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Raoul Fernand Jellinek-Mercedes

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Raoul Fernand Jellinek-Mercedes (geb. 18. Juni 1888 in Algier; gest. 10. Februar 1939 in Baden bei Wien, Deutsches Reich) war ein österreichischer Schriftsteller.

Leben

Wohnhaus in Baden

Raoul Fernand Jellinek war der Sohn des österreichisch-ungarischen Diplomaten und Autohändlers Emil Jellinek und der Rachel Goggmann Cenrobert. Eine Schwester war Mercédès Jellinek, die als Namenspatin der Automobilmarke Mercedes-Benz gilt. Im Juni 1903 ließ Emil Jellinek den Familiennamen auf „Jellinek-Mercédès“ ändern.

Jellinek-Mercedes heiratete Leopoldine Weiss. Mit seinem Halbbruder Guy war er förderndes Mitglied des Wiener Musikvereins.[1] Er besaß eine umfangreiche Musikalien- und Gemäldesammlung sowie eine Bibliothek, die sich in seinem Wohnhaus in der Wienerstraße in Baden bei Wien befand.[2]

Als er nach dem Anschluss Österreichs im Juli 1938 von der Vermögensverkehrsstelle im Ministerium für Arbeit und Wirtschaft der Ostmark aufgefordert wurde, seine Vermögensverhältnisse gemäß der „Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden vom 18. Mai 1938 (GBl. für Österreich (GBlÖ) Nr. 139/1938)“ offenzulegen, versuchte er einen Nachweis aufzutreiben, dass er „nur zweiten Grades jüdischer Abstammung“ sei. Der Geburtsnachweis in Algier enthielt allerdings keine Information über die Religion der Eltern und Großeltern. Sein Besitz wurde daher als jüdisches Eigentum deklariert und seine Verfügungsmöglichkeiten wurden eingeschränkt. Im Februar 1939 erschoss er sich nach einer Amtshandlung des Vollziehungsbeamten. Seine Witwe musste in der Folge, um die Judenvermögensabgabe in Höhe von 32.000.- RM zu begleichen, ihre Wertsachen und Immobilien unter Wert veräußern.[2] Seine Sammlung von über eintausend Bänden von Gesamtausgaben deutscher Musiker aus dem Verlag Breitkopf & Härtel wurde von der Gestapo beschlagnahmt und gelangte 1940 in die Musikbibliothek in Essen.[1]

Der von Leopoldine Jellinek-Mercedes im Mai 1962 in der Republik Österreich angestrengte Rückstellungsantrag wurde im August 1962 aufgrund einer nicht fristgerechten Einreichung des Antrages abgewiesen.[2] Die deutschen und österreichischen Bibliotheken begannen sechzig Jahre nach seinem Tod, ihre Bibliotheksbestände auf Restitutionsfälle durchzusehen;[2] der Bestand in Essen wurde „eher zufällig“[1] entdeckt. Die Halbschwester Andrée Jellinek-Mercedes (1906–2003), vertreten durch ihren Schwiegersohn, den österreichischen Diplomaten Ludwig Steiner,[1] wurde 2002 für die Büchersammlung entschädigt, obschon die Stadt Essen sich auf Verjährung hätte berufen können.[3]

Werk

  • Phantastische Erzählungen und Märchen. Kuppitsch, Wien 1919

Literatur

  • Anett Krause , Cordula Reuß [Hrsg.]: NS-Raubgut in der Universitätsbibliothek Leipzig : [Katalog zur Ausstellung in der Bibliotheca Albertina, 27. November 2011 bis 18. März 2012]. Universitätsbibliothek Leipzig, Schriften aus der Universitätsbibliothek Leipzig ; 25 , 2011, S. 58f
  • Reinhard Brenner: Die Sammlung Jellinek-Mercedes in der Stadtbibliothek Essen, in: Jüdischer Buchbesitz als Raubgut, (= Zweites Hannoversches Symposium, hrsg. von Regine Dehnel), Frankfurt am Main 2006, (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, Sonderhefte 88), S. 379–385
  • Reinhard Brenner: Zur Geschichte der Sammlung Jellinek-Mercedes. Ein Briefwechsel, in: Buch und Bibliothek, 56 (2004), S. 351–357
  • Guy Jellinek-Mercédès: Mon père, Monsieur Mercédès. Editions France-Empire, Paris 1961
    • Mein Vater der Herr Mercedes. Vom Autor aus dem Französischen. P. Neff, Wien 1962

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Reinhard Brenner: Die Sammlung Jellinek-Mercedes in der Stadtbibliothek Essen, 2006
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Walter Mentzel: Restitutionsdossier: Bibliothek „Raoul Fernand Jellinek-Mercedes“, 2012
  3. Reinhard Brenner: Zur Geschichte der Sammlung Jellinek-Mercedes. Ein Briefwechsel, 2004, S. 355
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Raoul Fernand Jellinek-Mercedes aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.