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Ludwig Gehre

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Ludwig Gehre (geb. 5. Oktober 1895 in Düsseldorf; gest. 9. April 1945 im KZ Flossenbürg) war ein deutscher Offizier. Als Widerstandskämpfer war er an den Vorbereitungen eines Attentats gegen Hitler beteiligt.

Politischer Werdegang

Ludwig Gehre war Berufsoffizier im Ersten Weltkrieg. Nach seinem Ausscheiden gehörte er dem Freikorps Epp an und wurde ein „Nationalsozialist der ersten Stunde” mit der niedrigen Mitgliedsnummer 539 (noch vor Ernst Röhm und Adolf Hitler)[1] Gehre verließ die Partei jedoch nach mehrmaligen Zusammenstößen mit Hitler, unterhielt aber bis 1944 beste Verbindungen zur Münchner Parteizentrale und zur nationalsozialistischen Führungsspitze. Gehre galt er als Verbindungsmann zwischen Walther Stennes und Wilhelm Faupel und pflegte Kontakte innerhalb der „Brigade Ehrhardt im Verbande der SS”. Er unterhielt weiterhin Verbindungen zu Kreisen, die die Weimarer Republik bekämpft und den Nationalsozialismus mitgeformt hatten, sich dann aber „nach Jahren der Desillusionierung” gegen das Regime stellten.[2]

Kontaktmann der Verschwörer

Vor Beginn des Zweiten Weltkrieges war Gehre als Hauptmann im Amt Ausland/Abwehr beim Oberkommando der Wehrmacht unter Admiral Canaris tätig. Dort bildete sich bereits 1938 eine Gruppe, die das nationalsozialistische Regime beseitigen und den Krieg gegen die Westmächte verhindern wollte. Zu diesem Kreis um Ludwig Beck, Wilhelm Canaris, Hans von Dohnanyi, Hans Oster und Dietrich Bonhoeffer gehörte auch Ludwig Gehre. Die von Zeugen berichtete persönliche Teilnahme Gehres an Gesprächen über Umsturzpläne im September 1938 ist nicht restlos geklärt.[3]

Als die militärischen Oppositionellen um Henning von Tresckow im März 1943 Vorbereitungen zu einem Attentat auf Hitler trafen, war Gehre eingeweiht. Im Januar 1944 wurde Helmuth James Graf von Moltke verhaftet und im März 1944 wurde auch Gehre von der Gestapo gefasst. Er konnte jedoch beim Transport fliehen und tauchte unter.

Schon vorher hatte Claus Graf Schenk von Stauffenberg seine Mitverschworenen angewiesen, jeden Kontakt zu Gehre abzubrechen, weil dieser überwacht werde. Gehre zeigte sich darüber sehr verletzt. Die fehlgeschlagene Verhaftung Gehres versetzte die Verschwörer in Schrecken: Gehre war besser informiert als Hans von Dohnanyi oder Hans Oster und wusste um vielfältige Kontakte und kannte die Aufbewahrungsorte des geheimen Aktendepots.[4] Angeblich wies Gehre mehrere Mitverschworene telefonisch darauf hin, er könne im Falle seiner Verhaftung bei der Gestapo zum Reden gebracht werden und somit die Verschwörung verraten. Mit dieser Drohung wollte er Stauffenberg unter Druck setzen, den Umsturzversuch endlich in Gang zu setzen. [5]

Verhaftung

Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde die Fahndung nach Gehre intensiviert. Er konnte sich jedoch mehrere Wochen lang gemeinsam mit seiner Ehefrau verborgen halten; einige Tage fand er dabei auch Unterschlupf bei Bernhard Lösener. Weitere Unterkünfte besorgten die Gebrüder Hans und Otto John. Gehre wurde schließlich von einem Zahlmeister erkannt und sein Versteck in einer Villenruine verraten. Am 2. November 1944 wurde Hanna Gehre beim Schusswechsel mit der Gestapo tödlich getroffen. Gehre versuchte, sich mit einem Schuss in die Schläfe selbst das Leben zu nehmen, wurde aber mit schweren Verletzungen verhaftet.[6]

Gedenkstein am Ort der Hinrichtung im KZ Flossenbürg

Den verschärften Verhören war der schwerverletzte Gehre nicht gewachsen: Er soll zahlreiche belastende Hinweise gegeben haben.[7]

Tod

Nachdem am 3. Februar 1945 das Gebäude des Reichssicherheitshauptamtes in der Prinz-Albrechtstrasse in Berlin zerstört worden war, wurde Gehre zusammen mit Bonhoeffer in das Konzentrationslager Buchenwald verbracht. Von dort wurde er einem Transport von SS-Sonderhäftlingen eingegliedert, am 5. April in das KZ Flossenbürg eingeliefert und dort am 9. April 1945 aufgrund einer SS-Standgerichtsverhandlung unter Vorsitz von Otto Thorbeck gemeinsam mit Dietrich Bonhoeffer erhängt.

Die an diesem scheinlegalen Standgericht Beteiligten wurden nach dem Kriege wegen Beihilfe zum Mord verurteilt. Otto Thorbeck wurde in einem Revisionsverfahren vor dem Bundesgerichtshof freigesprochen.

Das Urteil des Standgerichts gegen Bonhoeffer wurde in einem förmlichen Verfahren vor dem Berliner Landgericht im August 1996 aufgehoben. In diesem Verfahren stellte sich heraus, dass das Urteil des Standgerichts, vor dem auch Gehre gestanden hatte, bereits aufgrund bayerischen Gesetzes vom 28. Mai 1946 als nichtig gelten konnte. [8]

Siehe auch

Literatur

  • Susanne Meinl: Nationalsozialisten gegen Hitler - die nationalrevolutionäre Opposition um Friedrich Wilhelm Heinz. Berlin 2000, ISBN 3-88680-613-8.
  • Peter Steinbach, Johannes Tuchel (Hrsg.): Lexikon des Widerstandes 1933-1945. München 1994, ISBN 3-406-37451-4.
  • Winfried Heinemann: Der militärische Widerstand und der Krieg. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Krieg. Band 9.1. München 2004, ISBN 3-421-06236-6.
  • Otto John: Falsch und zu spät. Der 20. Juli 1944. München/Berlin 1984, ISBN 3-7766-1317-3.

Belegstellen

  1. Susanne Meinl: Nationalsozialisten gegen Hitler - die nationalrevolutionäre Opposition um Friedrich Wilhelm Heinz. Berlin 2000, ISBN 3-88680-613-8, S. 172 f.
  2. Susanne Meinl: Nationalsozialisten gegen Hitler. S. 286.
  3. Susanne Meinl: Nationalsozialisten gegen Hitler. S. 285.
  4. Susanne Meinl: Nationalsozialisten gegen Hitler, S. 331.
  5. Otto John: Falsch und zu spät. Der 20. Juli 1944. München 1984, S. 41; Susanne Meinl: Nationalsozialisten gegen Hitler. S. 331.
  6. Eine andere Abfolge der Flucht ist beiläufig im Urteil gegen die Richter des Standgerichts dargestellt: [1]
  7. Susanne Meinl: Nationalsozialisten gegen Hitler. S. 331.
  8. Gerd R. Ueberschär: Für ein anderes Deutschland. Frankfurt/M 2006, ISBN 3-596-13934-1, S. 308, Anm. 21. (fiTb 13934)

Weblinks


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