Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

Predigt

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Predigt in einer dänischen Kirche
Predigt in einem evangelischen Gottesdienst in Deutschland
Die Kanzeluhr sollte im 18. Jahrhundert die Predigtzeit des predigenden Pfarrers reglementieren. (Exemplar von 1776, Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt)

Predigt (lat. praedicatio), auf Englisch und Französisch Sermon (christl. Mittellatein, von lat. sermo "Wechselrede, Gespräch; Vortrag"[1]), ist ein christlich-theologischer Begriff (Terminus), der die Verkündigung (Kerygma) des Evangeliums bezeichnet. Im allgemeinen Sinn ist damit die Verkündigung des christlichen Glaubens in Wort, Tat und Lebensführung gemeint, im speziellen eine Form christlicher Rede als Teil des Gottesdienstes. Die wissenschaftliche Lehre von der Predigt wird als Homiletik bezeichnet.

Umgangssprachlich wird „Predigt“ auch verwendet

  1. als Bezeichnung für religiöse Ansprachen in manchen anderen Religionen,
  2. als Ausdruck für moralisierendes Reden.

Predigt in der Bibel

  • Jesus gab seinen Jüngern die Anweisung zu predigen (Mt 10,7 LUT).
  • Das Evangelium muss unter allen Völkern gepredigt werden (Mk 13,10 LUT).
  • Jesus predigte mit Vollmacht (Lk 4,32 LUT).
  • Sie predigten, man solle umkehren, und trieben viele böse Geister aus (Mk 6,12 LUT).
  • Der Glaube kommt aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi (Röm 10,17 LUT).
  • Die Predigt geschah nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem heiligen Geist und in großer Gewissheit (1. Thess 1,5 LUT).

Predigt als christlich-theologischer Begriff

Der christliche Begriff ist vor allem durch die Evangelien, die Apostelgeschichte und die Briefe des Apostels Paulus geprägt. Die dort verwendeten griechischen Ausdrücke „keryssein“ bzw. „kerygma“ meinen zum einen die Verkündigung durch Jesus selbst, der die Menschen zur Umkehr aufrief. Zum anderen – insbesondere in den neutestamentlichen Briefen – ist die Verkündigung des gekreuzigten Jesus als auferstandener Christus gemeint.

Ist hier Predigt die Verkündigung des Evangeliums für Nichtglaubende (Juden und Heiden), so wird besonders seit Martin Luther, für den das „Wort“ zentrale Bedeutung gewann, auch die Glaubensverkündigung im Gemeindegottesdienst vielfach im gleichen Sinn verstanden. Deshalb ist in der Evangelischen Kirche das "docere evangelium" (Predigen des Evangeliums) als Dienst am Wort der "praecipuus cultus Dei" ("allergrößte, heiligste, nötigste, höchste Gottesdienst, ...., denn das Predigtamt ist das höchste Amt in der Kirchen." ApolCA XV, BSLK, 305,9f).

Predigt im Gottesdienst

Evangelischen Predigten liegt in der Regel ein Abschnitt oder Gedanke aus der Bibel zugrunde. Hierfür gibt es die Perikopenordnung, die im Rhythmus von sechs Jahren solche Texte aus der Bibel für jeden Sonn- und Feiertag vorsieht.

Vor allem katholische Theologen betonen aber den Unterschied zwischen Missionspredigt ("Basis predigen"[2]) und innerchristlicher Glaubensauslegung und bevorzugen für diese das Wort Homilie (griech. „Zurede“).

Nach dem Verständnis der katholischen Kirche kann bei einer Predigt, im Unterschied zur Homilie, das Thema freier gewählt werden, bis hin zur Ansprache, und sie kann unabhängig von einem Gottesdienst stattfinden. Eine Homilie hat sich immer auf die beiden Lesungen und das Evangelium der jeweiligen Messe zu richten. Laut kirchlichen Vorschriften muss eine Homilie an jedem Sonn- und Feiertag gehalten werden. Für die Wochentage ist sie sehr empfohlen.

Jedoch ist die Predigt bzw. Homilie in der katholischen Kirche, im Gegensatz zur protestantischen, nicht das zentrale Element des Gottesdienstes. Während bei der evangelischen Kirche die Verkündung und Erklärung des Wortes Gottes im Zentrum steht, nimmt die Predigt in der katholischen Kirche eine zwar wichtige jedoch dem hl. Messopfer untergeordnete Rolle ein.

Im Allgemeinen hat eine Predigt die Form eines Monologes. Es gibt aber auch kreativere Formen, indem zwischendurch Fragen an die Zuhörer gerichtet werden (mit Antwortmöglichkeit), oder indem ein Anspiel oder ein Kurzfilm in die Predigt eingebaut wird.

Die Dauer einer Predigt hat sich im Lauf der letzten Jahrzehnte stark verkürzt. Heute dauert eine Predigt in einer katholischen Kirche etwa 10min, in einer evangelischen Kirche etwa 20min und in einer Freikirche etwa 30min (das sind grobe Richtwerte, die eher unter- als überschritten werden).

Rechtliche Situation

Das Bundesverwaltungsgericht stellte in seinem im August 2011 zugestellten Beschluss[3] fest, dass „die religiöse Äußerungsfreiheit, auch soweit es um eine Predigt geht, keinen absoluten Vorrang vor den Belangen des Persönlichkeits- und Ehrenschutzes“ genießt. Hintergrund des Urteils war eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen dem Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, und dem Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller. Müller hatte im Mai 2008 in Tirschenreuth eine Predigt gehalten und darin die Religionskritiker Richard Dawkins und Michael Schmidt-Salomon als Vertreter eines „aggressiven Atheismus“ beschimpft und behauptet, Schmidt-Salomon würde Kindstötungen beim Menschen legitimieren, da dies bei Berggorillas eine natürliche Verhaltensweise sei. Tatsächlich hatte Schmidt-Salomon jedoch in seinem Buch Manifest des evolutionären Humanismus das Gegenteil geschrieben. Müller verweigerte sich einer Unterlassungserklärung, was er mit seiner besonderen Stellung als Bischof der katholischen Kirche begründete. Das Bayerischen Verwaltungsgerichtshof urteilte am 24. Februar 2011, dass die Behauptungen des Bischofs im Widerspruch zu Schmidt-Salomons tatsächlichen Veröffentlichungen standen und geeignet waren, dessen Ansehen in der Öffentlichkeit zu schaden. Da der Bischof seine „Pflicht zur Sorgfalt, Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit nicht erfüllt“ habe, sei der Philosoph in seinem „Persönlichkeitsrecht verletzt“ worden. Damit wurde juristisch geklärt, dass die Kirche kein „rechtsfreier Raum“ ist und auch in Predigten wahrheitsgemäß zitiert werden muss.[4]

Siehe auch

Wikiquote: Predigt – Zitate

Literatur

Einzelnachweise

  1. Stowasser, lateinisch-deutsches Schulwörterbuch, Auflage 1998, Eintrag "sermo"
  2. Franz Graf-Stuhlhofer: Basis predigen. Grundlagen des christlichen Glaubens in Predigten, dazu eine didaktische Homiletik für Fortgeschrittene. Verlag für Theologie und Religionswissenschaft, Nürnberg 2010.
  3. BVerwG, Beschl. v. 8.8.2011 - 7 B 41.11 -
  4. http://hpd.de/node/11867

Weblinks


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Predigt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.