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Lorenz Pieper

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Lorenz Pieper (geb. 15. Mai 1875 in Eversberg; gest. 30. Januar 1951 in Meschede) war ein katholischer Priester. Ungewöhnlich war, dass er ein früher Anhänger und Propagandist der völkischen Bewegung und des Nationalsozialismus war. Als Anstaltsgeistlicher in Warstein lehnte er jedoch die Euthanasie im Rahmen der Aktion T4 ab und begann sich vom Nationalsozialismus zu lösen.

Leben

Pieper stammte aus einer kinderreichen Familie aus Eversberg. Sein Bruder war August Pieper, der Leiter des Volksvereins für das katholische Deutschland.

Lorenz Pieper studierte Philosophie und Theologie in Paderborn und in Freiburg im Breisgau. Im Jahr 1899 wurde er zum Priester geweiht. Er arbeitete als Religionslehrer in Wattenscheid. Er studierte um 1903 Nationalökonomie in Berlin und München und promovierte bei Lujo Brentano mit der Arbeit "Die Lage der Bergarbeiter im Ruhrgebiet" zum Dr. rer. pol. Bereits während des Studiums kam er in Kontakt mit der Richtung eines nationalen und antiultramontanen Katholizismus.

Er galt wegen seiner Dissertation als Experte für Bergarbeiterverhältnisse und hat sich zu damit zusammenhängenden sozialpolitischen Themen oder während der großen Streiks im Ruhrgebiet verschiedentlich in Zeitschriftenaufsätzen geäußert.[1] Zwischen 1903 und 1917 war er Mitarbeiter beim Volksverein für das katholische Deutschland in Mönchengladbach.

Er war von 1917 bis 1923 Vikar in Hüsten. Daneben war er im rechten politischen Spektrum aktiv. Er war Mitglied im Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund und war führend im dortigen Jungdeutschen Orden tätig. Gegen seine republikfeindlichen und judenfeindlichen Äußerungen selbst von der Kanzel legte nicht nur die örtliche jüdische Gemeinde sondern auch der Amtsbürgermeister Rudolf Gunst Beschwerde beim zuständigen Generalvikariat ein.

Piper trat bereits 1922 oder 1923 in die NSDAP ein. Im Jahr 1923 lebte er in München und stand im engen Kontakt mit Adolf Hitler. Für die Partei war er als Propagandist tätig. Insbesondere im Sommer 1923 spielte er eine wichtige Rolle. Er gewann neue Mitglieder mit dem Einsatz einer vom Katholizismus inspirierter Sprache. Auch nach seiner Rückkehr nach Westfalen blieb er Hitler treu und bezeichnete dessen Freilassung aus dem Gefängnis im Jahr 1924 als Weihnachtsgeschenk Gottes.[2] Mit Hitler stand er auch später noch brieflich in Kontakt und wurde mit dem Goldenen Parteiabzeichen geehrt.

Später war er Pfarrvikar in Menden-Halingen. Auch dort agitiert er wieder von der Kanzel aus für seine politischen Ansichten. Dies war um so wirkungsvoller, weil er ansonsten seinen Seelsorgerberuf sehr ernst nahm und durch seine Mildtätigkeit und Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung sehr beliebt war. Er stellte etwa Ratsuchenden seine ökonomischen Kenntnisse zur Verfügung und half so einigen kleinen Landbesitzern vor dem Konkurs zu bewahren.

In engen Kontakt stand er mit den teilweise völkischen Heimatschriftstellern Maria Kahle und Josefa Berens-Totenohl. Er selbst schrieb für die Trutznachtigall des Sauerländer Heimatbundes und hat schon 1920 im völkischen Sinn über die Sauerländer und ihre angeblich Stammeseigenart geschrieben.[3] Im Jahr 1934 war er Mitbegründer des Eversberger Heimatmuseums.

Er geriet wegen seiner politischen Positionen immer wieder in Konflikt mit Amtsbrüdern und vorgesetzten kirchlichen Stellen. Schließlich wurde er 1932 seines Amtes enthoben und jede politische Tätigkeit wurde ihm von der Kirche untersagt. Nach dem Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurde er 1933 zunächst vorübergehend Schulrat in Arnsberg. Kurze Zeit später war er Anstaltspfarrer in Marienthal bei Münster. Seit 1936 war er Anstaltsgeistlicher in Warstein.

Trotz seiner nationalsozialistischen Gesinnung wandte er sich 1941 in einem Protestschreiben an die Warsteiner Klinikärzte, an Geistliche anderer Kliniken und an die deutschen Bischöfe gegen die T 4 Aktion. Aus diesem Grund wurde er seines Amtes enthoben.[4] Verwandte von Patienten hat er aufgefordert ihre Angehörigen nach Hause zu holen. Sein Einsatz führte zu einem Parteigerichtsverfahren und 1942 zu seiner Zwangspensionierung. Nach Kriegsende strengte er erste Ermittlungen gegen die für die Euthanasie verantwortlichen Ärzte und Verwaltungsbeamte in Westfalen an. Bis zu seinem Tod wohnte er unter bescheidensten Bedingungen im Heimatmuseum in Eversberg. Er durfte an den Seitenaltären der Kirche in Eversberg Gottesdienste zelebrieren. Predigen war ihm allerdings verboten.

Einzelnachweise

  1. Rolf Neuhaus: Arbeitskämpfe, Ärztestreiks. Sozialreformer. Berlin, 1986 S.43
  2. Derek Hastings: Catholicism and the roots of Nazism : religious identity and national socialism. Oxford, 2010 S. 169
  3. Willy Knoppe: Un bey allem is wuat - Orientierungssuche in einer regionalen Sprachform. Göttingen, 2005 S. 278
  4. Franz-Werner Kersting: Die NS-Euthanasie als Herausforderung der Friedenskultur. S.6 Online-Version

Literatur

  • Werner Sauer: Dr. Lorenz Pieper, eine Persönlichkeit im Widerstreit. In: Sauerland 4/1993 S.130-131
  • Reinhard Richter: Nationales Denken im Katholizismus der Weimarer Republik. Münster u.a, 2000
  • Derek Hastings: Catholicism and the roots of Nazism : religious identity and national socialism. Oxford, 2010

Weblinks


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Lorenz Pieper aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.