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Liste der Stolpersteine in Sangerhausen

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Die Liste der Stolpersteine in Sangerhausen enthält alle Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunst-Projekts von Gunter Demnig in Sangerhausen verlegt wurden. Mit ihnen soll Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Sangerhausen lebten und wirkten. Zwischen 2012 und 2014 wurden insgesamt zwölf Steine an acht Adressen verlegt.

Liste der Stolpersteine

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing

Adresse Datum der Verlegung Person Bild Bild des Hauses
Alte Magdeburger Straße 2
Franz Heymann, Alte Magdeburger Straße 251.47416511.299995
10. Oktober 2014[1] Franz Heymann (1875–1945)

Franz Heymann war Mitglied der SPD und Mitbegründer des Sangerhäuser Konsumvereins, der nach 1933 zwangsaufgelöst wurde. 1944 wurde Heymann verhaftet und ins KZ Sachsenhausen deportiert. Im Januar 1945 wurde er ins KZ Buchenwald verlegt. Auf dem Transport erkrankte er und starb in Buchenwald im März 1945.[2]

Alter Markt 14
Edith Große, Alter Markt 1451.47286611.302308
8. November 2013[3] Edith Große (1926–1940)

Edith Große war seit 1936 Patientin in der Heilanstalt Uchtspringe. Am 28. August 1940 wurde sie in die Tötungsanstalt Brandenburg verlegt, wo sie im Rahmen der Aktion T4 noch am selben Tag ermordet wurde.[3]

Bahnhofstraße/Marienanlage
Paul Beck, Bahnhofstraße/Marienanlage51.47742711.295875
10. Oktober 2014[1] Paul Beck (1900–1940)

Paul Beck stammte aus Kindelbrück und war gelernter Modellschlosser. Im Ersten Weltkrieg zog er sich eine Verwundung zu, durch die sein Unterkörper jahrelang gelähmt blieb. 1928 wurde er Mitglied der KPD und arbeitete in Sangerhausen für eine Zeitung der Partei. 1933 wurde er verhaften und im KZ Lichtenberg interniert. Nach seiner Freilassung nahm er seine Tätigkeit bei der Zeitung zunächst wieder auf, wurde aber verraten und erneut verhaftet. Er wurde am 20. Mai 1935 zur Verbüßung einer fünfjährigen Haftstrafe im Zuchthaus Kassel-Wehlheiden interniert und dort am 26. Februar 1940 ermordet.[2]

Bahnhofstraße 21
Walter Telemann, Bahnhofstraße 2151.47738811.295936
10. Oktober 2014[1] Walter Telemann (1906–1944)

Der Sozialist Walter Telemann wurde 1940 zum Kriegsdienst eingezogen und diente als Panzergrenadier an der Ostfront. Im Mai 1943 wurde er schwer verwundet. 1944 wurde sein Regiment zerschlagen und zog sich nach Ostpreußen zurück. Telemann entschied sich zu dieser Zeit, keinen weiteren Kriegsdienst zu leisten und setzte sich von seinem Regiment ab. Am 4. August wurde er bei Sparken gestellt und standrechtlich erschossen.[2]

Göpenstraße 10
Adele Hampel geb. Gosler, Göpenstraße 1051.47442311.298183
5. November 2012[4] Adele Hampel geb. Gosler (Gosslar) (1874–1942)

Adele Hampel stammte aus Wippra. Im benachbarten Sangerhausen betrieb sie mit ihrem Mann Paul ein Spielwarengeschäft. Am 19. September 1942 wurde sie über Halle (Saale) ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 22. November 1942 starb.[4][5]

Göpenstraße 13
Ernst Ludwig Ikenberg, Göpenstraße 1351.4744511.297928
8. November 2013[3] Ernst Ludwig Ikenberg (1901–1944)

Ernst Ikenberg wurde als jüngerer von zwei Söhnen in Sangerhausen als Sohn des Kaufmanns Bendix Ikenberg und dessen Frau Sophie geboren. Seine Eltern mussten Anfang der 1930er Jahre ihr Geschäft aufgeben und zogen nach Bad Frankenhausen. Ernst Ikenberg begleitete sie. Am 20. September 1942 wurde er über Leipzig ins Ghetto Theresienstadt deportiert und von dort am 18. Mai 1944 weiter ins KZ Auschwitz, wo er noch im selben Jahr ermordet wurde. Seinem älteren Bruder Paul gelang die Emigration nach Palästina.[6]

Göpenstraße 21
Moritz Loewe und Henrietta Loewe geb. Cohn, Göpenstraße 2151.47468711.297772
8. November 2013[3] Henrietta Loewe geb. Cohn (um 1870?–nach 1945?)

Henrietta Loewe geb. Cohn entstammte einer Kaufmannsfamilie aus Sangerhausen. Sie und ihr Mann Moritz hatten zwei Söhne und drei Töchter. Der Judenboykott nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten führte bereits 1933 dazu, dass die Familie ihr Geschäft sowie zahlreiche private Besitztümer unter Wert verkaufen und ihr Haus verlassen musste. Die Loewes kamen zunächst in den Kellerräumen einer Brauerei unter. Im Dezember 1933 emigrierte die gesamte Familie nach Palästina.[7][8]

Moritz Loewe (1867–1945)

Moritz Loewe wurde in Klein Wanzleben geboren. Einer seiner Brüder war Heinrich Loewe. Moritz Loewe übernahm das Geschäft seines verstorbenen Schwiegervaters und gelangte zu beträchtlichem Wohlstand. Der Judenboykott nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten führte bereits 1933 dazu, dass die Familie ihr Geschäft sowie zahlreiche private Besitztümer unter Wert verkaufen und ihr Haus verlassen musste. Die Loewes kamen zunächst in den Kellerräumen einer Brauerei unter. Im Dezember 1933 emigrierte die gesamte Familie nach Palästina. Dort starb Moritz Loewe 1945, seine Frau hat ihn wohl überlebt.[7][8]

Hüttenstraße 26
Otto Fleischmann, Rosa Fleischmann geb. Friedmann, Jutta Bernstein geb. Fleischmann und Eva Bernstein, Hüttenstraße 2651.47917311.299282
5. November 2012[4] Eva Bernstein (1938–1942)

Eva Bernstein kam in Berlin als Tochter von Jutta Bernstein zur Welt. Sie und ihre Mutter kehrten 1939 zu deren Eltern nach Sangerhausen zurück. Die Familie musste später nach Halle (Saale) in ein „Judenhaus“ umziehen. Am 1. Juni 1942 wurden alle vier ins Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo sie gleich nach ihrer Ankunft zwei Tage später ermordet wurden.[4][9]

Jutta Bernstein geb. Fleischmann (1911–1942)

Jutta Bernstein geb. Fleischmann kam 1911 als Tochter von Otto und Rosa Fleischmann zur Welt. Sie lebte zeitweilig mit ihrem Mann im Berlin, wo 1938 ihre Tochter Eva geboren wurde. Jutta Bernsteins Ehemann gelang 1939 mithilfe der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland die Emigration nach England. Jutta Bernstein kehrte daraufhin mit ihrer Tochter zu den Eltern zurück. Die Familie musste später nach Halle (Saale) in ein „Judenhaus“ umziehen. Am 1. Juni 1942 wurden alle vier ins Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo sie gleich nach ihrer Ankunft zwei Tage später ermordet wurden.[4][10]

Otto Fleischmann (1879–1942)

Otto Fleischmann stammte aus Prichsenstadt und betrieb in Sangerhausen eine Vieh- und Pferdehandlung. Er und seine Familie mussten später nach Halle (Saale) in ein „Judenhaus“ umziehen. Am 1. Juni 1942 wurden alle vier ins Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo sie gleich nach ihrer Ankunft zwei Tage später ermordet wurden.[4][11]

Rosa Fleischmann geb. Friedmann (1878–1942)

Rosa Fleischmann geb. Friedmann stammte aus Köditz. Sie und ihre Familie mussten später nach Halle (Saale) in ein „Judenhaus“ umziehen. Am 1. Juni 1942 wurden alle vier ins Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo sie gleich nach ihrer Ankunft zwei Tage später ermordet wurden.[4][12]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Frank Schedwill: Drei neue Stolpersteine werden verlegt, Mitteldeutsche Zeitung, 24. September 2014. Abgerufen am 15. Oktober 2014.
  2. 2,0 2,1 2,2 Erinnern und Gedenken – Sozialisten. Abgerufen am 15. Oktober 2014.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Tina Edler: Neue Stolpersteine unter großer Anteilnahme gesetzt, Mitteldeutsche Zeitung, 8. November 2013. Abgerufen am 27. Januar 2014.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 Helga Koch: Stolperstein erinnert an Adele Hampel, Mitteldeutsche Zeitung, 5. November 2012. Abgerufen am 27. Januar 2014.
  5. Gedenkbuch Halle – Hampel, Adele. Abgerufen am 27. Januar 2014.
  6. Ansprache von Pfarrer Johannes Müller bei der Steinlegung für Ernst Ikenberg, 8. November 2013. Abgerufen am 27. Januar 2014.
  7. 7,0 7,1 Ansprache von Helmut Qual anlässlich der Steinverlegung für Moritz und Henriette Loewe am 8. November 2013. Abgerufen am 27. Januar 2014.
  8. 8,0 8,1 Moritz Loewe II. & Henrietta „Jettchen“ Cohn. Abgerufen am 27. Januar 2014.
  9. Gedenkbuch Halle – Bernstein, Eva. Abgerufen am 27. Januar 2014.
  10. Gedenkbuch Halle – Bernstein, Jutta. Abgerufen am 27. Januar 2014.
  11. Gedenkbuch Halle – Fleischmann, Otto. Abgerufen am 27. Januar 2014.
  12. Gedenkbuch Halle – Fleischmann, Rosa. Abgerufen am 27. Januar 2014.


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