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Ludwig Landmann

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Ludwig Landmann
Gedenktafel für Landmann an dessen Wohnhaus in Frankfurt-Sachsenhausen

Ludwig Landmann (geb. 18. Mai 1868 in Mannheim; gest. 5. März 1945 in Voorburg, Niederlande) war ein liberaler deutscher Kommunalpolitiker der Weimarer Republik. Landmann gehörte während des Kaiserreichs zunächst den Nationalsozialen, dann der Fortschrittlichen Volkspartei und nach 1918 schließlich der Deutschen Demokratischen Partei an.

Landmann absolvierte nach dem Abitur am Mannheimer Gymnasium ein Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg, Berlin und München. 1894 begann er bei der Stadtverwaltung Mannheim als juristischer Hilfsarbeiter. Er wurde zum engen Mitarbeiter von Oberbürgermeister Otto Beck und 1898 zum Stadtsyndikus ernannt. Nebenbei hielt er Vorlesungen an der Handelshochschule und 1917 verlieh ihm die Universität Heidelberg die Ehrendoktorwürde. Zweimal, in den Spielzeiten 1912/13 und 1914/15, übernahm er auch interimsweise die Intendanz am Nationaltheater Mannheim. Der 1913 gewählte Oberbürgermeister Theodor Kutzer wollte für Landmann einen vierten Bürgermeisterposten einrichten, was aber vom Stadtrat abgelehnt wurde. Als Kutzer einen Teil seines Aufgabenbereiches an Landmann übertragen wollte, kam es erneut zu Differenzen mit dem Stadtrat, so dass Landmann den Dienst quittierte.

1917 wurde er Wirtschaftsdezernent in Frankfurt am Main. Kurz zuvor trat Landmann aus der jüdischen Gemeinde aus und wurde konfessionslos. 1924 wurde er zum Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt gewählt. Mit ihm wurde der Aufstieg zur Großstadt fortgesetzt. Durch Eingemeindungen und Baumaßnahmen verlieh er Frankfurt neuen Glanz. So ließ Landmann das Waldstadion, die Großmarkthalle und den Flughafen Frankfurt-Rebstock errichten. Er war auch Mitbegründer der HaFraBa-Interessengemeinschaft und kann so als einer der „Väter“ der Autobahn angesehen werden.

Mit den Eingemeindungen, vor allem im Westen, machte er sich nicht nur Freunde. Sein wohl wichtigstes Projekt war jedoch der flächendeckende Wohnungsbau. Zusammen mit Ernst May linderte der linksliberal eingestellte Oberbürgermeister die Wohnungsknappheit in der Großstadt und gründete dazu die Nassauische Heimstätte, eine Organisation, die jedem eine Wohnung garantieren sollte.

Unmittelbar vor dem nationalsozialistischen Wahlsieg bei den Kommunalwahlen am 12. März 1933 wurde er durch Drohungen aus dem Amt vertrieben und reichte seinen Rücktritt ein. Sein Nachfolger wurde Friedrich Krebs von der NSDAP.[1] [2]

Landmann verließ daraufhin Frankfurt und zog nach Berlin. Wegen seiner jüdischen Herkunft war er diversen Schikanen ausgesetzt, unter anderem wurden seine Pensionszahlungen zeitweise eingestellt. 1939 verließ er Deutschland und emigrierte in die Niederlande, die Heimat seiner Frau. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande 1940 wurde er von Verwandten und Freunden versteckt, um ihn vor der Deportation zu schützen. 1945 starb er im Versteck an Unterernährung und Herzmuskelschwäche.

Die Ludwig-Landmann-Straße erinnert noch heute an ihn. Ein Porträt des Bürgermeisters von Wilhelm Runze, einem Sossenheimer Maler, hängt in der Wandelhalle vor dem Ratssaal im Frankfurter Rathaus Römer.

Einzelnachweise

  1. Joachim Carlos Martini: Musik als Form geistigen Widerstandes. Jüdische Musikerinnen und Musiker 1933-1945. Das Beispiel Frankfurt. In: Karl E. Gröziger (Hrsg.): Jüdische Kultur in Frankfurt am Main von den Anfängen bis zur Gegenwart. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1997, S. 373-408, hier S. 375.
  2. Hans Riebsamen: Lebenszeichen aus Amsterdam. Mirjam Pressler hat einen dokumentarischen Roman über Anne Frank und ihre Familie geschrieben. Er erzählt vom Schrecken der Verfolgung, aber auch von der Hoffnung bis zuletzt. In: FAZ. 2009-10-18

Literatur

  • Dieter Rebentisch: Ludwig Landmann. Frankfurter Oberbürgermeister der Weimarer Republik. Wiesbaden 1975.
  • Landmann, Ludwig. In: Karl Otto Watzinger: Geschichte der Juden in Mannheim 1650-1945. Kohlhammer, Stuttgart 1984, S. 115–116. ISBN 3-17-008696-0.

Weblinks


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