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Rechavia

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Gebäude der Jewish Agency for Israel in Rechavia

Rechavia (hebr. ‏רחביה‎‎, englisch Rehavia, arabisch ‏رحافيا‎) ist ein Stadtteil von Jerusalem zwischen der Innenstadt und dem Quartier Talpiot. Seit seiner Errichtung ist das Viertel für seine zahlreichen namhaften Bewohner, unter anderem Professoren der Hebräischen Universität Jerusalem, Regierungsangestellte und Diplomaten, aber auch Intellektuelle und Denker aus Wissenschaft und Kultur bekannt. Noch heute zählt das Quartier zu den wohlhabenderen Teilen der Stadt.

Geschichte

Rechavia wurde 1921 auf einem Gelände der Griechisch-Orthodoxen Kirche gegründet, das von der Palestine Land Development Company (PLDC) erworben wurde. Der Jüdische Nationalfonds kaufte das Land und beauftragte den deutsch-jüdischen Architekten Richard Kauffmann mit der Gestaltung einer Gartensiedlung. Später gelangte Rechavia wieder in den Besitz der PLDC im Austausch gegen Land in der Jesreelebene, wiewohl der Jüdische Nationalfonds einige Grundstücke in seinem Besitz hielt. Das Gymnasium von Rechavia, die Yeshurun Synagoge und das Gebäude der Jewish Agency wurden auf diesem Land gebaut. Modell für Rechavia standen die Gartensiedlungen in Europa, architektonisch orientierte man sich am Internationalen Stil. In seinen ersten Jahrzehnten galt das Viertel als „deutscher“ Stadtteil. Der Jerusalemer Architekturhistoriker David Kroyanker beschrieb Rechavia als „preußische Insel im Meer des Orients.“[1] Die zwischen 1934 und 1936 von Erich Mendelsohn für seinen langjährigen Mäzen Salman Schocken entworfene Bibliothek mit rund 60.000 Werken gehört zu den bedeutendsten Beispielen deutsch-jüdischen Kulturerbes in Israel.[2]

Das Bonem House, in dem für das Quartier typischen internationalen Stil aus dem Jahr 1935

Die erste Phase, genannt „Rechavia Alef“, mit zunächst 114 Privatparzellen für Einfamilienhäuser und Gärten, entstand ab 1922 unter der gestalterischen Verantwortung von Richard Kauffmann, des leitenden Architekten und Stadtplaners der Jewish Agency. Kauffmann entwarf zwanzig Privathäuser im Stadtviertel selbst – darunter „Beit Aghion“, die heutige Residenz des israelischen Premierministers.[3] Rechavia wurde begrenzt durch King George Street im Osten, Ramban Street im Süden, Ussishkin Street im Westen und Keren Kayemet Street im Norden. Um den ruhigen Charakter zu erhalten, erlaubte die Stadtteilverwaltung Geschäfte nur an den Ecken der beiden Hauptstraßen zu eröffnen. Die engen Nebenstraßen gestatteten nicht allzu viel Verkehr. Der von Bäumen gesäumte Boulevard inmitten der Nachbarschaft war eine Fußgängerzone. Nach weiterem Grunderwerb 1930 entstand unter Berücksichtigung von Kauffmanns Plänen in der zweiten Bauphase „Rechavia Bet“ in Richtung Süden hin zur Gaza Street.[4]

Die meisten Straßennamen Rechavias sind nach Philosophen und Gelehrten des Goldenen jüdischen Zeitalters auf der iberischen Halbinsel des 14. und 15. Jahrhunderts benannt. Unter anderem also nach Isaak Abrabenel, Moses Maimonides, Abraham ibn Esra, Rabbi Moses ben Nachman (Ramban) und David Kimchi (Radak).[5]

Berühmte Bewohner

Das Gymnasia Rechavia

Das Gymnasia Rechavia war das zweite moderne, hebräische Gymnasium des späteren Staates Israel, nachdem in Tel Aviv im Jahr 1905 bereits das Hebräische Herzlia-Gymnasium eröffnet wurde. Das Gymnasium wurde im Jahr 1909 in Jerusalem errichtet, zog 1928 in seine heutige Heimstätte an der HaKeren HaKayemet Le-Israel-Straße, und wurde auch als Lehrstätte des späteren israelischen Präsidenten Yitzhak Ben-Zvi und seiner Frau Rachel Yanait berühmt. Zu den namhaften Absolventen des Gymnasiums zählen unter anderem die Schriftsteller Abraham B. Jehoshua und Amos Oz sowie die Bibelgelehrte Trude Dothan, und die spätere Präsidentin des Obersten Gerichtshof Israels Miriam Naor.[6]

Weblinks

 Commons: Rehavia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Ines Sonder: Deutsch-jüdisches Kulturerbe in Architektur und Stadtplanung Israels. in Elke-Vera Kotowski (Hg.): Das Kulturerbe deutschsprachiger Juden: Eine Spurensuche in den Ursprungs-, Transit- und Emigrationsländern., S. 349–358, De Gruyter, Berlin u.a. 2015, ISBN 978-3-11-030479-4
  • Thomas Sparr: Grunewald im Orient: Das deutsch-jüdische Jerusalem. Berenberg Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-946334-32-3

Einzelnachweise

  1. Alan Posener: Rechavia: Als Jerusalem einen deutschen Stadtteil hatte, in Welt.de vom 2. Januar 2018
  2. Ines Sonder: Deutsch-jüdisches Kulturerbe in Architektur und Stadtplanung Israels. in Elke-Vera Kotowski (Hg.): Das Kulturerbe deutschsprachiger Juden: Eine Spurensuche in den Ursprungs-, Transit- und Emigrationsländern., S. 349–358, hier: S. 351f., De Gruyter, Berlin u.a. 2015
  3. Sonder, S. 353f.
  4. Sonder, S. 354
  5. Danny Rubinstein: A walk across Jerusalem history. Haaretz, 26.11.2006, abgerufen am 04.01.2018 (englisch).
  6. Jerusalem Architecture in the British Mandate Period. Abgerufen am 5. Juni 2017 (englisch).


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