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Parnas (Judentum)

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Ein Parnas (ein aus dem Griechischen entlehntes hebräisiertes Fremdwort, wörtlich: "Verpfleger", "Versorger") ist ein Vorsteher einer jüdischen Gemeinde, idealerweise ein Rabbiner, also eine religiöse Führungsperson, der zugleich aber auch die Administration der Gemeinde, etwa in finanzieller Hinsicht, übernimmt. Das Rabbinerdiplom war aber keine formale Voraussetzung, um Parnas sein zu können. Um diesen Posten zu besetzen, benötigten die Parnasim aber die Bestätigung durch die Gemeinde (Berachot 55a).

Der Wichtigkeit dieses Amtes entsprechend wurden von der Tradition hohe Ansprüche an die Parnasim gestellt (Mosche und seine Geschwister galten als Vorbild der Gemeindeleiter, Taanit 9a). So ist auch Bezalel, der fromme Architekt des Mischkan, als Bild für einen guten Parnas im kollektiven Gedächtnis überliefert (Berachot 55a).

Das Amt war mit einer solchen Ehre verknüpft, dass der jeweilige Inhaber des Amtes nach dem Kohen und Levi als Dritter zur Tora aufgerufen werden sollte (Gittin 60a). Ebenso war, wie bei vielen anderen jüdischen Autoritätsposten auch, die Parnas-Stellung bei entsprechender Eignung an den Sohn zu vererben (Rambam, Hilchot Melachim 1,9).

Das aschkenasische Judentum Polens hat dagegen bis ins 19. Jahrhundert zwischen Rabbinern und Parnasim streng unterschieden. Während das Rabbinat auf Lehre und Rechtsprechung beschränkt war, lag die Gemeindeverwaltung in den Händen gewählter Laien. Diese konnten u. a. über An- und Verkäufe für die jüdische Gemeinde entscheiden und waren auch für die Anstellung der Rabbiner entscheidend. Als Abgesandte fungierten sie zugleich als Vertreter ihrer jeweiligen jüdischen Ortschaft beim höchsten jüdischen Gremium Polens, dem Vaad Arba HaArazot, bis zu dessen Auflösung im Jahr 1764. Dadurch waren die Parnasim zugleich auch Repräsentanten der Juden vor dem polnischen König.

Mit der Zerschlagung Polens durch Preussen, Österreich und Russland im 18. Jahrhundert sowie den von diesen neuen Schutzmächten in der Folge angeordneten Verwaltungsreformen änderte sich die jüdische Gemeindestruktur grundlegend. Neben der Entmachtung der Rabbiner verschwand letztlich auch das Amt des Parnas.

Dennoch ist dieser Titel für (zumeist nichtrabbinische) Gemeindevorsteher kleiner Gemeinden bis in die Gegenwart gebräuchlich.

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