Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

Liste der Stolpersteine in Berlin-Mariendorf

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Liste der Stolpersteine in Berlin-Mariendorf enthält die Stolpersteine im Berliner Ortsteil Mariendorf im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.

Bild Name Standort Verlegedatum Leben
Stolperstein Hochfeilerweg 23a (Mard) Eva-Maria Buch.jpg Buch, Eva-MariaEva-Maria Buch Hochfeilerweg 23a 07. Mrz. 2009 Eva-Maria Buch wurde am 31. Januar 1921 in Berlin geboren und wohnte zuletzt seit 1935 in Mariendorf im Hochfeilerweg 23a. 1941 lernet sie über ihre Arbeit in einem Antiquariat den KPD-Funktionär Wilhelm Guddorf kennen und bekam so Kontakt zu einer Widerstandsgruppe der Roten Kapelle um Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack. Außerdem war sie als Sprachlehrerin an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin tätig und übersetzte Artikel der für ausländische Zwangsarbeiter bestimmten illegalen Zeitung „Die innere Front”, bei deren Verbreitung sie half. Nach der Aufdeckung der Gruppe durch die Gestapo wurde Eva-Maria Buch am 11. Oktober 1942 verhaftet. Die Hauptverhandlung vor dem 2. Senat des Reichskriegsgerichts gegen Eva-Maria Buch, und viele weitere Mitglieder der Widerstandsgruppe, fand vom 1. bis zum 3. Februar 1943 statt. Die Anklage lautete auf „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens und Feindbegünstigung”, sie wurde deswegen (wie fast alle anderen Mitglieder ihrer Widerstandsgruppe) am 3. Februar 1943 zum Tode verurteilt. Ein Begnadigungsgesuch ihrer Eltern wurde durch Adolf Hitler persönlich am 21. Juli 1943 abgelehnt, am 5. August 1943 ist sie im Alter von 22 Jahren im Zuchthaus Plötzensee durch das Fallbeil hingerichtet worden. Eva-Maria Buch, Hochfeilerweg 23a52.42777813.396111
Stolperstein Königstr 29 (Mard) Gerti Davidsohn.jpg Davidsohn, GertiGerti Davidsohn Königstraße 29 07. Mrz. 2009 Gerti Davidsohn wurde am 7. Juni 1885 als Gerti Tann in Geierswalde im Kreis Osterode in Ostpreußen geboren. Am 3. Oktober 1925 Hochzeit mit Richard Davidsohn und seit 1929 wohnhaft in Mariendorf. Sie betrieb gemeinsam mit ihrem Mann ein Bekleidungsgeschäft, das im Erdgeschoss ihres, dann im Zweiten Weltkrieg zerstörten, Wohnhauses lag. Da die Front mit zwei Schaufenstern sowie der Eingang zur Chausseestraße (nach 1949 Mariendorfer Damm) lagen, galt als Adresse Chausseestraße 32. Um 1934 wurde die Familie gezwungen, in eine kleinere Wohnung in der Kurfürstenstraße 65 umzuziehen. Am 19. Januar 1942 wurde Gerti Davidsohn mit ihrem Ehemann Richard und 577 weiteren Jüdinnen und Juden aus Berlin mit dem 9. Ost-Transport in das KZ Riga-Kaiserwald deportiert. Weil das genaue Datum ihrer Ermordung nicht geklärt werden konnte, wurde sie mit dem Datum 8. Mai 1945 offiziell für tot erklärt. Das Ehepaar hatte drei Söhne: Der am 10. November 1903 geborene Martin Davidsohn wurde Bankbeamter, er starb 1929 bei einem Eisenbahnunfall. 1907 kam Helmut Davidsohn zur Welt. Er flüchtete vor der Gestapo über London nach Südafrika, wo er am 23. Januar 1944 an Entkräftung starb. Am 29. September 1910 wurde der dritte Sohn Egon geboren, der als einziges Familienmitglied überlebte. Er war 1936 ebenfalls nach Südafrika geflohen und lebte dort in Port Elizabeth.[1] Gerti Davidsohn, Königstr 2952.44670613.385288
Stolperstein Königstr 29 (Mard) Richard Davidsohn.jpg Davidsohn, RichardRichard Davidsohn Königstraße 29 07. Mrz. 2009 Richard Davidsohn wurde am 6. März 1873 in Preußisch Stargard geboren. Er war seit 4. Oktober 1925 mit Gerti Davidsohn verheiratet und zog 1929 mit ihr zusammen nach Mariendorf in die Königstraße 29. Zunächst arbeitete er als gelernter Bekleidungskaufmann angestellt in einem Bekleidungsgeschäft und machte sich durch die Übernahme eines Geschäfts in Zehlendorf selbstständig. Danach betrieb er gemeinsam mit seiner Ehefrau Gerti ein Bekleidungshaus in der Chausseestraße 32 (Ecke Königstraße 29) im selben Haus, in dem die Familie auch wohnte. Im „Jüdischen Adressbuch für Groß-Berlin” von 1929/30 findet sich der Eintrag „Richard Davidsohn, Kaufmann”. Der Geschäftsbetrieb konnte auch noch nach dem Judenboykott im Jahr 1933 aufrechterhalten werden. Trotz der Beschränkung der Erwerbstätigkeit aufgrund der Nürnberger Gesetze bestand es nach vorliegenden Informationen bis 1940 und musste dann aber aufgegeben werden. Zusätzlich zu der Einschränkung seiner Erwerbstätigkeit musste Richard Davidsohn seit dem 19. September 1941 auch den Judenstern tragen. Am 19. Januar 1942 wurde Richard Davidsohn mit seiner Ehefrau Gerti und 577 weiteren Jüdinnen und Juden aus Berlin mit dem 9. Ost-Transport in das KZ Riga-Kaiserwald deportiert. Weil das genaue Datum seiner Ermordung nicht geklärt werden konnte, wurde er mit Datum 8. Mai 1945 offiziell für tot erklärt.[2] Richard Davidsohn, Königstr 2952.44670513.385287
Stolperstein Äneasstr 8 (Mard) Erich Gentsch.jpg Gentsch, ErichErich Gentsch Äneasstraße 8 17. Nov. 2008 Erich Gentsch wurde am 1. August 1893 in Altenburg geboren. Er war ein Kommunist und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. 1911 Eintritt in die SPD und 1918 in die KPD. 1920 Betriebsratsvorsitzender bei der Daimler AG in Stuttgart. 1925 bis 1927 Redakteur der Roten Fahne. 1925 wegen Beleidigung der Regierung zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. 1930 zum Ersten Sekretär und Bezirksausschussleiter der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO) in Berlin-Brandenburg und Mitte Januar 1933 zum Vorsitzenden des Einheitsverbands der Metallarbeiter Berlins (EVMB) gewählt. Nach zwei kurzen Festnahmen Anfang 1933 wurde er nach der Wahl im März zum Stadtverordnetem in Berlin im April wieder verhaftet. Bis September 1933 inhaftiert im Strafgefängnis Berlin-Spandau und im KZ Sonnenburg. 1934 Emigration in das Saargebiet und Beteiligung am Abstimmungskampf gegen den Anschluss an das Deutsche Reich. 1935 leitete er von Prag aus die Grenzarbeit der KPD und übernahm dann von April 1936 bis 1939 die Abschnittsleitung der KPD in Amsterdam. Nach Kriegsausbruch führte er die illegale Arbeit von Amsterdam aus weiter. Am 23. April 1943 wurde Erich Gentsch und seine Frau von der Gestapo verhaftet, er selbst wurde am 23. Juni 1944 in Nürnberg zum Tode verurteilt und am 24. August 1944 in Stuttgart auf dem Schafott enthauptet. Gentschs Frau Erna kam am 5. Februar 1945 im KZ Ravensbrück ums Leben.[3] Erich Gentsch, Äneasstraße 852.44638913.399444
Stolperstein Richterstr 48 (Mard) Günther Keil.jpg Keil, GüntherGünther Keil Richterstraße 48 07. Mrz. 2009 Günther Keil wurde am 5. April 1909 in Berlin-Kreuzberg geboren. Der Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime war gelernter Verkäufer, seit 1925 Mitglied im Jungbanner, 1928 der SPD und nach 1931 in der SAPD. Für die SAPD war er bis zum Verbot 1933 Ortsvorsitzender in Tempelhof. Danach arbeitete er illegal und leitete den Schutzbund der SAPD und war außerdem verantwortlich für Kurierdienste zwischen Berlin und der Tschechoslowakei, von wo aus der Widerstand organisiert wurde. Nach Entdeckung durch die Gestapo wurde er am November 1933 verhaftet und in einem Charlottenburger SA-Gefängnis schwer misshandelt. Am 1. Dezember 1933 kam er ins KZ Columbia-Haus, wo er ein Jahr lang weiter schwer gefoltert wurde. Danach Verlegung in das KZ Oranienburg und ebenfalls schwere Misshandlungen. Prozess am Volksgerichtshof gegen ihn und andere SAPD-Angehörige vom 26. November bis 1. Dezember 1934, er wurde zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Nach der Entlassung 1936 war er ein kranker Mann und starb am 18. August 1937 in dem Tuberkulose-Krankenhaus Waldhaus Charlottenburg in Beetz-Sommerfeld an den Folgen der Folter. Er wurde auf dem Friedhof Mariendorf in der Friedenstraße beigesetzt.[4] Günther Keil, Richterstr 452.44247313.382977
Stolperstein Dirschelweg 16 (Mard) Kurt Rühlmann.jpg Rühlmann, KurtKurt Rühlmann Dirschelweg 16 17. Nov. 2008 Kurt Rühlmann wurde am 26. April 1903 in Beelitz geboren. Er war technischer Angestellter, Mitglied im Deutschen Metallarbeiter-Verband, der Internationalen Arbeiterhilfe und seit 1928, in der KPD (später auch als Funktionär). Als Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime war er seit 1936 in der Askania Werke AG in Berlin-Weissensee tätig, nahm als Mitglied der Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation an Beratungen über die Widerstandsarbeit gegen die Rüstungsproduktion in den Askania Werken teil und verbreitete Flugschriften. Er wurde am 28. Juli 1944 verhaftet, am 30. November 1944 vor dem Volksgerichtshof angeklagt und am 8. Januar 1945 zum Tode verurteilt. Seine Hinrichtung erfolgte Anfang 1945 im Zuchthaus Brandenburg. Kurt Rühlmann, Dirschelweg 1652.44522313.398586

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Broschüre Stolpersteine an der B 96. (PDF; 702 KB) Stolpersteine an der B 96 – Gedenken in Berlin Tempelhof-Schöneberg e.V., S. 7, abgerufen am 1. Februar 2013.
  2. Broschüre Stolpersteine an der B 96. (PDF; 702 KB) Stolpersteine an der B 96 – Gedenken in Berlin Tempelhof-Schöneberg e.V., S. 8, abgerufen am 1. Februar 2013.
  3. Mitgliederrundbrief 60. (PDF; 493 KB) Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V., Januar 2009, S. 9, abgerufen am 1. Februar 2013.
  4. Broschüre Stolpersteine an der B 96. (PDF; 702 KB) Stolpersteine an der B 96 – Gedenken in Berlin Tempelhof-Schöneberg e.V., S. 5–6, abgerufen am 1. Februar 2013.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Liste der Stolpersteine in Berlin-Mariendorf aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.