Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

Robert Ménard

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Robert Ménard (* 6. Juli 1953 in Oran, Algerien) ist ein französischer Politiker (parteilos) und ehemaliger Journalist. Er war einer der Mitbegründer von Reporter ohne Grenzen, deren Generalsekretär er für mehrere Jahre war. 2014 wurde er durch Unterstützung der politisch gemäßigten und extremen Rechten Bürgermeister der Stadt Béziers.

Leben

Herkunft

Ménard wurde in eine in Französisch-Nordafrika ansässigen (Pied-noir[1]), konservativ[2] und katholisch geprägte, Familie geboren; sein Vater war Druckereibesitzer und Mitglied der rechten Untergrundorganisation Organisation de l’armée secrète.[3]

Während der Schulzeit zog seine Familie auf das europäische Festland in das Département Aveyron[4], wo er in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs und eine christliche Schule besuchte. Er wollte ursprünglich Priester werden, wählte dann aber ein Studium der Philosophie an der Universität Montpellier (UPV). Während seiner Studien wurde er, beeinflusst durch den Mai 1968, politisiert und trat 1973 der trotzkistischen Partei Ligue communiste révolutionnaire bei, später fand er seine politische Heimat in der sozialistischen Partei (Parti socialiste) bzw. in deren linken Flügel Centre d'études, de recherches et d'éducation socialiste. Nach der Wahl Mitterrands 1981 trat er aus der Partei wieder aus.[1]

Journalistik

1975 gründete er den Piratensender Radio Pomarède[3] und wurde Präsident der Association pour la Libération des Ondes, was ihm den Widerstand der Politik und der etablierten Journalistik entgegenbrachte. Später rief er die unabhängige Zeitschrift Le Petit biterrois ins Leben und arbeitete von 1983 bis 1989 für das Politikressort von Radio France Hérault.[3]

Protestaufruf (2008)

Nach einer Japanreise und seinen Eindrücken von der Dritten Welt gehörte er 1985 in Montpellier, gemeinsam mit den Journalisten Rémy Loury, Jacques Molénat und Émilien Jubineau, zu den Gründern der Nichtregierungsorganisation (NGO) Reporter ohne Grenzen (ROG).[3] Er übte für die Organisation viele Jahre das Amt des Generalsekretärs aus. 2004 gründete er die Zeitschrift Médias, die ihren Schwerpunkt, wie auch die NGO, auf die Durchsetzung internationaler Pressefreiheit legen sollte.

2008 wurde er erneut arrestiert, als er gegen die Einladung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zum französischen Nationalfeiertag auf der Ehrentribüne in Paris aktiv wurde.[2] Im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 2008 wurden er und weitere Mitglieder von Reporter ohne Grenzen wegen ihres Protestes[3] u. a. auf der Kathedrale Notre-Dame de Paris, wo sie ein Transparent mit Handschellen (anstatt den Olympischen Ringen) anbrachten, gegen die Menschenrechtssituation in der Volksrepublik China im Zusammenhang mit den gewaltsamen Tibetischen Unruhen kurzzeitig inhaftiert. In China machte er mit dem Spruch „Freiheit für China, Freiheit für Tibet!“ auf sich aufmerksam.[2]

Im selben Jahr verließ er abrupt ROG[5] und wurde auf Vorschlag von Scheicha Musa bint Nasser al-Missned für weniger als ein Jahr Präsident des Doha Centre for Media Freedom in Katar.[3] Differenzen beendeten seine Amtszeit vorzeitig.

2008 gründete er den Verlag Mordicus. Von 2011 bis 2012 war er noch für das südfranzösische Privatradio Sud Radio tätig. 2012 wurde er in das Advisory Board eines georgischen Fernsehsenders des Unternehmers Bidsina Iwanischwili berufen.

Politik

2014 kandidierte er nach einem Treffen mit Marine Le Pen[6] bei den französischen Kommunalwahlen und wurde dabei u.a. von der gaullistischen Partei Debout la République, dem nationalkonservativen Mouvement pour la France und der rechtspopulistisch bis rechtsextremen Front National unterstützt. Im März 2014 wurde er, die UMP und PS-Kandidaten auf die nachfolgenden Plätze verweisend, im zweiten Wahlgang mit 46,96 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister von Béziers im Département Hérault gewählt.

Medien berichteten in der Vergangenheit über intensive Kontakte zur extremen politische Rechten u.a. der Front National, dem Bloc identitaire und Vertretern der Bewegung Troisième Voie („Dritter Weg“). Er vertritt umstrittene Thesen u.a. zur Gleichgeschlechtlichen Ehe, zum Islam[1] und zur Anwendung von Folter bzw. Wiedereinführung der Todesstrafe. Seine ehemaligen Mitstreiter von ROG distanzierten sich in einem offenen Brief, der in der Tageszeitung Libération erschien, von seinen heutigen politischen Ideen.[2]

Familie

Ménard ist Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Er ist verheiratet mit Emmanuelle Duverger (ehemalige Rechtsanwältin und Herausgeberin von Médias), mit der er mehrere Schriften publizierte, und Vater von drei Kindern.

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • mit Géraldine Faes: Ces journalistes que l'on veut faire taire: Reporters sans Frontières. Éditions Albin Michel, Paris 2001.
  • mit Emmanuelle Duverger: La Censure des bien-pensants. Éditions Albin Michel, Paris 2003.
  • Des libertés et autres chinoiseries: de Reporters sans frontières aux JO de Pékin. R. Laffont, Paris 2008.
  • mit Élisabeth Lévy, Léonard Vincent: Les Français sont-ils antisémites? Mordicus, Paris 2009.
  • mit Thierry Steiner: Mirages et cheikhs en blanc: enquête sur la face cachée du Qatar, le coffre-fort de la France. Éditions du Moment, Paris 2010.
  • mit Emmanuelle Duverger: Vive Le Pen ! (= Coups de colère). Éditions Mordicus, Paris 2011.
  • mit Thierry Rolando: Vive l'Algérie française (= Coups de colère). Éditions Mordicus, Paris 2012.

Weblinks

Einzelnachweise


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Robert Ménard aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.