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Liste der Stolpersteine in Polen

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Der erste in Polen verlegte Stolper­stein ist Edith Stein gewidmet, einer katholischen Nonne jüdischer Herkunft, die 1998 heiliggesprochen wurde

Die Liste der Stolpersteine in der Polen enthält die Stolpersteine im heutigen Polen, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die während des Regimes des Nationalsozialismus in dem Land ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt.

Die Verlegungen erfolgten in Wrocław am 12. Oktober 2008 und am 2. Februar 2016, in Słubice am 12. November 2009 und am 6. Juli 2010. Die Verlegungen für die Angehörigen der Familie Zorek in Wrocław erfolgte im Auftrag der Nachfahren dieser Familie, die zur Verlegung aus den USA anreisten.[1] In Szczecin hielt Demnig am 25. Juni 2015 einen Vortrag. Stolpersteine heißen auf Polnisch: kamienie pamięci.

Die Tabellen sind teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.

Opfer von Krieg, Kriegsverbrechen und Holocaust in Polen

Polen ist das von den Verbrechen der Nationalsozialisten prozentuell am härtesten getroffene Land:

Deutsche Kriegsverbrechen in Polen, 1939 bis 1945
 
 
 
 

Stolpersteine in Polen

Das Projekt Demnigs steht in Polen erst am Anfang, bislang konnten nur neun Stolpersteine verlegt werden – in zwei Städten, die bis 1945 zum sogenannten Altreich zählten. Gewürdigt wurden bislang auch nur NS-Opfer deutscher Herkunft und deutscher Staatsbürgerschaft. Dies steht in heftigem Kontrast zu den Niederlanden, wo bislang zumindest 2.750 Stolpersteine verlegt wurden, zu Tschechien, Italien, Österreich und Ungarn, wo jeweils mehrere Hundert Stolpersteine verlegt wurden, aber auch zu Belgien, Luxemburg, Norwegen, der Slowakei und zu Griechenland.(Stand von März 2016)

Geplante Verlegungen in Łódź ( am 30. April 2014) und Gliwice (am 13. Oktober 2014) fanden nicht statt. In Łódź ergab sich ein Diskurs über die Inschriften.

Słubice

Bild Name Standort Verlegedatum Leben
Derzeit Baustelle Ritter, KarlKarl Ritter ul. Mikołaja Kopernika / Księdza Piotra Wawrzyniaka Stolperstein für Karl Ritter52.35299214.557814 12. Nov. 2009 Karl Ritter wurde am 30. Oktober 1877 geboren, lernte den Beruf des Stellmachers und arbeitete im elterlichen Handwerkbetriebe Hufschlag & Wagenbau. Er nahm 1917 an den revolutionären Kämpfen in Russland teil, war Gewerkschaftsfunktionär im „Deutschen Holzarbeiterverband“ und engagierte sich in der SPD. Nachdem er sich im März 1933 in einer Gaststätte „unschön“ über die Nationalsozialisten geäußert hatte, wurde er zeitweise inhaftiert. Am 2. Mai 1933 wurde er, weil er einen Protestmarsch organisiert hatte, erneut inhaftiert und ins Konzentrationslager Sonnenburg, heute Słońsk, verbracht. Im Spätsommer desselben Jahres verstarb er, wofür es zwei verschiedene Erklärung gab – Selbsttötung oder Nachwirkungen der Folter während der Haft.[3][4]

Ritter zählte zu der frühesten Opfern des Hitler-Regimes. Am 11. September 1948 beschlossen die Stadtverordneten von Frankfurt (Oder), den Magazinplatz nach dem Widerstandskämpfer zu benennen.

Stolperstein für Erich Schulz.JPG Schulz, ErichErich Schulz ul. Sienkiewicza 46 Stolperstein für Erich Schulz52.35177914.569375 06. Jul. 2010 Erich Schulz wurde 1907 geboren. Er war Arbeiter und schloss sich 1923 der Kommunistischen Partei Deutschlands an. Nach der Machtergreifung Hitlers im Januar 1933 war er am Aufbau der illegalen Arbeit der KPD in Frankfurt (Oder) und Umgebung beteiligt. 1933 war er auch kurzfristig in Haft. 1936 wurde er erneut in Haft genommen und saß wegen Vorbereitung zum Hochverrat im Zuchthaus Brandenburg-Görden ein, dann in einem Steinbruch in Bayern und schließlich im Emslandlager Aschendorfermoor. Nach seiner Entlassung 1941 musste er sich wöchentlich bei der Gestapo melden. Am 29. Juni 1944 wurde sein Leichnam an der Oder aufgefunden. Sein Tod wurde – trotz seines zerschlagenen Gesichts – offiziell als Selbstmord dargestellt. Seine Frau musste Erich Schulz identifizieren.[5]

Wrocław

Bild Name Standort Verlegedatum Leben
Stolperstein für Edith Stein 2.JPG Stein, EdithEdith Stein ul. Nowowiejska 38 Stolperstein für Edith Stein51.12323817.049773 12. Okt. 2008 Edith Stein wurde als jüngstes von elf Kindern einer eine jüdisch-orthodoxe Familie am 12. Oktober 1891 in Breslau geboren. Ihr Vater, ein Kaufmann, verstarb bereits ein Jahr nach ihrer Geburt, ihre Mutter führte den Holzhandel weiter. Edith Stein studierte in Breslau, Göttingen und Freiburg i. Br. Psychologie, Philosophie, Geschichte und Germanistik und wollte schon damals der «Menschheit dienen».[6] Nach dem Doktorat war sie bis 1918 Assistentin ihres Doktorvaters, des Philosophen Edmund Husserl. Vier Versuche der Habilitation scheiterten am Faktum, dass sie eine Frau war. Im April 1933 erbat sie in einen Brief an Papst Pius XI., er möge öffentlich gegen die Judenverfolgung protestieren. Die Bitte blieb vier Jahre lang unerhört, erst 1937 wurde die Enzyklika Mit brennender Sorge veröffentlicht.

Am 14. Oktober 1933 trat Edith Stein als Postulantin dem Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen in Köln bei und nahm ein halbes Jahr später den Ordensnamen Teresia Benedicta a Cruce an. 1936 ließ sich auch Ediths ältere Schwester Rosa Stein (1883–1942) taufen, lebte danach als Gast im Kloster und arbeitete als Pförtnerin. Um ihr Stammhaus zu schützen, übersiedelte Edith Stein mit ihrer Schwester 1938 in den Karmel des Ordens im niederländischen Echt. Im Rahmen der Deportationen des Holocaust wurden auch die beiden Schwestern Stein am 2. August 1942 von der Gestapo verhaftet, in das Durchgangslager Westerbork verbracht, fünf Tage später in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und am 9. August 1942 in der Gaskammer ermordet.[7] Papst Johannes Paul II. sprach Edith Stein 1987 selig und 1998 heilig. Sie galt und gilt als Brückenbauerin zwischen Christen und Juden.[8]

Stolperstein für Anita Treitel.JPG Treitel, AnitaAnita Treitel ul. Świdnicka 39 Stolpersteine für Anita und Rose Bernstein Treitel51.10335317.030775 02. Feb. 2016 Anita Treitel wurde am 29. Januar 1920 als Tochter von Rose und Walter Treitel in Breslau geboren. Ihr Vater war Arzt. Sie hatte einen älteren Bruder, Wolf­gang (1918–2013), der – wie der Vater – rechtzeitig in die Ver­einigten Staaten emigrieren konnte. Ihr Onkel, Arnold Bernstein, versuchte sie und ihre Mutter in die USA zu holen, allerdings vergeblich. Anita Treitel musste in einem Lager Zwangs­arbeit verrichten und nahm sich am 16. November 1941 das Leben. Ihre Mutter wurde im April 1942 vom NS-Regime deportiert und ermordet.[9]
Stolperstein für Rose Bernstein Treitel.JPG Treitel, RoseRose Treitel
(geb. Bernstein)
ul. Świdnicka 39 Stolpersteine für Anita und Rose Bernstein Treitel51.10335317.030775 02. Feb. 2016 Rose Treitel geb. Bernstein wurde am 10. Dezember 1891 in Breslau geboren. Am 23. Juli 1914 heiratete sie den Arzt Walter Treitel, das Paar hatte zwei Kinder: Wolf­gang (geboren am 10. Juni 1918) und Anita (geboren am 29. Januar 1920). Ehe­mann und Sohn konnten sich 1938 bzw. 1939 durch Emigration in die Vereinigten Staaten retten und änderten dort ihren Familien­namen auf Tritell. Ihr Bruder Arnold Bernstein (1888–1971) versuchte vergeblich Rose und Anita Treichel in die USA zu retten.[10] Die Tochter nahm sich am 16. November 1941 das Leben. Rose Treitel wurde im April 1942 im Ghetto Izbica vom NS-Regime ermordet.

Rose Treitels Sohn heiratete Anita Sorkowitz (1922–1998) und hatte mit ihr zwei Kinder. Er starb hochbetagt im Jahr 2013.[11]

Stolperstein für Alfred Zorek.JPG Zorek, AlfredAlfred Zorek ul. Jedności Narodowej 95 Stolpersteine für Alfred, Erna, Frieda Freund und Werner Zorek51.12214517.044149 02. Feb. 2016 Alfred Zorek wurde 1884 in Wreschen als Sohn von Gustav und Rosalie Zorek geboren. Er hatte vier Geschwister, darunter die zwei Schwestern Martha und Gunda sowie der Bruder Rudolf. Er heiratete Frieda Freund, das Paar hatte zwei Kinder: Erna (geb. 1923) und Werner (geb. 1925). Die Familie wohnte in der Matthias-Straße 95 in Breslau. Während der Sohn 1939 mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht werden konnte, wurden Alfred Zorek, seine Frau und seine Tochter 1943 ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.

In Magdeburg wurden Stolpersteine für seinen Bruder Rudolf Zorek und dessen Frau Betty (geb. Grzebinasch) verlegt, die beide im Vernichtungslager Treblinka ermordet wurden.[12]

Stolperstein für Erna Zorek.JPG Zorek, ErnaErna Zorek ul. Jedności Narodowej 95 Stolpersteine für Alfred, Erna, Frieda Freund und Werner Zorek51.12214517.044149 02. Feb. 2016 Erna Zorek wurde 1923 in Breslau als Tochter von Alfred und Frieda Zorek geboren. Sie hatte einen Bruder, Werner, geb. 1925, der im Jahr 1939 mit einem Kindertransport nach England ging. Sie selbst wurde 1943 gemeinsam mit ihren Eltern ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.

Bereits am 23. September 2012 wurde ein Stolperstein für Erna Zorek in der Mozartstraße von Unna, vor dem St. Bonifatius Wohn- und Pflegeheim, verlegt.

Stolperstein für Frieda Freund Zorek.JPG Zorek, FriedaFrieda Zorek
(geb. Freund)
ul. Jedności Narodowej 95 Stolpersteine für Alfred, Erna, Frieda Freund und Werner Zorek51.12214517.044149 02. Feb. 2016 Frieda Zorek wurde am 29. März 1885 als Tochter von Emma und Selig Freund geboren. Sie hatte sechs Geschwister: Anna (1875), die Zwillinge Georg und Doris (1877), Rosa (1879), Gertrud (1880) und Sigmund. Mit ihrem Ehemann Alfred Zorek hatte sie zwei Kinder: Werner und Erna. Während der Sohn 1939 mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht werden konnte, wurden Frieda Zorek, ihr Mann und ihre Tochter 1943 ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.
Stolperstein für Werner Zorek.JPG Zorek, WernerWerner Zorek ul. Jedności Narodowej 95 Stolpersteine für Alfred, Erna, Frieda Freund und Werner Zorek51.12214517.044149 02. Feb. 2016 Werner Zorek wurde am 14. Oktober 1925 in Breslau als Sohn von Alfred und Frieda Zorek geboren. Er hatte eine Schwester, Erna. Am 7. Februar 1939 konnte er –13-jährig – mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht werden. Er wurde zuerst in Dovercourt, später in Gloucester untergebracht. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, im Jahr 1947, emigrierte er mit Hilfe von Verwandten nach New York, nannte sich Warren Zorek, arbeitete als Manager im Kaufhaus Bloomingdale’s und ehrenamtlich für das American Red Cross. Er lernte Jane Krass kennen und heiratete sie. Das Paar hatte zwei Kinder, Jennifer (1958) und Michael (1960), und vier Enkelkinder. Warren Zorek verstarb am 22. Dezember 2006 im Alter von 81 Jahren in New York, wo er auch bestattet wurde.[13]

Vater, Mutter und Schwester wurden 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet.

Siehe auch

Quellen

Weblinks

 Commons: Stolpersteine in Polen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Deutsches Generalkonsulat Breslau: Stolpersteine in Breslau, abgerufen am 16. März 2016
  2. Edina Rauschenberger: Tagungsbericht Die Einsamkeit der Opfer. Methodische, ethische und politische Aspekte der Zählung der Menschenverluste des Zweiten Weltkriegs. 09.12.2011–2010.12.2011, Budapest. In: H-Soz-u-Kult, 8. Juni 2012.
  3. Jüdisches Frankfurt virtuell: Stolpersteine in Frankfurt (Oder) und Słubice, abgerufen am 8. März 2016
  4. Museum Viadrina: Karl-Ritter-Platz, abgerufen am 8. März 2016
  5. Jüdisches Frankfurt virtuell: Stolpersteine in Frankfurt (Oder) und Słubice, abgerufen am 17. März 2016
  6. Reiner Wimmer: Edith Stein. In: Vier jüdische Philosophinnen. Leipzig 1996, S. 228
  7. Lukas Mihr: Ad maiora mala vitanda – Das Beispiel der Niederlande (abgerufen 23. Juni 2013)
  8. Gedenkfeier für Edith Stein in Auschwitz-Birkenau. Patronin Europas und Frauenrechtlerin. Interview mit Stefan Dartmann, SJ, anlässlich der Predigt von Kardinal Meisner zum 70. Todestag Edith Steins im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Domradio, 8. September 2012.
  9. In re Holocaust Victim Assets Litigation Case No. CV96-4849 Certified Denial, abgerufen am 16. März 2016
  10. Lars U. Scholl: Bernstein, Arnold. In: Hamburgische Biografie, Band 5, Wallstein, Göttingen 2010, S. 48–50.
  11. New York Times: Deaths TRITELL, ANITA (NEE SORKOWITZ), 19. August 1998
  12. Gegen das Vergessen: Wir erinnern an Ehepaar Zorek, abgerufen am 16. März 2016
  13. Story of Survival: Warren Zorek, abgerufen am 16. März 2016


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