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Reizel Sofer

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Ihr Sohn soll nichts Unrechtes sehen ... (Illustration der Jüdischen Zeitung, siehe Hinweis im Textteil)

Marat Reizel Sofer (geb. 1726 in Frankfurt am Main; gest. 1822 ebenda) war die Mutter des Chatam Sofer.

Leben

Rebbezen Reizel Sofer kam als Tochter von Raw Elchanan Chasan im Jahr 1726 (5486) in Frankfurt am Main zur Welt. Sie heiratete Raw Schmuel Sofer und führte zusammen mit ihrem Mann ein kleines Geschäft. Sie war eine überaus grosse Zadeket und ein gutes Teil der Grösse ihres Sohnes, des Chatam Sofer, war ihrem Zidkut zu verdanken. Seit der Geburt ihres Sohnes unternahm sie alles in ihrer Macht Stehende, um ihn vor jedem negativen Einfluss zu schützen. Er sah nie eine unreine oder ihn gefährdende oder unsicher machende Sache, denn sie verdeckte sein Gesicht jedes Mal, wenn sie ihn zum Cheider brachte, so dass er kein Kreuz oder irgendeine unreine Sache zu sehen bekam. Sie prägte ihm auch ihre eigene G'ttesfurcht ein, von der ihr ganzes Wesen geprägt war. So brachte sie ihm auch bei, wie er seine Gedanken, Gefühle und Taten beherrschen kann. Bekanntlich verliess der Chatam Sofer in seinen Jugendjahren sein Elternhaus und fuhr zu seinem grossen Meister, Raw Nathan Adler, ebenfalls in Frankfurt.

Nach langer Zeit, als der Chatam Sofer schon als Gadol Hador bekannt war und sein Rabbanut mit starker Hand führte, lebte seine alte Mutter noch in Frankfurt. Als sich der Chatam Sofer in Pressburg befand, erfuhr er, dass seine Mutter, die er schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte, seit einem Jahr schwer krank und ans Bett gebunden war. Er schrieb ihr sofort einen Brief, dass er von ihrer Krankheit erfahren habe und im Begriff sei, sie zu besuchen. Da die Post damals sehr langsam funktionierte, wartete der Chatam Sofer nicht erst auf die Antwort seiner Mutter, sondern machte sich schon auf den Weg zu ihr nach Frankfurt. Er befand sich schon mehr als eine Woche auf der Reise, als er die Stadt Fürth erreichte. Dieser Ort war eine Zwischenstation der Pferdepost. Er erhielt dort einen Brief, der von seiner Mutter an ihn adressiert war, worin sie sich für seinen guten Willen, sie zu besuchen, bedankte. Sie bat ihn aber, davon abzusehen, in der Annahme, dass eine solche Reise sicher mit Bitul Tora verbunden sei. Der Chatam Sofer, der den Entscheid seiner Mutter als massgebende Meinung betrachtete, brach seine Reise ab, obwohl er schon den grössten Teil des Weges zurückgelegt hatte. Er wies den Kutscher an, sofort wieder zurück nach Pressburg zu fahren. Er sah seine Mutter nicht mehr. Sie starb kurz darauf im Alter von 96 Jahren.

Als die Nachricht den Chatam Sofer erreichte, sprach er viel über die Grösse seiner Mutter und sagte: "Haschem tat keine grosse Sache auf der Welt, ohne sie zuerst meiner Mutter im Traum zu offenbaren. Hätte sie in früheren Zeiten gelebt, wäre sie eine Newi'a geworden!"

Das Grab von Reizel Sofer ist auf dem alten Friedhof in Frankfurt zu finden und ist als Ort für Jeschuot bekannt. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde ihr Kewer von hunderten Frauen besucht, die an den bestimmten Tagen zum Gebet an ihr Grab kamen. Während des Kriegs zerstörten die Nazis die meisten Grabsteine dieses Bet Hakwarot, darunter auch den Grabstein der Rebbezen Reisel Sofer. Man konnte aber den Standort des Grabs mit der Hilfe von ortskundigen Frankfurtern ausfindig machen, das sich auf einer kleinen Anhöhe befand. Lange stand dort eine Tafel mit der Kopie des Grabsteins. Seit Mai 2013 gibt es dort einen richtigen Grabstein, dessen Neulegung von Reizel Sofers Anhängern mit Psalmen und Gebeten begleitet und gewürdigt wurde. Finanziert wurde der Grabstein aus traditionellem rotem Sandstein von dem New Yorker Geschäftsmann Wolf Seev Pinchas Nussenzweig, der zur Feier anreiste und seit Jahren die Publikation der Schriften von Rabbiner Sofer unterstützt.

Hinweis

Der Artikeltext beruht in weiten Teilen auf einem Nachruf in der Jüdischen Zeitung, Zürich, Ausgabe vom 1. März 2013, Seite 20 (Autor: D. Goldschmidt).


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