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Loulan

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Vorlage:Uigurischer chinesischer Begriff

Lou-lan nahe dem See Lop Nor auf einer Landkarte von Folke Bergman aus dem Jahr 1935 mit wichtigen archäologischen Funden der Chinesisch-Schwedischen Expedition (1927–1933)

Loulan ist eine archäologische Ausgrabungsstätte in der Wüste Lop Nor in Xinjiang, China. In der Antike war Loulan eine Oasenstadt am nordwestlichen Ufer des Sees Lop Nor, Sitz eines Königreiches und später eine chinesische Garnisonsstadt. Die Stadt lag an der mittleren Route der Seidenstraße und war die letzte Oase vor der Wüste.

Loulan (weitere Bezeichnungen: Lao-lan, Leou-lan, Glu-lan, Kharosthi: Kroraimna, Kroraina, Raurata, Rooran) liegt im Kreis Qakilik (若羌县), etwa 230 km nordöstlich des Sitzes der Kreisregierung, der Großgemeinde Ruoqiang (若羌鎮). Der Kreis gehört zum Mongolischen Autonomen Bezirk Bayingolin im Autonomen Gebiet Xinjiang.

Geschichte

Im Nordwesten Chinas begann um das Jahr 200 v. Chr. eine Periode hoher Temperaturen und starker Niederschläge, die bis zum 5. Jahrhundert durch eine Periode anhaltender Trockenheit und Dürre abgelöst wurde.[1] Ab 200 v. Chr. wurden die Flüsse, die ihr Wasser zum Lop Nor hinführten, zu breiten Strömen, die das Salzwasser des Sees Lop Nor entsalzten, es über das Seeufer schwemmten und große Feuchtgebiete schufen, die landwirtschaftlich genutzt werden konnten.

Der Klimawandel führte deshalb ab 200 v. Chr. zu Stadtgründungen in Loulan, Miran, Haitou, Yingpan, Merdek und Qakilik (= Ruoqiang). Unter diesen Städten besaß Loulan mit ihrem Königreich Shanshan aufgrund der Lage an der mittleren Seidenstraße eine beherrschende Rolle, bis das Königshaus durch das chinesische Kaiserreich entmachtet wurde, das nun selber die Seidenstraße kontrollierte und sie mit Signaltürmen entlang der Chinesischen Mauer gegen Überfälle der Xiongnu absicherte. Aufgabe der Einwohner von Loulan war es, die Reisenden auf der Seidenstraße mit Wasser und Proviant zu versorgen.

Ein Stück Seide aus Loulan.

Loulan, das an einem Flusslauf lag und als Vorposten der Chinesen eine wirtschaftliche Blütezeit erlebte, wurde um 330 zusammen mit weiteren Siedlungen am Kum-darja wegen des Wassermangels aufgegeben. Die Ursache war der beginnende Klimawechsel, der dazu führte, dass die Flussläufe und Flussoasen austrockneten und dass in Loulan von nun an das Süßwasser fehlte; früher wurde vermutet, dass die hier häufigen Erdbeben den Tarim in eine andere Richtung lenkten. Die mittlere Seidenstraße nördlich des Sees Lop Nor war von nun an unbegehbar, und die Bevölkerung in der Wüste Lop Nor nahm rapide ab.

Die Stadt Loulan wurde erstmals 176 v. Chr. in einem Brief des Xiongnu - Herrschers Mao-tun Chanyu an den chinesischen Kaiser Wendi erwähnt.[2] Ein Bericht aus dem Jahr 126 v. Chr. über Loulan stammt von dem chinesischen Diplomaten Zhang Qian, der 139 bis 123 v. Chr. im Auftrag des chinesischen Kaisers Wudi die Seidenstraße erkundete. Er berichtete von einer Stadt mit etwa 14.000 Einwohnern und schrieb: „Die Gebiete von Loulan und Gushi haben eine umwallte Stadt und umwallte Vororte; sie liegen am Salzsumpf.“

Am 28. März 1900 erreichte der schwedische Forschungsreisende Sven Hedin Loulan. Er entdeckte die Ruinen der 340 × 310 m großen, von einer Mauer umgebenen ehemaligen Königsstadt und späteren chinesischen Garnisonsstadt Loulan mit dem Ziegelgebäude des chinesischen Militärkommandanten, einen von Sven Hedin Stupa genannten Signalturm der chinesischen Mauer an der Seidenstraße und 19 aus Pappelholz gebauten Wohnhäusern. Anfang März 1901 fand er bei archäologischen Grabungen ein Holzrad, das von einem pferdegezogenen Karren („Arabas“ genannt) stammte, und 276 Schriftdokumente der Jahre 252 bis 310 aus Holz, Papier und Seide, die Aufschluss gaben über die Geschichte der Stadt Loulan.

Christoph Baumer fand 1994 etwa 5 km südlich der Stadt Loulan einen großen ehemaligen Obstgarten. Er schreibt: „Vor uns stehen mehr als 20 lange Reihen verdorrter Obstbäume, die aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. stammen müssen. Wahrscheinlich handelt es sich um Aprikosenbäume.“

Chinesische Mauer und Seidenstraße

Landkarte von Folke Bergman vom östlichen Xinjiang aus dem Jahr 1939 mit prähistorischen Fundstätten und den Routen der Seidenstraße
  prähistorische Fundstätte
- - - - - vermutete nördliche Route
········· mittlere Route
– – – – vermutete südliche Route

Die mittlere Seidenstraße verlief von Dunhuang über Yumenguan auf einer noch nicht genau geklärten Trasse durch die Lop Nor Wüste und das verkrustete Seebecken nördlich des Sees Lop Nor über die Festungen „L.J.“, „Tuken“ und „L.E.“ nach „Loulan“ („LA“ = Loulan station) und von Loulan aus am Nordufer des damals südlicher verlaufenden Kum Darya und des Konqi über Yingpan an zehn Signaltürmen entlang nach Korla. Dieser mittlere Abschnitt der Seidenstraße wurde etwa von 120 v. Chr. bis zum Jahr 330 vorwiegend im Winter benutzt, weil Wasservorräte bei Frost in Form von Eisblöcken transportiert werden konnten. Eine Alternative war ab dem 2. Jahrhundert die nördlichen Seidenstraße. Sie vermied die gefürchtete Wüste Lop Nor, indem sie vor Dunhuang in nordwestlicher Richtung nach Turfan führte. In Kaschgar vereinte sie sich mit der südlichen Seidenstraße.

Seit der Han-Dynastie (202 v. Chr.–220 n. Chr.) sorgten Signaltürme (= Wachtürme) für die Orientierung und Sicherheit der Reisenden an der mittleren Seidenstraße. Ruinen von Signaltürmen der Chinesischen Mauer, die die Seidenstraße begleitete, wurden in der Wüste Lop Nor an den folgenden Orten gefunden: in Miran; 45 km südlich von Loulan (Name der Festung: „LK“); 20 km nordöstlich von Merdek beim „Schmalen Fluss“; am Nord- und Nordwestrand des Sees Lop Nor (Namen der Festungen: „L. J.“, „Tuken“, „L. F.“, „L. E.“, „LA“ = Loulan); in Yingpan und von da aus nach Westen am nördlichen Ufer des Kum Darya und des Konqi in dichten Abständen bis Korla und „Charchi“. Nach dem Austrocknen des Sees Lop Nor wurde ab 330 die südliche Seidenstraße benutzt; sie führte von Dunhuang südlich des Sees Lop Nor über Miran nach Qakilik; diese Streckenführung benutzte Marco Polo.

Außerdem bestand eine Straße von Miran nach Loulan, die die mittlere und die südliche Seidenstraße verband. An dieser Straße stand 45 km südlich von Loulan die Festung „LK“ mit den westlich davon gelegenen Siedlungen „LL“, „LM“ und „LR“. Nördlich von „LK“ durchlief diese Straße ein Gebiet mit Yardangs.

Eine weitere Straße führte möglicherweise von Miran oder Ruoqiang (=Qakilik) über die Festung Merdek und den „Schmalen Fluss“ an dem dortigen Signalturm vorbei zu der „mittleren Seidenstraße“ am Fluss Kum Darya.[3]

Expeditionen nach Loulan

Aurel Stein fand diese Inschrifttafel aus Holz mit Kharoshthi-Schrift in Loulan

Folgende Expeditionen führten nach Loulan:

Literatur

Ein geschnitzter Holzbalken aus Loulan aus dem 3.–4. Jahrhundert. Die Blätter- und Blumenmuster zeigen den Einfluss der westlichen Kulturen im Hellenismus, in Syrien, Iran und Gandhara.
  • Sven A. Hedin: Scientific Results of a Journey in Central Asia 1899–1902. 6 Bände Text + 2 Bände Karten, Stockholm 1904–1997.
  • Ellsworth Huntington: The pulse of Asia. Boston/New York 1907.
  • August Conrady: Die Chinesischen Handschriften — und sonstigen Kleinfunde Sven Hedins in Lou-lan. Generalstabens litografiska anstalt, Stockholm 1920.
  • Sir Aurel Stein: Serindia: detailed report of explorations in Central Asia and westernmost China. Oxford 1921 (Textmaterial ist enthalten in Band 1; Bildmaterial ist enthalten in Band 4; Kartenmaterial ist enthalten in Band 5).
  • Sir Aurel Stein: Innermost Asia: Detailed Report of Explorations in Central Asia, Kan-Su and Eastern Iran. Band 1. Oxford, 1928 (Kartenmaterial ist enthalten in Band 4).
  • Herrmann, Albert: Lou-lan - China, Indien und Rom im Lichte der Ausgrabungen am Lobnor. Mit einem Vorwort von Sven Hedin. Brockhaus, Leipzig 1931, 1. Auflage.
  • Folke Bergman: Lou-Lan Wood-Carvings and Small Finds Discovered by Sven Hedin. In: Bulletin of the Museum of Far Eastern Antiquities. Nr. 7, 1935, S. 71–144.
  • Folke Bergman: Archaeological Researches in Sinkiang. Especially the Lop-Nor Region. In: Reports: Publication. Nr. 7, Stockholm 1939 (englisch, das grundlegende Werk über die archäologischen Funde in Loulan und Umgebung mit wichtigem Kartenmaterial).
  • Kuan-wu Lin: Westlicher Geist im östlichen Körper?: "Medea" im interkulturellen Theater Chinas und Taiwans. Zur Universalisierung der griechischen Antike Transcript, Bielefeld 2010, ISBN 3-837-61350-X (Über die "Loulan-Prinzessin" als Medea)
  • Vivi Sylwan: Woollen textiles of the Lou-lan people. Stockholm 1941.
  • Vivi Sylwan: Investigation of silk from Edsengol and Lop-nor and a survey of wool and vegetable materials. Stockholm 1949.
  • Herbert Wotte: Kurs auf unerforscht. Brockhaus, Leipzig 1967.
  • Helmut Uhlig: Die Seidenstraße. Antike Weltkultur zwischen China und Rom. Lübbe, Bergisch Gladbach 1986, ISBN 3-7857-0446-1.
  • John Hare: Auf den Spuren der letzten wilden Kamele. Eine Expedition ins verbotene China. Vorwort von Jane Goodall. Frederking & Thaler, München 2002. Beschreibung der Expedition 1996 nach Loulan: Seite 160 bis 188. Beschreibung von Loulan: Seite 176 bis 179, ISBN 3-89405-191-4
  • Christoph Baumer: Die südliche Seidenstraße. Inseln im Sandmeer. Mainz 2002. ISBN 3-8053-2845-1 (Mit aktuellen Literaturangaben).
  • Alfried Wieczorek, Christoph Lind (Hrsg.): Ursprünge der Seidenstraße. Sensationelle Neufunde aus Xinjiang, China. Ausstellungskatalog der Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim. Theiss, Stuttgart 2007. ISBN 380622160X (Seiten 230–244).
  • Feng Zhao: Treasures in Silk. An illustrated history of Chinese textiles. ISAT/Costume Squad, Hangzhou 1999, ISBN 962-85691-1-2.

Weblinks

 Commons: 楼兰 – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Journal of Geophysical Research, Vol. 109, D02105, doi:10.1029/2003JD003787, 2004: Evidence for a late Holocene warm and humid climate period and environmental characteristics in the arid zones of northwest China during 2.2 - 1.8 KABP.
  2. The discovery of the Loulan site
  3. Kartenmaterial und Forschungsergebnisse zu den Häusern, Festungen, Signaltürmen, Straßen usw. siehe bei: Folke Bergman: Archaeological Researches in Sinkiang. Especially the Lop-Nor Region. (Reports: Publication 7), Stockholm 1939.
40.51514166666789.913822222222
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