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Raphael Eliaz

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Die Dichter Rafael Eliaz (links) und Mosche Lifschits (um 1935).

Raphael Eliaz, gelegentlich auch Rafael Eliaz, hebräisch רפאל אליעז (geboren 1905 als Rudolf Elias Wienski in Sofia; gestorben 9. Juni 1974 in Cholon) war ein israelischer Schriftsteller, Poet, Herausgeber, Autor, Übersetzer und Liedtexter in den Genres Drama und Poesie. Er schuf zahlreiche Übersetzungen, unter anderem von Federico García Lorca und William Shakespeare.

Leben

Herkunft und Familie

Eliaz wurde als Sohn von Nissim Elias Wienski (he.: נִסִּים אליאס-וִיֶינְסקי) und dessen Ehefrau Jaffe Elias Wienski (he.:יָפֶה אליאס-וִיֶינְסקי) geboren.[1] Der Name Wienski ist bulgarischer Herkunft und bedeutet Aus der Stadt Wien. Der Vater war ein österreichischer Schneider für Kinderkleidung, der insbesondere in Wien tätig war, woher auch der zusätzliche Familienname „Wiener“ stammte. Rafael Eliaz hieß als Kind Rudolf, kurz Rudi genannt, und hatte zwei Geschwister, den älteren Bruder Viktor und die jüngere Schwester Rosa. Er verbrachte seine Kindheit in Sofia in der Positano-Straße, die nach Vittorio Positano (1833–1886) benannt wurde, dem Ghetto in Sofia. Die Erinnerungen an seine Kindheit im jüdischen Sofioter Viertel dienten als Hintergrund und Titel für einen seiner ersten Gedichtsbände. Zuerst besuchte er die jüdische Schule in Sofia, wo er Ivrit lernte. Anschließend besuchte Eliaz zwei Jahre lang das Klassische Gymnasium in Sofia, verließ aber das Gymnasium wegen der dort vorherrschenden Judenfeindlichkeit. Daraufhin erinnerte er sich an die Alija und schrieb auf bulgarisch über den Traum der Zionisten. Nach seiner landwirtschaftlichen Ausbildung auf Gorna Banya, einem zionistischen Bauernhof in der Nähe von Sofia, wanderte er mit seiner Familie im Alter von 23 Jahren nach Palästina aus. Er begann jetzt dauerhaft auf Ivrit zu schreiben.

Jahre in Palästina und Israel

In Palästina arbeitete er die ersten drei Jahre am Bau und in der Landwirtschaft bei Petach Tikwa, bei Rischon LeZion und bei Tel Aviv. Er gehörte zu den Gründern des Ortes Beit Chanan. Ab 1926 arbeitete er als Angestellter in der Archivabteilung der Anglo-Palestine Bank in Tel Aviv. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten kehrte seine Familie zunächst wieder nach Bulgarien zurück, während er und sein Bruder Viktor in Palästina blieben.

1942 gab Eliaz seine Arbeit bei der Bank auf und widmete sich fortan ganz seiner literarischen Tätigkeit. Er arbeitete als Übersetzer, Herausgeber und als Autor bei literarischen Zeitungen und Zeitschriften. 1943 gründete er die Zeitung Mischmar. 1947 wurde Eliaz der erste Herausgeber der Zeitung Mischmar le-jeladim. Als Herausgeber der Zeitung Mischmar le-jeladim veröffentlichte er Kindergeschichten und Gedichte. Von 1948 bis 1951 gab er das Literaturblatt Al ha-Mischmar heraus. Seine literarische Tätigkeit weitete er fortan noch weiter aus. 1949 führte das Ohel-Theater, eine Theaterkompanie, die von 1925 bis 1969 bestand, sein Stück Jom menucha (he.: יוֹם מְנוּחָה; dt.: Ruhetag) auf.[2]

1951 gab er das Literaturblatt Al ha-Mischmar auf und ging ans Habimah-Theater als Übersetzer. 1953 wurde er von dem Regisseur und Schauspieler Josef Milo (eigentl. Pazovsky; 1916–1997) für das Cameri-Theater als Übersetzer engagiert.

Mitte der 1950er Jahre ging er nach Spanien, um an der Universität von Salamanca Spanische Sprache und Literatur zu studieren. 1960 wurde er von Josef Milo an das neu errichtete Stadttheater Haifa engagiert. Dort war er für die künstlerische Leitung, die Dramaturgie und das Repertoire zuständig.

Eliaz starb im Juni 1974 im Alter von 69 Jahren in Cholon, einer Industrie-Vorstadt von Tel-Aviv.

Wirken

Tätigkeit als Literat

Auf dem Gymnasium von Sofia entdeckte Eliaz seine Liebe an polyglotter und klassischer Literatur, vor allem an Shakespeares Dramen. Seine Freunde meinten: „Shakespeare formte seine Lippen“. Eliaz begann mit 17 Jahren Gedichte in bulgarischer Sprache zu veröffentlichen. Seine Arbeiten wurden in der bulgarischen Avantgarde-Zeitschrift Hyperion veröffentlicht, deren Redaktion die Dichter Ludmil Stojanow und Todor Trajanov innehatten.

Obwohl er bereits seit dem Jahr 1927 begann, Gedichte auf Hebräisch schreiben, wurden diese erst 1932 veröffentlicht: Sarapim we-Esch (he.:שַׂרְעַפִּים ואֵשׁ ; dt.: Feuer und Flamme) und Tefilati le-Schemesch (he.: תפילתי לשמש; dt.: Mein Gebet für die Sonne). Sein erstes Gedicht erschien 1932 in der Literaturzeitschrift Ktuwim, bearbeitet von Awraham Schlonski und Elieser Steinman.

Den ersten Gedichtband brachte Eliaz im Jahre 1939 unter dem Titel Schemesch ba-Drachim (he.:שמש בדרכים; dt.: Sonne auf den Wegen) heraus. Ab 1942 begann er Theaterstücke zu übersetzen, so die Komödie Topas von Marcel Pagnol. Im folgenden Jahr begann er mit der Veröffentlichung seiner Gedichte in Mischmar, wo er zu dieser Zeit arbeitete. Ab 1943 setzte er sein literarisches Schaffen fort: Artikel für Zeitschriften, Übersetzungen und Theaterarbeiten. Er schrieb lange Zeit und über viele Genres: Lyrik, Gedichte, Lieder, Balladen, Volks- und Heimatlieder, Kinderlieder und Theaterstücke (für Kinder), wie Ha-Chatan ha-Schemini (he.:החתן השמיני; dt.: Der achte Bräutigam) und Ha-Nessicha Lior (he.:הנְסִיכָה ליאור; dt.: Die Prinzessin Lior).[3] Ha-Bubba Siwa (he.:הבֻּבָּה זִיוָה; dt.: Die Puppe Siwa) war sein bekanntestes Stück für Kinder, ein Stück über die Marionette Siwa in einem Marionettentheater von David ben Schalom.[4] Diverse Arbeiten entstanden in Zusammenarbeit mit israelischen Komponisten: Ha-roäh ha-K'tana (he.:הרוֹעֶה הקטנה, dt.: Kleines Schaf) zusammen mit Mosche Wilenski (he.:משה וילנסקי), heute ein bekannter Volkstanz, Samar ahawa le-jam (he.:זמר אהבה לים, dt.: Liebeslied an das Meer) zusammen mit Sascha Argow (he.:סשה ארגוב) und Placha kachola (he.:פְּלָדָה כָּחֹלה; dt.: Blauer Stahl) bzw. Emek (he.:עֵמֶק; dt.: Schlucht) zusammen mit Mark Lawri (he.:מרק לַבְרִי).

1946 veröffentlichte er seinen zweiten Gedichtband Ahawa be-Midbar (he.:אהבה במדבר; dt.: Liebe in der Wüste), dem mehrere weitere Gedichtbände folgten. Zwei Jahre nach seinem Tod erschienen seine gesammelten Gedichte in fünf Bänden (bearbeitet von Chaim Nagid mit Einführung und Literaturverzeichnis). Die Ausgabe enthält Lyrische Lieder, Gedichte und Balladen, darunter Tewat ha-Adiim (he.: תֵּיבַת העֲדִיים; dt. Schmuckkästchen) und Ha-chajat ha-Kachol (he.:החַיָּט הכחול; dt.: Blauer Ober).

Tätigkeit als Übersetzer

1943 veröffentlichte er seine Übersetzung des Buches Der Matrose auf dem Pferd von Irving Stone; 1944 folgten in Mischmar Übersetzungen von Werken von Federico García Lorca. 1946 veröffentlichte er die Übersetzung von John Steinbecks Kurzgeschichtensammlung Der rote Pony und andere Erzählungen.

Ribbu'a ha-Ma'gal (he.:רִבּוּעַ המַעְגָּל; dt.: Quadratur des Kreises; en.: Quadrature of the Circle) von V. Katsiev (he.:קטאייב) wurde ebenfalls von Eliaz übersetzt. Das Stück war bereits 1938 von dem rumänischen Theaterleiter, Regisseur und Autor Victor Ion Popa an seinem Theater „Luptă şi lumină“ aufgeführt worden; Schauspieler war damals Radu Beligan. Eliaz arbeitete auch an der Übersetzung des Stücks Fuenteovejuna (dt. Titel: Das berühmte Drama von Fuente Ovejuna) von Lope de Vega, das 1951 am Theater Habima aufgeführt wurde.

Aufgrund seiner Kenntnisse der klassischen und modernen europäischen Literatur und aufgrund seiner Sprachkenntnisse wurde Eliaz ein gefragter Übersetzer der jüdisch-hebräischen Theaterbühne. Auf den Bühnen des Habima, am Cameri-Theater und am Ohel-Theater erschienen seine Übersetzungen zu Shakespeare, Brecht, Molière, Lorca, Lope de Vega und anderen. Er legte auch Übersetzungen zu Bühnenstücken von Calderón, Georges Feydeau und Clifford Odets vor. Im Jahr 1958 erschein seine Übersetzung der Gedichtsammlung Romancero gitano (1928) von Federico García Lorca.

1959 wurde er mit dem Tschernichowski-Preis für seine Übersetzungen ausgezeichnet, insbesondere für Romancero gitano (1928) von Federico García Lorca, für die Shakespeare-Übersetzungen von Romeo und Julia und Richard III. und für seine Übersetzung von Lope de Vegas Werk Fuenteovejuna.

Privates

Mit 24 Jahren heiratete Eliaz im Jahre 1929 seine Ehefrau Paula Kahane (* 1. September 1903; ✡ 26. Oktober 1960 in Haifa)[5], die Pflanzenbauwissenschaft gelernt hatte und aus Polen eingewandert war. Das Paar lebte in Ramat Gan. Zwei Jahre später, im Jahre 1931, wurde ihr ältester Sohn, Uri, geboren, der als Bildhauer, Maler und Bühnenbildner arbeitete. 1932 kehrte seine Familie, die zeitweise nach Bulgarien zurückgekehrt war, nach Palästina zurück und ließ sich in Tel Aviv nieder. Am 8. Januar 1936 wurde in Tel Aviv ihr zweiter Sohn Amnon geboren, der im Libanonkrieg 1982 umkam.

Seine Frau Paula wurde im Oktober 1960 durch Alice Fano ermordet. Der Fall wurde in Israel als Razach Paula Eliaz (he.:רָצַח פולה אליעז) bekannt. Alice Fano vergiftete die Frau des Dichters aus Eifersucht, weil sie seit 1954 in den Dichter verliebt war und diesen begehrte. Fano war zuerst im Gefängnis und wurde später in ein Krankenhaus für psychisch Kranke im Jerusalemer Stadtteil Talbieh gebracht. Sie wurde im September 1967 entlassen, nachdem sie von Salman Schasar begnadigt wurde.

Eliaz heiratete erneut und hatte mit seiner zweiten Frau zwei Kinder. Er ließ sich später scheiden, zog allein nach Jaffa und verstarb 1974.

Auszeichnungen

Eliaz wurde 1959 für seine Übersetzungen mit dem Tschernichowski-Preis ausgezeichnet.

Publikationen

  • Ahavah ba-midbar : shirim = אהבה במדבר : שירים. Sifriyat Poʻalim = ספרית פועלים, Tel Aviv 1946, OCLC 12147195.
  • Yalḳuṭ ha-ḳesamim : agadot ṿe-sipure ʻamim = ילקוט הקסמים : אגדות וספורי עמים. Hotsaʼat Sifriyat poʻalim = הוצאת ספרית פועלים, Tel Aviv 1955, OCLC 23611897.
  • Raphael Eliaz zusammen mit Peter Merom = פטר מירום/ רפאל אליעז‎: ha-Bubah Ziṿah = ‏הבבה זיוה. Sifriyat Poʻalim = ספרית פועלים, Tel Aviv 1957, OCLC 41217203.
  • Raphael Eliaz zusammen mit Uri Eliʻaz = אורי אליעז/ רפאל אליעז‎: Peraḥ ha-midbar : agadah be-ḥaruzim = ‏פרח המדבר: ‏ ‏אגדה בחרוזים. Sifriyat Poʻalim = ספרית פועלים, Tel Aviv 1963, OCLC 50019956.
  • Shirim = שירים. Sifriyat Poʻalim = ספרית פועלים, Tel Aviv 1976, OCLC 17035767.
  • Tevat ha-ʻadayim : shirim = תבת העדיים : שירים. Hotsaʼat Sifriyat poʻalim = הוצאת ספרית פועלים, Tel Aviv 1976, OCLC 19140305.
  • Hayat ha-kaḥol : shirim = החיט הכחל : שירים. Sifriyat Poʻalim = ספרית פועלים, Tel Aviv 1977, OCLC 49577205.
  • Raphael Eliaz zusammen mit Chayim Nagid = חיים נגיד / רפאל אליעז‎: Ahavah ba-midbar ṿe-shirim aḥerim : (mivḥar shirim mishe-kevar) = אהבה במדבר ושירים אחרים : (מבחר שירים משכבר). Sifriyat Poʻalim = ספרית פועלים, Tel Aviv 1977, OCLC 17036006.
  • Raphael Eliaz zusammen mit Chayim Nagid = חיים נגיד / רפאל אליעז‎: Shire Yafo : shirim = שירי יפו : שירים. Sifriyat Poʻalim = ספרית פועלים, Tel Aviv 1977, OCLC 17036000.
  • Ramon : shirot = רמון : שירות. Sifriyat Poʻalim = ספרית פועלים, Tel Aviv 1977, OCLC 17035992.
  • Peraḥim mi-kol ha-śadot : Romansero Espanyol : targumim mi-shirat ha-ʻolam = פרחים מכל השדות : רומנסרו אספניול : (תרגומים משירת העולם). Sifriyat Poʻalim = ספרית פועלים, Tel Aviv 1988, OCLC 779706577.
  • Raphael Eliaz zusammen mit Chayim Nagid = חיים נגיד / רפאל אליעז‎: Shire teʼaṭron : shirim ṿe-shire-zemer mitokh maḥazot meturgamim u-meḳoriyim = שירי תיאטרון : שירים ושירי-זמר מתוך מחזות מתורגמים ומקוריים. Safra Bet Hotsaʼah la-Or = ספרא, Tel Aviv 2009, OCLC 725258948.
  • Kesheha-guf ḥolem = כשהגוף חולם : מבחר שירים. Safra Bet Hotsaʼah la-Or = ספרא, Tel Aviv 2009, OCLC 503248530.

Einzelnachweise

Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Raphael Eliaz aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.