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Otto Skorzeny

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Skorzeny in Friedenthal, 1943

Otto Skorzeny (* 12. Juni 1908 in Wien; † 5. Juli 1975 in Madrid) war ein österreichischer Offizier der Waffen-SS, zuletzt im Rang eines SS-Obersturmbannführers der Reserve. Bekannt wurde er durch seine Beteiligung am Unternehmen Eiche zur Befreiung des abgesetzten und unter Arrest gestellten italienischen Diktators Benito Mussolini.

Leben bis 1943

Skorzeny wuchs in einer bürgerlichen Familie auf. Seine Eltern waren der Bauingenieur Anton Skorzeny (auch Skorženy, * März 1867 in Wilkischen) und Florentine Karolina, geborene Sieber (* 4. November 1875 in Komorn).[1] Skorzeny wurde römisch-katholisch getauft, seine Vornamen wurden im Ahnenpass mit Otto Johann Baptist, in der Heiratsurkunde von 1939 (ausgestellt 1946) mit Otto Johann Anton angegeben.[2][3] 1926 begann er an der Technischen Hochschule Wien ein Ingenieurstudium. 1927 trat er der akademischen Burschenschaft Markomannia zu Wien bei, von der er bis zu seinem Tode (1975) als Alter Herr geführt wurde. Aus dieser Zeit stammen auch die deutlich sichtbaren Narben (Schmisse) aus dreizehn studentischen Mensuren, weshalb er später von den Alliierten „Scarface“ (deutsch „Narbengesicht“) genannt wurde. Im gleichen Jahr fungierte er als Fahnenträger der „Akademischen Legion“, eines antimarxistischen Studentenfreikorps. Nachdem die Legion von der österreichischen Heimwehr vereinnahmt worden war, trat Skorzeny nach eigenem Bekunden aus.[4] 1931 legte er sein Examen ab und war zunächst arbeitslos.

Von der nationalsozialistischen Ideologie beeindruckt, trat er 1932 der österreichischen NSDAP bei. Ferner war er Mitglied der SA. Am 12. März 1938 – dem Tag des Anschluss Österreichs – konnte er durch sein bestimmtes Auftreten den österreichischen Bundespräsidenten Wilhelm Miklas vor der Misshandlung durch SA-Leute schützen.

Am 25. Mai 1939 heiratete er in Wien Emmi Linhart (* 6. Dezember 1916 in Wiener Neustadt). Beim Standesamt Wien-Alsergrund gaben die Angetrauten an, gottgläubig zu sein.[5] 1940 kam sein einziges Kind, Tochter Waltraut, auf die Welt.[6]

Skorzeny trat 1940 in die Leibstandarte SS Adolf Hitler (SS-Nr. 295.979) ein, nachdem man ihn bei der Luftwaffe aus Altersgründen für nicht tauglich befunden hatte. Nach Einsätzen als Mechaniker und Frontsoldat in Frankreich, den Niederlanden und der Sowjetunion wurde er wegen einer Gallenerkrankung in Berlin zum Reichssicherheitshauptamt, Amt VI – Auslandsnachrichtendienst, versetzt.[7] Nach seiner Entlassung aus dem Lazarett wurde er als Soldat in der Baracke der Leibstandarte SS Adolf Hitler in Berlin verwendet.

Bereits 1929 hatte Skorzeny zum ersten Mal Ernst Kaltenbrunner in Linz getroffen; kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges trafen sich die Familien beider Männer regelmäßig.[8] Kaltenbrunner, der Anfang 1943 Chef der Sicherheitspolizei und des SD wurde, griff bei der Neubesetzung von Positionen häufig auf österreichische SS-Männer zurück.[9]

Am 20. April 1943 wurde Skorzeny zum SS-Hauptsturmführer der Reserve befördert. In dieser Zeit plante die SS die Aufstellung eines neuen Sonderverbandes für Kommandounternehmen, der mit dem Sonderverband Brandenburg der Abwehr konkurrieren sollte. Admiral Wilhelm Canaris, der damals die Abwehr leitete, wurde von der SS von jeher argwöhnisch beobachtet. Man vermutete, er sei ein Hitler-Gegner, der seine Kommandoeinheiten eventuell gegen das NS-Regime einsetzen werde. Da das Unternehmen Zeppelin nicht den erhofften Erfolg hatte, wurde schließlich Skorzeny, der sich schon immer für geheime Kommandoeinsätze begeistern konnte, beauftragt, den SS-Sonderverband z. b. V. „Friedenthal“ zu bilden. Skorzeny studierte dazu Spezialoperationen der britischen SOE.[10] In der Folgezeit erhielt er das Kommando über weitere Truppen, darunter ein Luftwaffengeschwader, das er für Luftlandeeinsätze einsetzte.

Befreiung Benito Mussolinis

Skorzeny mit Harald Mors und Mussolini vor dem Hotel Campo Imperatore, 12. September 1943

Nachdem die Alliierten im Königreich Italien gelandet waren, machte der Große Faschistische Rat Mussolini für sämtliche Fehlschläge während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich, worauf er auf Befehl des Königs Viktor Emanuel III. verhaftet wurde. Hitler ordnete daraufhin eine Befreiungsmission an, wobei Mussolini unter allen Umständen unverletzt bleiben sollte. Zusammen mit General der Fallschirmtruppe Kurt Student und dessen Truppen suchte Skorzeny in ganz Italien nach Mussolini, der von seinen Bewachern mehrfach an einen anderen Ort gebracht wurde. Nach einigen vergeblichen Anläufen schafften es die Deutschen, den ehemaligen Diktator im Hotel Campo Imperatore im Gebirgszug Gran Sasso zu lokalisieren. Am 12. September 1943 startete das Unternehmen Eiche.

Die Talstation einer zum Hotel führenden Bergseilbahn in der Nähe des Ortes Assergi wurde von der Stabskompanie, der zweiten Kompanie sowie einem Teil der ersten Kompanie des Fallschirmjäger-Lehr-Bataillons unter Major Harald Mors, der von General Kurt Student mit der Durchführung des gesamten Unternehmens beauftragt worden war, gegen 14:00 Uhr auf dem Landweg eingenommen. Die italienischen Verteidiger leisteten nur geringen Widerstand (zwei Tote auf italienischer Seite).[11] Bereits zuvor waren von diesen Truppen alle Telefonverbindungen unterbrochen worden.

Gleichzeitig[12] sollten 72 Fallschirmjäger der ersten Kompanie des Fallschirmjäger-Lehr-Bataillons unter dem Kommando von Oberleutnant Georg Freiherr von Berlepsch sowie der General der Carabinieri Fernando Soleti[13] mit insgesamt zehn Lastenseglern DFS 230 auf dem Gran Sasso landen. Otto Skorzeny konnte erreichen, dass auch ein 16 Mann starkes SS-Kommando unter seiner Führung in zwei Lastenseglern der zweiten von insgesamt drei Flugzeugketten an der Befreiung als polizeiliches Element teilnehmen konnte. Ab 13:05 bis 13:10 erfolgte der Start aller zehn Schleppverbände, aufgeteilt in drei Ketten mit jeweils drei Schleppverbänden, sowie einem zusätzlichen zehnten Schleppverband vom 30 km südlich von Rom gelegenen Flughafen Pratica di Mare. Um vor den nahen Albaner Bergen zusätzliche Höhe für alle Schleppverbände gewinnen zu können, entschloss sich der Verbandsführer in der Kettenführermaschine, Hauptmann Langguth, eine zusätzliche Schleife vor den Bergen zu fliegen. Die Flugzeugführer der zweiten Kette führten diese zusätzliche Schleife der ersten Kette jedoch nicht aus, da sie dieses Manöver nicht für nötig hielten und die fest vorgegebene Ankunftszeit am Zielort nicht gefährden wollten. Aus diesem Grund befanden sich die Schleppverbände der zweiten Kette nun an der Spitze der Gesamtformation und landeten gegen 14:05 Uhr als erste am Zielort, dem Berghang nahe dem Hotel Campo Imperatore. Während in der näheren Umgebung alle weiteren Lastensegler landeten, drang eine Gruppe mit Skorzeny in den unteren Eingang des Hotels ein, gefolgt von den Fallschirmjägern.[12] Der italienische General Soleti hatte die Aufgabe, den Bewachern Mussolinis Widerstand zu untersagen. Bei der Befreiungsaktion leisteten diese keinen Widerstand und wurden entwaffnet.[11] Mussolini selbst kam zehn Minuten nach Beginn der Befreiungsaktion aus dem Hotel.[11] Von den Lastenseglern machte lediglich einer eine Bruchlandung, wobei Personen an Bord schwer verletzt wurden.[14]

Um 14:45 Uhr kam der Kommandeur des Unternehmens, Major Harald Mors, mit der Seilbahn zum Hotel, woraufhin der unverletzt befreite „Duce“ mit einem Fieseler Storch ausgeflogen werden sollte.[11] Skorzeny bestand darauf, in der Maschine mitzufliegen. In der Höhe von 2100 Metern über dem Meeresspiegel und bei der kurzen, sehr unebenen Startstrecke war die dreisitzige Maschine[14] mit drei Personen eigentlich überladen. Nach dem geglückten Start konnte der Pilot, Hauptmann Gerlach – der persönliche Pilot von General Student –, das Flugzeug mit den beiden Passagieren sicher zu dem Flughafen Pratica di Mare bringen,[11] wo sie gegen 15:38 Uhr landeten.[12] Von dort wurde Mussolini unverzüglich mit einer deutschen Heinkel He 111 nach Wien weitergeflogen, wo er übernachtete und am nächsten Tag nach München gebracht wurde.[14] Am 14. September um 14:30 Uhr traf er Hitler im Führerhauptquartier Wolfsschanze in der Nähe von Rastenburg (Ostpreußen).[15]

Obwohl Skorzeny weder an der direkten Planung dieser Operation beteiligt war noch Befehlsgewalt dabei hatte, wurde er für die Befreiungsaktion hoch gelobt, zum SS-Sturmbannführer befördert und am 13. September 1943 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.[16] In der NS-Propaganda wurde bewusst verschwiegen, dass es sich bei dem Einsatz primär um eine von Angehörigen der Fallschirmtruppe geplante und ausgeführte Operation gehandelt hatte, während die Rolle Skorzenys und seiner SS-Leute stark aufgebauscht wurde.[17]

Weitere Operationen

Unternehmen Weitsprung

Nachdem die Deutschen von den alliierten Vorbereitungen zur Konferenz von Teheran erfahren hatten, soll es angeblich Planungen zu einem Unternehmen Weitsprung mit dem Ziel der Ermordung oder Entführung der drei beteiligten Staatsführer Stalin, Churchill und Roosevelt unter der Leitung von Skorzeny gegeben haben. Der sowjetische Spion Geworg Wardanjan berichtete, dass dieses Unternehmen gestoppt wurde, nachdem es seiner sowjetischen Agentengruppe gelungen sei, ein deutsches Vorauskommando in Teheran zu verhaften.[18]

Ein Unternehmen "Weitsprung" kam aber über ein beginnendes Planungsstadium nie hinaus. Skorzeny wurde nie mit dem Unternehmen „Weitsprung“ beauftragt. Bei einem Treffen mit Adolf Hitler und Walter Schellenberg Anfang November 1943 äußerte sich Skorzeny: „Der Plan war einfach undurchführbar […] Hitler stimmte mir zu.“[19]

Auch die Person des Sturmbannführers von Oertel, der den Attentatsplan an den sowjetischen Agenten Nikolai Iwanowitsch Kusnezow verraten haben soll, ist eine Erfindung. Der nicht existierende von Oertel soll Kusnezow gesagt haben: „Wir bringen Stalin und Churchill um, um die Wende im Krieg zu erreichen. Wir entführen Roosevelt, um Amerika nachgiebiger zu machen […] Die Agenten wurden bereits in einer Spezialschule in Kopenhagen ausgebildet.“[18] Welchen Zweck Wardanjan mit der Verbreitung dieser Falschinformationen über ein deutsches Kommandounternehmen verfolgte, ist bis heute nicht geklärt.

Verhaftung der Verschwörer des 20. Juli 1944

Am 20. Juli 1944 nahm Skorzeny, der sich an diesem Tag in Berlin befand, an der Gefangennahme der Hitler-Attentäter um Claus Schenk Graf von Stauffenberg teil. Als es Sturmbannführer Achamer-Pifrader nicht gelang, die Verschwörer festzunehmen, holte man Skorzeny im Anhalter Bahnhof aus dem Urlauberzug. Gegen 1 Uhr nachts am 21. Juli drang dann Skorzeny mit einer SS-Kompanie in das Oberkommando der Wehrmacht ein, wo er sich von den Anführern des Gegenstoßes, der inzwischen stattgefunden hatte, berichten ließ.

Skorzeny in Budapest, Oktober 1944

Einsatz gegen die ungarische Regierung Miklós Horthys (Oktober 1944)

Im Oktober desselben Jahres wurde er nach Ungarn entsandt, wo es Anzeichen dafür gab, dass der nationalistische Staatschef Miklós Horthy das Bündnis mit Deutschland aufkündigen wollte. Unter dem Codenamen Unternehmen Panzerfaust stürmten Skorzeny und Angehörige des SS-Fallschirmjägerbataillons 600 die wichtigen Regierungsstellen in Budapest und entführten Miklós Horthy jr., den einzigen lebenden Sohn des Reichsverwesers. Daraufhin begab sich dieser in deutsche Gefangenschaft und erklärte seinen Rücktritt. Das Unternehmen endete aus Skorzenys Sicht erfolgreich: General Géza Lakatos wurde abgesetzt und durch Ferenc Szálasi, einen Vertreter der faschistischen Pfeilkreuzler, ersetzt. Ein Alternativplan des SS-Obergruppenführers Erich von dem Bach-Zelewski, der beabsichtigte, den Regierungssitz mit Artillerie zu beschießen, wurde nicht umgesetzt.

Kommandeur der SS-Jagdverbände (November 1944)

Im November 1944 erhielt Skorzeny als Kommandeur der SS-Jagdverbände den Auftrag, im sowjetischen Hinterland eine Widerstandsorganisation aufzubauen und mit antikommunistischen Partisanen Kontakt aufzunehmen. Dazu gehörten verschiedene antisowjetische Gruppen im sowjetischen Hinterland bis zum Kaukasus.[20] So wurde etwa das Unternehmen Wildkatze durchgeführt, bei dem lettische antisowjetische Partisanen für den Kampf gegen die Sowjetunion ausgebildet wurden.[21]

Bei einem Treffen mit den weißrussischen Kollaborateuren Radaslau Astrouski, Usewalad Rodska und Mikola Abramtschyk beschloss Skorzeny eine Zusammenarbeit, um Rekruten und Personal für Sabotage-Einsätze und zur Trainierung von Infiltratoren zu finden. Diese Zusammenarbeit wurde durch die Errichtung von zwei SD-Anlagen in Dahlwitz-Hoppegarten sowie in Walbuze in Ostpreußen verwirklicht, wo den Rekruten die Nutzung von Funkverbindungen, Codierung, Demolierung und Tötungstechniken beigebracht wurde. In Dallwitz bei Insterburg wurde das Luftlandebataillon Dallwitz ausgebildet, das womöglich in den SS-Jagdverband Ost übertragen wurde. Im Sommer und Herbst des Jahres 1944 setzte das Frontaufklärungskommando 203 mehrere Einheiten im sowjetischen Hinterland ab.[22]

Die Jagdverbände wurden bereits im Sommer 1944 gegründet und waren territorial in Ost, Südost, Südwest und Nordwest unterteilt. Sie waren formal Teil der Waffen-SS und unterstanden dem Kommando von Skorzeny.[23]

Ardennenoffensive (Dezember 1944)

Gegen Ende des Jahres 1944 wurde die deutsche Ardennenoffensive im Westen geplant, welche die weit ins Land vorgerückten Alliierten zurückdrängen sollte. Skorzeny stellte einen Kommandoverband auf, dessen Soldaten – in amerikanischen Uniformen getarnt – hinter den gegnerischen Linien Spezialaufträge ausführen sollten (Unternehmen Greif). Aufgrund des Kriegsverlaufes kam es jedoch nicht zur Durchführung des Unternehmens, nur einige Mitglieder dieser Einheit kamen während der Ardennenoffensive zum Einsatz.[24][25] Während der im Dezember gestarteten Offensive setzten die Kommandos alles daran, alliierte Soldaten durch kriegsrechtlich nicht zulässige Einsätze zu bekämpfen. Es verbreitete sich sogar das Gerücht, dass der amerikanische Oberbefehlshaber, General Eisenhower, getötet werden sollte, worauf die Amerikaner ihre Wachsamkeit erhöhten und Skorzeny den Ruf als der „gefährlichste Mann Europas“ bekam. Wegen dieser Einsätze unter der Verwendung falscher Uniformen wurde Skorzeny wegen Kriegsverbrechen angeklagt (s. u.).

Skorzeny bei einer Lagebesprechung mit SS-Führern einer SS-Fallschirmjäger-Einheit an der Oder (Februar 1945)

Ostfront (Januar–Februar 1945)

Am 31. Januar des Jahres 1945 versetzte man Skorzeny an die Ostfront in das Gebiet um Schwedt/Oder, wo er mit einer Reihe zusammengewürfelter Verbände einen Brückenkopf für eine Gegenoffensive gegen die Rote Armee sichern sollte. Skorzeny wurde am 28. Februar 1945 abberufen, drei Tage bevor der Brückenkopf aufgegeben wurde. Die Kämpfe wurden von beiden Seiten mit größter Härte geführt, wobei die Rolle Skorzenys in diesen als sehr fragwürdig gelten muss: So wurde am 4. Februar 1945 der Bürgermeister und Volkssturm-Kommandant von Königsberg/Neumark, der die Stadt ohne Rückzugsbefehl verlassen hatte, in Schwedt durch die von Skorzeny befehligte SS hingerichtet. Ebenso waren die Kämpfe von geringem militärischem Nutzen, forderten aber auf beiden Seiten sowie unter den Flüchtlingen und der Zivilbevölkerung sehr viele Opfer. Am 9. April 1945 erhielt er als 826. Soldat das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, nachdem er bereits am 16. Januar 1945 mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet worden war.[16]

Alpenfestung und Verhaftung

Gegen Kriegsende wurde Skorzeny noch zum Obersturmbannführer befördert. Im April 1945 wurde er ins Alpengebiet geschickt und sollte mithelfen, den letzten deutschen Widerstand in der angeblichen „Alpenfestung“ zu organisieren.[26] Zuletzt versteckte er sich unter dem Pseudonym Rolf O. S. Steinbauer[6] in den Alpen. Am 15. Mai 1945 stellte sich Skorzeny US-amerikanischen Streitkräften der 3. US-Infanteriedivision in der Steiermark, nach anderen Quellen in Salzburg.[26][27] Er wurde in das Internierungslager Dachau gebracht und vom Counter Intelligence Corps verhört.[28][29]

Leben nach dem Krieg

Otto Skorzeny als Insasse des Gefängnisses von Nürnberg (November 1945)

Kriegsverbrecherprozess (1947)

Skorzeny wurde als Kriegsverbrecher angeklagt, da seine Kommandos während der Ardennenoffensive völkerrechtswidrig in amerikanischen Uniformen operiert hatten (s. o.). Vom 18. August bis zum 9. September 1947 wurde der Prozess (United States of America v. Otto Skorzeny et al.) gegen ihn und neun weitere Angeklagte als Teil der Dachauer Prozesse geführt. Die vier Anklagepunkte, die sämtlich mit „Verletzung der Kriegsgesetze und -gebräuche“ überschrieben waren, umfassten die „Misshandlung und Tötung Kriegsgefangener“, „Beraubung Kriegsgefangener“, „missbräuchliche Benutzung alliierter Uniformen“ und „Einbehaltung von Paketen Kriegsgefangener“.[24] Alle Angeklagten wurden jedoch freigesprochen, da ein britischer Offizier, Wing Commander Edward Yeo-Thomas, der als Widerstandskämpfer unter dem Namen „Das weiße Kaninchen“ bekannt geworden war, bestätigte, dass alliierte Spezialeinheiten ebenfalls in gegnerischen Uniformen gekämpft hatten.[30]

Bruder Alfred Skorzeny in sowjetischer Haft (bis 1955)

Sein Bruder Alfred Skorzeny wurde in der Sowjetunion in Sippenhaftung im Jahr 1948 zu 20 Jahren Besserungslager verurteilt. Im Jahr 1955 wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen und repatriiert.[31]

Flucht aus Untersuchungshaft (1948)

Anschließend an seinen Prozess in Dachau wurde Skorzeny den deutschen Behörden für weitere Untersuchungen übergeben und saß im Gefängnis von Darmstadt ein. Am 27. Juli 1948 wurde ihm mit Hilfe des Gefängniskommandanten die Flucht ermöglicht, so dass er sich einer möglichen weiteren Strafe entziehen konnte.[30]

Flucht nach Frankreich, Spanien und Argentinien

Skorzeny floh zunächst nach Paris, dann nach Spanien und 1949 nach Argentinien. Laut einem US-Geheimbericht vom 20. Januar 1947[32] soll Skorzeny der Führer des angeblichen Untergrund-Netzwerks O.d.e.SS.A. gewesen sein (Existenz nie bewiesen), dessen Aufgabe gewesen sein soll, ehemaligen NS-Größen zur Flucht aus Europa zu verhelfen. Skorzeny soll zu Albert Schnez Kontakt gehabt haben.[33] Zudem wurden ihm Verbindungen zum Naumann-Kreis, der Organisation Gehlen und der CIA nachgesagt.[34]

Im Februar 1950 meldete Der Spiegel: „Otto Skorzeny verkaufte seine Memoiren der Münchener Illustrierten Quick. Die Memoiren werden von dem Publizisten Hans Werner Richter kommentiert und, wo nötig, richtiggestellt. Sie sollen aufschlußreiches und sehr ernüchterndes Material über die Herren des ‚Dritten Reiches‘ enthalten. Die Buchrechte hat sich ein Hamburger Verlag gesichert.“[35]

Rückkehr nach Spanien

Anfang der 1950er-Jahre kehrte er wieder ins franquistische Spanien zurück, wo er unter dem Schutz des spanischen Diktators Francisco Franco stand. Daher musste er keinerlei Einschränkungen mehr befürchten und konnte weiterhin Kontakte zu ehemaligen Größen der NS-Zeit, vor allem Léon Degrelle, aufrechterhalten. In einer einschlägigen Darstellung heißt es, Skorzeny sei in Spanien „ein Kristallisationspunkt für eine beträchtliche Anzahl von Männern“ gewesen. In dieser Zeit schrieb er auch seine Erinnerungen unter dem Titel Lebe gefährlich nieder und brüstete sich in mehreren Interviews seiner Tätigkeit während des Zweiten Weltkriegs.[36]

1952 heiratete er zum dritten Mal. Ab 1953 fungierte er unter anderem als Berater des argentinischen Präsidenten Juan Perón und des ägyptischen Staatschefs Nasser. Er hielt sich 1957 und 1958 mehrfach in Irland auf, wo er 1959 eine Farm im County Kildare kaufte. Er erhielt allerdings kein permanentes Aufenthaltsrecht der irischen Behörden und durfte sich so lediglich sechs Wochen pro Jahr im Land aufhalten. 1971 verkaufte er die Farm.[37]

Skorzeny war durch seine diversen Geschäftstätigkeiten (unter anderem hatte er die Generalvertretung der österreichischen VÖEST für Spanien und Lateinamerika) wohlhabend, er bewohnte in Madrid eine Etagenwohnung und besaß auf Mallorca ein Fischerhaus. In Madrid besaß er zudem ein Import- und Export-Unternehmen sowie ein Ingenieursbüro.[34] Er pflegte auch weiterhin Beziehungen zu früheren SS-Männern und gründete 1966 die Neonazibewegung Círculo Español de Amigos de Europa (CEDADE).

Tätigkeit für den Mossad

Der israelische Historiker Benny Morris belegte bereits 1991 in seinem grundlegenden Werk über die Geheimdienstaktionen des Staates Israel die Zusammenarbeit des Mossad mit Skorzeny.[38] Neuere Publikationen behaupten zudem, dass Skorzeny vom Mossad mit Mordaktionen beauftragt worden sei und diese auch erfolgreich durchgeführt habe. Am 27. März 2016 meldete die Tageszeitung Haaretz, Otto Skorzeny sei 1962 vom israelischen Geheimdienst Mossad angeworben worden und habe für diesen gearbeitet. So soll er Anfang 1962 in Ägypten und Deutschland eine Liste deutscher Spezialisten und Unternehmen erstellt haben, die am ägyptischen Raketenprogramm arbeiteten. Skorzeny sei im Rahmen der Anwerbung nach Yad Vashem in Israel eingeladen worden und habe als Gegenleistung verlangt, von der Wiesenthal-Liste der meistgesuchten Kriegsverbrecher gestrichen zu werden. Während Simon Wiesenthal dies ablehnte, soll der Mossad Skorzeny darüber getäuscht und lediglich von der eigenen Liste genommen haben.

Im Laufe des Jahres 1962 beendeten mehrere deutsche Ingenieure und Unternehmen nach einer direkten Ansprache durch die Israelis ihre Zusammenarbeit mit Ägypten. Es verblieben aber genügend Spezialisten, um das Raketenprogramm fortzuführen. Den Rüstungsunternehmer Heinz Krug, der führend daran beteiligt war, soll Skorzeny am 11. September 1962 bei München in eine Falle gelockt und erschossen haben. Schon damals kamen Gerüchte über eine Beteiligung des Mossad am spurlosen Verschwinden des Unternehmers auf. Über eine Anwerbung Skorzenys durch den Mossad war bereits 1989 berichtet worden, nicht aber über die Tötung Krugs. Darüber hinaus soll Skorzeny eine Paketbombe an eine ägyptische Forschungseinrichtung verschickt haben, die deutsche Wissenschaftler beschäftigte. Bei der Detonation seien fünf Ägypter ums Leben gekommen.[39][40][41]

Tod

Otto Skorzeny starb am 6. Juli 1975 im Alter von 67 Jahren in Madrid an Lungenkrebs. Er wurde eingeäschert, die Urne später auf dem Döblinger Friedhof beigesetzt (Gruppe 32, Reihe 7, Nr. 32).[42] Bei seiner Beerdigung in Wien salutierten „alte Kameraden“ mit dem Hitlergruß.[40]

Sonstiges

Laut dem österreichischen Kriegsberichterstatter und Schriftsteller Erik Durschmied hatte Fidel Castro als eines der wenigen englischsprachigen Bücher u. a. ein Buch über Otto Skorzeny (Commando Extraordinary: Otto Skorzeny) in seinem Besitz. In einem persönlichen Gespräch mit Durschmied bezeichnete Castro Skorzeny als (wahrscheinlich in militärischer Sicht) sein Vorbild.[43]

Schriften

  • Geheimkommando Skorzeny. Autobiografie. Hansa Verlag Toth, Hamburg 1950, OBV, DNB.
  • Lebe gefährlich. Deutsche Kommandos im 2. Weltkrieg, Band 1, 2. Auflage. Cramer, Königswinter 1973, ISBN 3-920139-00-3.[44]
  • Wir kämpften – wir verloren. Für Deutschland, Band 4. Ring-Verlag, Siegburg-Niederpleis 1962, OBV, DNB.[44]
  • Skorzeny’s Special Missions. The Memoirs of ’The Most Dangerous Man in Europe’. Greenhill Books, London 1997, ISBN 1-85367-291-2.
  • Meine Kommandounternehmen. Klassiker der Zeitgeschichte. Winkelried-Verlag, Dresden 2007, ISBN 978-3-938392-11-9.

Literatur

Film

Weblinks

 Commons: Otto Skorzeny – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Ahnenpass Otto Skorzeny, Standesamt 1 Wien Innere Stadt
  2. Ahnenpass Otto Skorzeny, Standesamt 1 Wien Innere Stadt
  3. Heiratsurkunde des Standesamtes Wien-Alsergrund Nr. 517/ 1939 vom 25. Mai 1939, ausgestellt am 10. Mai 1946
  4. Otto Skorzeny: Meine Kommandounternehmen. Krieg ohne Fronten. Universitas, München 1993, ISBN 3-8004-1282-9, S. 16.
  5. Heiratsurkunde des Standesamtes Wien-Alsergrund Nr. 517/ 1939 vom 25. Mai 1939, ausgestellt am 10. Mai 1946
  6. 6,0 6,1 Menschen & Mächte: Idole der Nazis (1): Otto Skorzeny – SS-Agent für Hitler. Erstausstrahlung im ORF 2 am 2. Dezember 2010.
  7. Gordon Williamson: Die SS – Hitlers Instrument der Macht. Neuer Kaiser Verlag 1998, S. 258
  8. Befragungsprotokoll vom November 1945 in der Cornell University Law Library (Metadaten)
  9. Philip W. Blood: Hitler’s Bandit Hunters. S. 110, abgerufen über google books.
  10. O. Skorzeny: Skorzeny’s Special Missions, S. ix. abgerufen über google books.
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 11,4 Óscar González López: Fallschirmjäger at the Gran Sasso. AF Editores, Valladolid 2007, ISBN 978-84-96935-00-6.
  12. 12,0 12,1 12,2 Georg Schlaug: Die deutschen Lastensegler-Verbände. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-613-01065-8, S. 188.
  13. Benito Mussolini Memoirs, 1942–1943: With Documents Relating to the Period, G. Weidenfeld & Nicolson, 1949, S. 306. (eingeschränkte Vorschau bei Google Book Search).
  14. 14,0 14,1 14,2 Hermann Götzel: Kurt Student und seine Fallschirmjäger. Podzun-Pallas-Verlag, Friedberg 1980, ISBN 3-7909-0131-8.
  15. Erich Kuby: Verrat auf deutsch. Wie das Dritte Reich Italien ruinierte. Hoffmann und Campe, Hamburg 1982, ISBN 3-455-08754-X.
  16. 16,0 16,1 Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündeter Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 708.
  17. Johanna Lutteroth: Mussolini-Rettung "Unternehmen Eiche". "Duce, der Führer schickt mich. Sie sind frei!", Spiegel Online, 12. September 2013.
  18. 18,0 18,1 Gework Wartanjan: Teheran 1943: Wie das Attentat auf Stalin, Roosevelt und Churchill vereitelt wurde. Aufgezeichnet von Juri Plutenko. Sputnik Deutschland, 15. Oktober 2007.
  19. Otto Skorzeny: Meine Kommandounternehmen. Winkelried, Dresden 2007, ISBN 978-3-938392-11-9, S. 190.
  20. Hermann Zolling, Heinz Höhne: Pullach intern. General Gehlen und die Geschichte des Bundesnachrichtendienstes. Hoffmann und Campe, Hamburg 1971, ISBN 3-455-08760-4, S. 89
  21. „Mit Lettland leben – mit Lettland sterben“. Der SS-Jagdverband Ost – Unternehmen „Wildkatze“ und die Vorbereitungen von antisowjetischen Partisanen in Lettland (1944–1945) auf zfo-online.de.
  22. Perry Biddiscombe: The SS Hunter Battalions. The Hidden History of the Nazi Resistance Movement 1944–45. Tempus, Stroud 2006, ISBN 0-7524-3938-3, S. 65f.
  23. Andreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Eine historisch-biographische Studie. Göttingen 2015, S. 236.
  24. 24,0 24,1 Robert Sigel: Im Interesse der Gerechtigkeit. Die Dachauer Kriegsverbrecherprozesse 1945–48. Frankfurt am Main 1992, S. 124 ff.
  25. Parker: S. 192–198.
  26. 26,0 26,1 Wenn geschlagen wird, gibt’s 2 Tote: Befreite Ausländer. Der Spiegel 29/1949 vom 14. Juli 1949, S. 9–12.
  27. Otto Skorzeny und das „Schutzkorps Alpenland“
  28. Artikel auf wcstumpmilitaria.com
  29. How did Hitler's scar-faced henchman become an Irish farmer? auf der Website der BBC
  30. 30,0 30,1 Otto Skorzeny. Der Spiegel 36/1948, 4. September 1948, S. 18.
  31. Stefan Karner: Im Archipel GUPVI. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1995, S. 36.
  32. Guido Knopp: Die SS – Eine Warnung der Geschichte. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2003, S. 378.
  33. BND-Akten: Weltkriegsveteranen bauten geheime Armee auf. Spiegel Online, 11. Mai 2014.
  34. 34,0 34,1 Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 585.
  35. Otto Skorzeny. Der Spiegel 8/1950, 23. Februar 1950, S. 33.
  36. Tim Ripley: Die deutschen Spezialeinheiten und ihre Waffensysteme. 1939–1945. Panzer – Kampfflugzeuge – U-Boote – V1 – V2. Neuer Kaiser Verlag Gesellschaft m.b.H, Klagenfurt 2003, ISBN 3-7043-5036-2, S. 147.
  37. Terence O’Reilly: Hitler’s Irishmen. Mercier Press, 2008, ISBN 978-1-85635-589-6.
  38. Benny Morris / Ian Black, Israel’s Secret Wars. A History of Israel’s Intelligence Service, New York 1991, S. 198.
  39. Dan Raviv, Yossi Melman: The Strange Case of a Nazi Who Became an Israeli Hitman. Haaretz, 27. März 2016, abgerufen am 28. März 2016.
    Raketen-Krug: Freunde der Braut. Der Spiegel, 3. Oktober 1962, abgerufen am 29. März 2016.
    Sven Felix Kellerhoff: Tötete Hitlers Held Otto Skorzeny für Israel? Die Welt, 29. März 2016.
  40. 40,0 40,1 Lorenz Hemicker: Hitlers „gefährlichster Mann“ Vom SS-Kriegshelden zum Mossad-Killer? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. März 2016, abgerufen am 29. März 2016. ISSN 0174-4909
  41. Marianne Enigl: Zeitgeschichte: Der österreichische SS-Offizier Skorzeny und der Mossad. profil, 5. April 2016, abgerufen am 11. April 2016.
  42. Hedwig Abraham (Red.): Skorzeny Otto. In: viennatouristguide.at, abgerufen am 13. Juni 2016.
  43. 3sat Dokumentation: Idole der Nazis - Otto Skorzeny 38:37 [1]
  44. 44,0 44,1 1971 auf den Index der Deutschen Prüfstelle für jugendgefährdende Schriften gesetzt. – Siehe: Zwei Bücher des Mussolini-Befreiers (…). In: Arbeiter-Zeitung. Wien 12. Jänner 1971, S. 6, Mitte rechts.
  45. Inhaltstext online.


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