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Martin Doerry

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Martin Doerry (2008)

Martin Doerry (* 21. Juni 1955 in Uelzen-Veerßen) ist ein deutscher Journalist und Autor. Er war bis zu seinem Rücktritt am 30. Juni 2014 einer der beiden stellvertretenden Chefredakteure des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel.

Leben

Martin Doerry ist der Sohn von Jürgen Doerry, der bis zur Pensionierung Bundesrichter in Karlsruhe war, und Ilse Doerry, der Tochter von Lilli Jahn.

Doerry absolvierte nach dem Abitur ein Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Tübingen. Vom DAAD erhielt er einen Stipendienaufenthalt an der Universität Zürich. Im Anschluss an das Erste Staatsexamen erhielt er von der Friedrich-Ebert-Stiftung ein Promotionsstipendium und schloss 1985 seine Promotion in Neuerer Geschichte ab.

Danach arbeitete Doerry zwei Jahre im SDR-Studio in Karlsruhe. Seit 1987 ist er beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel beschäftigt. Zunächst war er dort Redakteur im Bereich Bildungspolitik, bevor er im Oktober 1991 gemeinsam mit Mathias Schreiber die Leitung des Feuilletons übernahm. Ab 1996 fungierten er und Gerhard Spörl als Ressortleiter für Deutsche Politik. Von August 1998 bis Juni 2014 war Doerry stellvertretender Chefredakteur des Spiegel. Seit seinem Rücktritt arbeitet Doerry als Autor beim Spiegel.

Doerry erkannte die historische Bedeutung des bewegenden Briefwechsels zwischen seiner Großmutter, der jüdischen Ärztin Lilli Jahn, und ihren Kindern. Er stammt vor allem aus der Zeit, als Jahn in dem Arbeitserziehungslager Breitenau nahe Kassel interniert war und ihre fünf Kinder nahezu auf sich alleine gestellt waren. Doerry veröffentlichte 2002 eine Auswahl der 250 Briefe aus dem Nachlass seines Onkels und ehemaligen Bundesjustizministers Gerhard Jahn als Buch unter dem Titel „Mein verwundetes Herz“ – das Leben der Lilli Jahn. Von der Wochenzeitung Die Zeit wird dieses Buch in eine Reihe gestellt mit dem Tagebuch der Anne Frank und den Aufzeichnungen Victor Klemperers. Es wurde in 19 Sprachen übersetzt.

Doerry deckte im Mai 2019 auf, dass die Bloggerin und Historikerin Marie Sophie Hingst große Teile in ihrem Blog erfunden hatte. Hingst war anders als von ihr beschrieben nicht Nach­fah­rin von Holocaust-Opfern.[1] Nach einem dazu geführten Interview warf Hingst Doerry vor, trotz der vorhergehenden deutlich gemachten Ablehnung über ihr Blog und ihre in Frage stehende Biographie zu reden, dennoch diese Sachlage im Interview zum Thema gemacht zu haben. Dies beschrieb sie in einem Interview des Irish Times Journalisten Derek Scally. Im Juli 2019 wurde Hingst tot aufgefunden, die Mutter geht von Suizid aus. Sie wirft Doerry mangelnde Rücksichtnahme auf den geistigen Zustand ihrer Tochter vor[2], auf den sie ihn ausdrücklich hingewiesen habe.[3] Doerry gab dazu an, dass er Hingst ausreichend Zeit zur Entgegnung der Vorwürfe gelassen habe und er den Artikel in der Form nicht veröffentlicht hätte, wenn diese von dieser Möglichkeit gebraucht gemacht hätte. Auch habe er im Gespräch Hingst in einem anderen Zustand vorgefunden, als ihn Scully nach der Veröffentlichung des Spiegel-Artikels bei Hingst vorfand.[4]

Werke

  • Übergangsmenschen. Die Mentalität der Wilhelminer und die Krise des Kaiserreichs. 2 Bände, Juventa Verlag, Weinheim/München 1986. Band 1: ISBN 3-7799-0800-X und Band 2: ISBN 3-7799-0801-8.
  • Mein verwundetes Herz. Das Leben der Lilli Jahn. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/München 2002. ISBN 3-421-05634-X.
  • Nirgendwo und überall zu Haus. Gespräche mit Überlebenden des Holocaust. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2006, ISBN 3-421-04207-1.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Martin Doerry: Bloggerin Marie Sophie Hingst: Die Historikerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand. Spiegel Online, 31. Mai 2019, abgerufen am 5. August 2019. 'Literature, Not Journalism'. The Historian Who Invented 22 Holocaust Victims. (Spiegel-Artikel in englischer Sprache)
  2. Derek Scally: The life and tragic death of Trinity graduate and writer Sophie Hingst. Irish Times, abgerufen am 28. Juli 2019 (english).
  3. Joachim Huber: Lea Rosh kritisiert Martin Doerry. In: Der Tagesspiegel. Abgerufen am 5. August 2019.
  4. Martin Doerry: Warum der SPIEGEL über den Fall Marie Sophie Hingst berichten musste. Abgerufen am 2. August 2019.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Martin Doerry aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.