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Neapel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Neapel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Neapel
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Neapel (Italien)
Neapel
Staat: Italien
Region: Kampanien
Provinz: Neapel (NA)
Koordinaten: 40° 50′ N, 14° 15′ O40.83333333333314.2517Koordinaten: 40° 50′ 0″ N, 14° 15′ 0″ O
Höhe: 17 m s.l.m.
Fläche: 117 km²
Einwohner: 989.111 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 8454 Einw./km²
Postleitzahl: 80100
Vorwahl: 081
ISTAT-Nummer: 063049
Demonym: Napoletani
Schutzpatron: San Gennaro
Website: www.comune.napoli.it

Neapel ist mit knapp einer Million Einwohner die drittgrößte Stadt Italiens (die Metropolregion Neapel hat zwischen 3 und 4,4 Millionen Einwohner). Neapel ist Hauptstadt der Region Kampanien sowie der Provinz Neapel und ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Süditaliens.

In seiner wechselvollen - von vielen fremden Herrschern geprägten - Geschichte gehörte Neapel lange Zeit zu den wichtigsten Städten Europas. Heute werden weite Teile das Stadtbild von historischen Bauten und Kulturdenkmälern dominiert. Sonne und die Lage am Meer prägen das Klima der Stadt.

Neapel gilt als eine Stadt mit Eigenheiten. So sprechen viele Neapolitaner mit dem Neapolitanischen einen starken Dialekt und sind im restlichen Italien für ihre eigene Mentalität, eine freundlichen Gelassenheit, bekannt bis verrufen. Die Stadt selbst ist äußerst heterogen, es gibt Vorstädte mit riesigen Wohnkomplexen und weiten Flächen genauso wie die bekannten engen und stark frequentierten Gässchen. Auffällig ist die Dichte an kulturhistorisch bedeutsamen Bauten, so wurde die gesamte Altstadt 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Nicht selten wird Neapel allerdings auch hart kritisiert, dann ist von Armut, Verkehrschaos, Schmutz, Kriminalität und Unproduktivität die Rede. Ein Faktum ist das Problem der überdurchschnittlich hohen Arbeitslosigkeit.

Datei:Lange diercke sachsen europaeische landschaften neapel.jpg
Neapel, seine Umgebung samt Vesuv, sowie der Golf von Neapel und die Inseln Ischia, Procida und Capri um 1930
Datei:UNESCO Weltkulturerbe - Historisches Zentrum von Neapel.jpg
Das UNESCO-Weltkulturerbe „Historisches Zentrum von Neapel“

Name

Der italienische Name der Stadt lautet Napoli [ˈnaːpoli], die Neapolitaner verwenden allerdings oft den neapolitanischen Namen Napule. Seinen Ursprung hat der Name in der Zeit der Gründung Neapels durch die Griechen. Das altgriechische νέα πόλις (néa pólis) bedeutet „Neue Stadt“. Da es bereits die nahegelegene Siedlung Parthenope gab, nannte man 500 v. Chr. eine zweite Gründung „Neue Stadt“. Sowohl Parthenope wie Neapolis befanden sich im Zentrum der heutigen Stadt.

Der Golf von Neapel von der Festung Sant'Elmo aus gesehen

Geowissenschaft

Datei:A Vezúv kitörése 1944-ben.ogv
Video des letzten Vesuvausbruchs, 1944
Datei:Pozzuoli NASA ISS004-E-5376 modified names.jpg
Vulkanlandschaft der Campi Flegrei

Geologie

Neapel liegt an einer 30 km langen Meeresbucht, dem Golf von Neapel.

Ebenfalls den Golf entlang liegt ein riesiges vulkanisches Gebiet, die Phlegräischen Felder (Campi Flegrei). Es besteht aus ungefähr 40 kleinen bis großen Vulkankratern, deren bekanntester die Solfatara ist. Hier kann man gegen Eintrittsgeld austretende vulkanische Gase (Solfatare) sowie brodelnden Schlamm sehen. Ebenfalls zu einiger Bekanntheit brachte es der so genannte Monte Nuovo („Neuer Berg“). Er erhielt seinen Namen, weil er innerhalb nur weniger Tage entstand, als er 1538 das einzige Mal ausbrach.

Auf der anderen Seite Neapels, ebenfalls am Golf liegt einer der berühmtesten Vulkane der Welt, der Vesuv. Er ist rund 17.000 Jahre alt und 1.281 m hoch. Der Vesuv gilt als immer noch aktiver Vulkan, der besonders wegen der hohen Bevölkerungsdichte rund um ihn auch als einer der gefährlichsten gilt. Das letzte Mal ausgebrochen ist er im Jahr 1944, als sich im Zuge des Zweiten Weltkriegs gerade amerikanische Truppen und Fernsehteams in Neapel aufgehalten haben. Damals entstanden die ersten Videoaufnahmen eines Vulkanausbruchs.

Unterhalb der Stadt Neapel befinden sich etliche Schichten von vulkanischem Gestein, die von Vulkanausbrüchen sowohl der Campi Flegrei wie des Vesuv stammen. Seit der griechischen Zeit wurde der Tuffstein als Baumaterial verwendet, die dadurch entstandenen Abbaustollen wurden bereits in der Antike zu einem Kanalsystem erweitert, das Neapel bis ins Jahr 1885 mit Trinkwasser versorgte und im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker verwendet wurde.

Klima

Wetterbestimmend für die Stadt ist das mediterrane Klima mit milden und regenreichen Wintern sowie heißen und trockenen Sommern, wobei die Spitzen der Sommerhitze durch die begünstigte Lage am Meer etwas abgemildert werden.

Neapel
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
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98
 
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12
 
 
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29
18
 
 
42
 
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18
 
 
80
 
26
15
 
 
130
 
22
12
 
 
162
 
17
8
 
 
121
 
14
5
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: WMO
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Neapel
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 12,5 13,2 15,2 18,2 22,6 26,2 29,3 29,5 26,3 21,8 17,0 13,6 Ø 20,5
Min. Temperatur (°C) 3,8 4,3 5,9 8,3 12,1 15,6 18,0 17,9 15,3 11,6 7,7 5,1 Ø 10,5
Niederschlag (mm) 104,4 97,9 85,7 75,5 49,6 34,1 24,3 41,6 80,3 129,7 162,1 121,4 Σ 1.006,6
Regentage (d) 9,9 9,8 9,5 8,8 5,7 4,0 2,3 3,8 5,8 8,1 10,8 10,7 Σ 89,2
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
12,5
3,8
13,2
4,3
15,2
5,9
18,2
8,3
22,6
12,1
26,2
15,6
29,3
18,0
29,5
17,9
26,3
15,3
21,8
11,6
17,0
7,7
13,6
5,1
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
104,4
97,9
85,7
75,5
49,6
34,1
24,3
41,6
80,3
129,7
162,1
121,4
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez


Quelle: WMO

Geographie

Datei:PompeiiStreet.jpg
Eine Straße in Pompeji

Umgebung

Rund um Neapel liegen zahllose touristisch erschlossene Gebiete und Sehenswürdigkeiten. Neben dem Vesuv wurden die im Jahr 79 von Lava und Asche verschütteten und dadurch außergewöhnlich gut erhaltenen Römerstädte Pompeji und Herculaneum zu einem Pilgerzentrum des internationalen Tourismus.

Etwa eine Autostunde südöstlich von Neapel befindet sich die Amalfiküste, die 1997 ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Die Haupteinnahmequelle dieser historischen Kulturlandschaft ist heute der Tourismus. Zu den wichtigsten Orten, die alle direkt an den steilen Küsten liegen, zählen Amalfi, Praiano und Positano.

Westlich von Neapel finden sich außer den heute grün bewachsenen vulkanischen Landschaften der Campi Flegrei zahlreiche Dörfer und Ortschaften mit Stränden und Ausgrabungen aus römischer Zeit. Zu den wichtigsten zählen Pozzuoli und Bacoli.

Im Golf von Neapel liegen drei Inseln. Weltberühmt für ihre Naturschönheit und zahlreiche Sehenswürdigkeiten ist die Insel Capri. Ebenfalls ein touristisches Zentrum ist die Insel Ischia, auf der sich zahllose Hotels und Strände, vorwiegend für deutsche Gäste, befinden. Die kleinste und wenigsten touristisch erschlossene Insel ist Procida.

Im Norden Neapels befindet sich eines der größten Schlösser Europas, der Palast von Caserta. Die Königsresidenz wurde im 18. Jahrhundert erbaut und zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Aus der selben Zeit stammt auch der im Westen Neapels gelegene Königspalast Portici.

Verwaltungsgliederung

Hauptartikel: Liste der Verwaltungsbezirke, Stadtteile und Stadtviertel Neapels
Datei:Flag of Naples.svg
Die Flagge von Neapel

Bis ins Jahr 1925 war Neapel nur etwa 52 km² groß, wurde aber am 15. November 1925 um die Kommunen San Pietro a Patierno, Barra, Ponticelli und San Giovanni a Teduccio vergrößert. Am 3. Juni 1926 folgte ein weiteres Gesetz, das auch die Kommunen Secondigliano, Chiaiano, Pianura und Soccavo dem Stadtgebiet hinzufügte.[2] Alle diese Kommunen mit ihren insgesamt 116.639 Einwohnern[3] wurden zu Stadtteilen Neapels, dessen Ausdehnung sich dadurch auf 117 km² verdoppelte. Der jüngste Stadtteil ist Scampia, er wurde 1985 aus Teilen anderer Stadtteile neu gebildet.[4]

Datei:I 30 Quartieri di Napoli.jpg
Die 30 neapolitanischen Stadtteile

Politisch sind die insgesamt 30 Stadtteile (Quartieri) der Stadt in zehn Verwaltungsbezirken (Municipalità) zusammengefasst:

Innerhalb der Stadtteile gibt es unzählige Viertel (Rione), zwei Beispiele sind die Quartieri Spagnoli und Sanità.

Demografie

Datei:Naples metropolis.jpg
Satellitenaufnahme Italiens mit der Metropolregion Neapel
Datei:Vesuvius Aster.jpg
Satellitenaufnahme, rot: unbesiedeltes Gebiet

Metropolregion

Die Metropolregion Neapel besteht aus der Stadt Neapel sowie zahlreichen umliegenden eigenständigen Kommunen. Für europäische Verhältnisse ist die Bevölkerungsdichte der Metropolregion extrem hoch. Die Größe und damit die Einwohnerzahl werden von verschiedenen Institutionen verschieden definiert. Man kann von etwa 3,1 bis 4,4 Millionen Einwohnern ausgehen (die Region Kampanien hat etwa 5,8 Millionen Einwohner, die Stadt Neapel etwa 1 Million).[5]

Einwohner

Neapel (1 Million Einwohner) ist nach Rom (2,8) und Mailand (1,3) die drittgrößte Stadt Italiens und vor Palermo (0,7) die größte Stadt Süditaliens. Extrem hoch ist die Bevölkerungsdichte Neapels. Im Jahr 2001 betrug sie 8.566 Einwohner pro Quadratkilometer, in Mailand 6.900, in Rom 1.982 und in Palermo 4.322.

Neapel ist vergleichsweise eher eine junge Stadt. Im Jahr 2001 waren etwa 17 % der Neapolitaner und nur 14 % der Italiener jünger als 15 Jahre.[6]

Historische Entwicklung der Einwohnerzahlen (in Tausend)

Entwicklung der Einwohnerzahlen (in Tausend)

Geschichte

Datei:Etruscan civilization map-de.png
Etrusker, Samniten, Kampanier

Altertum

Vor der Gründung Neapels durch die Griechen war die Region Kampanien von italischen Völkern besiedelt, nämlich den Oskern (oder Kampaniern), Samniten und den eingewanderten Etruskern.

Datei:Palaeopolis und neapolis.jpg
Lage der griechischen Gründungen Parthenope und Neapolis

Gegen 700 v. Chr. gründeten Griechen aus dem nahe gelegenen Cumae die Siedlung Parthenope im heutigen Stadtgebiet Neapels (siehe Große griechische Kolonisation). Diese Siedlung Parthenope, das ursprüngliche Neapel, befand sich auf dem am Meer liegenden Hügel Pizzofalcone und der kleinen daran anschließenden Insel Megaride. Seit etwa 500 v. Chr. begann im Nordosten des Hafens von Parthenope eine zweite Stadt zu entstehen. Von da an trug Parthenope auch den Namen Paläopolis, was soviel wie „Alte Stadt“ bedeutet. Die neue (auf dem Gebiet der heutigen Altstadt gelegene) Stadt bekam den Namen Neapolis („Neue Stadt“). Neapolis zählte über Jahrhunderte zu den prosperierensten Städten Italiens und der Magna Graecia.

Im Zuge der römischen Expansion begann auch das griechische Neapolis immer römischer zu werden. Ein 326 v. Chr. geschlossener Bündnisvertrag sicherte der Stadt jedoch eine relative Unabhängigkeit und die Griechen blieben bis weit über die römische Zeit hinaus eine einflussreiche Volksgruppe. Erst als Neapel zur Zeit der römischen Bürgerkriege (88-82 v. Chr.) auf der falschen Seite stand, wurde es in der Folge unter Sulla als abhängige Provinzstadt dem römischen Imperium einverleibt. Bis zur Absetzung des letzten weströmischen Kaiser Romulus Augustulus im Jahr 476 blieb Neapel Teil des Römischen Imperiums. Noch heute sind zahlreiche Überreste sowohl der griechischen, wie der römischen Stadt zu besichtigen, auch der Straßenverlauf von Neapolis hat sich großenteils bis heute erhalten.

Ab 476 beherrschte der germanische Heerführer in römischen Diensten, nun König Odoaker, ganz Italien und damit auch Neapel. Im Jahr 493 übernahmen die Ostgoten unter König Theoderich der Große die Herrschaft über Italien.

Einschneidend ist für Neapel erst wieder das Jahr 542, in dem die Stadt von der Armee des Feldherrn Belisar erobert wurde. Es war dies der Beginn einer mehr als 200-jährigen Zugehörigkeit zum Byzantinischen Reich. Schon seit 535 hatten die Byzantiner im Versuch, das römische Imperium wiederherzustellen (Renovatio imperii), begonnen ganz Italien zu erobern. Neapel, das sich auf die Seite der Ostgoten stellte, fiel 542 erst nach hartem Kampf, als Belisars Männer durch unterirdische Wassertunnel (Aquädukt) in die Stadt eindrangen. Mit der byzantinischen Herrschaft ging eine wieder größere Verbreitung der griechischen Sprache in Süditalien und Sizilien einher.

Mittelalter

Das bereits im Laufe des 7. Jahrhunderts als byzantinische Provinz entstandene und an Autonomie zugewinnende Herzogtum Neapel wechselte im 8. Jahrhundert endgültig die Fronten und stellte sich im Bilderstreit gegen Byzanz auf die Seite der mit den Langobarden verbündeten Römisch-Katholischen Kirche. Von 763 bis 1139 schließlich, war das Herzogtum Neapel ein freier Staat. Diese Zeit brachte der Stadt anhaltenden Wohlstand. Gemeinsam mit den Flotten der zeitweise verbündeten Seerepublik Amalfi und des Herzogtums Gaeta beherrschte Neapel noch vor den Venezianern und Genuesen den Seehandel im Mittelmeer.

Datei:Sud Italia nel 1112.jpg
Das Herzogtum Neapel

Im Jahr 1139 wurde Neapel nach zähem Widerstand von den Normannen besiegt und dem normannischen Königreich beider Sizilien einverleibt. Die Normannen verstanden es, durch eine geschickte Innenpolitik die unterschiedlichen, oströmisch-byzantinischen, arabischen und westlichen Wurzeln der Region zu einem einzigartigen und eigenständigen kulturellen Konglomerat zu verschmelzen.

Die Herrschaft der Normannen dauerte allerdings nur 55 Jahre, bereits 1194 traten die Staufer unter Heinrich VI. an ihre Stelle. Sie nutzten eine dynastische Schwäche der Normannen aus und bemächtigten sich in einem kurzen Feldzug Süditaliens. Heinrichs Sohn und Nachfolger Friedrich II. gründete 1224 mit der Universität Neapel, die heute seinen Namen trägt, die erste staatliche Hochschule Europas.

Datei:Angioinold.JPG
Das von den Anjou erbaute Castel Nuovo

Die staufische Herrschaft in Neapel überdauerte Friedrichs Tod (1250) nicht lange. Das Haus Anjou etablierte eine neue Fremdherrschaft, als Karl I. das Königreich beider Sizilien eroberte und es nach seiner Krönung in Rom 1266 als Lehensnehmer des Papstes leitete. Nach erbitterten Auseinandersetzungen mit den staufischen Erben wurde Konradin, der letzte männliche Staufer, 1268 in Neapel enthauptet. Nachdem 1282 in Folge der sizilianischen Vesper die Insel Sizilien für die Anjou verloren gegangen war, konzentrierten sie sich ganz auf ihre festländischen Besitzungen und machten Neapel zur Residenz ihres Königreiches. Auch wenn ihre bis 1442 andauernde Herrschaft innenpolitisch von brutaler Unterdrückung geprägt war, sorgten sie für eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit der Stadt und ergriffen grundlegende städtebauliche Maßnahmen zu ihrer Modernisierung. Neapel wurde in dieser Epoche neben Florenz zum tonangebenden Zentrum auf den Gebieten der Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Architektur in Italien und Europa. Zahlreiche unter den Anjou errichtete Bauwerke zeugen noch heute von der ökonomischen Prosperität und dem kulturellen Glanz der Stadt in dieser Zeit.

Neuzeit

1442 besiegten Spanier, nämlich die Krone Aragonien unter Alfonso den letzten Herrscher der französischen Anjou. Unter den Aragonesen wurden die ökonomischen Verbindungen Neapels zur iberischen Halbinsel intensiviert, die Wirtschaft insgesamt gefördert und die Stadt zu einem Zentrum der italienischen Renaissance.

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Vizekönig Pedro Álvarez de Toledo

Neapel blieb auch nach der Verdrängung der Aragonesen unter spanischer Herrschaft. Diese wurden 1501 von den Habsburgern abgelöst und das Königreich Neapel als Provinz dem spanisch-habsburgischen Weltreich angegliedert. Damit hatte die Ära der spanischen Vizekönige von Neapel begonnen, unter denen die Stadt den Tiefpunkt ihrer wirtschaftlichen und politischen Entwicklung erreichen sollte. Innerhalb von nur 100 Jahren war die Bevölkerung der Stadt von rund 40.000 im Jahre 1450 auf etwa 210.000 im Jahre 1550 angewachsen und Neapel war, vor Venedig (160.000 Einwohner) und Mailand (70.000) zur größten Stadt Italiens und nach Paris zur zweitgrößten Metropole in Europa geworden. Einem der wenigen fähigen Vizekönige, Pedro Álvarez de Toledo, gelang es in seiner Amtszeit zwischen 1532 und 1553, dieses demographischen Problems noch einigermaßen Herr zu werden, indem er entsprechende städtebauliche Maßnahmen durchführte. So ließ er vorhandene Bausubstanz aufstocken und ein Soldatenviertel (Quartieri Spagnoli) westlich der nach ihm benannten Via Toledo errichten. Realisiert werden konnten diese Maßnahmen aber nur durch eine harte Steuer- und repressive Innenpolitik. So war es auch de Toledo, der die Inquisition in Neapel einführte. Im Übrigen war die Zeit der Vizekönige von einer zunehmenden Verschärfung der Klassengegensätze geprägt. Das Hauptaugenmerk der spanischen Krone lag auf dem iberischen Kernland und den Kolonien. Die wenigen Investitionen, die in der Stadt getätigt wurden, kamen nur den Besitzenden, dem städtischen Adel, dem Klerus und den spanischen Beamten zugute, während die einfache Bevölkerung zunehmend verelendete. Nirgendwo im westlichen Europa dieser Zeit waren die sozialen Unterschiede größer ausgeprägt als in Neapel.

Datei:Masaniello.jpg
Tommaso Masaniello

Die Herrschaft der Habsburger, die bis 1713 dauerte, wurde einige Monate lang durch die Ausrufung der Republik Neapel unterbrochen. Nachdem es schon zur Zeit de Toledos 1547 zu einer ersten Revolte und in der Folge immer wieder zu Unruhen gekommen war, entluden sich die sozialen Spannungen schließlich in einem Aufstand, dessen Anführer, der Fischer und Obsthändler Tommaso Masaniello, bis heute große Popularität in Neapel genießt. Aufgrund der Machtverhältnisse war die spanische Herrschaft bald wieder hergestellt, und nach einer weiteren kleineren Rebellion 1649 ergaben sich die Neapolitaner in ihr Schicksal. Zu alledem wurde die Stadt 1656 auch noch von der verheerenden „Großen Pest“ heimgesucht, der rund die Hälfte der 400.000 Einwohner zum Opfer fiel. Massengräber reichten nicht mehr aus, die Opfer wurden in großen „Fegefeuern“ verbrannt.

Datei:Charles III of Spain.jpg
Karl VII. von Neapel

Nur eine kurze Episode bildete die Herrschaft der Österreicher. Die österreichischen Habsburger lösten die spanischen 1713 ab und konnten sich bis 1734 halten.

Eine deutliche Verbesserung der Verhältnisse trat erst ein, als die Bourbonen, die infolge des spanischen Erbfolgekrieges 1712 den spanischen Thron erworben hatten, 1735 auch Süditalien von den Österreichern übernahmen. Unter Karl VII., der das neu formierte Königreich beider Sizilien von 1735 bis 1759 regierte und anschließend von 1759 bis 1788 als Karl III. in Spanien herrschte, wurde eine wirksame Reformpolitik eingeleitet. Karl VII., ein Vertreter der Aufklärung, säuberte die Reihen der korrupten und dekadenten Adeligen und kirchlichen Würdenträger, nahm bauliche Veränderungen im Stadtbild vor und förderte das kulturelle Leben. Sein Sohn und Nachfolger Ferdinand IV. (mit Unterbrechungen 1759-1825) blieb allerdings deutlich hinter dem Format seines Vaters zurück, so dass sich die Stadt bald wieder den alten Verhältnissen annäherte, bevor die von Frankreich ausgehenden Ereignisse Europa und damit auch Neapel erschüttern sollten.

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Die Flagge der Parthenopäischen Republik
Datei:Koenigreich beider Sizilien.jpg
Das Königreich beider Sizilien

Anfang 1799 zogen französische Revolutionstruppen unter dem General Jean-Étienne Championnet in Neapel ein, der König war schon zuvor nach Palermo geflohen. Neapolitanische Patrioten proklamierten daraufhin die Parthenopäische Republik, die jedoch bei großen Teilen der ungebildeten Bevölkerung auf nur wenig Gegenliebe stieß. Durch deren Widerstand und das Eingreifen der Engländer unter Horatio Nelson endete das republikanische Experiment schon im selben Jahre wieder. Die Bourbonen kehrten nach Neapel zurück und gegen die Republikaner folgten grausame Verfolgungen, denen fast die gesamte intellektuelle Elite Neapels zum Opfer fiel.

Erst im Winter 1805/06 wurden Ferdinand IV. und damit die Spanier von dem Franzosen Napoléon Bonaparte entmachtet, der zunächst seinen Bruder Joseph (1806–1808) und danach seinen Schwager Joachim Murat (1808–1815) als Könige von Neapel einsetzte. Insbesondere Letzterer leitete umfangreiche Sozialreformen ein und gelangte so bei der einheimischen Bevölkerung schnell zu großer Beliebtheit.

Mit dem Untergang Napoléons kam jedoch auch bald das Ende dieser Episode. Bereits 1816 kehrte Ferdinand nach Neapel zurück und führte eine konsequente Restaurationspolitik durch, die auch die letzten Spuren französischer Reformbemühungen beseitigte. Das Königreich beider Sizilien hatte von 1816 bis 1861 Bestand.

Seit der Einigung Italiens

Ab 1861 ist die Geschichte Neapels eng mit der nun beginnenden Geschichte Italiens verschmolzen. Am 7. September 1860 zog Giuseppe Garibaldi nach der Eroberung Süditaliens in Neapel ein und am 21. Oktober 1860 stimmten die Neapolitaner in einem Plebiszit für den Anschluss an das Königreich Italien, das von 1861 bis 1946 bestehen sollte. Franz II, der letzte Bourbonenherrscher war aus der Stadt in die Festung Gaeta geflüchtet, gab am 13. Februar 1861 seine Kapitulation bekannt und wurde für abgesetzt erklärt. Am 17. März 1861 wurde das Vereinigte Königreich Italien als konstitutionelle Monarchie offiziell proklamiert. Viele Neapolitaner identifizierten sich allerdings nur in sehr geringem Umfang mit dem neuen italienischen Staat, dessen Ausgangspunkt und Machtzentrum in Piemont, im fremden Norditalien lag. So kamen auch viele Entwicklungsprojekte und Förderungsmaßnahmen der neuen Zentralregierung überwiegend dem Norden des Landes zugute, während der Süden eher vernachlässigt und durch eine ungerechte und harte Steuerpolitik wirtschaftlich stark belastet wurde. Notwendige Reformen, um die während der Bourbonenherrschaft etablierten Probleme zu beseitigen (z. B. eine Landreform), unterblieben. Die Regierung hatte lediglich eine formelle politische Einigung des Landes erreicht, scheiterte aber an der Aufgabe, das Land auch innerlich zu einigen. Die Rückständigkeit des Südens wurde in gewisser Weise zementiert. Der Norden prosperierte in den ersten Jahrzehnten nach der Gründung des Königreiches wirtschaftlich zunehmend und fand bald Anschluss an die führenden europäischen Industrienationen, während der Süden in Armut und Agonie verharrte. Hier liegt eine der Ursachen für die Entstehung des bis heute wirksamen Nord-Süd-Gefälles in Italien. Auch Neapel entwickelte sich so zu einer typischen Großstadt des Mezzogiorno, geprägt von Armut, Kriminalität, Schattenwirtschaft und mafiösen Strukturen, die bis in die höchsten politischen und wirtschaftlichen Machtzentren reichen. 1883/4 wurde Neapel infolge schlechte infrastruktureller und hygienischer Verhältnisse Opfer einer verheerenden Choleraepidemie. In der Folge wurde ein Gesetz zur Sanierung Neapels beschlossen und man begann großflächlig Häuser abzureißen. Seitdem führt an deren Stelle der breite Corso Umberto I. quer durch die Altstadt. Eine zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit quasi planwirtschaftlichen Methoden begonnene Industrialisierung war wegen Fehlplanung, fehlender Infrastruktur und in dunklen Quellen versickernden Geldern fast zwangsläufig zum Scheitern verurteilt und führte zu keiner Verbesserung der ökonomischen Situation. So kam es zu den ersten großen Auswanderungswellen nach Norditalien, Argentinien und vor allem in die USA.

In dieser Situation fand der Faschismus in Süditalien deutlich mehr Anhänger als im Norden des Landes. 1922, kurz vor dem Marsch auf Rom, fand in Neapel ein großer Faschistenkongress statt. Nach der Machtergreifung Mussolinis wurden die süditalienischen Probleme erst einmal durch die imperialen Bestrebungen der Faschisten und später durch den Zweiten Weltkrieg überlagert, kaschiert und in den Hintergrund gedrängt. Während des Zweiten Weltkriegs war die Stadt wiederholt das Ziel heftiger alliierter Bombenangriffe. Bei diesen insgesamt 105 Angriffen gab es etwa 1000 Ziviltote, obwohl die Bevölkerung Schutz in dem unterirdischen Zisternen-System von Neapel suchte. Auch viele kunsthistorisch wertvolle Gebäude, darunter eine Reihe von Kirchen, wurden vernichtet oder schwer beschädigt. Nach der Absetzung und Verhaftung Mussolinis am 25. Juli 1943 wurde Neapel von Wehrmachtstruppen besetzt und die Neapolitaner waren für kurze Zeit dem deutschen Terrorregime ausgesetzt. In zähen Partisanenkämpfen der Resistenza gelang es der Stadt aber, sich aus eigener Kraft (Vier Tage von Neapel) noch vor dem Eintreffen der Alliierten am 1. Oktober 1943 selbst zu befreien und die Besatzer aus der Stadt zu vertreiben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Die anschließende amerikanische Besatzung sorgte für eine kurze Periode des relativen Wohlstands der Stadt. Die Bedürfnisse der GIs und die reichlich vorhandenen Dollarmengen waren der ideale Nährboden für die Schattenwirtschaft Neapels. Die Camorra erstarkte wieder.

Beim Volksentscheid von 1946 über die künftige Staatsform stimmten die Einwohner Neapels im Gegensatz zur Mehrheit des Landes für die Beibehaltung der Monarchie. Bei der folgenden Konstituierung der italienischen Republik wurde mit Enrico de Nicola ein Neapolitaner zu deren erstem Präsidenten gewählt. In den ersten Jahrzehnten der jungen Republik änderte sich für die Neapolitaner nichts Wesentliches an den prekären Verhältnissen in der Stadt. Dies führte zu weiteren großen Auswanderungswellen. Allein zwischen 1950 und 1970 verließen rund 800.000 Menschen die Stadt und die Provinz. Wieder waren Norditalien und die USA, zusätzlich aber auch die Bundesrepublik Deutschland als aufblühendes Wirtschaftswunderland die bevorzugten Ziele der Emigranten. Die Regierung in Rom leitete zwar über die zum Aufbau des Südens gegründete Cassa per il Mezzogiorno („Kasse für den Süden“) Milliarden an Subventionen in die Region, diese versickerten aber teilweise in dunklen Kanälen oder wurden durch neuerliche Fehlplanungen, welche die bestehenden ökonomischen und infrastrukturellen Bedingungen ignorierten, buchstäblich verschleudert.

Datei:Luigi de Magistris.jpg
Bürgermeister Luigi de Magistris

Neapel erlebte in den ersten viereinhalb Jahrzehnten seiner Nachkriegsgeschichte eine für das Europa der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beispiellose Verquickung von Wirtschaft, Politik und Camorra und der Name der Stadt wurde zum Synonym für Korruption, Bauspekulation und illegale Bereicherung. Protagonist dieser Politik war in Neapel insbesondere in den fünfziger Jahren der langjährige Bürgermeister der Stadt, Achille Lauro. Durch zweifelhafte Methoden in den Besitz eines Flotten- und Finanzimperiums gelangt, nutzte er die Bürgermeisterposition vorrangig zum weiteren Ausbau seiner wirtschaftlichen und politischen Macht. Gleichwohl war er als typischer Populist, der eine ausgeprägte Panem-et-Circenes-Politik betrieb, bei der Bevölkerung sehr beliebt. Die Zwangsabsetzung Lauros per Dekret der römischen Zentralregierung änderte nichts Grundlegendes an den neapolitanischen Zuständen. Seine Nachfolger waren fast ausschließlich von ähnlichem Schlag, ob es sich nun um Christdemokraten oder Sozialisten handelte.

Erst im Rahmen des gesamtitalienischen Erneuerungsprozesses ab 1992 änderten sich auch die Verhältnisse in Neapel und die Ära der korrupten Kommunalpolitiker wurde beendet. 1993 wurde Antonio Bassolino vom Mitte-Links-Bündnis L'Ulivo gegen Alessandra Mussolini (Alternativa Sociale) zum Bürgermeister gewählt. In seiner bis zum Jahr 2001 währenden Amtszeit erlebte die Stadt einen schnellen und nie für möglich gehaltenen Aufschwung. Die Korruption wurde systematisch bekämpft, der Einfluss der Camorra zumindest eingedämmt. Restaurierungsarbeiten am Stadtbild und Sanierungsmaßnahmen wurden eingeleitet. 1994 war Neapel Tagungsort des G7-Gipfels, 1995 wurde das centro storico (Altstadt) von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Bei seiner Wiederwahl 1997 erhielt Bassolino 73 % der Stimmen, im Jahre 2000 wurde er auch Präsident der Region Kampanien. Seit 2001 setzt seine Parteifreundin und Nachfolgerin Rosa Russo Iervolino die von ihm begonnene Kommunalpolitik fort.

Siehe auch

Politik

Die neapolitanische Kommunalpolitik wird seit Jahrzehnten von Parteien der Mitte bzw. der Linken dominiert. Sindaco (Bürgermeister) der Stadt war von 2001 bis 2011 Rosa Russo Iervolino vom Partito Democratico. Bei ihrer ersten Kandidatur mit 52,1 % der abgegebenen Stimmen gewählt, wurde sie 2006 mit 57 % der Wählerstimmen im Amt bestätigt.

Im Mai 2011 trat der ehemalige Staatsanwalt und Mafia-Gegner Luigi de Magistris als Spitzenkandidat des links-liberalen Parteienbündnisses Italia dei Valori zur Kommunalwahl in Neapel an. Er verwies dabei überraschend Mario Morcone, den Vertreter des Partito Democratico von Bürgermeisterin Rosa Russo Iervolino (die selbst nicht mehr zur Wahl stand), auf den dritten Platz und zog dadurch in die Stichwahl um das Bürgermeisteramt gegen Giovanni Lettieri, den Kandidaten des Mitte-Rechts-Bündnisses, an, in der er sich mit 65 zu 35 Prozent durchsetzte. Am 18. Juli 2011 legte er daraufhin sein Mandat als Europaabgeordneter nieder.

Neapel unterhält zahlreiche Städtepartnerschaften.[7]

Wirtschaft

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Das heute stillgelegte Stahlwerk im Stadtteil Bagnoli

Das Stadtbild ist vom traditionellen Kleinunternehmertum, nämlich zahllosen Geschäften, Händlern und Handwerksbetrieben geprägt. 2005 registrierte die neapolitanische Handelskammer 264.956 Gesellschaften. Von diesen Unternehmen beschäftigten lediglich 52 mehr als 200 Arbeitnehmer und bei nur 12 fanden mehr als 500 abhängig Beschäftigte Arbeit. Über die Hälfte (54 %) der Unternehmen hatten weniger als 20 Beschäftigte.[8] Dementsprechend hoch ist auch die Betriebsdichte: 2010 gab es 108 Unternehmen pro 1000 Einwohner.[9]

Einen wirtschaftlichen Faktor stellen Dienstleistungsbetriebe in den Bereichen Immobilien, Verwaltung, Finanzsektor und Handel dar. Eher schwach ist der produzierende Sektor. Das Gebiet des stillgelegten Stahlwerks in Bagnoli ist heute eine Industrieruine für die verschiedene neue Verwendungsweisen im Gespräch sind. Der Hafen Neapel ist sowohl für den Güter- wie den Personenverkehr von internationaler Bedeutung.

Insgesamt ist die Wirtschaftskraft Neapels pro Kopf gesehen eher schwach. Im nationalen Vergleich belegte die Provinz Neapel im Jahr 2005 nur den 92. Platz von landesweit insgesamt 103 Provinzen.[10] Besonders die Jugendarbeitslosigkeit ist ein Problem der Stadt. Sie lag bei den 15- bis 24-Jährigen im Jahr 2010 mit 42,7 % sogar weit über dem italienischen Durchschnitt von 27,8 %.[11] Dank seiner Größe gehört Neapel dennoch zu den wichtigsten Wirtschaftszentren Italiens.

Beschäftigung

Die Beschäftigung verteilt sich in der Provinz wie folgt auf die einzelnen Sektoren:[8]

  • 30,7 % Öffentliche Dienste und Verwaltung
  • 18,0 % Produktion
  • 14,0 % Handel
  • 9,5 % Baugewerbe
  • 8,2 % Transportwesen
  • 7,4 % Bank-, Finanz- und Immobilienwesen
  • 5,1 % Landwirtschaft
  • 3,7 % Hotellerie
  • 3,4 % Sonstiges

Tourismus

Im Bereich Tourismus ist für Neapel ein Wachstum festzustellen. Im Jahr 1992 kamen ca. 550.000 Personen in neapolitanischen Hotels und Herbergen an, im Jahr 2009 waren es bereits ca. 800.000 Personen (der Höhepunkt lag im Jahr 2007 bei ca. 900.000 Personen).[12]

Gesellschaft

Sozioökonomie

Datei:Zentrum (wohlhabend, mittel, ärmlich) und Provinz von Neapel.png
Periphere Stadtteile sind rot
Zentrale Stadtteile, wohlhabend: grün, mittel: hellgrün, ärmlich: dunkelrot

Nach Angaben der Commune di Napoli unterteilt sich Neapel sozioökonomisch gesehen in zwei Teile.[13] Einerseits gibt es das Zentrum, andererseits die Peripherie. Die sozialen Bedingungen unter denen die Bewohner der eigentlichen Kernstadt im Zentrums leben, unterscheiden sich gravierend von denen der Bewohner der vorstädtischen Peripherie. Aber auch innerhalb des Zentrums gibt es große Unterschiede. Die „besseren“ Stadtviertel sind Chiaia, San Giuseppe, Vomero, Arenella und Posillippo.

Seit Jahrhunderten gilt Neapel als eine Stadt mit starken sozialen Unterschieden (siehe zum Beispiel Lazzaroni).

Camorra

Man geht davon aus, dass einige tausend Neapolitaner der neapolitanischen Mafiaorganisation der Camorra angehören, von der Außenstehender allerdings kaum etwas mitbekommen. Die wichtigste Einnahmequelle der Camorra sind Schmuggel, Schwarzhandel, Drogenhandel, Auftragsabsprache, illegale Müllentsorgung und Schutzgelderpressung; heute spielen aber auch schon mit illegalen Einnahmen finanzierte legale Geschäfte eine wichtige Rolle. Zulauf erhält die Camorra vor allem aufgrund der - besonders unter Jugendlichen - hohen Arbeitslosigkeit. Sie bietet ihnen (statistisch nicht erfasste) Arbeit an, überhaupt ist die Schattenwirtschaft eine bedeutende ökonomische Kraft der Stadt. Zu italienweiter Popularität gelangte der Camorra-Kritiker Roberto Saviano.

In der Vergangenheit waren verschiedene Clans der Camorra in Bandenkriege mit zahlreichen Todesopfern – hauptsächlich innerhalb der Mafia selbst – involviert.[14] Im Jahr 2009 wurden in der ganzen Region Kampanien (5,8 Millionen Einwohner) 104 Morde verübt (Italien: 586), von denen 49 aufs Konto der Mafia gingen (Italien: 90).[15] Neapel und seine nähere Umgebung haben – nicht zuletzt auch durch die Camorra, die daran verdient – Probleme mit der Entsorgung von Müll und Sondermüll sowie der vermutlich unter anderem daraus resultierenden Verseuchung des Bodens.[16][17][18]

Kultur

Bauwerke

1995 wurde die gesamte Altstadt (centro storico) von Neapel zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Entsprechend hoch ist dort die Zahl der als sehenswert geltenden Baulichkeiten.

Festungen

Die drei bedeutendsten und das Stadtbild prägenden Festungen (Castelli) sind das Castell Nuovo, das Castel Sant'Elmo und das Castel dell’Ovo. Das Castel Nuovo befindet sich am Hafen, vor dem Rathausplatz. Es wurde im 13. Jahrhundert unter den Anjou erbaut und hatte die Funktion einer Stadtburg, in der seitdem die Armeen der fremden Herrscher Neapels (Franzosen, Spanier, usw.) untergebracht waren. Im 15. Jahrhundert wurde es komplett umgestaltet und ausgebaut. In der Sala dei Baroni (Saal der Barone) trat bis ins Jahr 2006 der Stadtrat Neapels zusammen, im Westflügel der Burg ist heute das Museo Civico (Museum zur Stadtgeschichte Neapels) untergebracht.

Das Castel Sant'Elmo wurde im 14. Jahrhundert auf dem Stadthügel Vomero gebaut. Auf den Mauern der Festung befindet sich ein Rundweg, von dem sich eine unvergleichliche Aussicht über die gesamte Stadt und den Golf von Neapel bietet. Heute beherbergt das Castel verschiedene Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen, unter anderem die Biblioteca di Storia dell'Arte (Kunsthistorische Bibliothek).

Die dritte große Festung ist die ebenfalls begehbare Hafenburg Castel dell'Ovo. Sie befindet sich auf einer kleinen Insel im Meer und wurde bereits im 9. Jahrhundert auf älteren Fundamenten einer Kirche aus dem 5. Jahrhundert erbaut. Ihre heutige Gestalt erhielt sie im 13. Jahrhundert. Auf der Insel befindet sich darüber hinaus ein kleines Viertel mit zahlreichen Restaurants.

Außer diesen drei Castelli gibt es zahlreiche weitere Festungen, darunter das Castel Capuano, das seine heutige Gestalt im 19. Jahrhundert erhielt, lange als Kerker und Gerichtsgebäude genutzt wurde und heute ein Verwaltungsgebäude ist. Weiters zu erwähnen sind das Castel Carmine aus dem 16. Jahrhundert, das Castel Aselmeyer und die Caserna Garibaldi.

siehe auch: Burgen und Schlösser in der Provinz Neapel

Kirchen und Klöster

In Neapel gibt es hunderte Kirchen[19], zahlreiche Klöster und unzählige in den Straßen stehende Vitrinen mit Heiligenbildern. Ein religiöses Zentrum ist der Duomo San Gennaro aus dem 13. Jahrhundert. In seiner Capella del Tesoro di San Gennaro werden die Reliquien und das Blut des Stadtheiligen San Gennaro aufbewahrt, das wegen des so genannten Blutwunders zu einiger Bekanntheit gelangte. Wenn das Blut während der Zeremonie am 1. Mai jeden Jahres nicht flüssig wird, so heißt es, hat die Stadt Neapel ein Jahr lang Pech. Unter dem Dom kann man heute noch das Baptisterium einer älteren Kirche aus dem 5. Jahrhundert besichtigen.

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Eine typische Fassade (Chiesa dei Girolamini)
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Basilica di San Francesco di Paola

Ein weiteres religiöses Zentrum ist der Kirchen- und Klosterkomplex Santa Chiara. Er wurde im 14. Jahrhundert erbaut und beherbergt Königsgräber, einen bekannten Kreuzgang, ein Klarissinnenchor und ein Museum. Santa Chiara wurde während des Zweiten Weltkriegs, nämlich am 4. August 1943 durch Angriffe von 400 US-Bombern auf die Stadt komplett zerstört. Durch Spenden der Bevölkerung von Neapel wurde die Kirche im ursprünglichen Stil der provenzalischen Gotik wiederaufgebaut.

Hinter der unspektakulären Fassade der Jesuitenkirche Gesù Nuovo entfaltet sich unerwartet die Pracht einer barocken Innenausstattung. Die Kirche aus dem 16. Jahrhundert befindet sich zentral am gleichnamigen Platz, direkt gegenüber der Kirche Santa Chiara.

Das ehemalige Kloster und heutige Museum Certosa di San Martino liegt auf dem Stadthügel Vomero, knapp unterhalb des Castel Sant'Elmo. Wie dieses bietet die Certosa di San Martino einen schönen Ausblick über Teile der Stadt und des Golfes. Gebaut wurde sie im 14. Jahrhundert, im 17. Jahrhundert wurde das Kartäuserkloster vollständig im Stile des Barock umgestaltet. Im Inneren findet man einen bekannten Kreuzgang und ein kulturhistorisches Museum, das Museo Nazionale di San Martino.

An der Piazza San Gaetano findet man zwei Kirchen. Die eine ist San Lorenzo Maggiore, eine Klosterkirche der Franziskaner aus dem 13. Jahrhundert mit barocken Umbauten aus dem 18. Jahrhundert. Im Inneren kann man Bodenmosaike eines frühchristlichen Vorgängerbaus, der Laurentiuskirche aus dem 6. Jahrhundert, sehen. Besonders erwähnenswert sind die Ausgrabungen unter der Kirche, es handelt sich um einen antiken Marktplatz aus griechisch-römischer Zeit.

Architektonisch unterscheidet sich die im Stil des Klassizismus erbaute Kirche San Francesco di Paola stark von den anderen neapolitanischen Kirchen. Sie befindet sich gegenüber dem Königspalast an der Piazza del Plebescito.

Im Barockkirchlein Cappella Sansevero findet man zahlreiche Marmorskulpturen. Sie war einst die Privatkapelle des Raimondo di Sangro (1710–1771), eines adeligen Erfinders und Alchemisten. Von diesem stammen zwei etwas makabere Exponate im Keller der Kirche, die konservierten Leichname eines Mannes und einer schwangeren Frau. Erhalten sind die Skelette und die vollständigen, durch eine unbekannte Chemikalie, die den beiden wohl in lebendigem Zustand injiziert worden war, kristallisierten Blutgefäße.

Weitere bekannte Kirchen sind Santa Maria della Sanità, San Gregorio Armeno und Chiesa di San Domenico Maggiore.

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Palazzo Reggia di Capodimonte

Paläste und Villen

Noch zahlreicher als Kirchen sind die neapolitanischen Paläste (Palazzi) und Villen (Ville), bei denen es sich im Normalfall einfach um Wohngebäude der Oberschicht handelte. Einige von ihnen sind heute Verwaltungsgebäude, andere, meist eher heruntergekommen, werden mittlerweile auch von unteren Gesellschaftsschichten und Studenten bewohnt. Die berühmtesten Paläste sind allerdings die viel größeren, ehemaligen Königspaläste.

Der Palazzo Reale ist der ehemalige Palast der Vizekönige und datiert aus dem frühen 17. Jahrhundert. Er liegt an der Piazza del Plebiscito, heute kann man einige Säle, Gänge und Zimmer der königlichen Familie besichtigen. Auch die Nationalbibliothek ist hier untergebracht, sie verfügt über einen Buchbestand von zwei Millionen, hinzu kommen 20.000 Manuskripte, über 8.000 Zeitschriften, 4.500 Inkunabeln und 1.800 Papyri.

Der Palazzo Reggia di Capodimonte (erbaut ab 1738) ist ebenfalls ein ehemaliger königlicher Palast. Der von einem großen Schlosspark umgebene Palast beherbergt heute eine Museum mit Gemälden von Botticelli, Raffael, Tizian und Caravaggio (siehe: Museen).

Im Stadtgebiet und auch an der Ostküste entlang (Miglio d’oro) befinden sich hunderte weitere Paläste und Villen.

Hochschulen

In Neapel gibt es sechs Universitäten. Die größte und älteste ist die Universität Neapel (Università degli Studi di Napoli Federico II). Sie wurde 1224 von Friedrich II. als dritte Universität Italiens nach Bologna und Padua gegründet. Ebenfalls von großer Bedeutung sind die Seconda Università degli Studi di Napoli (gegründet 1989) und die Universität Neapel L’Orientale (Università degli studi di Napoli L'Orientale, gegründet im Jahr 1732), eine wichtige europäische Studieneinrichtung für Philologie und Linguistik außereuropäischer Sprachen. Weitere Universitäten sind die Università degli Studi di Napoli Parthenope (gegründet 1920) und die Università degli Studi Suor Orsola Benincasa.

Darüber hinaus ist Neapel Sitz der Pontificia Facoltà Teologica dell'Italia Meridionale (theologische Hochschule) sowie der Kunsthochschule Accademia di Belle Arti, des Musikkonservatoriums Conservatorio di Musica San Pietro a Majella und der Università Telematica Pegaso. International renommierte außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sind das Istituto Italiano per gli Studi Storici („Italienische Institut für Historische Studien“) und das Istituto Italiano per gli Studi Filosofici („Italienische Institut für Philosophische Studien“). Bereits 1812 wurde das Osservatorio Astronomico di Capodimonte („Astronomisches Observatorium Capodimonte“) gegründet, das heute eine Einrichtung des Istituto Nazionale di Astrofisica ist.

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Das Archäologische Museum Neapel

Museen

Das Archäologische Museum Neapels ist eines der weltweit bedeutendsten seiner Art. Ausgestellt sind vor allem zahlreiche Funde aus Pompeji und Herculaneum, darunter viele Großplastiken und Mosaiken, unter anderem die berühmte, aus anderthalb Millionen Mosaiksteinen bestehende Darstellung der Alexanderschlacht. Erwähnenswert ist auch das Geheime Kabinett (Gabinetto Segreto), ein ehemals nicht der Öffentlichkeit zugänglicher Raum mit einer Sammlung erotischer Kunst der Antike.

Berühmt ist auch die große Gemäldegalerie des Museo Nazionale di Capodimonte im von den Bourbonen errichteten Palazzo Reale di Capodimonte. Hier sind Werke des 13. bis 20. Jahrhunderts ausgestellt, unter anderem von Tizian, Masaccio, Vasari, Bellini, Raffael, Botticelli, Caravaggio, El Greco und Pieter Brueghel dem Älteren.

Weiters gibt es die Musei di Antropologia, Mineralogia e Zoologia dell'Università Federico II, insgesamt acht recht umfangreiche und öffentlich zugängliche Lehrsammlungen der Universität, das Museo d’Arte Contemporanea Donna Regina, ein Museum für zeitgenössische Kunst und zahlreiche weitere Museen im Stadtgebiet und in der Agglomeration um Neapel.[20]

Sonstige Bauwerke

Das so genannte Centro Direzionale ist ein 1994 von dem japanischen Architekten Kenzō Tange erbautes, postmodernes Verwaltungszentrum, das als größtes europäisches seiner Art gilt.

Als Anbau des Palazzo Reale entstand im 18. Jahrhundert das Teatro San Carlo. Dieses war war nach seiner Fertigstellung im 18. Jahrhundert das größte Opernhaus der Welt und über Jahrzehnte eines der bedeutendsten in ganz Europa. Es ist auch heute noch von Bedeutung und vor allem für seine prunkvolle Innenausstattung bekannt.

Die Galleria Umberto I ist eine der weltweit ersten großen Einkaufspassagen, die Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Vorbild der Mailänder Galleria Vittorio Emanuele II errichtet wurde.

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Ansicht des Centro Direzionale

Die Katakomben Catacombe di San Gennaro sind eine zweistöckige Friedhofsanlage im Hügel von Capodimonte, benannt nach dem Märtyrer San Gennaro, der nach seiner Hinrichtung in Pozzuoli im Jahre 304 hier seine erste Ruhestätte fand. Die in den Fels gehauenen Gräber sind reich mit Fresken und Mosaiken aus dem 5. bis 9. Jahrhundert dekoriert. Weiters gibt es die Catacombe di San Gaudioso im Stadtviertel Sanità.

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Der Eingang zum Cimitero delle Fontanelle

Die Stadt Neapel ist auf weichem Tuffsteinfelsen erbaut. Schon die Griechen haben damit begonnen, unterirdische Höhlen zu graben und Tuffstein als Baumaterial zu verwenden. Die entstandenen unterirdischen Hohlräume in bis zu 40 m Tiefe wurden von den Römern zu einem Wasserversorgungssystem verbunden. Dabei hatten die einzelnen Häuser jeweils ein Brunnenloch, das sie mit einer Wasser führenden Höhle (Zisterne) verband. Im Mittelalter wurde diese Praxis (aushöhlen und mit Tuffstein bauen) fortgesetzt, auch heute noch bestehen weitverzweigte Gänge, Höhlen, Zisternen und Aquädukte wie der Acquedotto del Carmignano, man spricht von einem zweiten „unterirdischen Neapel“ (Napoli sotteranea). Erst 1885 baute man aus Hygienegründen die erste Wasserleitung. Während der Bombardierung Neapels im 2. Weltkrieg wurde dieses Tunnelsystem in großem Ausmaß als Luftschutzbunker genutzt. Auch dienten die Tunnel (ab 1885 floß kein Wasser mehr) den ärmsten Schichten oft als Behausung. Besichtigen kann man den Untergrund an drei verschiedenen Stellen. Erstens gibt es den Tunnel Borbonico, einen unterirdischen Fluchttunnel, der den Königspalast an der Piazza del Plebiscito mit der Via Morelli verbindet. Zweitens gibt es Führungen, die an der Piazza Trieste e Trento beginnen, die beste Gelegenheit bietet aber der Verein Napoli Sotterranea.

Der monumentale Bau Real Albergo dei Poveri wurde von 1750 bis 1766 von dem Architekten Ferdinando Fuga im Auftrag von Karl dem III. erbaut. Er war dazu gedacht, die Armen des Reiches unterzubringen.

Man findet in Neapel außer dem Haupthafen auch einige kleinere Häfen. Einige von ihnen, etwa der bekannte Porto di Santa Lucia, werden heute als Häfen für Luxusyachten benutzt, andere dienen immer noch der Fischerei.

Der riesige Hauptfriedhof Neapels Cimitero di Poggioreale liegt im Stadtteil Poggioreale. Sehenswert ist der historische Friedhof Fontanelle. Er befindet sich seit 1656 in einer riesigen Höhle im Stadtteil Sanità. Weiters gibt es den kleinen Friedhof der (nicht-katholischen) Engländer, den Cimitero degli Inglesi.

Parks

Der mit Abstand größte Park mit großen Wald- und Wiesenflächen ist der Parco di Capodimonte. Erwähnenswert sind auch der universitäre Orto botanico mit verschiedensten Pflanzen aus aller Welt, der Park rund um die Villa Floridiana und vor allem der neben der Insel Nisida gelegene Parco Virgiliano.

Musik

Grob kann man von drei wichtigen Sparten neapolitanischer Musik sprechen. Erstens gibt es die auf eine lange Tradition zurückblickende neapolitanische Volksmusik, zweitens die neapolitanische Oper und drittens modernere Strömungen.

Wird heutzutage von neapolitanischer Musik gesprochen, ist zumeist die Rede von der Canzone Napoletana, der neapolitanischen Volksmusik. Sie nahm im 19. Jahrhundert ihren Anfang und übt bis heute einen maßgeblichen Einfluss auf die italienische Populärmusik aus. Die Canzone Napoletana entstand aus der Verschmelzung früherer, teilweise bis ins Mittelalter zurückreichender, regionaler Folkloretraditionen mit klassischen Elementen. Dominierende Instrumente der sehr ausdrucksvollen Musik sind Gitarre und Mandoline, der Gesang erfolgt zumeist in neapoletanischem Dialekt. Einen hohen Stellenwert nimmt auch die traditionelle Tarantella ein.

Im 17. Jahrhundert brachte Neapel mit der Neapolitanischen Schule eine eigene Opern-Stilrichtung hervor, die auf Traditionen früher neapolitanischer Konservatorien des beginnenden 16. Jahrhunderts zurückgriff und besonders durch die hier ausgebildeten Kastrati die Geschichte der europäischen Oper nachhaltig beeinflusst hat. Der bis heute auch international populärste Opernsänger der Stadt ist Enrico Caruso (1873–1921). Das Teatro San Carlo ist eines der bedeutendsten Opernhäuser Italiens. Seit 2008 gibt es ein großes jährliches Theaterfestival, das Napoli Teatro Festival Italia.

Weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurden unter anderem die Stücke O Sole Mio, Funicolì funiculà und Don Raffae. Zu den bedeutenden Protagonisten der Musica Napoletana gehört Roberto Murolo (1912–2003), Edoardo Bennato (*1949) und Pino Daniele (*1955). Die Band Almamegretta verschmilzt die neapolitanische Volksmusik mit Reggae sowie arabischen Klängen. Auf dem Festival della Canzone Napoletana, das erstmals zwischen 1952 bis 1970 stattfand und dann 1998 wiederbelebt wurde, werden alljährlich die besten Interpreten neapolitanischer Musik prämiert.

Besonderheiten

Seit Jahrhunderten ist die Stadt berühmt für die individuell gestalteten neapolitanischen Weihnachtskrippen, deren Herstellung und Vertrieb traditionell in den Werkstätten und Läden einer eigenen Altstadtgasse (Via San Gregorio Armeno) erfolgt. Die meisten Familien haben ihre eigenen ständig wachsenden Krippen, in den Kirchen findet man oft riesige Krippenlandschaften mit den verschiedensten Figuren, detailliert dargestellten Alltagsszenen und bekannten neapolitanischen Gebäuden. Vom nordamerikanisch-mitteleuropäischen Typus unterscheiden sich die neapolitanischen Krippen durch ihren Realismus und Detailreichtum. Das kann bis zur karikaturhaften Gestaltung gehen. So finden sich in einzelnen figürlichen Darstellungen auch prominente Fußballer, Angela Merkel oder der blutende Silvio Berlusconi.

Speziell sind auch die ständigen Feuerwerke, die zum Jahresende ihren traditionellen Höhepunkt erreichen und die gesamte Stadt in Lärm und Licht hüllen.

In Neapel wird mit Nnapulitano ein spezifischer Dialekt gesprochen, der zur Gruppe der westromanischen Sprachen zählt und als „Mutterdialekt“ aller Dialekte Kampaniens gilt.

Alljährlich am ersten Maiwochenende, am 19. September und am 16. Dezember wird im Dom San Gennaro das „Wunder“ der Blutverflüssigung zelebriert. Hierbei geht eine als Reliquie in einer Phiole aufbewahrte Substanz, die angeblich aus dem getrockneten Blut des Heiligen Januarius bestehen soll, in den flüssigen Aggregatzustand über. Bleibt das „Wunder“ aus, bedeutet dies Unglück für die Stadt. Chemiker sind sich ziemlich sicher, dass es sich um eine thixotrope Substanz handelt, die durchaus schon von den Alchemisten des Mittelalters hätte hergestellt werden können. Die Gläubigen lässt diese naturwissenschaftliche Erklärung allerdings unbeeindruckt. Bemerkenswert bleibt, dass es nach dem Ausbleiben der Blutverflüssigung 1980 zu einem schweren Erdbeben kam und 1988 der SSC Neapel die italienische Meisterschaft knapp verfehlte.[21]

Esskultur

Eines Tages werde ich nach Neapel zurückkehren,
weil es meine Heimat ist, die ich liebe.
Aber nicht, um zu singen,
sondern um Pizza zu essen.

Enrico Caruso (1873–1921)

Vielen Besuchern der Stadt erscheint die neapolitanische Küche als Verkörperung der italienischen Küche schlechthin, was wenig verwundert, basiert sie doch in einem Maße wie kaum eine andere Regionalküche des Landes auf den drei Säulen Pizza, Pasta und Tomate. Die Pizza soll in der Stadt erfunden worden sein. Neapel hat die Kunst des Pizzabackens zur Perfektion entwickelt und mit der Pizza Napoletana und der Pizza Margherita zwei Klassiker unter den Pizzen kreiert. Auch die älteste Pizzeria Italiens, die Antica Pizzeria Port'Alba von 1830 befindet sich in der Stadt.

Als typischste Nudelsorte Neapels gelten die Maccheroni, aber auch Spaghetti, Penne und Vermicelli sollen hier ihren Ursprung haben. In Neapel wurde die Nudelmaschine erfunden, hier nahm die industrielle Nudelfertigung ihren Anfang und von Neapel aus trat die italienische Pasta, wie die Pizza, ihren Siegeszug um die Welt an.

Zur Vollendung gerieten Pizza und Pasta durch die Einführung der Tomate aus der Neuen Welt. Wieder waren es Neapolitaner, die der unter südlicher Sonne an den Hängen des Vesuvs und in den fruchtbaren Ebenen Kampaniens vorzüglich gedeihenden Frucht zum Durchbruch in der cucina italiana („italienischen Küche“) verhalfen und zu den Pionieren der industriellen Tomatenverarbeitung gehörten.

Bedingt durch die Lage am Golf bilden Fische und Meeresfrüchte naturgemäße Bestandteile der neapolitanischen Küche, wenngleich sie ob ihres Preises nie die typische cucina povera, die Küche der kleinen Leute, dominieren konnten, sondern in erster Linie einen relativ kostspieligen Gaumengenuss der gehobenen Küche darstellen.

Eine bekannte Gebäckspezialität Neapels sind die Sfogliatelle, Blätterteigtaschen mit Ricottafüllung. Berühmt ist Neapel auch für seinen Espresso, dem nicht nur ein spezieller Geschmack nachgesagt wird, sondern der durch seinen häufigen Genuss das ganze Stadtbild prägt.

Sport

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Nicht der einzige Maradona-Altar

Neapel ist die Heimat des Traditions-Fußballvereins SSC Neapel, der in der Stadt tief verwurzelt ist und von den Neapolitanern leidenschaftlich und bedingungslos unterstützt wird. Die „Hellblauen“ (Azzurri) tragen ihre Heimspiele im Stadio San Paolo (heute 60.240 Plätze) im Stadtteil Fuorigrotta aus. Mit der Hilfe des heute noch verehrten Diego Armando Maradonas feierte der Verein in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre die größten Erfolge, wurde zwei Mal italienischer Meister (1987 und 1990), gewann den italienischen Pokal (1987), den Superpokal und den UEFA-Cup (1989). Im Jahr 2004 ging der SSC Neapel in Konkurs, 2007 gelang der Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse, 2012 gewann er erneut den italienischen Pokal.

Zu den weltweit bekanntesten und derzeit auch erfolgreichsten Wasserball-Vereinen zählt der Klub CN Posillipo. Die Neapolitaner gewannen 1996, 1997 und 2005 mit der Champions-League bzw. der EuroLeague jeweils die höchste Krone im europäischen Vereinswasserball. 2012 fand die Segel-Regatta America's Cup direkt vor der Küste Neapels statt. Im Juni 2012 wurde bekannt gegeben, dass der Giro d'Italia 2013 erstmals seit 50 Jahren wieder in Neapel starten wird. Zuletzt machte das zweitwichtigste Radsport-Etappenrennen im Jahr 2009 auf der 20. Etappe Station in Neapel.

Transport

Fernverkehr

Neapel ist hervorragend an die Fernverkehrssysteme angebunden: Die Stadt ist von einem dichten Autobahnnetz umgeben, an das Schienennetz der Gruppo FS angeschlossen, hat einen großen Seehafen und den Aeroporto di Napoli-Capodichino, einen internationalen Flughafen.

Autobahn

Auf allen Autobahnen ist eine Maut zu zahlen (siehe Maut in Italien). Über ein dichtes Netz von Zubringern hat Neapel unmittelbaren Anschluss an die Autobahnen. Die A1/E 45, die Autostrada del Sole („Autobahn der Sonne“), führt in nordnordwestliche Richtung über Rom und Florenz bis nach Mailand und zu den weiteren Wirtschaftszentren Norditaliens. Ihre Verlängerung in südsüdöstlicher Richtung verläuft als A3 / E 45 bis Reggio Calabria. Nach Osten hin schließlich, bis zur Adriaküste, gelangt man über die A16, die Autostrade dei due Mari („Autobahn der beiden Meere“). Daneben gibt es auch noch einige Verbindungen über Fernstraßen, die strade statali („Staatsstraßen“).

Eisenbahn

Mit mehreren Bahnhöfen ist Neapel an das Schienennetz der Ferrovie dello Stato, der italienischen Eisenbahnen, angeschlossen. Der bedeutendste Bahnhof für den Fernverkehr ist die Stazione Napoli Centrale in einem der Stadtzentren, nahe der Piazza Garibaldi. Hier besteht Anschluss an die große Nord-Süd-Fernstrecke längs der tyrrhenischen Küste, die von Reggio di Calabria kommend über Neapel, Rom und Florenz die Metropolen der Poebene erreicht. Eine weitere Fernverbindungsstrecke durchquert die Apenninenhalbinsel über Benevent und Foggia und schließt an die adriatischen IC- und ETR-Linien an.

Flughafen

Mit dem Flughafen Capodichino, dem wichtigsten Verkehrsflughafen Süditaliens, ist Neapel an die internationalen Luftverkehrswege angeschlossen. Die großen italienischen Luftfahrt-Drehkreuze Rom und Mailand sowie andere italienische Flughäfen werden – zum Teil mehrmals täglich – von Neapel aus angeflogen. Darüber hinaus bestehen regelmäßige innereuropäische und seit einigen Jahren auch interkontinentale Verbindungen.

Hafen

Der der Hafen Neapels, ist neben seiner Bedeutung für den regionalen Passagier- und Frachtverkehr einer der größeren Seehäfen Italiens für den internationalen Verkehr. Neben seiner Funktion als Hafen für Container- und konventionelle Fracht deckt er über ein großes Kreuzfahrtterminal auch internationalen Passagierverkehr ab. Regelmäßige Fährverbindungen führen zudem nach Tunesien, Korsika, Sardinien, Sizilien und zu den Äolischen Inseln. Der Personenfernverkehr läuft über die von der faschistischen Regierung erbaute Stazione Marittima di Napoli.

Nahverkehr

U-Bahn und S-Bahn

Es gibt folgende U-Bahn und S-Bahn-Linien, die von verschiedenen Unternehmen betrieben werden. Genauer werden sie in den Artikeln Metropolitana di Napoli und Servizio ferroviario metropolitano di Napoli beschrieben.

U-Bahn (Metropolitana di Napoli)
  • Linie 1
  • Linie 6
  • Linie Neapel–Giugliano–Aversa (MCNE)
  • (2012 noch in Bau: Linie 7)
  • (2012 noch in Bau: Linie 9)
  • (2012 noch in Bau: Linie 10)
S-Bahn
von Trenitalia betriebene, meist unbenannte Linien (Servizio ferroviario metropolitano di Napoli)
von privaten Unternehmen betriebene Linien

Busse und Straßenbahn

Es gibt in Neapel die drei Straßenbahnlinien 1, 2 und 4, vor allem aber ein dichtes Busnetz.

Fähren

Ebenfalls zum Nahverkehr zählen die von den Häfen (Molo Beverello und Porticciolo di Sannazarro (Mergellina)) aus verkehrenden Fähren, die zu allen Inseln und verschiedenen Festlandszielen in der gesamten Golfregion fahren.

Bergbahnen

Des Weiteren verbinden drei Standseilbahnen (Funicolare di Montesanto, Funicolare Centrale und Funicolare di Chiaia) den Hügel Vomero mit niedriger gelegenen Teilen der Stadt. Die vierte Standseilbahn ist die weiter westlich gelegene Funicolare di Mergellina.

Persönlichkeiten

siehe: Liste von Persönlichkeiten der Stadt Neapel

In der Stadt selbst sind - neben den in Neapel verehrten Heiligen - vor allem die Spieler des SSC Napoli von ungeheurer Popularität, momentan allen voran Il matador Edinson Cavani und der gebürtige Neapolitaner Paolo Cannavaro. Ebenfalls populär sind die Schauspielerin Sophia Loren, der Revolutionär Masaniello und die Figur des Pulcinella.

International bekannte Persönlichkeiten finden sich in fast sämtlichen Gebieten des kulturellen Lebens. Das Multitalent Bud Spencer ist genauso Neapolitaner wie es die Schauspieler Totò und Eduardo De Filippo waren. Bedeutende Philosophen waren Giordano Bruno, Giambattista Vico und Benedetto Croce, von den zahllosen Literaten seien Salvatore Di Giacomo und Luciano De Crescenzo erwähnt. Im Bereich der klassischen Musik bekannt wurden Domenico Scarlatti, Domenico Cimarosa, Enrico Caruso und Riccardo Muti, bekannte Pop-Interpreten sind Edoardo Bennato und Pino Daniele. Auch der heutige Staatspräsident Giorgio Napolitano stammt aus Neapel.

Literatur

  • Ferdinand Gregorovius: Neapel und Capri, Insel Verlag, Leipzig 1944, (Insel-Bücherei Nr. 340/2)
  • Dieter Richter: Neapel - Biographie einer Stadt, Klaus Wagenbach, Berlin 2005
  • Christoph Höcker: Golf von Neapel und Kampanien, DuMont Buchverlag, Köln 1999 (Erweiterte und aktualisierte Auflagen: 2000; 2004; 2006; 2008 (völlig überarbeitete Neuauflage); 2011)
  • Michael Machatschek: Golf von Neapel, Michael Müller Verlag, Erlangen 2011 (5. Auflage)

Reiseberichte

Neapel in der Literatur

  • Luciano De Crescenzo: Also sprach Bellavista - Neapel, Liebe und Freiheit, Diogenes, Zürich 1988
  • Marcello D'Orta: In Afrika ist immer August. Sechzig Schulaufsätze neapolitanischer Kinder, Diogenes, Zürich 1993
  • Marcello D'Orta: Am liebsten Neapel. Streifzüge durch meine Stadt, Rotbuch, Hamburg 1999
  • Curzio Malaparte: Die Haut, Fischer, Frankfurt am Main 1991
  • Marino Niola: Totem und Ragù - Neapolitanische Spaziergänge, Luchterhand, München 2000
  • Christoff Neumeister: Der Golf von Neapel in der Antike, Ein literarischer Reiseführer. München 2005

Weblinks

 Commons: Neapel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Neapel – Zitate

Einzelnachweise

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2013.
  2. Comune di Napoli: Atlante Statistico dell' Area Napoletano (italienisch), S. XIII
  3. Comune di Napoli: Atlante Statistico dell' Area Napoletano (italienisch), S. 140
  4. Comune di Napoli: Bollettino di Statistica - 2009 (italienisch), S. 57
  5. Eurostat gibt hier 3.080.873 Einwohner für 2011 an, SVIMEZ gibt hier für verschiedene Zeiträume bis zu 4.434.136 an.
  6. Comune di Napoli: Censimento 2001, (italienisch)
  7. Eine Auflistung findet man hier (italienisch).
  8. 8,0 8,1 Camera di Commercio di Napoli: Profilio economico della provincia di Napoli (italienisch). Dort auch weiteres statistisches Material.
  9. Camera di Commercio di Napoli: Bollettino di Statistica 2011, Capitolo 2, (italienisch)
  10. Camera di Commercio di Napoli: Bolletino di statistica, S. 16 (italienisch)
  11. Camera di Commercio di Napoli: Bollettino di Statistica 2011, Capitolo 4 (italienisch)
  12. Comune di Napoli: Bollettino di Statistica - 2009 (italienisch), S. 117
  13. Comune di Napoli: Le elezioni a Napoli dal 1946 al 1997, 2000, S. 36 (italienisch)
  14. Birgit Schönau: Stadt ohne Gnade, Die Zeit Nr. 36/2007 vom 30. August 2007
  15. ISTAT: Delitti denunciati dalle Forze di polizia all’Autorità giudiziaria, Tavola 3 (Tabelle 3) (italienisch)
  16. Eva Kallinger: Neapel stinkt zum Himmel, auf focus.de
  17. Prodi für weiteren Einsatz der Armee in Neapel, Neue Zürcher Zeitung vom 9. Januar 2008
  18. Neapel und der Müll, auf badische-zeitung.de
  19. Auflistungen der neapolitanischer Kirchen findet man hier: Katholische Kirchen Neapels und Evangelische Kirchen Neapels
  20. Siehe auch Ausstellungen, Museen und Denkmäler Neapels (italienisch)
  21. Mark Benecke: Das Blutwunder von Neapel, auf heise.de, abgerufen am 30. Oktober 2012
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