte sich vom Handel mit Nadeln und anderen Kleinigkeiten.

Um ein Gelübde zu erfüllen, verlegte er bereits als junger Mann seinen Wohnort nach Eretz Jisrael, hatte zuvor aber Aufenthalte unter anderem in Indien (Bombay), Bagdad und Damaskus. In Damaskus wurde er in einen halachischen Streit bezüglich der Speisegebote des Pessach-Seders involviert.

In Eretz Jisrael hinterliess er bei den lokalen rabbinischen Autoritäten mit seinem immensen Wissen einen bleibenden Eindruck und wird häufig in ihren Büchern erwähnt. In der Bet El-Jeschiwa gehörte er zu einer Gruppe von zwölf Mekubalim, gemeinsam mit dem Chida (der sein Schüler wurde), mit Rabbi Yom-Tov Algazi und anderen Weisen sephardischer oder jemenitischer Gemeinden. Er blieb bis zum Ende seines Lebens in der Bet El-Jeschiwa und wurde schliesslich deren Rosch Jeschiwa. Er war ein Anhänger der Lehren Lurias und ein wichtiger Erneuerer der Lurianischen Kabbala.

Verbreitete Traditionen verbinden seinen Weggang aus dem Jemen mit einem angeblichen Wunder, das auftrat, nachdem eine vermögende muslimisch-arabische Frau versucht habe, ihn zu verführen. Er sprang daraufhin aus dem Fenster im dritten Stock und wurde auf wunderliche Weise überhaupt nicht verletzt.

In Bet El arbeitete er als einfacher Knecht und verbarg sein Lernen vor anderen. Er hatte den Mekubal, Raw Gedalja Hajoun gebeten, ob er in seinem Bet Hamidrasch Bet El arbeiten konnte. Er verlange als Gegenleistung lediglich Kost und Unterkunft. Und so sass er dort in jeder freien Minute in einem Winkel des Bet Hamidrasch und sagte Tehillim. Dabei hörte er aber jedes Wort der Schiurim über Kabala, die von den Talmidei Chachamim der Jeschiwa vorgetragen wurden. Als sein kabbalistisches Wissen entdeckt wurde, schloss er sich dem kabbalistischen Zirkel an.

Und die Geschichte ging so: Einmal geschah es, dass ein äusserst schwieriges Problem in den Schriften des Arisal aufkam. Reb Gedalja und alle anderen Talmidei Chachamim diskutierten lange; es konnte aber keine Lösung des Problems gefunden werden. Während sie danach zwischen zwei Schiurim eine kurze Pause einlegten und alle nach Hause gingen, schrieb Reb Schalom eine kleine Notiz mit einigen Quellen, durch die man das Problem lösen kann. Den kleinen Zettel legte er in Reb Gedaljas Sefer. Raw Gedalja war ganz erstaunt, als er das Stück Papier erblickte, und wollte wissen, wer dieser Gaon war. Schlussendlich wurde das Geheimnis entdeckt, und Reb Gedalja schätzte den Raschasch dermassen, dass er ihm seine Tochter zur Frau gab und ihn als Rosch Jeschiwa einsetzte.

Von diesem Zeitpunkt an wurde der Raschasch im ganzen Land bekannt. Während mehr als dreissig Jahren galt er als grösster Mekubal. Er deckte in den Schriften des Arisal neue Geheimnisse auf, und seine Weisheit konnte mit keinem anderen Mekubal gleichgestellt werden.

Nach der Legende erschien ihm der Prophet Elija, und die grossen Kabbalisten betrachteten ihn als den "Gilgul" (wiederkehrenden) Arizal höchstpersönlich. Sein Enkel, Solomon Moses Chai Gagin Scharabi, schrieb ein Lobgedicht über Scharabis Bemeisterung des "Etz Chajim" und "Schmonah Sche'arim" von Hayyim Vital. Mitglieder von Bet El setzen bis heute die Tradition fort, sich am Jahrestag seines Todes auf seinem Grab, das sich auf dem Ölberg befindet, niederzuwerfen (vgl. unten).

Zu seinen Talmidim gehörte Raw Chajim Dila Rosa, der Verfasser des "Torat Chacham", Raw Jom Tow Algazi, der Chida, Raw David Mager und Raw Gerschon Kitower.

Schriften

Der Raschasch war einer der frühen Kommentatoren des Arizal. Sein Siddur war bekannt als "Siddur Ha-Kawwanot" und ist der wichtigste heute von Kabbalisten benutzte Siddur für Gebet, Meditation und Studium. Er ist ein Siddur mit umfangreichen, von Kommentaren begleiteten kabbalistischen Meditationen.[1]

Zu seinen Werken gehören "Emet Weschalom"[2], "Rechowot Hanahar"[3], "Derech Schalom" und "Nahar Schalom"[4], worin er 70 Fragen der Chachamim von Tunis beantwortet, die zu den führenden sephardischen Autoritäten des 18. Jahrhunderts zählten. Ebenso kommentierte er die Minhagim der jemenitischen Juden und trug die Kommentare in mehreren Bänden zusammen, die unter dem Titel "Minhagei Raschasch" bekannt sind, eine spezielle Ausgabe des Schulchan Aruch, worin er seine Sicht der Halachot vorträgt und die speziellen Sitten der jemenitischen Judenheit bespricht. Die jemenitische jüdische Gemeinschaft benützt diese Bände bis heute, um zu halachischen Entscheidungen bezüglich Festtagen, Heirat und Schabbatgottesdiensten zu gelangen.

Wundertäter

Der Raschasch war neben seiner grossen Heiligkeit auch wegen der Wunder bekannt, die er angeblich vollbringen konnte. So pflegte er jeweils um Mitternacht zur Kotel Hama'aravi zu gehen und dort den Tikkun Chazot zu sagen. Als er sich einmal in der tiefen Dunkelheit auf dem Weg zur Kotel befand, lauerte ihm eine Gruppe Araber auf, mit der Absicht, ihn zu ermorden. Kurz bevor er jedoch an dieser Stelle vorbeikam, wurden alle Mitglieder der Gruppe gelähmt und wurden am nächsten Morgen in diesem Zustand vorgefunden. Daraufhin begab sich eine angesehene Gesandtschaft zum Raschasch, bat ihn um Verzeihung und gleichzeitig auch um seinen Segen, dass die Gelähmten wieder gesund werden. Reb Schalom versicherte ihnen, dass sie alle gesund würden, falls sie sich vornahmen, künftig keinem Jehudi etwas zuleide zu tun.

Todesumstände, Lewaja

Als er 1776 mit anderen Talmidei Chachamim zusammen die Seder-Nacht verbrachte, enthüllte er, dass er an diesem Abend eine speziell hohe Stufe der Heiligkeit erreichen konnte. Es sei ihm offenbart worden, dass dies der letzte Pessach seines Lebens sei.

Als Raw Schalom am 10. Schwat in Tallit und Tefillin gehüllt auf seinem Bett lag und von seinen Schülern umringt war, konnte man erkennen, wie er sich mit aussergewöhnlich hohen Dingen beschäftigte. Dann gab er Anweisungen, wie sein Begräbnis erfolgen sollte, und fügte dann hinzu: "Bei jeder eventuellen Zara, vor denen ihr behütet sein sollt, kommt zu meinem Grab und dawent. Falls ihr von ganzem Herzen dawent, wird eure Tefilla nicht leer zurückkehren!" Daraufhin starb er.

Es wird berichtet, dass es bei seiner Lewaja zu folgendem Zwischenfall kam: Als sie mit dem Niftar ins "Jehoschafat-Tal" kamen, wurden sie von einer Gruppe Araber überfallen, die ihnen gewaltsam das Bett mit dem Niftar entrissen. Sie warfen dann den Niftar das Tal hinunter und flohen danach. Die Schüler sahen darin den "Finger G'ttes". Denn Reb Schalom hatte angeordnet, nach seinem Tod an seinem Körper eine Art der vier Todesstrafen auszuführen. Sie aber hatten sich gefürchtet, eine solche Tat zu begehen. Nun wurde seine Bitte durch andere ausgeführt.

Anmerkungen, Einzelnachweise

  1. Schalom Scharabi liess nicht zu, dass dieser Siddur gedruckt wird, sondern jeder seine Schüler schrieb sich dieses Sefer auf und bewahrte es für sich auf. Als sein einziger Sohn, Raw Chiskijahu Jitzchak Scharabi, für eine wichtige Angelegenheit nach Nordafrika reisen musste, nahm er dieses Siddur mit, und so schrieben es die Mekubalim dort für sich auf. Dadurch gelangte es zu den sefardischen Mekubalim. Die aschkenasischen Mekubalim in Europa hingegen bekamen dieses Siddur erst hundertdreissig Jahre nach dem Tod des Raschasch zu sehen.
  2. Eine Erklärung zum Sefer "Eitz Chajim", gedruckt Saloniki 1806
  3. gedruckt Saloniki 1806
  4. gedruckt Saloniki 1806

Hinweis

Der Artikeltext beruht in Teilen auf einem Nachruf in der Jüdischen Zeitung, Zürich, Ausgabe vom 18. Januar 2013, Seite 14-15.

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