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Private Waldschule Grunewald

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Die Private Waldschule Grunewald wurde 1930 durch die Pädagogin Toni Lessler (1874–1952) als konfessionell ungebundene Privatschule in Berlin-Grunewald gegründet.[1] Die Schule orientierte sich am Erziehungsbild von Maria Montessori, war für Mädchen und Jungen offen und bot den zur damaligen Zeit noch modernen koedukativen Unterricht nach den Lehrplänen des Reformrealgymnasiums und Lyzeums an.

Historie

Die neue Schule wurde in der Brahmsstraße 17/19 gegründet, das Gebäude ist bis heute erhalten. Ihr wurde ein Tagesheim angegliedert, in dem sich Schülerinnen und Schüler bei Bedarf auch an den Nachmittagen aufhalten konnten und dort beispielsweise bei den Hausaufgaben und beim Lernen betreut wurden. In der Villengegend Grunewald waren zu dieser Zeit viele wohlhabende Familien von Akademikern, Bankiers, Künstlern und Unternehmern angesiedelt, darunter oft solche jüdischer Herkunft.[2] Mitglied des Lehrerkollegiums der Schule war Toni Lesslers jüngere Schwester Clara Heine (* 29. Februar 1876).

Toni Lessler betreute bereits seit 1912 in der Uhlandstraße 161 private Schulzirkel für Kinder und Jugendliche mit intensiverem Betreuungsbedarf, um diese beim Lernen und bei ihren Hausaufgaben zu fördern.

Durch den Erfolg der neu gegründeten Schule in der Brahmsstraße wurde schon 1932 ein größeres Schulgebäude erforderlich. Lessler zog daher mit ihrer ganzen Schule in eine große Villa um, die sich nicht weit entfernt in der Hagenstraße 56 an der Ecke zur Teplitzer Straße befand. Deren weitläufiger Garten eignete sich auch für die Pausengestaltung und Sport. Die Schule wurde nun inoffiziell auch als „Schule am Roseneck“ bezeichnet, nach dem nahegelegenen Platz.

Durch die 1. Verordnung zum Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen vom 25. April 1933 wurde die Zahl der Neuaufnahmen jüdischer Schüler an höheren Schulen (und Hochschulen) begrenzt. Jüdische Schüler und Lehrkräfte wurden an den staatlichen Schulen generell ausgegrenzt, wodurch insbesondere Schulanfänger und jüngere Schüler stark betroffen waren, denn sie konnten dem für sie unbegreiflichen Geschehen noch nichts entgegensetzen. Eltern versuchten daher, ihre Kinder vor derart traumatischen Erfahrungen zu schützen, indem sie sie auf jüdische Schulen schickten, von denen es jedoch zunächst nicht genug gab bzw. deren Kapazität zunächst nicht ausreichte.

Die Unterrichtsinhalte veränderten sich, jüdische Schulen mussten ihre Schüler nun vordringlich auf ein Leben nach der Emigration ins Ausland vorbereiten. Der Spracherwerb, vorrangig Englisch und Hebräisch, gewann demgemäß an Bedeutung.[3][4]

Ab 1934 musste sich die Schule wegen ihrer jüdischen Schulleiterin und Betreiberin „Private Jüdische Waldschule Grunewald“ nennen. Der staatlich auferlegte Zusatz „jüdische“ wurde von der Schulleitung maschinenschriftlich beispielsweise in Zeugnisse eingefügt.[5] Als Folge mussten die von den Nationalsozialisten als „arisch“ bezeichneten Schüler und Lehrer zu diesem Zeitpunkt die Schule verlassen.[6][7] Lessler erhielt die Genehmigung, ihre Bildungseinrichtung um eine Frauenschule zu erweitern.

Schulleiter war von Ostern 1934 bis zu der von den Nazis erzwungenen Schließung der Schule im Jahr 1939 Kurt Landsberg (1892–1964).

Im Jahr 1936 musste die Schule erneut erweitert werden und nutzte daher zusätzlich das an das Schulgrundstück angrenzende Gebäude Kronberger Straße 18.[8] Die Schule war ab 1937 als Prüfungszentrum für die Aufnahme (Matriculation Exam) an der University of Oxford zertifiziert. Jüdische Schüler, die das Deutsche Reich vor der Shoah verlassen konnten, waren somit in der Lage, sich auf ein Studium im Vereinigten Königreich vorzubereiten.

In der Pogromnacht vom 9. November 1938 blieb die Schule von nationalsozialistischen Übergriffen verschont.

Einem Runderlass des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust, vom 15. November 1938 zufolge wurden sämtliche jüdische Schülerinnen und Schüler infolge des Pogroms von den staatlichen Schulen verwiesen. Dadurch stieg die Schülerzahl der Privaten Jüdischen Waldschule Grunewald noch einmal an.

Im Jahr 1939 wurde die Private Jüdische Waldschule Grunewald auf Anordnung der Nationalsozialisten geschlossen. Toni Lessler emigrierte daraufhin in die Vereinigten Staaten.

Auf dem Grundstück der ehemaligen Villa bzw. der früheren Privatschule Hagenstraße 56 befindet sich seit 2004 der Neubau der Katarischen Botschaft.

Bekannte Schüler

Bekannte Lehrer

Schulleiter

  • Toni Lessler, 1930–1934
  • Kurt Landsberg, 1934–1939

Literatur

  • Landsberg, Kurt (Hrsg.): Festschrift anlässlich des fünfundzwanzigjährigen Bestehens der Privaten Jüdischen Waldschule Grunewald. Selbstverlag, Berlin 1937.
  • Fehrs, Jörg H.: Von der Heidereutergasse zum Roseneck. Jüdische Schulen in Berlin 1712–1942. Edition Hentrich 1993, Hrsg. Arbeitsgruppe Pädagogisches Museum e. V. ISBN 978-3-89468-075-6
  • Friedrich Wißmann / Ursula Blömer (Hrsg.): „Es ist Mode geworden, die Kinder in die Lesslerschule zu schicken“. Dokumente zur Privaten Waldschule von Toni Lessler in Berlin Grunewald, Oldenburg, BIS Verlag der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg 2010. ISBN 978-3814220475

Einzelnachweise

  1. Kurzbiographie Toni Lessler, in: Berliner Morgenpost, 2. September 2003, auf: morgenpost.de, abgerufen am 20. Juli 2015
  2. Grunewaldrampe auf: berlin-judentum.de
  3. Schulalltag nach 1933. Kreuzzug gegen Kinder, auf: swr.de, abgerufen am 20. Juli 2015
  4. Jugend 1918–1945. Jüdische Jugend, auf: jugend1918-1945.de, abgerufen am 20. Juli 2015
  5. Zeugnis der Privaten Jüdischen Waldschule Grunewald 1937/38, auf: jmberlin.de, abgerufen am 20. Juli 2015
  6. Kiezspaziergang 9. November 2002 – Vom Roseneck zum Hagenplatz, auf: berlin.de, abgerufen am 20. Juli 2015
  7. Kiezspaziergang 13. November 2004 – Vom Roseneck zum Hagenplatz, auf: berlin.de, abgerufen am 20. Juli 2015
  8. Private Waldschule Grunewald, in: Berliner Bezirkslexikon, Charlottenburg-Wilmersdorf, auf: luise-berlin.de, abgerufen am 20. Juli 2015
52.479218613.275276
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