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Lukas Beckmann

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Dieser Artikel behandelt den Grünen-Politiker Lukas Beckmann. Für den Hamburger Rechtswissenschaftler Lucas Beckmann (1571–1624) siehe Lucas Beckmann.
Lukas Beckmann 2015

Lukas Beckmann (* 14. September 1950 in Hilten, heute Neuenhaus, Niedersachsen) ist ein ehemaliger deutscher Politiker von Bündnis 90/Die Grünen und war von 1994 bis 2010 Fraktionsgeschäftsführer der grünen Bundestagsfraktion.

Leben

Beckmann wuchs in Wilsum an der Grenze zu den Niederlanden als Sohn eines Landwirtes auf und arbeitete zunächst ebenfalls als Landwirt auf dem elterlichen Hof. Seine Hochschulreife holte er über den zweiten Bildungsweg nach und studierte von 1973 bis 1978 Soziologie an den Universitäten Bonn und Bielefeld.

In den 1970er Jahren war Beckmann in Umwelt- und Dritte-Welt-Gruppen sowie in der christlichen Jugendarbeit aktiv und engagierte sich für Amnesty International.[1] 1978 gehörte er zu den Initiatoren der Bunten Liste Bielefeld. Er engagierte sich an der von Joseph Beuys gegründeten Freien Internationalen Universität und zählte zu den Initiatoren des Koordinierungsausschusses der Friedensbewegung. Dort führte er einen heftigen Kampf gegen die moskautreuen Mitglieder und sozialdemokratisch eingestellte Aktivisten.[2]

1979 – noch vor der Gründung der grünen Partei – übernahm er als hauptamtlicher Bundesgeschäftsführer der SPV die Grünen den Europawahlkampf. Die Position des Bundesgeschäftsführers behielt er nach der Umwandlung in eine politische Partei bis 1984 bei.

Lukas Beckmann 1983

Am 12. Mai 1983 enthüllten Lukas Beckmann, Petra Kelly, Gert Bastian, Roland Vogt und Gabriele Potthast auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin zwei Transparente mit den Aufschriften „Die Grünen – Schwerter zu Pflugscharen“ und „Die Grünen – Jetzt anfangen: Abrüstung in Ost + West“, um für eine Abrüstung in Ost wie West zu demonstrieren und gleichzeitig die unabhängige Friedensbewegung in der DDR zu unterstützen.[3] Auch danach pflegte Beckmann engen Kontakt mit der DDR-Opposition, was auf heftigen Widerstand innerhalb der Grünen Partei – besonders durch den später als Mitarbeiter der Stasi enttarnten Dirk Schneider – stieß.[4] Später hatte er die deutsche Botschaft in Pretoria besetzt, um gegen die Apartheid zu demonstrieren.[5]

Von 1984 bis 1987 war er zusammen mit Jutta Ditfurth und Rainer Trampert einer der drei gleichberechtigten Bundesvorstandssprecher der Partei. Beckmann bildete zusammen mit Eva Quistorp, Norbert Kostede, Helmut Wiesenthal und Brigitte Berthold in der von Flügelkämpfen geprägten Partei ein wertkonservatives, realpolitisches Gegengewicht zur fundamentalistischen Radikalökologin Ditfurth und dem Ökosozialisten Trampert.[5] Seine Arbeit als Bundesvorstandssprecher verrichtete Beckmann ehrenamtlich und lebte in dieser Zeit von Arbeitslosengeld. Als er 1987 eine Koalition mit der CDU als machtpolitische Alternative ins Spiel brachte, geriet er unter starken innerparteilichen Druck und verzichtete auf eine erneute Kandidatur.[6] Die Position als Bundesvorstandssprecher war das einzige parteiinterne Wahlamt, das Beckmann je innehatte.

1986 bereitete Beckmann die Gründung einer parteinahen Stiftung vor und gründete 1988 den Verein Mehr Demokratie mit. Er ist Mitglied seines Kuratoriums.[7] Bis 1991 arbeitete er als Gründungsgeschäftsführer der Heinrich-Böll-Stiftung.

Ab 1991 arbeitete er für die Bundestagsgruppe von Bündnis 90/Die Grünen. Nachdem die Grünen bei der Bundestagswahl 1994 den Wiedereinzug in den Bundestag als Fraktion schafften, wurde Beckmann Fraktionsgeschäftsführer der grünen Bundestagsfraktion. Er hatte diese Position 16 Jahre inne.

Von März 2011 bis März 2017 war Lukas Beckmann als Vorstandsmitglied für die GLS Treuhand tätig.[8] Lukas Beckmann wurde am 1. März 2017 in den Ruhestand verabschiedet.[9]

Zusammen mit dem Grünen-Politiker Wolfgang Wieland trat er 2018 aus Protest aus dem Förderverein der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen aus, den beide mitgegründet hatten. Grund dafür war ein neu gewähltes Mitglied im Vorstand der Stiftung, dem sie eine Nähe zur AfD vorwarfen.[10]

Beckmann ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Lukas Beckmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Christoph Becker-Schaum: "In Friedens- und Menschenrechtsfragen geht es um Loyalität von Bürgern unterschiedlicher Systeme". 2. April 2017, abgerufen am 14. Februar 2019.
  2. Der Unbekannte unter den Allerwichtigsten auf faz.net
  3. Udo Baron: Kalter Krieg und heißer Frieden. Der Einfluss der SED und ihrer westdeutschen Verbündeten auf die Partei „Die Grünen“. LIT Verlag, Münster 2003, S. 186.
  4. Udo Baron: Kalter Krieg und heißer Frieden. Der Einfluss der SED und ihrer westdeutschen Verbündeten auf die Partei „Die Grünen“. LIT Verlag, Münster 2003, S. 188 ff.
  5. 5,0 5,1 Michael Schlieben: Die Parteivorsitzenden in der Bundesrepublik Deutschland 1949–2005. VS Verlag, Wiesbaden 2005, S. 182.
  6. Horst Bieber: Ein Querdenker ist angeeckt. Lukas Beckmann will nicht mehr als Parteisprecher kandidieren. In: Die Zeit, Nr. 19/1987, S. 1. „Es muß zu einem integrierten Bestandteil unserer Strategie werden, auf allen Ebenen der Politik Tolerierungs- und Koalitionsgespräche mit der CDU nicht auszuschließen.“
  7. mehr-demokratie.de/kuratorium.htmlMehr Demokratie : Kuratorium
  8. Lukas Beckmann ist neuer Vorstand der GLS Treuhand. GLS Gemeinschaftsbank eG, 19. Oktober 2010, abgerufen am 19. Oktober 2010: „Er wird diese neue Aufgabe ab dem 1. März 2011 wahrnehmen“.
  9. Wechsel an der Spitze der GLS Treuhand - GLS-Bank. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 9. Mai 2017. (Link nicht mehr abrufbar)
  10. Markus Decker: Eklat im Förderverein Hohenschönhausen. In: haz.de. 16. Oktober 2018, abgerufen am 14. Februar 2019.
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Lukas Beckmann aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.