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Omertà

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Omertà bezeichnet im engeren Sinne die Schweigepflicht der Mitglieder der Mafia und ähnlicher krimineller Organisationen gegenüber Außenstehenden und ist Teil des Ehrenkodex der Organisation. Eine Person, welche dagegen verstößt und insbesondere mit den Behörden zusammenarbeitet, wird Pentito (it.: „Reuevoller“ und „Geständiger“) genannt.

Im erweiterten Maße erwartet die Mafia dieses ungeschriebene Gesetz des Schweigens auch von Nichtmitgliedern, betroffenen Opfern und potentiellen Zeugen. Insbesondere auf Sizilien ist es deshalb in der Bevölkerung verankert, sich nicht als Zeuge zur Verfügung zu stellen.

Beschuldigte klären aus diesem Grund auch unberechtigte Verdächtigungen nicht auf, sondern akzeptieren stattdessen sogar eine fälschliche Verurteilung oder Bestrafung.

Etymologie

Die Etymologie von Omertà ist unklar. Sowohl der Camorra-Begriff der Demut (umiltà) wird als Ursprung genannt als auch die sizilianische Bezeichnung für den Mann: "omu". [1]

„Cu è surdu, orbu e taci, campa cent’ anni ’mpaci“

„Wer taub, blind und stumm ist, lebt hundert Jahre in Frieden.“

sizilianisches Sprichwort

Funktion

Die Omertà verbietet es Mitgliedern der Vereinigung, mit Nicht-Angehörigen über interne Angelegenheiten zu sprechen. Der in der Öffentlichkeit wahrgenommene Teil dieser Regel bezieht sich auf die beobachtbare Aussageverweigerung gegenüber staatlichen Organen, insbesondere Polizei und Justiz, d. h. es werden nicht nur keine Aussagen über die Aktivitäten der Organisation gemacht, sondern die Existenz der Gruppe oder die Zugehörigkeit wird verschwiegen oder sogar aktiv verleugnet.

“Never open your mouth, unless you’re in the dentist’s chair.”

„Öffne nie deinen Mund, außer du sitzt im Zahnarztstuhl.“

Sammy "The Bull" Gravano[2]

Das Schweigeprinzip der Omertà geht aber über diese Abschottung nach außen hinaus und ist auch eine Abschottung nach innen, d. h. auch innerhalb der Organisation verfügen rangniedrige Mitglieder nie über vollständige Informationen. Da die Kommunikationswege streng hierarchisch sind, d. h. die Befehlskette grundsätzlich nicht umgangen wird, unterstützt die Omertà diese Abschottung nach oben.

„Jeder einzelne ist eine Wand, die den Kerl weiter oben schützt. Angenommen, sie wollen mit Tamelo [Enrico „Henry“ Tameleo: Unterboss der Patriarca-Familie] ein Geschäft machen. Mit Tamelo kann man (direkt) kein Geschäft machen. Man muss mit jemandem weiter unten das Geschäft machen. Wir stellen uns jetzt eine Wand vor. Wenn Sie zu mir kommen, bin ich die Wand. Weiter kommen Sie nicht. Wenn ich mit Ihnen ein Geschäft mache und danach mit Tamelo, würden Sie nie davon erfahren. Sie können mich der Polizei ausliefern, aber nie Tamelo, weil ich nicht reden würde …“

Vincent Teresa [3]

Durch die Verhinderung von Informationen beschränkt die Omertà das Problem des Gefangenendilemma. Um die Omertà auch durchzusetzen, wird ein Verstoß gegen diese Schweigepflicht in der Regel mit dem Tod geahndet; außerdem ist sich ein Inhaftierter bewusst darüber, dass seine Angehörigen zwar (oft) während seiner Haft versorgt werden, aber auch als Geiseln zu betrachten sind, die in Form einer Kollektivhaftung bestraft würden.

“In the circle in which I travel, a dumb man is more dangerous than a hundred rats.”

„In den Kreisen, in denen ich verkehre, ist ein schweigsamer [en: „dumb“ = urspr. „dumm“ aber auch - wie hier - „stumm“] Mann gefährlicher als hundert Ratten.“

Joe Valachi: Zitat in der Herald Tribune am 27. September 1963 nach einer Anhörung vor dem US-Senat

Ursprünglich meint Omertà als Bestandteil eines archaischen, männlichen Ehrbegriffs, dass man „seine Dinge selbst regelt“: „Für Gerechtigkeit, Ehre und Rache muß ein Mann schon selber sorgen.“ [4]

Adaptionen in Film, Musik, Literatur und Spiel

Quellen

Einzelnachweise

  1. Stefan Gron: Von Ehrenmännern und Geheimnisträgern
  2. Wiseguy Wisdom auf www.contextmag.com (englisch)
  3. Dagobert Lindlau: Der Mob. dtv, München 1989, S.74, ISBN 3-455-08659-4
  4. Stefan Gron: Von Ehrenmännern und Geheimnisträgern
  5. Omerta (Browsergame)

Literatur

  • Anton Blok: The Mafia of a Sicilian Village, 1860-1960. A study of violent peasant entrepreneurs, Long Grove (Illinois): Waveland Press 1988; ISBN 0-88133-325-5 (Original 1974)
  • Humbert S. Nelli: The Business of Crime. Italians and Syndicate Crime in the United States, Chicago: The University of Chicago Press 1981; ISBN 0-226-57132-7 (Original 1976)
  • Paoli, Letizia: Mafia Brotherhoods: Organized Crime, Italian Style, Oxford/New York: Oxford University Press 2003; ISBN 0-19-515724-9
  • Rick Porrello: The Rise and Fall of the Cleveland Mafia. Corn Sugar and Blood, New York: Barricade books 1995; ISBN 1-56980-058-8
  • Gaia Servadio: Mafioso. A history of the Mafia from its origins to the present day, London: Secker & Warburg 1976; ISBN 0-436-44700-2

Weblinks

 Wiktionary: Omertà – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Omertà aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.