Oded Goldreich

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Goldreich, 2006

Oded Goldreich (hebräisch עודד גולדרייך; * 4. Februar 1957 in Tel Aviv) ist ein israelischer Mathematiker und Informatiker.

Biografie

Goldreich studierte am Technion in Haifa, wo er 1982 seinen Masterabschluss in Informatik machte und 1983 bei Shimon Even promoviert wurde. Danach war er am Computer Science Department des Technion und 1983 bis 1986 (sowie 1995 bis 1998) am Laboratory for Computer Science des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Seit 1994 ist er Professor am Weizmann-Institut für Wissenschaften.

1994 war er Invited Speaker auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Zürich. Er ist korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Forschungsschwerpunkte

Goldreich befasst sich mit unter anderem mit Kryptographie (im modernen Sinn als Theorie von Informationssystemen, die widerstandsfähig gegen Missbrauch sind), Pseudozufallseigenschaften, Komplexitätstheorie und probabilistischen Algorithmen. Er ist bekannt für seine Arbeiten über Zero-Knowledge-Beweissysteme. 1987 zeigte er mit Avi Wigderson und Silvio Micali die Existenz eines sicheren Protokolls für jedes Vielparteien-Kommunikationsproblem (Secure Multiparty Computation) unter Verwendung von Zero Knowledge-Beweisen (Journal of the ACM 1991).

Politische Ansichten

Goldreich hat sich gegen die israelische Besatzung palästinensischer Gebiete ausgesprochen und u. a. einen Brief unterzeichnet, in dem die EU aufgefordert wird, die Zusammenarbeit mit der israelischen Siedler-Universität Ariel einzustellen, die sich im besetzten Westjordanland befindet.[1]

Israel-Preis

Im Jahr 2021 beschloss die Jury des Israel-Preises, Goldreich den Israel-Preis für Mathematik und Informatik zu verleihen. Bildungsminister Yoav Gallant weigerte sich jedoch, Goldreich den Preis zu überreichen, und beschuldigte ihn, die Initiative Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) zu unterstützen. Das Preiskomitee bestand auf seiner Entscheidung und erklärte, es bedaure, dass die Verleihung des Israel-Preiss „zu einer Spielwiese der Politik“ verkomme; Goldreich solle den Preis für seine „einzigartige und bedeutende wissenschaftliche Arbeit“ erhalten. Goldreich erklärte, er unterstütze BDS nicht, worauf Gallant erklärte, es müsse jedoch erst „den Abschluss einer Untersuchung abwarten, ob der Professor der BDS-Bewegung aufrichtig abgeschworen hat“. Die Rektoren aller israelischen Universitäten forderten Gallant in einem offenen Brief auf, Goldreich den Preis zu überreichen: „Einer Person aufgrund ihrer politischen Überzeugung einen Preis zu verweigern, widerspricht dem Grundprinzip des Israel-Preises und ist ein erheblicher Schaden für die Rede- und Gedankenfreiheit. ... Ihre Entscheidung erweckt den schwer zu ertragenden Eindruck, dass nur ‚linientreue‘ Menschen ausgezeichnet werden, und dass jeder bestraft wird, der es wagt, eine politische Meinung zu äußern, die außerhalb des Konsenses liegt.“ Der Oberste Gerichthof Israels entschied, dass Gallant mehr Zeit zuzustehen sei, um Goldreichs Positionen zu überprüfen, bevor ihm der Israel-Preis verliehen wird.[2]

Schriften

Weblinks

Fußnoten

  1. Or Kashti: Education Minister: We Must Check if Israel Prize Winner’s Renunciation of BDS Is ‘Sincere’. In: Haaretz, 11. April 2021.
  2. Cease Fire, Gallant: Give Israel Prize to Radical Mathematician Haaretz, 7. April 2021; Or Kashti: Top Court Allows Minister to Withhold Israel Prize Over BDS Accusations. In: Haaretz, 8. April 2021; An Israel Prize for the Occupation Haaretz, 8. April 2021; Or Kashti: Education Minister: We Must Check if Israel Prize Winner's Renunciation of BDS Is ‘Sincere’. In: Haaretz, 11. April 2021; Gideon Levy: Yoav Gallant Does Not Deserve to Be Israel’s Education Minister. In: Haaretz, 11. April 2021; Or Kashti: Prof.: Denying Me the Israel Prize Is Delegitimization of Left. In: Haaretz, 11. April 2021.


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