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Liste der Stolpersteine in der Emilia-Romagna

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Stolpersteine für drei ältere Damen der Familie Corinaldi, Reggio nell’Emilia 2015

Die Liste der Stolpersteine in der Emilia-Romagna enthält die Stolpersteine in der italienischen Region Emilia-Romagna, die an das Schicksal der Menschen aus dieser Region erinnern, die während des Regimes des Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt.

Die Stolpersteine in Correggio und Reggio nell’Emilia sind Menschen jüdischer Herkunft gewidmet, die entweder vom NS-Regime in Vernichtungslager deportiert und ermordet wurden oder in ihrem Versteck ums Leben kamen. Der einzige Überlebende, Giorgio Melli, dessen Eltern beide vom NS-Regime ermordet worden waren, verstarb 57-jährig in Umnachtung in einem Pflegeheim. An der Synagoge in der Via Aquila 3A hängen rechts und links des Eingangs zwei Tafeln, eine davon ist den zehn Deportierten und Ermordeten gewidmet.[1] Die vier Stolpersteine von Castelnovo ne’ Monti sind Kommunisten gewidmet, die im Rahmen von NS-Razzien am 8. Oktober 1944 verhaftet, verschleppt und noch vor dem Zusammenbruch des Hitler-Regimes im März und April 1945 ermordet wurden.

Die ersten Verlegungen in Correggio und Reggio nell’Emilia erfolgten am 9. Januar 2015, die zweite Serie – nunmehr erstmals auch in Castelnovo ne’ Monti – am 13. Januar 2016.

Die Tabellen sind teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.

Castelnovo ne’ Monti

Bild Name Standort Verlegedatum Leben
Stolperstein für Inello Bezzi.JPG Bezzi, InelloInello Bezzi Via Umberto Monti, 9 Stolperstein für Inello Bezzi44.43140333333310.391275 13. Jan. 2016 Inello Bezzi, geboren 1902, war Kommunist und expliziter Gegner von Faschismus und Nationalsozialismus. Er wurde im Rahmen einer groß angelegten Razzia des NS-Regimes im Appennin am 8. Oktober 1944 festgenommen, ins Durchgangslager Fossoli verbracht und von dort nach Kahla in Thüringen deportiert. In den Jahren 1944 und 1945 wurde in der Umgebung von Kahla eines der unterirdischen Rüstungsprojekte der REIMAHG realisiert. 15.000 Zwangsarbeiter wurden für dieses Projekt aus ihren Heimatländern nach Deutschland verschleppt, um den Strahljäger Messerschmitt Me 262 in Serie zu bauen. Die unmenschlichen Arbeitsbedingungen und die Arbeitstreiberei führten zu 2.800 bis 6.000 Opfern der REIMAHG, die meisten von ihnen Italiener.[2] Inello Bezzi wurde am 14. März 1945 ermordet.[3]
Stolperstein für Ugolino Simonazzi.JPG Simonazzi, UgolinoUgolino Simonazzi Via Roma, 80 Stolperstein für Uglino Simonazzi44.4320510.39778 13. Jan. 2016 Ugolino Simonazzi, geboren 1901, war Kommunist und expliziter Gegner von Faschismus und Nationalsozialismus. Er wurde im Rahmen einer groß angelegten Razzia des NS-Regimes im Appennin am 8. Oktober 1944 festgenommen, ins Durchgangslager Fossoli verbracht und danach ins Zuchthaus Brandenburg-Görden. Dort wurde er am 13. März 1945 ermordet.[3]
Stolperstein für Francesco Toschi.JPG Toschi, FrancescoFrancesco Toschi Via I° Maggio, 2 Stolperstein für Francesco Toschi44.43624510.401795 13. Jan. 2016 Francesco Toschi, geboren 1902, war Kommunist und expliziter Gegner von Faschismus und Nationalsozialismus. Er wurde im Rahmen der Razzia des NS-Regimes im Appennin am 8. Oktober 1944 festgenommen, ins Durchgangslager Fossoli verbracht und von dort nach Kahla in Thüringen deportiert. Er musste – so wie weitere 15.000 Deportierte aus verschiedenen Ländern – Zwangsarbeit unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen für die deutsche Rüstungsindustrie leisten. Francesco Toschi wurde am 30. März 1945 ermordet.[3]
Stolperstein für Ermete Zuccolini.JPG Zuccolini, ErmeteErmete Zuccolini Vicolo Costole Stolperstein für Ermete Zuccolini44.43547510.399566666667 13. Jan. 2016 Ermete Zuccolini, geboren 1909, war Kommunist und expliziter Gegner von Faschismus und Nationalsozialismus. Er wurde im Rahmen der Razzia des NS-Regimes im Appennin am 8. Oktober 1944 festgenommen, ins Durchgangslager Fossoli verbracht und von dort nach Kahla in Thüringen deportiert. Er musste – so wie weitere 15.000 Deportierte aus verschiedenen Ländern – Zwangsarbeit unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen für die deutsche Rüstungsindustrie leisten. Ermete Zuccolini wurde am 1. April 1945 ermordet.[3]

Correggio

Bild Name Standort Verlegedatum Leben
Stolperstein für Lucia Finzi.JPG Finzi, LuciaLucia Finzi Piazza di San Quirino 4b Stolperstein für Lucia Finzi44.7711810.77938 09. Jan. 2015 Lucia Finzi wurde am 14. Dezember 1894 als Tochter von Fanny und Raffaele Finzi geboren. Als die Nationalsozialisten 1943 die Herrschaft über weite Teile Italiens arrogierten, waren ihre Eltern und ihre Schwester bereits verstorben. Ihr Bruder flüchtete und Lucia Finzi war alleine. Sie konnte sich eine Weile lang verstecken, kehrte jedoch in ihre Heimatstadt zurück, wurde am 8. Dezember 1943 von der SS verhaftet und zuerst ins Gefängnis von Reggio nell'Emilia, dann ins Durchgangslager Fossoli verbracht. Die Wohnung wurde von den Deutschen beschlagnahmt. Sie wurde mit demselben Transport, in dem sich auch der junge Primo Levi befand, ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Sie hat den Holocaust nicht überlebt.[4][5][6]

Im Januar 2014 wurde im Museo Il Correggio die Ausstellung „In Absentia“ gezeigt, welche dem Gedenken an Lucia Finzi und anderer jüdischer Opfer aus der Region gewidmet war.[7]

Stolperstein für Claudio Sinigaglia.JPG Sinigaglia, ClaudioClaudio Sinigaglia Via Mandrio (Ecke Via San Martino) Stolpersteine für Claudio und Gilda Sinigaglia44.77444666666710.787763333333 13. Jan. 2016 Claudio Sinigaglia wurde am 3. Dezember 1895 in San Martino in Rio geboren. Er hatte zumindest drei Geschwister: Guglielmo (1881–1950), der Arzt wurde, Lucia und Gilda (1897–1945). Er diente im Ersten Welt­krieg, wurde verletzt und für seine Tapfer­keit ausgezeichnet. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften praktizierte er als Recht­sanwalt in Bologna. Nach der Macht­ergreifung des NS-Regimes in Italien wurde die Villa der Familie in Correggio beschlag­nahmt und Claudio Sinigaglia musste sich verstecken. Er litt an Diabetes und war auf Insulin angewiesen. Obwohl sich seine Schwester Gilda um seine Versorgung kümmerte, ging ihm das Insulin aus. Er fiel in ein diabetisches Koma und verstarb am Weihnachts­abend 1944 in seinem Versteck in San Michele dei Mucchietti.[8]
Stolperstein für Gilda Sinigaglia.JPG Sinigaglia, GildaGilda Sinigaglia Via Mandrio (Ecke Via San Martino) Stolpersteine für Claudio und Gilda Sinigaglia44.77444666666710.787763333333 13. Jan. 2016 Gilda Sinigaglia wurde 1897 geboren. Sie entstammte einer traditions- und einflussreichen Familie aus Correggio, die nach der Vereinigung Italiens auch am politischen Leben teilnahm. Ihr älterer Bruder Guglielmo (1881–1950) wurde Arzt, ihr jüngerer Bruder Claudio (1895–1945) Rechts­anwalt. Außerdem hatte sie eine Schwester Lucia, über die nichts bekannt ist. Ab 1938 litt auch sie unter den Rassen­gesetzen des Mussolini-Regimes, ab 1943, nach der Macht­ergreifung des NS-Regimes in Italien, musste sie, wie auch ihre Geschwister, um ihr Leben fürchten. Die Villa der Familie wurde von den Deutschen beschlagnahmt, ihr Bruder Claudio versteckte sich in San Michele dei Mucchietti und sie versuchte, ihn mit Nahrungs­mitteln und Insulin zu versorgen. Ihr Bruder verstarb am Weihnachts­abend 1944. Gilda Sinigaglia hatte sich auf einer Versorgungs­fahrt eine Lungen­entzündung zugezogen, die aufgrund des national­sozialistischen Verfolgungsdruck nicht ärztlich behandelt werden konnte. Sie verstarb am 2. April 1945 in ihrem Versteck.[9]

Reggio nell’Emilia

Bild Name Standort Verlegedatum Leben
Stolperstein für Paolo Bonaventura.JPG Bonaventura, PaoloPaolo Bonaventura Via Baruffo, 1 Stolperstein für Paolo Bonaventura44.69412166666710.631505 13. Jan. 2016 Paolo Bonaventura, geboren 1870, war ein pensionierter Mathematik­lehrer an höheren Schulen und ein glühender Antifaschist. Er wurde sowohl wegen seiner politischen Haltung, als auch wegen seiner jüdischen Herkunft am 4. Dezember 1943, einem Sabbat, verhaftet. Im Gefängnis von Reggio Emilia verstarb er am 13. Februar 1944.[3]
Stolperstein für Ada Corinaldi.JPG Corinaldi, AdaAda Corinaldi Viale Monte Grappa, 18 Stolpersteine für Ada, Bice und Olga Corinaldi44.694102610.6359475 09. Jan. 2015 Ada Corinaldi wurde am 3. März 1877 in Reggio Emilia in eine wohlhabende Familie geboren. Ihr Vater Cesare Corinaldi war Kauf­mann, ihre Mutter Elvira Ravà Grund­besitzerin. Sie hatte vier Brüder sowie eine jüngere und eine ältere Schwester, Olga und Bice. Die drei Schwestern blieben unverheiratet und wohnten komfortabel in der Viale Monte Grappa. Am Samstag, 4. Dezember 1943 wurden sie verhaftet und in den Carcere di San Tommaso verbracht. Dort nahm man vermutlich ihre Finger­abdrücke, entließ sie jedoch am folgenden Tag wieder. Sie wurden erneut verhaftet, ins Durchgangslager Fossoli gebracht und am 22. Februar 1944 ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Im November 1949 stellte das Gericht von Reggio nell'Emilia fest, dass die drei älteren Damen mit höchster Wahrschein­lichkeit am 26. Februar 1944 in den Gas­kammern von Auschwitz ermordet worden waren.[10][11]
Stolperstein für Bice Corinaldi.JPG Corinaldi, BiceBice Corinaldi Viale Monte Grappa, 18 Stolpersteine für Ada, Bice und Olga Corinaldi44.694102610.6359475 09. Jan. 2015 Bice Corinaldi wurde am 16. Dezember 1873 in Reggio Emilia als Tochter von Cesare Corinaldi und Elvira Ravà geboren. Die Familie war wohlsituiert und verfügte auch über Grund­vermögen. Bice Corinaldi hatte sechs Geschwister, darunter die Schwestern Ada (geb. 1877) und Olga (geb. 1888). Drei ihrer Brüder hatten bedeutende Funktionen in der öffentlichen Verwaltung: Mario in der Präfektur von Bologna, Guido in der Stadtverwaltung von Reggio nell'Emilia und der jünste, Gino, war Leiter des Bau­amtes der Stadt Florenz. Der vierte Bruder, Ugo Corinaldi, kümmert sich um das Familien­vermögen. Die drei Schwestern blieben unverheiratet und lebten gemeinsam in der Viale Monte Grappa. An einem Sabbat im Dezember 1943 wurden sie erstmals festgenommen, schließlich wieder freigelassen, dann erneut verhaftet und über das Durchgangslager Fossoli ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Mit hoher Wahrschein­lichkeit wurden die drei älteren Damen am 26. Februar 1944 gemeinsam in der Gas­kammer ermordet.[6][10]
Stolperstein für Olga Corinaldi.JPG Corinaldi, OlgaOlga Corinaldi Viale Monte Grappa, 18 Stolpersteine für Ada, Bice und Olga Corinaldi44.694102610.6359475 09. Jan. 2015 Olga Corinaldi wurde am 9. August 1888 in Reggio Emilia geboren. Sie war die Tochter des Kaufmanns Cesare Corinaldi und der Grund­besitzerin Elvira Ravà und hatte sechs Geschwister, darunter zwei ältere Schwestern: Ada (geb. 1877) und Bice (geb. 1873). Alle drei blieben unverheiratet und lebten gemeinsam in der Viale Monte Grappa. Zwei ihrer Brüder, Guido und Ugo, verstarben bereits vor Einführung der italienischen Rassegesetze in Italien im Jahr 1938. Bruder Gino arbeitete als Leiter des Bauaumtes von Florenz. Bruder Mario Corinaldi kehrte aus Bologna, wo er als Consigliere der Präfektur gewirkt hatte, nach Reggio nell'Emilia zurück, um sich um seine betagten Schwestern zu kümmern. Mario und seine Frau befanden sich auf Urlaub, als die drei Schwestern im Dezember 1943 verhaftet wurden. Das Ehepaar konnte sich schließlich unter falschem Namen in einer Klinik für nervöse Erkrankungen in Modena verstecken und so den Holocaust überleben, während Ada, Bice und Olga Corinaldi am 22. Februar 1944 ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und mit hoher Wahrscheinlichkeit unmittelbar nach ihrer Ankunft am 26. Februar 1944 in der Gaskammer ermordet wurden.[6][10]
Stolperstein für Lina Jacchia in Melli.JPG Jacchia in Melli, LinaLina Jacchia in Melli Via Emilia San Pietro, 22 Stolperstein für Lina Jacchia in Melli44.69695333333310.63517 09. Jan. 2015 Lina Jacchia wurde am 29. Dezember 1889 in Venedig als Tochter von Israele Jacchia und Emma Castelfranco geboren. Am 14. Februar 1915 heiratete sie in ihrer Heimat­stadt Benedetto Melli aus Modena, zog mit ihm nach Reggio nell'Emilia und führte mit ihm einen Nippes- und Textilien­handel. Das Paar hatte einen Sohn, Giorgio, geboren 1919, der nach Ein­führung der italienischen Rasse­gesetze im Jahr 1938 nicht mehr studieren durfte. Giorgio Melli ging daraufhin in die Schweiz, die Eltern wollten ihm folgen, wurden jedoch knapp vor der Grenze in Porto Ceresio verhaftet, in der Folge nach Fossoli und später nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurden aller Wahr­schein­lich­keit nach Lina Jacchia in Melli und ihr Ehemann am 26. Februar 1943 in der Gas­kammer ermordet.

Ihr Sohn verlor in der Folge den Verstand und verstarb 1977 im Pflege­heim Villa Santa Chiara in Verona.[10][11]

Stolperstein für Ida Liuzzi.JPG Liuzzi, IdaIda Liuzzi Via Roma, 7 Stolperstein für Ida Liuzzi44.6991710.63412 13. Jan. 2016 Ida Liuzzi wurde 1877 geboren. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Italien im Jahr 1943 musste sie sich in Borzano verstecken. Sie erkrankte in ihrem Versteck, einer Scheune, konnte keine Hilfe rufen und verstarb am 16. August 1944 auf dem Holzboden der Scheune.[3][12]
Stolperstein für Benedetto Melli.JPG Melli, BenedettoBenedetto Melli Via Emilia San Pietro, 22 Stolpersteine für Benedetto und Giorgio Melli44.69695333333310.63517 09. Jan. 2015 Benedetto Melli wurde am 17. Januar 1890 in Modena als Sohn von Sammele Melli und Malvina Padova geboren. Er hatte zwei Brüder: Guido, geboren am 8. Mai 1896 in Reggio nell’Emilia, und Adolfo. Am 14. Februar 1915 heiratete er in Venedig die dort gebürtige Lina Jacchia. Das Paar ließ sich in Reggio nell'Emilia nieder, bezog eine Wohnung in der Via Emilia San Pietro und führte ganz in der Nähe eine Nippes­handlung, in der sie auch Textilien anboten. Das Paar hatte einen Sohn, Giorgio, geboren 1919. Dieser wurde nach Ein­führung der Rassen­gesetz­gebung in Italien im Jahr 1938 von der Universität verwiesen und ging daraufhin in die Schweiz, um sein Studium fortzusetzen. Nach der Macht­übernahme der National­sozialisten in Italien beschlossen die Eltern, ihrem Sohn in die Schweiz zu folgen. Sie gelangten bis Porto Ceresio in der Provinz Varese, wurden dort verhaftet, am 28. Dezember 1943 in das Gefängnis von Varese und später in das Durchgangslager Fossoli verbracht. Dort wurde Benedetto Melli zum Kapo gewählt und versuchte verglich, eine Namens­liste aus dem Lager zu schmuggeln. Am 22. Februar 1944 wurde das Eh­epaar nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort mit hoher Wahr­schein­lich­keit am 26. Februar 1944 in der Gas­kammer ermordet.

Sohn Giorgio und Bruder Adolf überlebten den Holocaust, doch war der Sohn durch den Verlust seiner Eltern derart schwer traumatisiert, dass er den Verstand verlor. Er verstarb 1977 im Pflege­heim Villa Santa Chiara in Verona. Bruder Guido, der in Modena ein ähnliches Geschäft führte, wie die Mellis in Reggio nell'Emilia, war ein überzeugter Sozialist. Ihm wurde zum Verhängnis, dass er – vor seinem eigenen Geschäft – einen rang­hohen Faschisten ohrfeigte. Er wurde am 12. Dezember 1943 verhaftet, kam ins KZ Auschwitz III Monowitz und wurde dort ermordet.[10][11]

Stolperstein für Giorgio Melli.JPG Melli, GiorgioGiorgio Melli Via Emilia San Pietro, 22 Stolpersteine für Benedetto und Giorgio Melli44.69695333333310.63517 13. Jan. 2016 Giorgio Melli, geboren 1919 in Reggio nell'Emilia, war der Sohn von Benedetto Melli und Lina Jacchi, die einen Textil- und Nippesladen führten. Der junge Mann besuchte das Liceo Ariosto, durfte aber nach Ein­führung der italienischen Rasse­gesetze im Jahr 1938 nicht mehr an einer Universität seines Heimatlandes studieren. Er ging daraufhin nach Lausanne in der Schweiz, wo er ein Ingenieursstudium absolvierte. Die Eltern wollten ihm folgen, wurden jedoch knapp vor der Grenze in Porto Ceresio verhaftet und in der Folge am 26. Februar 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau aller Wahr­schein­lich­keit nach in der Gas­kammer ermordet. Giorgio Melli unterrichtete noch eine Zeit lang an der Universität von Lausanne, klehrte dann nach Italien zurück, verlor ob der schweren Traumatisierung den Verstand und verstarb 1977 im Pflege­heim Villa Santa Chiara in Verona.[11][12]
Stolperstein für Dante Padoa.JPG Padoa, DanteDante Padoa Via Umberto Cagni, 4 Stolperstein für Dante Padoa44.70412833333310.628345 13. Jan. 2016 Dante Padoa wurde 1883 geboren. Er wurde aufgrund der rassistischen Gesetze Italiens ab 1938 verfolgt und verlor seinen Arbeitsplatz bei der Italenischen Post. Er versteckte sich 1943 in Costabona und verstarb, als er während einer Säuberungsaktion durch die Wälder zu flüchten versuchte, am 4. August 1944 an einem Herzinfarkt.[10][12]
Stolperstein für Beatrice Rava in Rietti.JPG Ravà in Rietti, BeatriceBeatrice Ravà in Rietti Via Monzermone, 8 Stolpersteine für Beatrice, Iole und Ilma Rietti44.699864710.6288613 09. Jan. 2015 Beatrice Ravà in Rietti wurde am 1. Mai 1877 in Via dell'Aquila 3 in Reggio nell’Emilia geboren. Ihr Vater, Serse Ravà, ein Tapezierer, war damals 24 Jahre alt, ihre Mutter, Clelia Mortara, 26. Sie hatte einen Bruder, Gino, der den Holocaust überlebte. Ihr Vater war bis zu seinem Tod Aufseher der Synagoge in der Via dell'Aquila, der Bruder wurde sein Nachfolger.

Am 31. August 1908 heiratete sie Angelo Rietti und bezog mit ihm eine Wohnung in der Via Monzermone, im damaligen Ghetto. Das Paar hatte zwei Töchter: Iole, geboren am 22. Januar 1910, und Ilma, geboren am 9. Mai 1913. Der Ehemann verstarb am 25. Februar 1925 und in der Folge verdiente sie den Lebens­unterhalt als Zimmer­vermieterin. Beatrice Ravà in Rietti hatte eine innige Beziehung zu beiden Töchtern, die unverheiratet blieben. Die eine arbeitete im Haushalt, die andere bei der Telefon­gesellschaft – bis sie aufgrund der italienischen Rassen­gesetz­gebung von 1938 ihre Anstellung verlor.

Nach der deutschen Besatzung Italiens im Jahr 1943 erging an Beatrice Ravà in Rietti die Ankündigung, das jüdisches Vermögen und Kultur­gut beschlagnahmt werde. Als sie die Übernahme des Schrift­stücks bestätigte, am 11. Dezember 1943, befand sie sich bereits im Carcere di San Tommaso. Gemeinsam mit ihren Töchtern war sie am Samstag, den 4. verhaftet worden. Die drei Frauen wurden über eine Zwischen­station ins Durchgangslager Fossoli verbracht und am 22. Februar 1944 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo alle drei am 26. Februar 1944 vergast wurden.

Ihr Bruder Gino konnte sich und seine Kinder Fausto und Lindo rechtzeitig in Sicherheit bringen.[6][11]

Stolperstein für Ilma Rietti.JPG Rietti, IlmaIlma Rietti Via Monzermone, 8 Stolpersteine für Beatrice, Iole und Ilma Rietti44.699864710.6288613 09. Jan. 2015 Ilma Rietti, geboren am 9. Mai 1913 in Reggio nell'Emilia, war die jüngere Tochter von Beatrice Ravà in Rietti und des Tapezierers Serse Ravà. Aus dem Erhebungsbogen der Volkszählungen von 1931 und 1936 ergibt sich, dass sie zuerst als Stenotypistin arbeitet und später bei der Telefongesellschaft Telefoni Italia Media Orientale (TIMO, später SIP, heute Telecom Italia). Nach Einführung der italienischen Rassegesetzung 1938 verlor sie ihren Arbeitsplatz. Gemeinsam mit Mutter und Schwester wurde Ilma Rietti am 4. Dezember 1943 verhaftet und über zwei Zischenstationen ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Bei der Selektion an der Rampe soll sie gemeinsam mit ihrer Schwester Iole für Zwangsarbeit ausgesucht worden sein. Die beiden wollten aber ihre betagte Mutter nicht alleine lassen und folglich wurden alle drei Frauen am 26. Februar 1944 in den Gaskammern ermordet.[6][10][11]
Stolperstein für Iole Rietti.JPG Rietti, IoleIole Rietti Via Monzermone, 8 Stolpersteine für Beatrice, Iole und Ilma Rietti44.699864710.6288613 09. Jan. 2015 Iole Rietti, geboren am 22. Januar 1910 in Reggio nell'Emilia, war die ältere Tochter von Beatrice Ravà in Rietti und des Tapezierers Serse Ravà. Aus dem Erhebungsbogen der Volkszählung 1936 ergibt sich, dass sie Hausfrau war. Dort ist auch ihre Zugehörigkeit zur razza ebraica, zur „jüdischen Rasse“ vermerkt. Gemeinsam mit Mutter und Schwester wurde Iole Rietti am 4. Dezember 1943 verhaftet und über zwei Zischenstationen ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Bei der Selektion an der Rampe soll sie gemeinsam mit ihrer Schwester Ilma für Zwangsarbeit ausgesucht worden sein. Die beiden wollten aber ihre betagte Mutter nicht alleine lassen und folglich wurden alle drei Frauen am 26. Februar 1944 in den Gaskammern ermordet.[6][11]
Stolperstein für Oreste Sinigaglia.JPG Sinigaglia, OresteOreste Sinigaglia Via Monzermone, 10 Stolperstein für Oreste Sinigaglia44.699853210.6289023 09. Jan. 2015 Oreste Sinigagli, geboren am 11. Dezember 1881 in Mailand, war der Sohn von Angelo Sinigaglia. Der Name seiner Mutter ist nicht bekannt. Er war Möbelhändler und kam laut Melderegister am 24. August 1904 von Viadana nach Reggio nell’Emilia. Am 10. November desselben Jahres heiratete er Alice Liuzzi und bezog eine Wohnung in der Via Monzerone. Das Paar hatte zwei Kinder: Elvira und Cesare (1906–1954). Er führte jahrzehntelang ein angesehenes Geschäft in der Via dell’Aquila, bis er am 2. Dezember 1943 von der SS verhaftet und ins Durchgangslager Fossoli verbracht wurde. Das Schicksal von Frau und Tochter ist ungeklärt. Am 22. Februar 1944 folgte die Deportation ins Vernichtungslager Auschwitz, im Transport N. 8 gemeinsam mit 649 weiteren Opfern, wo Oreste Sinigagli am 26. Februar 1944 ermordet wurde.[6][10]

Siehe auch

Quellen

Einzelnachweise

  1. Gedenkorte: Gedenktafeln an der Synagoge, mit Abbildung der Gedenktafel, abgerufen am 20. Oktober 2015
  2. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 213 ff., ISBN 3-88864-343-0
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 ISTORECO (Istituto per la storia della Resistenza e della società contemporanea in Provincia di Reggio Emilia): Il 13 gennaio la posa di dieci nuove Pietre a Reggio, Correggio e Castelnovo Monti, 30. November 2015, abgerufen am 17. April 2016
  4. I Nomi della Shoa italiana: Lucia Finzi, abgerufen am 15. November 2015
  5. Silvia Parmeggiani: “pietra d’inciampo” per ricordare la deportata, Gazzetta di Reggio, 8. Januar 2015, abgerufen am 15. April 2016
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 6,6 Adriano Asti: L’omaggio di Reggio Emilia ai deportati ebrei, Gazzetta di Reggio, 10. Januar 2015, abgerufen am 15. April 2016
  7. Gazzetta di Reggio: Mostra “In absentia” storia di Lucia Finzi e degli ebrei emiliani, 19. Januar 2014, abgerufen am 15. April 2016
  8. Antonio Zambonelli: Ebrei reggiani tra leggi razziali ed Olocausto. (2" parte), in: Ricerche Storiche, Anno XXIII, N. 62/63, September 1898, S. 18, abgerufen am 15. April 2016
  9. Commune di Correggio: La posa di due “pietre d’inciampo” a ricordo di Gilda e Claudio Sinigaglia, 12. und 13. Januar 2016, abgerufen am 15. April 2016
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 10,4 10,5 10,6 10,7 Enciclopedia storica dell'ebraismo reggiano: Gli ebrei reggiani dal 1918 al 1945, abgerufen am 15. April 2016
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 11,4 11,5 11,6 ISTORECO (Istituto per la storia della Resistenza e della società contemporanea in Provincia di Reggio Emilia): Pietre d'inciampo. Viaggio di Memoria. Il Futuro non si cancella., abgerufen am 16. April 2016 (mit einem Gruppenbild der Schwestern Ilma und Iole Riette sowie deren Mutter Beatrice, Porträtfotografien von Lucia Finzi und Oreste Sinigaglia)
  12. 12,0 12,1 12,2 Adriano Arati: Shoah, dieci nuove pietre d’inciampo a Reggio Emilia, Gazzetta di Reggio, 4. Januar 2016, abgerufen am 17. April 2016

Weblinks

 Commons: Stolpersteine in Correggio – Sammlung von Bildern
 Commons: Stolpersteine in Reggio Emilia – Sammlung von Bildern


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