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Missionierende Religion

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Eine missionierende Religion (lat.: missio: ‚(Aus-)Sendung‘, übertragen ‚Auftrag‘) ist eine Religion, die ihre Botschaft aktiv verbreitet. Sie glaubt sich berufen, Nichtgläubige und Andersgläubige zu überzeugen und sie in die betreffende Religion aufzunehmen. Diese Berufung basiert regelmäßig auf dem Anspruch der alleinigen Vertretung einer behaupteten universalen Wahrheit. Mission geschieht heute vorwiegend als Werbung durch Predigten, Vorträge, Verbreitung von Schriften, Hausbesuche und durch moderne Massenmedien.

Nach dem umfassendsten Definitionsansatz bedeutet Mission das Werben für einen Glauben. Damit zählen vor allem das Christentum und der Islam zu den missionierenden Religionen. Sehr oft wird Mission jedoch ausschließlich auf die Verbreitung des christlichen Glaubens bezogen.

Einige Formen des Monotheismus, wie beispielsweise die Religion der Drusen und der Jesiden, sowie polytheistische tribale Religionen, bei welchen die Idee der Reinkarnation verbreitet ist, sind von ihrem traditionellen Selbstverständnis her nicht missionierend und kennen auch keine Möglichkeit des Übertritts. Das Judentum spielt hier insofern eine Sonderrolle, als hier die Missionierung ebenfalls nicht vorgesehen, eine Konversion (Gijur) unter bestimmten Bedingungen jedoch möglich ist.

Geschichte und Entwicklung

Antike und Mittelalter

Zoroastrismus

Als älteste missionierende Religion gilt der Zoroastrismus, der sich unter Einfluss von Zarathustra Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. vom Iran aus zeitweise zu verbreiten begann. Er war es, der erstmals in der Religionsgeschichte die anderen Religionen sogar als falsch bezeichnete. Von Zarathustra wird gesagt, er habe darum gebetet, dass sein Glaube sich ausweiten möge, dass Häuser, Dörfer, Distrikte und Länder denken, sprechen und handeln mögen gemäß der Gerechtigkeit, die er predigt (Ys xlii 6). Es wird von Wanderpriestern berichtet, die Seite an Seite mit denen arbeiteten, die zu Hause ihren priesterlichen Aufgaben nachkamen (Visp. lii 3, ix 2).[1]

Judentum

Nach rabbinischer Interpretation wurde Abraham als erster Missionar beschrieben, der die Leute von Haran (Gen 12,5 EU) bewegen konnte, zum Judentum zu konvertieren. Auch der Prophet Jesaja rief das Volk Israel dazu auf, ein „Licht für die Völker“ zu sein (Jes 49,6 EU). Weil zeitweise bis zu zehn Prozent der Bevölkerung des Römischen Reiches dem jüdischen Glauben angehörten, versuchte Kaiser Hadrian, die jüdische Mission zu verbieten. Den Sinn der jüdischen Diaspora sahen einige Juden darin, Proselytenwerbung zu betreiben.[2][3] Unter dem Druck des Christentums und des Islams erlosch die Judenmission. Im 10. Jahrhundert schlossen sich jedoch die Chasaren (Südrussland) nicht den Christen oder Muslimen an, sondern nahmen den jüdischen Glauben an. Die Form der Mission war weder organisiert noch ging sie von Herrschern aus, sondern war eher ein vorsichtiges Werben von Mensch zu Mensch.[4]

Urchristentum

Im Evangelium nach Markus (um 70 n. Chr.), das vom Matthäusevangelium benutzt wird, heißt es: Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! (Mk.16,15). Die Zeit des Wirkens Jesu von Nazareths sind seine 2 bis 3 Jahre als Wandercharismatiker vor seinem Tod, von denen wie oben, in den frühchristlichen Schriften erzählt wird. Jesu messianisches Wirken im jüdischen Umfeld, vor seinen jüdischen Jüngern, stand noch ganz in der Tradition des Judentums. Nach Jesu Tod hielt seine judenchristliche Gemeinde an seinem Angedenken im „Herrenmahl“, entnommen aus dem messianischen Gedenken der Pessachhaggada, fest und erwartete seine zweite Wiederkehr in einem Umfeld vieler jüdischer Gemeinden in Kleinasien, Griechenland und Italien und der kurzen Zeit der jüdischen Propaganda und Proselytenwerbung. Als Beispiel dieser jüdischen Antwort auf den Hellenismus kann das Beispiel des Übertritts Königs Izates I. (ca. 36–59/60) und seiner Mutter Helena in Adiabene zum Judentum dienen.[5]

Die Loslösung vom Judentum und der alten Gemeinde Jesu setzte mit der paulinischen Theologie und Mission (um 50 n. Chr.) ein – die entscheidende neue Phase des Christentums.[6] Paulus von Tarsus, der Jesus nie begegnet ist, seine Mitstreiter und seine Nachfolger trennten sich von den jüdischen Urgemeinden und ihren Anhängern, die Jesus noch gekannt hatten, und gründeten neue heidenchristliche Gemeinden mit einem gewandelten Missionsverständnis. Die alten jüdischen Urgemeinden, die an Jesu Lehre festhielten und im Judentum verblieben, wurden von denjenigen verfolgt, die der neuen paulinischen Theologie folgten, und verschwanden schließlich.[7] Der große Jüdische Krieg gegen die Römer (66–70 n. Chr.) erinnerte die Menschen vermehrt an die Endzeit und das Beten; Königs Izates I. schickte auf jüdischer Seite Soldaten und der zweite Tempel wurde zerstört.

Christentum

Hauptartikel Mission (Christentum)

Die christliche Mission beruft sich auf Jesu sogenannten Missionsbefehl: Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe (Mt 28,19-20a EU, ähnlich bei Mk 16,15 EU). Im frühen Mittelalter warben insbesondere die irischen Wandermönche für die wachsende christliche Kirche.

Die Kreuzzüge wurden weniger als Missionierung aufgefasst, sondern eher als Zurückdrängung islamischer Expansion bzw. heidnischer Einflusssphären.

Die Conquista war ausdrücklich mit dem Auftrage zur Christianisierung verbunden. In Afrika und Lateinamerika versuchten europäische Missionare, Seelen zu retten. Dabei gab es humane Versuche, wie die Jesuitenreduktionen, aber auch brutales Überstülpen fremder Kultur, woran die Päpste oft nicht unschuldig waren, die der Inkulturation vielfach skeptisch gegenüberstanden (z. B. Ritenstreit). Später wurde Mission in Verbindung mit dem Kolonialismus betrieben.

Sehr aktiv missionieren die Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und die Zeugen Jehovas, die weltweit unterwegs sind und Menschen aktiv ansprechen.

Manichäismus

Der Manichäismus war auch missionierend, er verbreitete sich bis nach Afrika, Gallien, Syrien und wurde im 8. Jahrhundert in Turkestan Staatsreligion.

Moderne

Eine allgemeine Verstärkung missionarischer Aktivitäten in vielen Religionen brachte das 20. Jahrhundert mit sich. Ein Auslöser war dabei das Weltparlament der Religionen 1893 in Chicago, wo auch der Hinduismus (Vivekananda) u.v.a. mit neuen missionarischen Ansprüchen auftraten.

Der hinduistische Kontext

In Auseinandersetzung mit sozio-kulturellen und religiösen Einflüssen aus Europa und den USA bildeten sich so auch im Hinduismus und Buddhismus Reformansätze heraus, die eine dogmatische Fixierung von Lehrinhalten und heiligen Texten, einen allgemeinen Gültigkeitsanspruch und so auch aktive Missionsbestrebungen unterstützten. Oft ging es dabei hauptsächlich um die Rückgewinnung früherer Konvertiten aus der eigenen Religion, dieser Anspruch wurde jedoch zuweilen sehr weit ausgedehnt, so dass z. B. der Arya Samaj in Indien Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts fast alle Einwohner als frühere Hindus und somit als legitime Missionsgruppe betrachtete. Da sich die Missionsbemühungen des Arya Samaj jedoch auch gegen die traditionellen brahmanischen Eliten und das seit dem Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung gewinnende Kastensystem wandten, stießen sie auf häufig sehr entschiedenen Widerstand in weiten Teilen der Bevölkerung und gingen so ab Mitte der 1920er Jahre zurück.

Scheiterten die Agitatoren des frühen 20. Jahrhunderts in der Hindu-Mehrheitsgesellschaft noch weitgehend am Einfluss brahmanischer Eliten und traditioneller Wertesysteme, so haben die Missionierungsbewegungen hindunationalistischer Kräfte unter den „Stammesbevölkerungen“ Indiens (adivasi) seit Ende der 1980er Jahre eine tiefgreifende Wirkung für das kulturelle Erbe der betroffenen Gruppen. Etablierte kulturelle Traditionen (vor allem auch Geschlechterbilder) werden umgedeutet hin zu einer vereinheitlichten Hindu-Kultur mit fremden Göttern (Rama, Krishna, Hanuman) und androzentrischen (Männer und Männlichkeit hervorhebenden) Gesellschaftsvorstellungen und Weltbildern. Diese Art von ideologischer Einflussnahme, obwohl sie stark politisch motiviert ist (als Werbung potenzieller Wähler für die hindunationalistische Partei der BJP), ist dennoch im weiteren Sinne als Missionierung zu betrachten, da eine dauerhafte Bindung an ein (stark auch religiös fundiertes) Weltbild angestrebt wird, das explizit anderen Religionszugehörigkeiten gegenübergestellt wird. Immer wieder gibt es von hindunationalistischen Agitatoren angestiftete Ausschreitungen gegen religiöse Minderheiten (vor allem Muslime und Christen).

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Theo Sundermeier: Die Mission nichtchristlicher Religionen, S. 4.
  2. Rabbi Eliser: Talmud: Pesahim 87b
  3. dagegen Rabbi Celbo: Talmud: Jebamoth 47b
  4. Theo Sundermeier: Die Mission nichtchristlicher Religionen, S. 6.
  5. Walter Homolka, Walter Jacob, Tovia Ben Chorin: Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Band III. Knesebeck, München 1999, S. 339ff.
  6. Walter Homolka, Walter Jacob, Tovia Ben Chorin: Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Band III. Knesebeck, München 1999, S. 57ff.
  7. Walter Homolka, Walter Jacob, Tovia Ben Chorin: Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Band III. Knesebeck, München 1999, S. 440ff.


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