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Max Robert Gerstenhauer

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Ernst August Robert Max Gerstenhauer, geb. 30. September 1873 in Barchfeld; gest. 18. August 1940 in Weimar, war ein Gutsbesitzer, völkischer Politiker, Parteipolitiker, Kirchenpolitiker im Vorfeld der DC, Parteivorsitzender der Wirtschaftspartei, und als Rassentheoretiker ein Vorkämpfer für die Nationalsozialistische_Rassenhygiene; beruflich war er Geheimer Regierungsrat und 1936 - 1940 Ministerialdirigent beim Ministerium des Innern im Land Thüringen.

Leben und Werk

Gerstenhauer studierte Rechts- und Staatswissenschaft und wurde 1902 stellvertretender Landrat in Meiningen, 1903 bekam er einen Posten im Staatsministerium Thüringens.

Gerstenhauer lehnte die kleindeutsche Lösung, die Bismarck herbeigeführt hatte, heftig ab; im Zuge dieser Orientierung kam er Paul de Lagarde näher, er betrachtete ihn als seinen "geistigen Führer"[1]. Danach wurden der Alldeutsche Verband, ein Deutschvölkischer Kolonialverein des Curt von François[2], die Deutsche Kolonialgesellschaft und der Deutschbund ihm zur politischen Heimat. Den Antisemitismus Friedrich Langes radikalisierte er mittels der Rassentheorien von Arthur de Gobineau und Houston Stewart Chamberlain.

Im Deutschbund trafen sich vor 1914 die entschiedensten Kämpfer der Völkischen überhaupt, mit weitreichendem Einfluss auf ähnliche Gruppierungen[3].

Nach 1918 wurde Gerstenhauer zum Anhänger des völkischen Antisemiten Adolf Bartels. Gemeinsam machten sie den Deutschbund

„...zu einem aktivistischen Werkzeug der völkischen Bewegung, ... einem Kampfbund, ... mit stärkerer Betonung ... des Führergedankens.“

Gerstenhauer, Der völkische Gedanke, S. 63

Ein Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund sah Gerstenhauer nach 1918 als Mitglied. Im Deutschbund schob Gerstenhauer den Vorsitzenden Paul Langhans als "Bundeswart" auf einen unbedeutenden Ehrenposten ab und schuf für sich selbst 1921 den Machtposten des "Bundesgroßmeisters",[4] den er bis zu seinem Tod besetzte. Er wollte den Bund unter den zahllosen völkischen Verbänden der Nachkriegszeit zur führenden Kraft machen. Vor allem in ideologischer Hinsicht beanspruchte Gerstenhauer die "geistige Führung"[5]. Die zersplitterten Völkischen sollten unter seiner Führung zu einer kraftvollen, zielstrebigen "Zweckgemeinschaft" zusammengefasst werden.[6]

Aber mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten (NS) mussten die Völkischen allmählich zurückstecken. Deshalb orientiert Gerstenhauer sich ab 1928 zunehmend am Nationalsozialismus, besonders in seiner regionalen thüringischen Ausprägung. Das Vehikel, welches ihm dazu diente, war die evangelische Kirche. Er betrieb ihre Neuausrichtung in Richtung Deutschchristentum[7]. Damit verschärfte er zugleich seinen völkischen Antisemitismus zum NS-Rassismus.

Als Ideologe

Wie Adolf Bartels wollte Gerstenhauer, als "praktisches Beispiel völkischen Kampfes", die evangelischen Landeskirchen, zuerst die Thüringer Evangelische Kirche, zu Bastionen der "Deutschen Christen" machen. Hier sollte das Volk "artgerecht" erzogen werden, ebenso wie in den verschiedenen Jugendbünden, in Hoch- und Volkshochschulen.

„Gerstenhauer schwebte ... eine Abkehr vom "materialistischen, judaisierten Christentum" vor, das durch die "wahre Religion" eines idealistischen, germanischen "Deutschen Denkens und Fühlens" ersetzt werden soll.“

Gerstenhauer, Nordische Religion, Deutschbund-Blätter 9, 1928, S. 29, zit. nach Alexandra Esche, 2013, S. 4

Notizen

  1. Gerstenhauer, Der völkische Gedanke in Vergangenheit und Zukunft. Aus der Geschichte der völkischen Bewegung. Armanen-Verlag, Leipzig 1933, S. 11
  2. Vereinsname bis 1907, danach: Deutschnationaler Kolonialverein
  3. vgl. Uwe Puschner, Die völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich. Sprache, Rasse, Religion. Wissenschaftliche Buchgesellschaft WBG, Darmstadt 2001, S. 14
  4. seit 1929 "auf Lebenszeit"
  5. Gerstenhauer: Bericht des Br. Großmeister Gerstenhauer, in Deutschbund-Blätter 6/7, 1925, S. 38
  6. vgl. Stefan Breuer, Die Völkischen in Deutschland. Kaiserreich und Weimarer Republik. WBG, Darmstadt 2008, S. 164ff.
  7. die spätere organisatorische Form bildeten die "Deutsche Christen"


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