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Monolatrie

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Unter Monolatrie (aus griech.: μόνος monos „einzig“ und λατρεία latreia „kultische Verehrung“) versteht man die Verehrung nur eines einzigen Gottes, ohne dass die Existenz anderer Götter verneint wird. Manchmal wird dafür auch die Bezeichnung Henotheismus gebraucht.

Im Alten Testament

Entwicklung vom Polytheismus zur Monolatrie

Im Alten Testament gibt es zahlreiche Anhaltspunkte dafür, dass es im vorexilischen Israel (vor 597 v. Chr.) noch keine Monolatrie gab. Neben JHWH verehrte man auch andere, weibliche und männliche Götter, die auch sonst aus der Umwelt Israels bekannt sind (Polytheismus). Orte der Verehrung waren in der Regel Kulthöhen, die diesen Göttern geweiht wurden. So baute etwa Salomo Höhen für die Götter Kemosch und Moloch (1 Kön 11,7 EU). Andere Höhen waren weiblichen Gottheiten geweiht, z.B. der Aschera, der Gattin des ugaritischen Gottes El, und der Astarte, der assyrisch-babylonischen Fruchtbarkeitsgöttin Ischtar, (2 Kön 23,13.15 EU).

Auch in den Psalmen haben sich zahlreiche Spuren der Verehrung anderer Götter erhalten. So schildert Ps 77,17–20 EU JHWH mit Bildern, die sonst dem kanaanäischen Wettergott Baal zugeordnet werden. Ps 82 EU beschreibt JHWH analog dem ugaritischen obersten Gott El, dem Vorsitzenden der Götterversammlung:

„Gott steht in der Gottesgemeinde und ist Richter unter den Göttern“ (Ps 82,1).

Es gibt weitere Texte im Alten Testament, die die Verehrung anderer Götter in vorexilischer Zeit belegen. Archäologische Funde bestätigen das: In Israel wurden Inschriften und Artefakte gefunden, die auf die Verehrung anderer Götter hindeuten. Zum Beispiel wurden 1975 in Kuntilet Ajrud in Juda Inschriften aus dem 8./7. Jh. v. Chr. entdeckt, die Segenssprüche von „JHWH und seiner Gattin Aschera“ enthalten.

Dass die Texte der Bibel über den Polytheismus zwar berichten, ihn aber scharf verurteilen, geht auf eine spätere Entwicklung der jüdischen Religion zurück. Anlass für die Abkehr vom Polytheismus und für die Hinwendung zur Monolatrie war der Untergang des Staates Juda. Ihn deutete man als Strafe für die Verehrung anderer Götter (Dtn 28 EU).

Diese neue Deutung der eigenen Geschichte führte dazu, dass die biblischen Bücher so (um)gestaltet wurden, dass darin die Verehrung anderer Götter scharf verurteilt wird. Insbesondere das Deuteronomistische Geschichtswerk und der mit dem Deuteronomium abgeschlossene Pentateuch sind Ergebnisse dieser religiösen Neuorientierung. Um den Alleinverehrungsanspruch JHWHs zu unterstreichen, wird im Deuteronomium das Gebot der Monolatrie in die legendäre Frühzeit verlegt und mit der Autorität des Mose verknüpft:

„Höre, Israel, JHWH ist unser Gott, JHWH allein.“ (Dtn 6,4 EU).

Texte wie der zitierte Psalm 82 werden so ergänzt, dass die anderen Götter degradiert werden:

6„Wohl habe ich gesagt: ‚Ihr seid Götter und allzumal Söhne des Höchsten‘; 7aber ihr werdet sterben wie Menschen und wie ein Tyrann zugrunde gehen.“ (Ps 82,6f. EU)

In diesen Versen deutet sich bereits der Umschwung von der Monolatrie zum Monotheismus an. Kam es nach Deuteronomium 6,4 nur darauf an, dass Israel keine anderen Götter verehrte – unbeschadet ob andere Völker andere Götter haben –, bedeutet die Weiterentwicklung der Monolatrie zum Monotheismus die kategorische Leugnung der Existenz anderer Götter. Nur wenige späte Texte der Hebräischen Bibel sind in diesem Sinn monotheistisch, z. B. Jes 45,4–7 EU.

Kritik

Diese religionsgeschichtliche Interpretation der Entwicklung von einem ursprünglichen Polytheismus zu einer Monolatrie JHWHs und schließlich zum Monotheismus wird von der Mehrheit der Forscher geteilt. Es gibt aber auch kritische Stimmen unter jüdischen wie christlichen Theologen. Diese gestehen zwar zu, dass in Israel andere Gottheiten verehrt wurden, wie es die Texte berichten, setzen allerdings den Umschwung vom Polytheismus zur Monolatrie nicht in der nachexilischen Zeit an, sondern gehen bereits für die Zeit des Mose von einer Phase der Monolatrie aus. Anstelle eines kritisch rekonstruierten Geschichtsbilds folgen sie damit der Sicht, die die biblischen Texte zu vermitteln suchen. Sie sehen das Gebot, nur einen Gott zu verehren, als eine Offenbarung Gottes an den als historische Person betrachteten Mose an. Die Verehrung mehrerer Götter in der Königszeit ist dann mit dem Deuteronomistischen Geschichtswerk als Abfall von diesem mosaischen (göttlichen) Gebot zu werten, für den Israel mit dem babylonischen Exil bestraft wurde.

Die Hypothese Freuds

Es gibt Spekulationen, die auf Sigmund Freuds 1939 erschienene Schrift Der Mann Moses und die monotheistische Religion zurückgehen. Freud betonte, dass Moses einen typisch ägyptischen Namen trägt und im Palast der Pharaonen aufgewachsen sein soll, etwa zwei Generationen nach der Regierungszeit des Pharaos Echnaton. Freud bezieht sich aber nicht auf (Ex 2,10 EU), sondern zitiert den engl. Ägyptologen James H. Breasted. Echnaton vertrat nach Ansicht einiger Ägyptologen einen strengen Monotheismus. Mose könnte daher am ägyptischen Königshof monotheistisch erzogen worden sein und den Monotheismus nach Israel gebracht haben. Viele Gelehrte verwerfen diese Vermutungen aber als unbeweisbar, zumal nicht einmal die Existenz eines historischen Moses zu beweisen ist. (Ausführlicher zu den diesbezüglich unterschiedlichen Theorien siehe unter Echnaton.) Es ist zwar grundsätzlich denkbar, dass der JHWH-Kult ursprünglich aus dem nordägyptisch-arabischen Raum stammte und in der Bronzezeit nach Palästina gelangte, jedoch gibt es dafür keine Anhaltspunkte.

Siehe auch

Weblinks


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